„Ich käme mir als Lügner vor, wenn ich fromme Sprüche predigen, aber nichts gegen die Zustände hier unternehmen würde.“

Pater Gerhard (46), Mandeni, Südafrika

BLIZZ-Serie Heimweh. Heute Teil 130:

Der Regensburger Clemens Lagleder folgte seiner inneren Stimme und wurde Missionar

Helfer Gottes in Südafrika

Von EVA PIERINGER

Regensburg/Mandeni – Ursprünglich wollte Clemens Lagleder Arzt werden. „Doch ich merkte, dass die Menschen oft viel dringender einen Doktor für die Seele als für den Körper brauchen“, sagt er zurückblickend. So wurde aus Clemens Lagleder Pater Gerhard. Heute kämpft der 46-jährige als Missionar in Südafrika gegen bitterste Not.
„Es war ein unheimlich schwerer Schritt dorthin zu gehen“, erzählt der gebürtige Regensburger. Seine Mutter Thilde wusste zu jenem Zeitpunkt bereits, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt war und bald sterben würde. Doch jetzt sollte sich endlich sein Lebenstraum zu erfüllen. Deshalb nahm der Sohn den Auftrag an: Er wurde Missionar. Unter Tränen trennte er sich von der todkranken Mutter, dem Vater, seinem Bruder, der Schwester und bestieg das Flugzeug nach Südafrika.
In Mandeni, einer Gegend mit rund 250.000 Einwohnern angekommen, weiß der junge Mann gar nicht, wo er mit der Arbeit anfangen soll.


Pater Gerhard hält den 1 1/2-jährigen Bongani im Arm. Die Mutter des Kindes starb an Aids und Tuberkulose. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist auch Bongani bereits HIV-positiv.

Plötzlich sieht er sich mit schlimmster Armut konfrontiert und Aids, das hier mehr verbreitet ist als sonst auf der Welt. Pater Gerhard: „Ich käme mir als Lügner vor, wenn ich fromme Sprüche predigen, aber nichts gegen die Zustände hier unternehmen würde.“
Lagleder gründet eine Hilfsorganisation des Malteser Ordens in seiner neuen Heimat. Wie schon früher in seiner Heimat bildet er auch dort inzwischen Pflegekräfte aus.
Die Malteser begleiten den Missionar schon seit seiner Jugend: „Sie haben mein Leben geprägt“. Clemens wählte sich daher später auch Gerhard, den Namen des Gründers des Malteserordens, als Ordensnamen bei den Missionsbenediktinern, denen er angehört. Mit engagierten Einheimischen in seiner Gemeinde versucht der junge Priester zu helfen so gut er kann: Spenden werden gesammelt, für den Bau eines Kindergartens und eines Hospiz-Zentrums, das momentan sogar erweitert wird. Außerdem entsteht ein Kinderheim.
Das Geld für die Projekte ist knapp, deshalb freut sich Lagleder über jede finanzielle Hilfe. (Spendenkonto Nr. 12021, Sparkasse Neuburg-Rain, BLZ: 721 520 70, eine Spendenquittung wird ausgestellt. Mehr über die Arbeit unter http://bbg.org.za ).
Mit 14 hatte Clemens Lagleder zum ersten Mal Kontakt mit den Leuten vom Malteser-Hilfsdienst: Eine Freundin der Familie hatte den Bub zu einem Erste-Hilfe-Kurs mitgenommen. Der beeindruckte ihn so, dass er nicht mehr zu halten war: „Ich wollte um jeden Preis Sanitäter sein.“ Nach langem Bitten und Betteln ließen die Eltern den Sohn Malteser-Mitglied werden. Sie sind selbst sehr sozial eingestellt und arbeiten in der Pfarrei aktiv mit.
Pater Gerhard: „Ab diesem Moment war meine Kindheit vorbei.“


Clemens' erster Schultag am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium.

Der Schüler am Albrecht Altdorfer Gymnasium wollte den erwachsenen Malteser-Kollegen nacheifern und absolvierte alle Ausbildungen, die nur möglich waren: Vom ABC-Schutzkurs, über den Pflegedienst- und Ausbilderkurse bis zu sämtlichen Sanitätskursen. „Gleichaltrige Freunde interessierten mich nicht mehr. Ich war froh, wenn ich für die Malteser nur das Auto waschen durfte!“. Anders als die Kameraden verdiente sich der Teenager zusätzliches Taschengeld nicht mit Jobs wie Zeitung austragen oder Kellnern, sondern er bemühte sich um Wochenend- und Feriendienste im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Oft auch in der Nachtschicht.
„Manchmal saß ich stundenlang am Bett eines Patienten, hörte mir dessen Sorgen und Ängste an, oft ganze Lebensbeichten“, erinnert sich der Regensburger.
„Ich hätte so gerne geholfen. Hätte gerne gesagt: Deine Sünden seien dir vergeben.“ Clemens Lagleder fühlte sich immer mehr zur Seelsorge hingezogen. Deshalb war 1976 nach dem Abitur das Theologiestudium an der Universität Regensburg fast eine Selbstverständlichkeit. Mit der Berufswahl war sich der junge Mann allerdings nicht sicher: „Ich war kein überfrommer Mensch.“
Clemens ist zwar christlich erzogen worden, doch seine Mutter hielt nicht viel von „frömmlerischem Getue“. Ihr Motto: Glauben muss man auch in Taten zeigen. Eine ihrer Taten in Regensburg: Die Gründung der Telefonkontaktbrücke, einer Gemeinschaft, die für Kranke und Einsame Telefon-Rundrufe organisiert, um Freundschaften untereinander zu knüpfen und damit jeder weiß, wie es dem anderen geht. Für Clemens keine Frage, auch dort half er aus. Außerdem engagierte er sich als Ministrant in der Dompfarrei.
Was will Gott eigentlich von mir? Diese Frage verfolgte den Studenten permanent. „Ich wollte unbedingt meine medizinischen Kenntnisse einsetzen, aber mich auch ganz für Gott entscheiden.“
Gegen Ende des Studiums informierte er sich bei sämtlichen Missionsorden in Deutschland. Clemens Lagleder wollte sie alle kennenlernen.


Dr. Rudolf Graber weiht am 26. Juni 1982 Clemens Lagleder zum Priester.

Nach der Weihe zum Priester am 26. Juni 1982 im Regensburger Dom folgte er schließlich seinem Entschluß und trat bei den Missionsbenediktinern im oberbayerischen St. Ottilien ein.
Die Eltern reagierten fassungslos. Solch einen Lebensweg hatten sie eher vom ruhigen und besonnenen Bruder erwartet, nicht aber von ihrem lebenslustigen Clemens. Dennoch unterstützten sie den Sohn in seinem Vorhaben, standen ihm bei wo immer sie konnten.
Das erste Jahr im Kloster war eine harte Zeit für den Novizen. Der streng geregelte Tagesablauf, der bereits um 4.30 Uhr beginnt: „Ich als absoluter Langschläfer empfand das frühe Aufstehen fast unerträglich.“
Bis 20 Uhr ist der Tag ausgefüllt mit Beten und Arbeiten. Gerade zwei Stunden haben die Mönche für sich, absoluter Gehorsam ist Gebot. Auch damit tat sich der junge Mann sehr schwer: Als Malteser hatte ich stets in Eigenverantwortung gearbeitet. Da war es nicht einfach, mich unterzuordnen.“
Doch die Vorfreude auf seine Tätigkeit als Missionar und die abwechslungsreiche Arbeit als Seelsorger am Gymnasium des Ortes machten diese Unbillen wett.
1986, im Alter von 31 Jahren, legte Gerhard Lagleder die feierliche Profeß ab. Jetzt war Pater Gerhard für sein ganzes Leben durch die Ordensgelübde an seine Ordensgemeinschaft gebunden.
Nie hat der Priester an seiner Entscheidung gezweifelt: „Mit der Berufung zum Ordensleben ist das wie mit einer Liebesbeziehung. Ein Mann, der seine Frau liebt, hat in seinem Herzen keinen Platz mehr für eine andere.“ Südafrika ist für Pater Gerhard längst ein Zuhause geworden. In der Arbeit, die oft nur drei Stunden Schlaf zulässt, findet er seine Erfüllung.
Selten kommt der Missionar dazu, seine Heimatstadt zu besuchen: „Dabei hänge ich sehr an Regensburg. Doch hier habe ich meine Berufung gefunden. Mit keinem Menschen auf der Erde würde ich jemals tauschen.“


Clemens Lagleder feiert seinen ersten Geburtstag.


13. Januar 2002 · BLIZZaktuell · Seite 4


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