Chiemgau-Zeitung vom 1.12.2007


«Das Volk stirbt in meinen Händen»    von Peter Volk

Mandeni/Traunstein - Der Welt-Aids-Tag am heutigen Samstag wird weltweit zum Anlass genommen, um auf die Dimension von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, englisch für erworbenes Immundefektsyndrom) aufmerksam zu machen.

Jährlich sterben drei Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit; auf der ganzen Welt sind 40 Millionen Menschen HIV-infiziert. Die Hilfsorganisation «Brotherhood of Blessed Gérard» - der südafrikanische Malteser Hilfsdienst - versucht dort zu helfen, wo das Elend besonders groß ist. Der bayerische Benediktiner-Pater und Missionar Gerhard Lagleder, dessen Mutter eine gebürtige Traunsteinerin ist, engagiert sich seit 20 Jahren in Südafrika. Er berichtet von seinem Kampf gegen Aids.«Seit zwei Tagen versuchen wir erfolglos, jemanden zu finden, der sich für die Beerdigung verantwortlich fühlt. Die Mutter ist nicht erreichbar, die Tante haben wir ausfindig gemacht, aber sie kann und will die umgerechnet 70 Euro für die Beerdigung nicht zahlen.» Für den aus Regensburg stammenden Pater Gerhard ist das ein neuer Gipfel des Problems. Verwandte bringen ihre todkranken Angehörigen ins Hospiz und geben dabei falsche Adressen an, weil sie die Beerdigungskosten nicht mehr tragen können oder holen sie einfach nicht ab. Nur: Wer einen Angehörigen nicht angemessen bestattet, muss nach einem weit verbreiteten Volksglauben ein Leben lang die Ahnengeister fürchten - und das ist in diesem südafrikanischen Landstrich das Schlimmste, was einem passieren kann.

Die Gegend um Mandeni, rund 100 Kilometer nördlich von Durban, in der Pater Gerhard tätig ist, gilt nach internationaler Expertenmeinung als eine der von Aids am schlimmsten betroffenen Gegenden der Welt. Nach offiziellen Schätzungen sind in der Region Mandeni mehr als 60 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv. Gründe, warum dies so ist, gibt es viele: Die Hauptursache ist die weit verbreitete Promiskuität - der häufige Wechsel der Geschlechtspartner.

Unter den Opfern von Aids sind immer mehr Kinder. Ein Grund dafür ist der traditionelle Wunsch der Männer nach vielen Kindern. Fatal ist, dass viele nur an der großen Zahl von Kindern interessiert sind und keine Rücksicht auf eine Aidsinfektion der Frauen oder Kinder nehmen. Hinzu kommt, dass immer mehr Kinder und sogar Kleinkinder Opfer von Vergewaltigungen durch HIV-positive Männer werden. Sie sind Opfer des Aberglaubens, dass der Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau von Aids heile.

Hinter diesen nüchternen Fakten verbirgt sich unvorstellbare menschliche Not. Auf sie hat Pater Gerhard eine Antwort auf Grundlage christlicher Nächstenliebe gegeben. Berührt von der hautnah erfahrenen und durch Aids verursachten Not, besonders bei Kindern, gründete der jetzt 52-Jährige vor 15 Jahren die «Brotherhood of Blessed Gérard», als nationale Hilfsorganisation des Malteserordens und schuf in Mandeni ein Pflege-, Sozial- und Hospiz-Zentrum sowie elf weitere Projekte, vom Kinderheim und einer Klinik für unterernährte Kinder bis zum HIV-Aids-Aufklärungsprogramm.

Die ausschließlich aus Spendengeldern finanzierte Brotherhood ist heute Schrittmacher in der Aids-Bekämpfung mit dem größten Hospiz des Landes. Dort wird ein menschenwürdiges Sterben ermöglicht - gewaschen und gepflegt, in sauberer Kleidung in einem frisch bezogenen Bett und in Begleitung eines Helfers.

Die Bruderschaft hat inzwischen über 1000 fördernde Mitglieder in aller Welt, vor allem aber auch in Südafrika. Fast 700 ehrenamtliche Helfer, darunter über 200 ausgebildete ehrenamtliche Pflegekräfte aus der Region Mandeni, arbeiten bei dem Projekt mit. «Wir sind sehr dankbar für die finanzielle Hilfe aus Deutschland, langfristig entscheidend für den Erfolg des Projektes ist jedoch, dass Südafrikaner Südafrikanern helfen», so Pater Gerhard, der als Präsident der Bruderschaft einziger Ausländer im ansonsten südafrikanischen Vorstand der Hilfsorganisation sitzt.

Die Brotherhood of Blessed Gérard wird das Aids-Problem Südafrikas nicht lösen, aber es wird beispielhaft gezeigt wie es gehen kann. «Hier stirbt ein ganzes Volk, und hier, wo ich sterbende Säuglinge auf dem Arm halte, wo täglich junge Menschen an Aids sterben, da stirbt das Volk nicht nur in meinen Händen, sondern auch in meinem Herzen», beschreibt Lagleder seine Gefühle.

Die Malteser im Landkreis Traunstein verbindet seit Jahren eine enge Partnerschaft mit Pater Lagleder und den südafrikanischen Maltesern. Weitere Infos unter Telefon 0861/986600, E-Mail:info@malteser-traunstein.de.

Messe in afrikanischer Liturgie

Schüler der Traunsteiner Maria-Ward-Realschule Sparz gestalten zum Welt-Aids-Tag heute um 17 Uhr in der Kirche St. Georg und Katharina im nördlichen Parkteil einen Gottesdienst mit Elementen afrikanischer Liturgie.

 


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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