Donnerstag, 17. Januar 2008MAGAZIN


Nummer 14

Konzentriert verfolgen die Kinder die Vorlesestunde mit Susanne Stauffer. Die Oberpfälzerin aus Ebnath im Landkreis Tirschenreuth betreut nun schon seit 2004 Kinder und Kranke in Südafrika. Der Sozialdient war in der Lebensplanung eigentlich nicht vorgesehen. Nach Abitur in Marktredwitz und dem Besuch der Fachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg schloss sie ein  Musik- und Tanzpädagogik-Studium am Mozarteum in Salzburg ab.

Bilder: Tautz (3)

Sie ist gekommen, um zu bleiben

Susanne Stauffer aus Ebnath kümmert sich seit Jahren um Kinder und Kranke im Zulu-Land

Von Gregor Tautz


Jeden Morgen um 6 Uhr der Lärm von 39 Kindern vor ihrer Tür. Abends gegen 20 Uhr, wenn alle Kinder im Bett sind, die Finanzverwaltung für eine vielfältige Hilfsorganisation in Südafrika mit etwa 40 Festangestellten und Hunderten Ehrenamtlichen: Wenn jemand vor sechs Jahren der heute 28-jährigen Susanne Stauffer einen  solchen Alltag  vorausgesagt hätte, dann hätte sie ihm auf gut Oberpfälzisch wohl erklärt, dass er spinnt.

2002 studierte die Ebnatherin in Salzburg am Mozarteum Musik und Musik- und Tanzpädagogik. Ein  Artikel im damaligen Bistumsblatt mit der Überschrift „Zum Sterben bringen sie die Kinder mit“, hatte ihr Interesse geweckt. Er schilderte die Arbeit der „Brotherhood of Blessed Gérard“ im Zulu-Land in Südafrika. Sie beschloss, nach Abschluss des Studiums ein Jahr lang zu helfen. Im September 2004 flog sie dann als Freiwillige ins Hospiz und ins Kinderheim nach Mandeni in der Nähe von Durban.

AIDS weit verbreitet

Selbst im schwer betroffenen Südafrika  gilt diese Gegend als eine absolute Hochburg von AIDS. Im Hospiz werden seit 1996 AIDS-Kranke jeden Alters gepflegt. Menschen aller Religionen, die bis dahin oft nur wenig Zuwendung und Liebe erfahren haben, sollen erleben: „Aus liebenden Händen von Menschen gehen wir in die liebenden Hände Gottes“.

SPENDENKONTO

Das Kinderheim und ein Netz weiterer Einrichtungen werden getragen von der südafrikanischen „Brotherhood of Blessed Gérard“. Sie ist benannt nach dem Seligen Gérard, der vor 900 Jahren den Malteserorden gegründet hat und sich in Jerusalem Kranker und Sterbender annahm. Die Bruderschaft ist auch die Hilfsorganisation des Malteser-Ritterordens in Südafrika.

Spendenkonto: Konto 12021 bei der Sparkasse Neuburg-Rain (BLZ: 721 520 70) Spendenquittungen werden bei vollständiger Absenderangabe gerne erstellt.

Weitere Informationen im Internet unter: www.bbg.org.za oder bei Gregor Tautz, Tel.: (09405) 30 30 (privat) oder (09443) 9 18 42 24 während des Tages 

Immer wieder brachten todkranke Mütter ihre Kinder mit ins Hospiz. Wem sollten solche verzweifelten Frauen ihre meist noch kleinen Babys anvertrauen?

Der tatkräftige Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder, der zusammen mit Südafrikanern das Hospiz  gegründet hat, errichtete deshalb auch ein Kinderheim. Der Pater hat übrigens 1976 in Weiden Abitur gemacht und dort den Malteser Hilfsdienst aufgebaut.

Wenn eine Mutter bei uns stirbt, soll sie wenigstens ihr Kind in guten Händen wissen.

Susanne Stauffer

An diesen sozialen Brennpunkt im Zulu-Land ist Susanne Stauffer nach ihrem Studium vor gut drei Jahren gekommen. Im Care-Zentrum hat sie die ganze Bandbreite der Arbeit vom Hospiz über das Kinderheim, die AIDS-Prävention, die Sozialarbeit, die medizinische Versorgung und auch die Seelsorge kennen gelernt, die als Basis hinter all den Aktivitäten steht.

300 Patienten durchlaufen zum Beispiel eine so genannte „Hoch-Aktive Anti-Retro-virale Therapie (HAART)“ Diese Medikamente können AIDS nicht heilen, aber das Leben um Jahrzehnte verlängern – allerdings nur, wenn sie peinlich genau alle 12 Stunden eingenommen werden. Falls die Therapie erfolgreich ist, können Mütter sich selbst um ihre Kinder kümmern, Väter weiter für die Familie sorgen. Auch Großmütter, die sich oft bei der Pflege ihrer eigenen Kinder mit Aids infiziert haben, können selbst ihre Enkel großziehen.


Die Zuneigung zwischen "Susi" und den Kindern ist spürbar.

Wenn das nicht gelingt, ist „Susi“ - wie alle Kinder sie liebevoll nennen – zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen im Drei-Schicht-Betrieb der rettende Anker. „Unter unseren Kindern sind Aids-Waisen, aber auch Kinder, die von den Eltern misshandelt oder vernachlässigt worden sind. Andere sind als Babys anonym ausgesetzt worden“, beschreibt Susanne Stauffer die schwere Hypothek „ihrer“ Zöglinge. Derzeit leben 39 Kinder im Alter zwischen 5 Monaten und 15 Jahren im Heim, darunter auch einige Behinderte. Auch so genannte „Kinderfamilien“ treten immer häufiger auf. Das bedeutet, dass beide Eltern gestorben sind und sich etwa 13- oder 14-jährige Buben und Mädchen um ihre jüngeren Geschwister kümmern.

Aus dem geplanten einen Jahr in Südafrika ist für Susanne Stauffer zunächst ein zweites geworden. „Ich bin kurz heimgefahren, habe das Visum verlängert und bin gleich wieder gekommen“. Am 6. April 2006 wurde die Leiterin des Kinderheims, Clare Kalkwarf, brutal in ihrem Haus von Einbrechern ermordet. Seitdem leitet Susanne Stauffer das Kinderheim. Im Lauf der Zeit hat sich auch in die Finanzverwaltung der gesamten Bruderschaft eingearbeitet, für die sie inzwischen verantwortlich ist.

Auf die Frage, wie lange sie noch bleiben wird, gibt Susanne Stauffer ohne Zögern und von ganzem Herzen die Antwort: „Ich kann doch meine 39 Kinder nicht alleine lassen. Ich liebe sie alle und ich glaube sie mögen mich auch.“ Dass die ihre Susi ins Herz geschlossen haben, lässt sich tagtäglich erleben. Ob sie mit den Kleinsten spielt, den Größeren vorliest oder mit ihnen Hausaufgaben macht: Immer ist sie trotz vielfältiger Belastung ganz bei der Sache. Bei 39 Kindern auf engstem Raum geht es natürlich nicht ohne Disziplin.

Mit der Enge wird es im Frühjahr ein Ende haben. Derzeit werden für die zehn ältesten Jugendlichen Räume für eine Wohngruppe gebaut. „In kleinen Zweibettzimmern haben sie dann mehr Privatsphäre und müssen für sich selbst Kochen, Waschen oder Einkaufen.  Das ist Vorbereitung für das selbständige Leben als Erwachsene“, freut sich Susanne Stauffer auf die neuen Chancen. Auch die Babys, die zur Zeit noch zu acht in einem Zimmer untergebracht sind, finden dann mehr Platz. Ein größerer Speiseraum, ein Studiersaal und ein größerer Aufenthaltsraum sind ebenso in Bau.


Noch regnet es auf der Baustelle im Zulu-Land. Bald schon sollen die Bauarbeiter wieder anrücken, um die Erweiterung des Kinderheims und des Hospizes voran zu treiben.

Etwa 100 000 Euro fehlen

Mit Blick auf die Zukunft liegt auf dem ersten Stock des Erweiterungsbaus keine Holzdecke, sondern solider Beton. Es stehen auch schon die nackten Außenwände für einen zweiten Stock und eine künftige Erweiterung um 24 Betten. „Die Kinder werden älter und brauchen mehr Platz. Wenn morgen ein Baby ausgesetzt wird, wollen wir es nicht zurückweisen. Wenn eine Mutter bei uns stirbt, soll sie wenigstens ihr Kind in guten Händen wissen“, begründet Susanne Stauffer die Erweiterung. „Wann wir diese Räume ausbauen können, hängt allerdings von Spenden ab“, wirbt sie für Unterstützung aus der Oberpfälzer Heimat. Etwa 100 000 Euro fehlen noch.

Über Weihnachten war es ruhig auf der Baustelle. Jetzt, Mitte Januar, rücken dann wieder die Bauarbeiter an.


Der Neue Tag · Donnerstag, 17. Januar 2008


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Diese Seite wurde am 24.12.2004 erstellt. Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 21:57:08