24    Nummer 157STADT WEIDEN


SA., 11. / SO., 12.JULI 2009

Fußball-WM 2010 vor der Haustür

Aber doch ganz andere Sorgen: Wirtschaftskrise bedroht Pater Gerhards Mission in Südafrika


Hilfe für die Ärmsten der Armen - und auch schon mal die Kleinsten der Kleinen: Pater Gerhard Lagleder - zu seiner Jugendzeit in Weiden als Clemens Lagleder bekannt - begann seine Missionsarbeit in Südafrika vor 22 Jahren. Inzwischen betreibt er ein großes Sozialzentrum in Mandeni, nur 100 Kilometer entfernt vom WM-Spielort Durban.

Weiden. (rg) Die Fußball-WM 2010 spielt sich vor seiner Haustür ab. Gerade mal 100 Kilometer müsste Pater Gerhard Lagleder reisen, um von seinem Sozialzentrum in Mandeni zum "Moses Mabidha Stadion" in Durban zu gelangen. Der Missionar schwärmt: "Die Weltmeisterschaft ist ein Gewinn fürs Land."

"Unendlich dankbar" müssten die Südafrikaner für dieses Sportereignis sein, meint der 54-Jährige. "Es wird gebaut, es entsteht Infrastruktur, es gibt neue Arbeitsplätze." Weshalb der Benediktiner dennoch nicht "live im Stadion" mitfiebern will?"Ich interessiere mich leider überhaupt nicht für Fußball."


Der Fokus richtet sich auch auf die Probleme des Landes. Und das größte Problem ist Aids.

Pater Gerhard über die Bedeutung der Fußball-WM für Südafrika.
Seit zweieinhalb Monaten hält sich der ehemalige Augustinus-Gymnasiast und Gründer des Weidener Malteser-Hilfsdienstes (1974) wieder in der Oberpfalz auf. Man könnte das "Heimaturlaub" nennen, doch das wäre nicht ganz richtig. Unter anderem deshalb, weil Pater Gerhard ständig Vorträge hält (wie am Montagabend beim Lions Club Neustadt/WN in Weiherhammer) und mit möglichen Partnern in ganz Deutschland verhandelt, um Spenden für seine Hilfsprojekte zu akquirieren. Die Unterstützung ist nötiger denn je. Wegen der Weltwirtschaftskrise. "Es wird immer schwieriger, sowohl bei den großen als auch den kleinen Spenden."

Kampf gegen Aids

Pater Gerhard begann seine Missionsarbeit in Südafrika vor 22 Jahren. Nur mit Spenden baute er in Mandeni aus bescheidenen Anfängen ein stattliches Sozialzentrum mit 70 hauptamtlichen und 1000 ehrenamtlichen Mitarbeitern auf, das ein Heim für Waisen und misshandelte Kinder ebenso umfasst wie einen Kindergarten für sozial Benachteiligte sowie ein Pflege- und Hospizzentrum, in dem vor allem Aidskranke Asyl finden. Noch ein Grund, weshalb der Präsident der "Brotherhood of Blessed Gérard" die WM in Südafrika als große Chance begreift: "Der Fokus richtet sich auch auf die Probleme des Landes. Und das größte Problem ist Aids."

2003 stieg das Sozialzentrum in die Aids-Behandlung ein. Die Medikamente können den Ausbruch der Krankheit bis zu 25 Jahre lang blocken. 600 Patienten befinden sich in Beratung. Doch die Fördergelder reichen nur, um 230 von ihnen mit den Medikamenten zu versorgen. Pater Gerhard wirbt daher für "Patenschaften": Unternehmen, Schulen, Pfarrgemeinderäte oder Vereine, die 150 Euro spenden, finanzieren damit die Behandlung eines infizierten Südafrikaners während eines Monats. Zudem gehen Pater Gerhard und seine Helfer sogar in Fabriken, um aktive Aufklärung zu leisten und anonyme und kostenlose HIV-Tests anzubieten. "Von sich aus kommen die Leute nicht", weiß er. "Sie haben Angst, dass man mit dem Finger auf sie zeigt."

HINTERGRUND

Pater Gerhard:
Spenden erwünscht

Wer die Missionsarbeit von Pater Gerhard Lagleder in Südafrika unterstützen will, kann dies unter anderem mit seiner Mitgliedschaft in der Brotherhood of Blessed Gérard tun. Der Bruder des Geistlichen leitet den Förderverein. Kontakt: Bruderschaft des Seligen Gerhard, Johannes Lagleder, Eichstätter Straße 34, 86633 Neuburg. Fax: 08431/644114. Hier gibt es auch Infos über eine Patenschaft zur Aids-Behandlung.

Spenden sind auf folgendes Konto möglich: Bruderschaft des Seligen Gerhard e.V., Kontonummer 12021, Sparkasse Neuburg-Rain, Bankleitzahl 721 520 70 (Spendenquittung folgt nach genauer Absenderangabe).

Weitere Informationen im Internet: bbg.org.za 

Beim Ausbau 2007 und 2008 wuchs das "Care Centre" der "Brotherhood of Blessed Gérard" um 1000 auf 3000 Quadratmeter Grundfläche.

Sozialzentrum ausgebaut

2007 und 2008 hat die "Brotherhood of Blessed Gérard" das Sozialzentrum ausgebaut, die Fläche um ein Drittel auf 3000 Quadratmeter vergrößert. "Wir haben vor allem das Kinderheim erweitert, die Qualität des Ganzen verbessert", erzählt der Pater. "Es gibt neue Speise- und Spielräume." 50 Kinder finden Platz. Ein Anbau für 27 weitere Buben und Mädchen ist in Planung. Wobei der Chef mit Blick auf die Spendenlage warnt: "Wir dürfen nicht immer nur expandieren. Es muss auch finanzierbar bleiben." Pater Gerhard, der nach wie vor den Dialekt eines gestandenen Bayers pflegt, ist inzwischen der einzige Deutsche im Sozialzentrum. Und auch der ist gerade nicht anwesend, sondern verbringt Ferien in der fernen Oberpfalz. Der Urlauber freut sich: weil er gerade mal eine E-Mail pro Woche aus Mandeni erhält. Denn das bedeutet: "Es läuft auch ohne mich gut weiter. So soll es sein. Es ist ein Zeichen der Nachhaltigkeit". Der 54-Jährige hatte sein Projekt von Anfang an als südafrikanische Hilfsmission konzipiert. "Wir wollten die Einheimischen befähigen, die Mission zu betreiben. Diese Selbstständigkeit ist erreicht."

Dennoch wird es ihm jetzt "ziemlich lang" in Deutschland, wie er sagt. Von wegen "Heimaturlaub": "Ich will wieder heim", bekennt Pater Gerhard. Heim nach Südafrika. Einen knappen Monat muss er noch aushalten. "Aber meine Aufgaben in Mandeni fehlen mir schon sehr. Wissen Sie, ich habe doch eine Vaterrolle für diese Kinder."

Ob man den Pater nicht doch erspäht im nächsten Jahr? Auf der Tribüne des 70 000-Zuschauer-Stadions in Durban, bei der Liveübertragung eines WM-Spiels?

Der 54-Jährige winkt ab: "Völlig ausgeschlossen. Ich habe wirklich Wichtigeres zu tun als ins Stadion zu gehen und einen Haufen Geld für ein Ticket auszugeben."


Der Neue Tag · Samstag, 11. / Sonntag, 12. Juli 2009


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Diese Seite wurde am 24.12.2004 erstellt. Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 21:57:24