Donaukurier

Nr. 84, Donnerstag, 10. April 2008


Missionar im Zululand

Neuburg (DK) Seit 20 Jahren wirkt Clemens Lagleder in Südafrika. Dort kennt man ihn als Pater Gerhard. Der 52-Jährige ist Missionar für die Malteser-Organisation „Brotherhood of Blessed Gérard" und hilft Waisen und Aidskranken. Das Versorgungscenter in Mandeni in Zululand soll jetzt erweitert werden.

Pater Gerhards unermüdlicher Kampf gegen Aids im Zululand

Neuburg (pes) Schon in seinen Jugendjahren engagierte sich Clemens Lagleder beim Malteser Hilfsdienst, half im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Das ist lange her. Lange her auch, dass er dem Orden der Benediktiner in St. Ottilien beigetreten ist und sich mit felsenfester Überzeugung für eine Zukunft als Missionar entschieden hat. Die Ordensoberen entsandten ihn nach Südafrika. In Mandeni, einer Industriestadt im südlichen Zululand, wirkt der 52-Jährige seit 20 Jahren als Seelsorger. Und ist unter seinem Ordensnamen Pater Gerhard mittlerweile zu einer Symbolfigur der unbürokratischen Hilfe und der Mitmenschlichkeit für viele der rund 150000 Einwohner geworden.

„Das ist seine Lebensaufgabe", erklärt sein zwei Jahre älterer Bruder Johannes Lagleder, der Oberstudienrat am Descartes-Gymnasium ist und zu Clemens am anderen Ende der Welt intensiven Kontakt, vorwiegend über E-Mails, hält. Er versucht, die Arbeit seines Bruders in der Brotherhood of Blessed Gérard, der Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika, in Bayern, in der Region zu unterstützen. Seine Kräfte setzt der Seelsorger in Zululand vor allem im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids ein.

Ahnengeisterreligion

„Das ist dort eine Volkskrankheit. 79 Prozent der Testpersonen sind HIV-positiv. Das ist eine der höchsten Quoten in ganz Afrika", erklärt Johannes Lagleder. Zuletzt besuchte er seinen Bruder im Sommer 2006 in Zululand, war erschüttert über die Armut und die Not der Menschen. Zwar gebe es dort eine relativ starke katholische Gruppierung, der Rest der Bevölkerung aber glaube noch an die Ahnengeisterreligionen, glaube, dass „Aids einem angehext wird und dass nur der Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau Heilung verspricht." Das führe dann dazu, dass zum Teil Mädchen mit fünf oder sechs Jahren vergewaltigt und Aidskranke wie Aussätzige behandelt würden.

Ein Hort für Kranke, aber auch für Sterbende und für verwaiste Kinder ist das Blessed Gerard's Care Centre, dem Pater Gerhard einen Gutteil seiner Schaffenskraft angedeihen lässt. Neben einem Kinderheim gehört auch ein Hospiz zu der Einrichtung, wo Aidskranken ein Sterben in Würde ermöglicht werde und wo für die Kinder, die das Virus bereits in sich trügen, gesorgt sei. Jetzt soll das Zentrum aufgrund des unendlich großen Bedarfs - das nächste Krankenhaus, so weiß Lagleder, sei über 30 Kilometer entfernt - großzügig erweitert werden.


Als Pater Gerhard ist er im Zululand bekannt:
Seit 20 Jahren setzt sich Clemens Lagleder in Südafrika für Waisen und Aidskranke ein.

Daneben leistet Pater Gerhard, den schon einige Neuburger an seiner Arbeitsstätte im Süden Afrikas besucht haben, unermüdlich Aufklärungsarbeit, hält Vorträge in Betrieben und Schulen, leistet Betroffenen geistlichen Beistand in schweren Stunden und setzt sich dafür ein, dass auch verarmte Aids-Infizierte mit den neuartigen Medikamenten versorgt würden, die den Ausbruch der Krankheit um viele Jahre hinauszögern könnten.1

„Er spricht hervorragend Zulu", erzählt sein Bruder. Ein österreichischer Pfarrer habe ihn in den Anfangsjahren die Sprache der Einwohner gelehrt, „denn die einfachen Leute können gar kein Englisch." Kommunikation aber ist wichtig. Sei es zur Verdeutlichung der Zusammenhänge, die Pater Gerhard Aidskranken in eigenen Kursen zu veranschaulichen versucht oder seien es die steten Warnungen vor ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Aufgrund der neuen Virenladung, die dabei in ihren Körper gelange, würden sich Aidskranke immer weiter schwächen. Wie wichtig Vorsichtsmaßnahmen und unablässige Aufklärungsarbeit sind, habe ihm, so Lagleder, ein Spaziergang durch die Grabhügel von Mandeni auf drastische Weise aufgezeigt: „Die Menschen sterben mit 25, 30 Jahren." Die Not sei riesengroß, aber „man kann helfen, etwas bewirken".

Spenden für die Bruderschaft des Seligen Gerhard sind möglich bei der Sparkasse Neuburg-Rain, Kontonummer l 20 21, Bankleitzahl 721 520 70.


1 Die Antiretroviralen Medikamente zögern nicht den Ausbruch der Krankheit (AIDS) hinaus. Sie können vielmehr erst eingesetzt werden, wenn der Patient bereits in der AIDS-Phase ist. Aber dann können sie die Virenbelastung auf ein Minimum reduzieren und der Patient kann dann noch möglicherweise bis zu 25 Jahre oder länger bei guter Lebensqualität weiterleben. (Pater Gerhard)


Donaukurier Nr. 84, Donnerstag, 10. April 2008, Seite 30


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Diese Seite wurde am 24.12.2004 erstellt. Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 21:57:48