Mitarbeiterzeitung Kliniken und Pflegeeinrichtungen
des Landkreises Rastatt


Mitarbeit in einem AIDS-Projekt
in der Republik Südafrika

Die AIDS Problematik

In Europa scheint das Thema AIDS fast vergessen. Vor allem im südlichen Afrika grassiert jedoch eine Epidemie bisher unbekannten Ausmaßes. Dort leben derzeit 29,4 Millionen Menschen mit AIDS, davon sind 3 Millionen Kinder. Im Jahre 2002 infizierten sich 3,5 Millionen Menschen im südlichen Afrika mit dem Virus, 720 000 von ihnen waren Kinder unter 15 Jahren. 12,1 Millionen Kinder sind heute AIDS Waisen. In manchen Gebieten des afrikanischen Kontinents sterben ganze Landstriche - dort werden die Felder nur noch von Kindern und Großeltern bestellt, da die Eltern an AIDS gestorben sind.

In einem Kreislauf von fehlender Schul- und Berufsbildung, Arbeitslosigkeit, Armut, Prostitution, schlechten hygienischen Verhältnissen und in animistisch-traditionellen Anschauungen und Verhaltensmustern begründetem Umgang mit der möglichen Infektionsgefahr wird diese von den „westlichen“ Ländern weitgehend ignorierte Epidemie verstärkt. Bei hoher Bevölkerungsdichte mit Armut und schlechten hygienischen Lebensverhältnissen bricht zudem Tuberkulose aus, die in Afrika ebenso wie klassische sexuell übertragene Erkrankungen bei fast jedem AIDS Erkrankten zu finden ist.

Bei mangelnder öffentlicher oder privater Gesundheitsversorgung leben die erkrankten Menschen in ärmlichen Hütten. Ein großer Prozentsatz der Landbevölkerung hat keinen elektrischen Strom und nur limitierten Zugang zu fließendem Wasser. An AIDS erkrankte und sterbende Menschen können von den wenigen Krankenhäusern nicht versorgt werden und müssen ohne ausreichende weitere Pflege in die Armut der Townships und Slums entlassen werden.

Zudem hat die Regierung von Südafrika aus nicht erklärbaren Ursachen bisher verweigert, antiretrovirale Medikamente flächendeckend zur Verfügung zu stellen. Nur reiche privatversicherte HIV-positive Menschen können sich diese Medikamente leisten. In einer TV-Reportage vom 5. August 2003, in der auch aus dem Hospiz der Brotherhood of Blessed Gérard berichtet wurde, brachte es die englische BBC auf den Punkt: „Reiche privatversicherte HIV-Positive können Leben, arme HIV-Positive müssen sterben.“ Und die armen nicht versicherten HIV-positiven Menschen in schlechten Lebensverhältnissen gehören zur Bevölkerungsmehrheit.

Die Region

Der Ort Mandeni mit seinen benachbarten Gemeinden und Townships liegt in der Republik Südafrika in der Provinz KwaZulu/Natal etwa 100 Kilometer nordöstlich von Durban. Hier findet sich die höchste Rate an HIV/AIDS Infektionen in ganz Afrika und wahrscheinlich weltweit. Vor etwa 30 Jahren noch Buschland hat sich hier im Herzen des Zululandes vor mehreren Jahrzehnten eine vielfältige Industrie entwickelt. Im Gefolge dieser Industrie und inzwischen hoher Arbeitslosigkeit entstanden große Townships und Slums. In dieser Region sind über 80 Prozent der Bevölkerung HIV positiv oder bereits an AIDS erkrankt. Das Durchschnittsalter auf den Friedhöfen liegt etwa zwischen 20 und 25 Jahren (insofern überhaupt eine offizielle Bestattung vorgenommen wird. Häufig erfolgt diese nach alten Stammesriten – viele Menschen haben weder eine Geburts- noch eine Sterbeurkunde)

Die Organisation

Die Brotherhood of Blessed Gérard ist die südafrikanische Hilfsorganisation des Souveränen Malteser-Ritterordens. Die Organisation wurde benannt nach dem Seligen Gérard Tonque, der vor 900 Jahren ein Hospital in Jerusalem leitete und eine Spitalbruderschaft gründete, aus welcher der Malteserorden wurde.

Die katholische Brotherhood of Blessed Gérard steht in der Tradition des Ordens Notleidenden zu helfen und den Glauben zu bewahren (geholfen wird jedoch völlig unabhängig von Glaubens- oder Religionszugehörigkeit). Schwerpunkte der Arbeit sind ein Hospiz und ein Kinderheim.

Im Hospiz werden vorwiegend Erkrankte im

Endstadium von AIDS und Tuberkulose versorgt. Während eine Versorgung in den Krankenhäusern oder in den Townships und Slums nicht oder nur in unzureichendem und in letzteren wenn überhaupt nur unter menschenunwürdigen Bedingungen möglich ist, sollen diese im allgemeinen terminal Erkrankten im Hospiz einen medizinisch und menschlich würdigen Abschluss ihres Lebens finden können. Im Kinderheim werden Kinder aufgenommen, bei denen zum z.B. die Eltern durch AIDS verstorben sind oder die von den meist selbst noch minderjährigen Müttern einfach ausgesetzt worden sind.

Weitere Projekte sind eine Nähschule (in der

jungen Frauen ohne sonstige Schul- oder Berufsbildung eine Ausbildung bekommen, damit sie für ihre Familien Sorgen können und nicht von Almosen abhängig sind), ein Kindergarten (um Müttern das Verdienen ihres Lebensunterhaltes zu erleichtern), ein AIDS-Aufklärungsprogramm, ein Stipendien-Fonds (zur Unterstützung bedürftiger Schüler und Studenten), ein Erste Hilfe- und Katastrophenschutzdienst und ein Hilfsfond (zur Unterstützung armer und Kranker, die sich notwendige medizinische Behandlungen nicht leisten können oder in unerwartete Notsituationen gekommen sind).

Die Brotherhood of Blessed Gérard wurde vor 10 Jahren unter Leitung des deutschen Missionsbenediktiners Pater Gerhard Lagleder OSB zusammen mit Südafrikanern gegründet und ist eine eigenständige südafrikanische Organisation im Rahmen des internationalen Netzwerkes des Souveränen Malteserordens.

Meine Erfahrungen in Südafrika

Ich bin seit 25 Jahren aktives Mitglied im deutschen Malteser Hilfsdienst und seit zwei Jahren Mitglied der Brotherhood of Blessed Gérard. Im Rahmen dieser Mitgliedschaft und meiner Mithilfe in Südafrika ist eine Freundschaft zu Pater Gerhard Lagleder entstanden, in großer Einigkeit über die Notwendigkeit der Hilfe.

In diesem Sommer hatte ich die Möglichkeit, die Einrichtungen der Organisation vor Ort kennenzulernen und vor allem im Hospiz aktiv mitzuarbeiten. Zusammen mit Pater Gerhard habe ich die Townships und Slums kennengelernt, in denen Menschen in größter Armut versuchen zu leben. Wir haben schwerstkranke Patienten mit voll ausgebildetem AIDS aus ihren Hütten geholt und auf eigenen Wunsch und auf Bitten der Angehörigen in das Hospiz gebracht und dort gepflegt. Neben der Armut der Slums strahlt das Hospiz eine Helligkeit, Modernität und Ruhe aus, die diesen Menschen wie ein Wunder erscheinen muss. Angesichts der Armut und Hoffnungslosigkeit in den Slums erscheinen alle Problemchen unserer deutschen Krankenhäuser, unserer Gesellschaft und unseres Gesundheitswesens völlig bedeutungslos. Ich habe mich daran erinnert zu relativieren und zu erkennen, in welchem Luxus wir hier zu Hause bei uns leben dürfen.

Wir haben auch im Kinderheim geholfen und den Kindergarten und die Nähschule besucht. Wir waren mit den Kindern des Heims in einer Zirkusvorstellung und haben das Glück dieser Kinder erfahren dürfen, die sonst ausgesetzt im Busch einsam gestorben wären.

Ich möchte versuchen, die Erfahrungen weiterzugeben und das Projekt zu fördern und werde sobald es die Zeit erlaubt wieder nach Südafrika fliegen.

So können Sie helfen

Die Brotherhood of Blessed Gérard ist vollständig auf Spenden angewiesen und ohne Spenden nicht überlebensfähig. Ohne diese Hilfe würden Menschen in Mandeni und Umgebung noch mehr leiden, würden noch mehr Kinder an Unterernährung sterben, einfach als Neugeborene ausgesetzt werden oder als Waisen keine Zukunft haben, würden AIDS-Kranke im letzten Stadium in der Armut ihrer Hütten einsam sterben. Die Organisation hat in Deutschland ein Spendenkonto eingerichtet (es wird eine vom deutschen Finanzamt anerkannte Spendenquittung ausgestellt). Dieses Spendenkonto wird von Pater Gerhards Bruder Johannes Lagleder verwaltet und dieser trägt auch die Verwaltungskosten, so dass jeder Euro und jeder Cent in Südafrika ankommt.

Aus persönlicher Erfahrung  als aktives Mitglied der Brotherhood kann ich garantieren, dass die Spenden ungeschmälert in Südafrika ankommen. Neben der Spende besteht die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft. Weitere Informationen zum Spendenkonto und zu den Projekten der Brotherhood of Blessed Gérard finden Sie auf den Internetseiten

www.bbg.org.za und
www.suedafrikaspende.de.vu

oder Sie sprechen mich direkt an.

Dr. Andreas Heinze, KKH Rastatt


FORUM · Nr. 15 · SEPTEMBER 2003 · Seite 8


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Diese Seite wurde am 4.11.2003 erstellt. Letzte Aktualisierung am 08-10-2009 15:45:06