AIDS-Klinik im Zululand

»Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen: Man soll ihnen so dienen, als wären sie wirklich Christus; hat er doch gesagt: »Ich war krank, und ihr habt mich besucht«, und: »Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan« (Benediktusregel, Kapitel 36).

88% der arbeitenden Bevölkerung an der Nordküste des Zululandes sind HIV-positiv. Unglaublich, aber wahr. Die Krankenhäuser sind überfüllt und können gar nicht alle Schwerkranken aufnehmen. Im Gegenteil, die Krankenhäuser brauchen ihre wenigen Betten für Menschen mit einer besseren Prognose, und die Sterbenden müssen alleine sehen, wie sie und ihre Familien zurecht kommen. Die Familien sind häufig nicht in der Lage, für ihre kranken Angehörigen zu sorgen, weil es ihnen an Selbstvertrauen, Ausbildung oder den pflegerischen Möglichkeiten fehlt.

Nicht so in Mandeni. Dort wurde von P. Gerard Lagleder ein Pflege-, Sozial- und Hospiz-Zentrum aufgebaut, das in seiner Art einzigartig ist. Einzigartig, weil es die klaffende Versorgungslücke zwischen Krankenhaus und Zuhause in vier Bereichen überbrückt:

  1. Durch stationäre Aufnahme von Patienten. Nicht nur Sterbende werden ins Hospiz aufgenommen, sondern auch Genesende ins Pflegezentrum, die  z.B. nach einem Schlaganfall noch besondere Pflege brauchen und deren Angehörige angelernt werden müssen, wie sie die Pflege zu Hause weiterführen können.

  2. Durch Tagespflege, so dass Familienmitglieder die Arbeit haben, diese nicht aufzugeben brauchen, um für die Pflege ihres Angehörigen zur Verfügung zu stehen, sondern ihren Patienten vor Arbeitsbeginn in das Zentrum bringen und nach Arbeitsschluss ihn wieder mit nach Hause nehmen können.

  3. Durch ambulante Hauskrankenpflege, die die häusliche Pflege durch die Familie ergänzt und unterstützt durch Ausbildung am eigenen Angehörigen und weitere Hilfen in der familiären Umgebung.

  4. Durch Ausbildung für Familienangehörige und andere Interessenten in häuslicher Krankenpflege und anderen Bereichen, wie AIDS-Vorbeugung und -pflege, Basis-Gesundheits-Pflege, Hospizpflege, Diätlehre usw.

Das Zentrum wird von der »Brotherhood of Blessed Gérard« betrieben. Benannt wurde diese Hilfsorganisation nach dem seligen Gerhard, jenem Benediktiner, der als Gastbruder der Benediktinerabtei St. Maria Latina in Jerusalem vor gut 900 Jahren jene Spitalbruderschaft gründete, die zum ältesten Hospitalorden der Kirche (=Malteserorden) wurde. Die Bruderschaft wird von Südafrikanern geleitet, so dass das häufige Problem, wie derartige Projekte weitergehen, wenn der Missionar nicht mehr da ist, nicht auftaucht. Die Helfer (im Dezember 2000 waren es 403 aktive Mitglieder) sind fast alle ehrenamtlich.

Neben dem Pflege-, Sozial- und Hospiz-Zentrum, das in den vier Jahren seines Bestehens über 1000 Patienten betreut hat, betreibt die Brotherhood of Blessed Gérard noch weitere Projekte:

  1. Ein Hungerhilfeprojekt für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge, in dem hungernde Kinder untersucht und gegebenenfalls ärztlicher Behandlung zugeführt, mit Aufbaukost versorgt und ihre Mütter entsprechend beraten werden

  2. einen Kindergarten, um Müttern das Verdienen ihres Lebensunterhalts zu erleichtern

  3. eine Nähschule, wo arbeitslose Frauen im Nähen ausgebildet werden, damit sie für ihre Familien sorgen und von Almosen unabhängig werden können.

  4. einen Seniorenclub, der Aktivitäten bietet, die es alten Menschen ermöglichen, aus ihrer Einsamkeit auszubrechen.

  5. ein AIDS-Aufklärungsprogramm, wodurch die Öffentlichkeit über AIDS aufgeklärt und Ausbilder für die AIDS-Vorbeugung geschult werden.

  6. einen Stipendien-Fonds zur Unterstützung bedürftiger Schüler und Studenten, welche die in Südafrika hohen Kosten ihrer Ausbildung selbst nicht bestreiten können.

  7. einen Erste Hilfe- und Notdienst der bei Veranstaltungen und Notfällen Erste Hilfe und Sanitätsdienst leistet.

  8. einen Zivil- und Katastrophenschutzdienst, um im Katastrophenfall als Hilfsorganisation im Sanitäts- und Betreuungsdienst mitzuarbeiten (so geschehen während der Überschwemmungskatastrophe in Mosambik im vergangenen Jahr).

  9. einen Hilfsfonds zur Unterstützung armer Kranker, die sich eine notwendige medizinische Behandlung nicht leisten können.

  10. einen Nothilfe-Fonds um Menschen in unerwarteten Notsituationen mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Baumaterialien zu helfen und

  11. ein Kinderheim.

Das Kinderheim ist das neueste und momentan dringlichste Projekt, weil es immer mehr Kinder gibt, deren Eltern an AIDS sterben und sie als Waisen zurücklassen, die nicht immer von der Großfamilie versorgt werden können, aber auch immer mehr Kinder, die selbst HIV-positiv sind. Dazu kommen misshandelte, ausgesetzte, unterernährte, verwahrloste und behinderte Kinder, die dringend ein Heim, ein Zuhause, eine liebendes Wort und eine pflegende Hand brauchen.

Momentan ist das Kinderheim in drei Räumen des Pflege-, Sozial- und Hospiz-Zentrums untergebracht, die aber dringend für das Hospiz benötigt würden. So ist es nun dringend nötig, ein eigenes passendes Gebäude zu errichten, das dann auch noch manch anderen Kindern die sonst keine oder nur eine recht düstere Zukunft hätten, ein neues Zuhause bieten kann.

All die soziale Arbeit verliert nicht den ganzen Menschen aus dem Auge mit seinen sozialen und religiösen Bedürfnissen. Die tägliche Hl. Messe im Zentrum ist ebenso eine Selbstverständlichkeit, wie das Angebot zur Beichte, zur Krankensalbung, zum helfenden Gespräch und gemeinsame Feiern. Menschliche Zuwendung ist die Hauptsache.

P. Gerhard Lagleder (St. Ottilien / Inkamana)

Über die Arbeit der »Brotherhood of Blessed Gérard« kann man sich auch über das Internet unter www.bbg.org.za informieren. Bei Spenden bitte als Kennwort »Aidshilfe« angeben.

Missionsblätter · 96. Jahrgang Nr. 1 · Februar 2001 · Seiten 10-11


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



Back to the homepage of the Brotherhood of Blessed Gérard


This page was last updated on Saturday, 01 October 2011 17:42:43