Mittelbayerische Zeitung

Bayern

Mittwoch, 17. November 2004


Aids-Pater in Südafrika

Pater Gerhard schenkt den Aids-Kranken im südafrikanischen Zulu-Land Hoffnung. Der Regensburger und seine Bruderschaft kümmern sich aufopferungsvoll um Notleidende.

 HINTERGRUND

Seliger Gerhard

Die Brotherhood of Blessed Gérard ist nicht nach Gerhard Lagleder benannt, sondern nach Gerhard Tonque, dem Gründer des Malteserordens. Er lebte vor 900 Jahren in Jerusalem, kümmerte sich dort um Kinder, Kranke, Hungernde und Strafentlassene. Die Hilfe für die Ärmsten des Zululands folgt diesem Leitmotiv. Das Erkennungszeichen, das Pater Lagleder und seine Helfer auf der Kleidung tragen, zeigt das Malteserwappen auf einem Zuluschild, nicht mit Knopfkeule und Speer, sondern mit Hirtenstab und Kreuz, "den Waffen der Kirche".

Die Hilfsorganisation hat das Spendenkonto 12021 bei der Sparkasse Neuburg-Rain, BLZ 721 520 70. Spendenquittungen bei Absenderangabe.


Infos: http://www.lagleder.net und http://bbg.org.za

Ein Funken Hoffnung für Aids-Kranke

Regensburger Pater gründete Bruderschaft und hilft seit zwölf Jahren in Südafrika

VON CHRISTINE SCHRÖPF, MZ


Pater Gerhard bei der Taufe des kleinen Wandile: Der Junge kam aidskrank zur Welt und starb wenige Monate nach der Geburt. "Das geht mir tief ans Herz."

REGENSBURG. Was Mutter Theresa für die Armen in Kalkutta, das ist Pater Gerhard Lagleder für die Aids-Kranken im südafrikanischen Zulu-Land - auch wenn der gebürtige Regensburger aus Bescheidenheit selbst nie diesen Vergleich ziehen würde. Vor zwölf Jahren hat der 49-jährige Benediktinermönch in Mandeni die Brotherhood of Blessed Gérard gegründet, die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika, und inzwischen 550 zumeist ehrenamtliche Helfer um sich geschart, die in zwölf caritativen Einrichtungen Gutes tun. Im Zentrum: Ein Hospiz für Aids-Kranke mit 40 Betten. Ein Kinderheim für 40 Buben und Mädchen, deren Eltern der tückischen Seuche erlegen sind. Eine Klinik, in der Kranke kostenlos Anti-Viren-Medizin bekommen.

Über 1000 Menschen hat Pater Gerhard in den vergangenen Jahren menschenwürdig in den Tod begleitet - die meisten erst um die 25 Jahre alt, manche nur wenige Monate auf der Welt. An besonders schlimmen Tagen muss er bis zu vier Patienten den letzten Segen spenden. "Das geht mir tief ans Herz, besonders wenn Kinder sterben." Das Zulu-Land habe die höchste Aids-Rate der Welt, wohl zwei Drittel der Menschen seien infiziert. Täglich werden hier 500 Aids-Tote begraben. "Man könnte über das ganze Zulu-Land ein Dach bauchen und Hospiz drüberschreiben."

Der Pater trägt Hoffnung ins Elend und hat viele Südafrikaner zum Glauben bekehrt. "Die Leute sagen: Die Kirche macht nicht nur fromme Sprüche." Der Arbeitstag des 49-Jährigen dauert oft 18 Stunden. Mehr als vier, fünf Stunden Schlaf brauche er nicht. "Was in Südafrika passiert, ist eine Katastrophe. Da muss man helfen, wo man kann. Da kann ich mich nicht nur einfach als Pfarrer auf die Kanzel stellen." Der Missionar will den Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit, Armut, Prostitution, Krankheit und Tod durchbrechen: Die Bruderschaft bietet in ihren zwölf caritativen Einrichtungen deshalb Aids-Aufklärung, Ausbildungsplätze für Näherinnen, einen Kindergarten mit Vorschule, eine Pflegestation, Hungerhilfeprojekte für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Außerdem gibt es Nothilfeprogramme, einen Krankenhilfefonds und einen Stipendien-Fonds.

Pater Lagleder braucht jedes Jahr mindestens 440 000 Euro, damit die Arbeit im Zulu-Land weitergeht. "20 Euro pro Tag pro Patient", rechnet er vor und weiß, dass das viele üppig finden. "Die Leute sagen: Anderswo kosten die 'Heidenkinder' aber weniger Geld", seufzt er und gibt zu Bedenken: "Es sind ja alles schwer Kranke, um die wir uns kümmern."

Einen Teil seines Budgets bekommt Lagleder vom Benediktinerorden, der Großteil aber speist sich aus Spenden, "30 Prozent davon brigens aus Südafriks selbst." In den vergangenen sieben Wochen verbrachte der 49-Jährige seinen Urlaub mit einer "Betteltournee" durch Deutschland. Am Sonntag geht es wieder zurück ins Zulu-Land. "In die Heimat", sagt der Regensburger sehnsüchtig, "denn die ist dort, wo man sich geborgen fühlt und eine Aufgabe hat."


Mittelbayerische Zeitung, Mittwoch, 17. November 2004


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



Zurück zur Homepage der Brotherhood of Blessed Gérard


Diese Seite wurde am 2.12.2004 erstellt. Letzte Aktualisierung am 08-10-2009 15:49:34