Mittelbayerische Zeitung

Bayern

Mittwoch, 20. Dezember 2006


Bruderschaft will Insel sein im afrikanischen „Meer von Aids“

Seit 14 Jahren engagiert sich der Regensburger Pater Gerhard Lagleder im Zulu-Land / Mitbegründerin im April ermordet


Kümmert sich liebevoll um die Aids-Waisen:
Pater Gerhard Lagleder
                  Foto: Susanne Stauffer

VON ANNEKE SINZINGER

REGENSBURG. 76 Prozent? Das kann nicht sein, man liest erneut. Doch es stimmt: 76 Prozent der Bevölkerung im südafrikanischen Mandeni sind HIV-positiv. In diesem „Meer von Aids“ gründete Pater Gerhard Lagleder vor 14 Jahren die Brotherhood of Blessed Gérard und trat damit den Kampf gegen die Seuche an. Das wenige Jahre später errichtete Pflegezentrum feierte heuer sein zehnjähriges Bestehen. Trotz herber Schicksalsschläge gibt Pater Lagleder nicht auf.

Einen schweren Verlust musste der gebürtige Regensburger im April verkraften: Seine engste Mitarbeiterin und Mitbegründerin der Bruderschaft, Clare Kalkwarf, wurde von Einbrechern ermordet. Eine Nachfolgerin für sie ist bisher nicht gefunden. „Eine Frau von diesem Kaliber, eine Mutter Theresa, kann man nicht ersetzen“, sagt Pater Lagleder.

Doch er und seine Mitarbeiter kämpfen weiter – obwohl die Betten in dem vor zehn Jahren eingerichteten Pflegezentrum oft gar nicht kalt werden, wenn ein Patient stirbt und der nächste kommt und obwohl ihnen immer wieder kleine Kinder, Säuglinge in den Armen aus dem Leben gleiten.

„Ich will nicht frömmlerisch sein,
aber ich glaube, dass es meine Berufung ist,
dass Gott mich hergeschickt hat.“

Pater Gerhard Lagleder

„Ich will nicht frömmlerisch sein, aber ich glaube, dass es meine Berufung ist, dass Gott mich hergeschickt hat“, antwortet Pater Lagleder auf die Frage, woher er die Kraft für seine Arbeit nimmt. Die Bruderschaft im Zulu-Land ist mit 1800 Mitgliedern mittlerweile die größte katholische Hilfsorganisation Südafrikas.

Aus dem Elend lesen Pater Lagleder und seine Mitarbeiter die Kranken auf, die teils in Baracken aus Autowrackteilen und Pappkartons ohne jegliche sanitären Einrichtungen hausen. Häufig kümmert sich niemand mehr um die an Aids Erkrankten. Zum Teil sind es nur noch Geschöpfe aus Haut und Knochen, die Pater Lagleder und seine rund 730 aktiven Mitarbeiter in das Pflegezentrum einliefern.

Dort gibt es klimatisierte Zimmer und frisch bezogene Betten. „Die Kranken fühlen sich wie im Himmel“, sagt der Regensburger. Wenn er von Kulturschock spricht, so meint er nicht nur die hygienischen Umstände. „Es ist ein Kulturschock der Liebe“, sagt er. „Die Menschen merken bei uns, da ist einer, der ist da für mich.“ So ermöglicht die Bruderschaft vielen Schwerstkranken einen Tod in Würde. Dank der Medizin ist das Hospiz nicht mehr nur Endstation. Manche Patienten finden durch so genannte hochaktive anti-retrovirale Medikamente den Weg zurück ins Leben. „Es gibt Menschen hier, die waren völlig am Boden und innerhalb von sechs Wochen laufen sie wieder herum. Diese Erfahrung ist absolut großartig“, sagt Pater Lagleder. Durch die Medikamente können die Patienten zehn bis 20 weitere Jahre leben. Männer können ihre Familien wieder ernähren, Mütter ihre Kinder großziehen, so dass die Problematik der Aids- Waisen gemildert wird.

Etwa 150 Menschen werden zurzeit mit den anti-retroviralen Medikamenten behandelt. Weitere 50 stehen auf einer Warteliste. Ihnen geht es nach Aussagen Lagleders noch „zu gut“. Die Arznei wird erst ab einem bestimmten Schweregrad der Erkrankung verabreicht.

Allein aus Spenden finanziert sich die Brotherhood of Blessed Gérard – die übrigens nicht nach Gerhard Lagleder, sondern nach Gerhard Tonque, dem Gründer des Malteserordens, benannt ist.

Seit Bestehen wurden 2,5 Millionen Spenden gesammelt. Aber Bedarf besteht weiterhin: in dem mit 40 Betten ausgestatten Hospiz, in dem Kinderheim mit weiteren 40 Plätzen und auch für den Stipendien-Fonds der Bruderschaft. Mit Letzterem wird Einheimischen eine Ausbildung ermöglicht, als Hilfe zur Selbsthilfe. Darüber hinaus will die Bruderschaft das Pflegezentrum im Frühjahr um einen Anbau erweitern.

„Mein großer Wunsch ist, dass das alles hier weiterläuft“, sagt Lagleder mit Blick auf die Finanzierung im kommenden Jahr. Denn der Geistliche will weiterhin Hoffnung geben, Insel sein im „Meer von Aids“.


Spendenkonto: Sparkasse Neuburg-Rain, BLZ: 721 520 70, Kontonummer: 12021


Mittelbayerische Zeitung, Mittwoch, 20. Dezember 2006


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Diese Seite wurde am 2.12.2004 erstellt. Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 21:58:38