TEIL O1 DONNERSTAG, 4. JUNI 2009

 BAYERN

MITTELBAYERISCHE ZEITUNG


Ein Pater kämpft wie Don Quijote


Die kleine Mbali Susanna kuschelt sich in den Arm von Pater Lagleder. Das Mädchen wird im Waisenhaus des Hilfsprojekts betreut, seit sie von ihrer Mutter ausgesetzt worden ist.
        Foto: privat

HILFSPROJEKT Gerhard Lagleder kümmert sich seit 13 Jahren um Aidskranke in Südafrika. Zurzeit schöpft der Regensburger in seiner alten Heimat neue Kräfte.

VON CHRISTINE SCHRÖPF, MZ

REGENSBURG. Es ist ein Don-Quijote-Kampf gegen die Krankheit Aids, den Pater Gerhard Lagleder seit 13 Jahren im südafrikanischen Zululand ausficht. Der Regensburger hat in der 100000- Einwohner-Stadt Mandeni ein bedeutendes Hilfsprojekt für Kranke und Infizierte aufgebaut – es umfasst das größte Hospiz Südafrikas, eine Krankenstation für Aidspatienten, eine Klinik für unterernährte Kleinkinder und ein Waisenhaus.

In der Region Mandeni sind zwei Drittel der Menschen HIV-infiziert. In Lagleders Hilfseinrichtung sterben trotz aller ärztlichen Bemühungen jeden Tag bis zu fünf Menschen. Aufklärungsunterricht konnte die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit bisher nicht eindämmen: „Die Rate der Infizierten steigt weiter an“, sagt der 53-Jährige Pater der „Brotherhood of Blessed Gérard“.

Doch obwohl Lagleder den Kampf gegen Aids nicht gewinnen kann, erzielt er viele kleine Siege, die ihn und seine 70 hauptamtlichen Mitarbeiter nicht mutlos werden lassen. „Am Weltaidstag haben wir mit 150 Aidskranken ein Fest für das Leben gefeiert“, erzählt Lagleder. Es sei ein fröhlicher und ausgelassener Tag gewesen, da viele der Kranken nach seinen Worten dank der Versorgung mit antiretroviralen Medikamenten in guter körperlicher Verfassung sind. „Wenn man da so durch die Reihen schaut und weiß, dass alle längst tot wären, wenn sie nicht bei uns in Behandlung sein könnten – da steigen einem dann schon Tränen in die Augen.“

Mandeni ist für den Oberpfälzer zur neuen Heimat geworden – auch wenn Lagleder zurzeit in Bayern weilt, um neue Kräfte zu tanken und Spenden für sein Care-Center zu sammeln. In Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise sei das keine einfache Aufgabe, berichtet er. So seien zum Beispiel die Spenden aus den USA stark zurückgegangen. „Sie machen 20 bis 30 Prozent unserer Einnahmen aus.“

Am dringendsten benötigt wird derzeit Geld, um das so genannte Haart-Programm aufzustocken. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Hochaktive Antiretrovirale Therapie. Pro Monat kostet es umgerechnet 150 Euro, um einen Aidskranken mit Medikamenten zu versorgen und medizinisch zu betreuen. Kräftige Unterstützung erhält Lagleder von der US-Regierung, die für bis zu maximal 230 Patienten je rund 100 Euro zuschießt. Doch alle übrigen Kosten muss das Care-Center selbst tragen. Denn die wenigsten Kranken und Infizierten, die in die Station Hilfe suchen, haben eine Krankenversicherung. „Das können sich in Afrika nur die Reichen leisten.“

Lagleder hat ein weiteres Projekt im Blick: Er möchte das Waisenhaus um Wohngruppen für ältere Kinder erweitern. Sie sollen von Pflegemüttern betreut werden. „Dazu müssten wir zwei Häuser kaufen für je 30000 bis 40000 Euro.“ Bis 4. August ist Lagleder noch in Bayern unterwegs. Es wird sich zeigen, ob er mit guten Nachrichten nach Mandeni heimkehren kann.


 PATER LAGLEDER ZUM KONDOM-VERBOT


Szenen aus Lagleders Alltag: Ein Aids-Kranker wird von Angehörigen mit der Schubkarre zu einem Mitarbeiter des Care-Centers gebracht.

> Auf seiner Afrikareise hatte Papst Benedikt mit Äußerungen für Aufruhr gesorgt, wonach Kondome das Aids-Problem nicht lösen könnten. Pater Lagleder pflichtet ihm vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen in Südafrika bei. „Es wurden ja tonnenweise Kondome verteilt. In jeder Behörde liegen sie gratis in Körbchen bereit. Aber die Aidsrate steigt trotzdem weiter an“, so Lagleder.

> In Afrika seien Kondome trotz der hohen Aidsrate verpönt. „Die Leute sagen: Ein Bonbon esse ich auch nicht mit dem Papier.“ Traditionell sei es das Ziel, nicht zu verhüten und eine große Familie zu gründen, um im Alter versorgt zu sein. Enthaltsamkeit oder Treue zu einem Partner seien allerdings auch nicht zu vermitteln. „Das ist in Afrika nicht anders, als in Europa.“ Wie Don Quijote kämpfe er weiter für mehr Aufklärung.

> Spenden: Kontonr. 12021, Sparkasse Neuburg-Rain, BLZ 721 520 70. Infos im Internet: www.bbg.org.za


Mittelbayerische Zeitung, Donnerstag, 4. Juni 2009


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Diese Seite wurde am 2.12.2004 erstellt. Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 21:58:56