Regensburger Pater kämpft in Südafrika gegen Krankheit

Helfer in der Aidshölle

Von EVA PIERINGER

Mandeni im Osten Südafrikas: mit aber 50 Prozent Arbeitslosigkeit und einer Aidsdichte von 88 Prozent ist das Elend in dieser Region programmiert. Ein paar einzelne Hilfsorganisationen versuchen, die schlimmste Not hier zu lindern. Unter ihnen: die Brotherhood of Blessed Gerard. Mitbegründer der Hilfsgemeinschaft: ein deutscher Pater.

Eigentlich wollte Clemens Lagleder aus Regensburg Arzt werden. Mit 14 Jahren besuchte er einen Erste-Hilfe-Kurs bei den Maltesern seiner Heimatstadt. Begeistert von der Tätigkeit der Sanitäter, hatte er nur noch ein Ziel: selbst Lebensretter werden. Lagleder absolvierte alle angebotenen Kurse, erlernte ABC-Schutz, Rettungsassistenz und wurde schließlich Ausbilder für Pflege und Notfall.

Wenn seine Schulkameraden sich mit Zeitungsaustragen ein wenig Taschengeld dazuverdienten, bemühte sich Clemens um Jobs im Rettungswagen oder um Ferien- und Wochenendarbeiten im Krankenhaus. Stundenlang saß er manchmal am Bett eines Patienten und hörte sich dessen Ängste und Probleme an. "In dieser Zeit merkte ich, dass die Menschen oft viel dringender einen Doktor für die Seele als für den Körper brauchen." So entschied er sich nach dem Abitur zum Theologiestudium, wurde Priester und trat 1982 ins Kloster der Benediktiner in St. Ottilien ein. Sein Ordensname: Pater Gerhard, benannt nach dem Gründer der Malteser, dem Seligen Gerhard.

Der Abschied nach Südafrika war schwer. Lagleders Mutter war unheilbar an Krebs erkrankt. Doch mit der Missionsarbeit sollte sich für den jungen Pater ein Traum erfüllen: "Ich wollte so gerne meine medizinischen Kenntnisse mit dem Glauben verbinden. Da schien es mir ideal, in die Mission zu gehen." Unter Tränen verabschiedete er sich am 6. Januar 1987 von seiner Familie.

In Mandeni, einem Ort mit 250.000 Einwohnern, angekommen, weiß der junge Priester zunächst gar nicht, wo er mit der Arbeit beginnen soll. Durch eine Papierfabrik waren viele Einheimische vom Volksstamm der Zulu in die Nähe der Stadt gezogen. Das Hauptproblem: viele der Arbeiter bedachten nicht, dass sie in Stadtnähe Miete und Strom bezahlen müssen. Die Folge: Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Prostitution. Aids breitete sich rapide aus - heute fallen 88 Prozent der HIV-Tests positiv aus.


Pater Gerhard (hinten) packt selbst mit an. Foto: Pieringer

"Ich sollte den Leuten von Gott erzählen, aber als ich die Zustände hier sah, wußte ich: hier muss ich mit anpacken!" Bei mehreren Hausbesuchen, zu denen Pater Gerhard als Priester gerufen wurde, sah er die katastrophalen Zustände in den Häusern: "Die meisten Zulu haben keine Ahnung von Krankheiten, geschweige denn von Krankenpflege. Zur Hilfe rufen die Familien eine sogenannte iSangoma, eine Frau mit hohem Ansehen, die als Medium zwischen der Welt der Ahnen und den Lebenden fungiert. Die soll klären, was die Ursache für die Krankheit ist. Mit Kräutergetränken versucht dann ein Medizinmann, den Kranken zu heilen. Der Pater: "dass das bei einer Krankheit wie Aids nicht sehr viel hilft, ist klar."

So gründete er mit engagierten Mitgliedern seiner Gemeinde 1992 die Brotherhood of Blessed Gerard, eine Hilfsorganisation des Malteserordens. Junge Zulu konnten von nun an hier den Pflegeberuf erlernen. Mit 18 Betten starteten sie vier Jahre später ein Hospiz-Zentrum für AIDS-Kranke im Endstadium. Heute melden sich die Zulu-Familien meist selbst und bitten um Hilfe.

"Wir sind stolz auf das, was wir nur durch Spendengelder und die unbezahlte Hilfe der Einheimischen geschafft haben", sagt Pater Gerhard. "Das soll ein Projekt sein, das später auch ohne ausländische Hilfe funktioniert." Inzwischen ist das Zentrum gewachsen: zu den 40 Pflegeplätzen gehören eine Nähschule für junge Frauen, ein Kindergarten und ein Kinderheim (momentan 14 Kinder). Der Pater: "Das war fast unumgänglich. Was sollten wir tun, wenn die Mutter eines Kleinkindes als letzte Angehörige bei uns im Zentrum verstarb?"

Einer der tragischsten Fälle ist der des dreijährigen Brian. Seine Mutter kam als Patientin ins Hospiz Aids im Endstadium. Als sie verstarb, blieb Brian zurück. Ein Bluttest ergab: Brian ist bereits mit dem Virus infiziert, er wird nicht älter als zehn Jahre alt werden.

Auch wenn er jeden Tag einen fast aussichtslosen Kampf gegen die tödliche Immunschwäche-Krankheit führt - Pater Gerhard möchte für immer in Afrika bleiben: "Ich hänge sehr an meiner deutschen Heimat. Aber hier habe ich die Erfüllung meiner Berufung gefunden. Mit keinem Menschen der Welt wollte ich jemals tauschen."


neue bildpost · 7. August 2003 · Nr. 33 · Seite 3


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