FÜR DAS ERZBISTUM BERLIN

112. Jg. 2./3. Dezember 2006 / Nr. 48 · Seiten XVIII - XIX


Friedensgruß und ein Stück Seife

Traditionen rund um Weihnachten in ... Afrika



IsiHlahla-Feier* der Zulu am ersten Weihnachtsfeiertag 2005. Rechts im Bild Pater Gerhard Lagleder OSB.


Das ganze Jahr "O du fröhliche"

Pater Gerhard Lagleder OSB ist seit 1987 in Südafrika tätig. "Bei uns gibt es in der Vorweihnachtszeit weder Tannenbäume noch rieselt der Schnee", sagt der Benediktiner von der Malteser-Bruderschaft des Seligen Gerhard. "Glühwein, Punsch, Christstollen und Lebkuchen kennt hier auch keiner, nicht einmal den heiligen Nikolaus, auch keinen Adventkranz, keine Rorateämter in aller Herrgottsfrühe, keine Weihnachtsplätzchen und die Melodie von 'O du fröhliche' singt man hier das ganze Jahr über zum Text eines Marienliedes."

Als Vize-Dekan des Dekanats Eshowe lebt Pater Gerhard in Mandeni, etwa 100 Kilometer nördlich der Hafenstadt Durban. "Die etwa 100 000 Einwohner des Gebietes sind zu 90 Prozent Zulu", berichtet er. Die Löhne sind hier so gering, dass sie nicht einmal zum Bau einfacher Häuser ausreichen. So sind ausgedehnte Elendsviertel entstanden, in denen Menschen teilweise in Hütten aus Wellblech, Autowrackteilen und Verpackungskartons leben müssen.

So verschieden die Bevölkerungsgruppen in Südafrika sind, so unterschiedlich bereiten sie auch das Weihnachtsfest vor. Bei den englisch-stämmigen Südafrikanern etwa bleibt die Familie normalerweise am Heiligen Abend unter sich. Dieser ist ein Tag wie jeder andere, bis auf den Besuch der Mitternachtsmesse, mit der das Weihnachtsfest beginnt. Gäste und Freunde werden erst tags darauf eingeladen. Zum Weihnachtsmahl gehören Truthahn und Räucherschinken, nicht zu vergessen "Christmas-Pudding". Wer sich kein großes Mahl leisten kann, wird als wirklich arm eingestuft.

Den Zulu ist die religiöse Bedeutung der Advents- und Weihnachtszeit kaum bekannt. Weihnachten ist für sie einfach die Zeit, wo die meisten Wanderarbeiter nach Hause kommen. "Für viele ist es die einzige Gelegenheit im Jahr, ihre Familie wieder zu sehen", sagt Pater Gerhard. "Über all ihren Pflichten finden dann viele Ehefrauen einfach nicht die Zeit und musse zum Gottesdienstbesuch und so sind die Kirchen - speziell in den ländlichen Gebieten - an Weihnachten noch leerer als sonst."

Dafür haben die Zulu ihre "isiHlahla-Feier" mit einem Christbaum. Eine Föhre, Pinie oder auch irgendein anderer Strauch oder Busch wird mit bunten Bändern geschmückt, meist aus Krepppapier. "Die Feier findet oft direkt in der Kirche nach einem Gottesdienst statt, nicht notwendigerweise an Weihnachten selbst, aber jedenfalls nicht allzu lang nach Dreikönig", berichtet Pater Gerhard. Die Gläubigen bringen kleine Geschenke mit. Auf jedem Geschenk ist ein kleiner Zettel, auf dem der Geber und der Empfänger des Geschenkes aufgeschrieben sind. Die isiHlahla-Feier wird von einem Moderator geleitet. "Der begrüßt erst alle herzlich und ruft dann möglichst viele Programmpunkte auf, etwa Gesänge und Tänze sanges- und tanzfreudiger Gruppen und Solisten", erzählt der Benediktinerpater. "Zwischendurch wird die Feier zur Geschenkeverteilung unterbrochen. Jeder wird aufgerufen und muss zum Geschenkempfang vortreten", erläutert Pater Gerhard. Die Geschenke reichen von einem Stück Seife über einen Teller oder eine Tasse bis hin zu Taschentüchern oder sonstigen kleinen, aber brauchbaren Dingen. Wenn alle Geschenke ausgeteilt sind und jeder alles zum Besten gegeben hat, schließt die Feier genauso wie sie eröffnet wurde: mit einem Gebet."

Weihnachtskarten nur per Post

Ein bei allen Südafrikanern sehr verbreiteter adventlicher Brauch ist das Senden von Weihnachtskarten. Jeder muss so viele wie möglich verschicken - ausschließlich per Post. Selbst Leute, die man täglich bei der Arbeit trifft, wird die Weihnachtskarte per Post zugestellt. Die Karten werden dann nach englischer Tradition auf einer Leine aufgehängt, die das Zimmer als eine Art besondere Girlande schmückt. Wer die Karten nicht aufhängt, muss sie wenigstens aufstellen, damit jeder Besucher die weihnachtlichen Sprüche und Wünsche lesen kann.

Victoria Heymann


* Bild vom Weihnachtstag 2005 im Blessed Gérard's Kinderheim. Es stellt keine Zulu isiHlahla Feier dar.



Pater Gerhards Rundbrief Weihnachten 1998


KATHOLISCHE SonntagsZeitung ·  2./3. Dezember 2006 / Nr. 48 · Seite XIX


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Letzte Aktualisierung dieser Seite am 23-08-2011 00:30:05