FERNGESPRÄCH

Gerhard T. Lagleder

Benediktinerpater und Aidshelfer

Mein Auftraggeber ist der liebe Gott

Ein Bayerischer Pater im Kampf gegen Aids in Afrika

Pater Gerhard T. Lagleder kümmert sich seit weit mehr als 20 Jahren in Südafrika um aidskranke Menschen und um Waisenkinder. Das Hilfszentrum ist für den Missionsbenediktiner der Erzabtei St. Ottilien längst zur zweiten Heimat geworden.

SZ: Merken Ihre südafrikanischen Mitarbeiter überhaupt noch, dass ihr Pater aus Bayern stammt?
Pater Gerhard: Relativ selten. Meine wenigen Bavarica – dazu gehört der Engel Aloisius, den mir meine Mutter geschenkt hat –, die stehen im Schlafzimmer. Und das betret’ ich alleine.

SZ: Wie ertragen Sie es, tagtäglich mit dem Leid von mehr als 600 aidskranken Menschen konfrontiert zu sein?
Pater Gerhard: Mein Motor ist der Glaube. Ich gehe in die Kapelle zu meinem Auftraggeber – dem lieben Gott – und bete. Sonst würde ich das sicherlich nicht schaffen.

SZ: Und da gab’s nie auch nur einen Zweifel?
Pater Gerhard: An Gott noch nie, aber umso öfter an den Menschen. Es gibt hier so viele Leute, die vor Aids die Augen verschließen. Da schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen.

SZ: Dank moderner Medikamente haben auch HIV-Infizierte eine gute Überlebenschance – aber können Ihre Schützlinge die überhaupt bezahlen?
Pater Gerhard: Ein Aidspatient kostet mich umgerechnet pro Monat 150 Euro. Hundert Euro gibt uns die amerikanische Regierung, den Rest muss ich selber irgendwie durch Spendenaktionen zusammenkriegen.

SZ: Ihr Hilfszentrum hat unzählige Kinder aufgenommen, deren Eltern an Aids gestorben sind. Welche Perspektive haben die, wenn sie erwachsen werden?
Pater Gerhard: Wir werden diese Kinder nie rauswerfen. Wir verhalten uns da wie leibliche Eltern, die ihren Sohn oder ihre Tochter erst ziehen lassen, wenn sie eine Arbeitsstelle haben, studieren oder heiraten. Künftig wollen wir die älteren Kinder aber in einer Art Wohngruppe unterbringen, wo sie sich auf ein selbständiges Leben vorbereiten können.

SZ: Haben Sie nach so vielen Jahren in Südafrika noch einen Draht zu Bayern?
Pater Gerhard: Da ist erst mal mein Mutterkloster Sankt Ottilien. Das ist mein dickster Draht. Geradezu behütet und beschützt werde ich von den Maltesern in Traunstein. Und dann sind da ja auch noch meine Geschwister in Neuburg an der Donau.

SZ: Gibt es etwas aus der alten Heimat, das Sie vermissen?
Pater Gerhard: Da muss ich mich jetzt ganz vorsichtig ausdrücken. Gestehe ich nämlich, dass es die Brezen, die Weißwürscht mit süßem Händlmaier-Senf und das Weißbier ist, dann bekomme ich Care-Pakete ohne Ende. Und das braucht’s ja wirklich nicht.

Interview: Dietrich Mittler


Süddeutsche Zeitung Nr. 96, Montag, 27. April 2009, Seite 46


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