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Traunreuter Anzeiger / Trostberger Tagblatt / Südostbayerische Rundschau vom 1.12.2007


von Peter Volk

Südafrika stirbt langsam

Benediktiner-Pater Gerhard Lagleder kämpft gegen Aids - Traunsteiner Malteser helfen

Traunstein. Beängstigende Nachrichten erschrecken uns Tag für Tag beim Blick in die Medien: "Schwerer Verkehrsunfall - vier Tote"; "Busunglück - 28 Tote"; "Flugzeugabsturz - 245 Tote"; "Erdbeben - 4500 Tote"; "Aids im Zululand - 15 Millionen Tote". Die letzte Meldung wird es so wohl nie geben, obwohl es die Wahrheit ist.

Der Welt-Aids-Tag am heutigen Samstag wird weltweit zum Anlass genommen, auf die Dimension von Aids aufmerksam zu machen. Jährlich sterben drei Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit, auf der ganzen Welt sind 40 Millionen Menschen HIV-infiziert. Würde man die Erdteile nach der Häufigkeit der AidsErkrankungen einfärben, wäre der Schwarze Kontinent wirklich schwarz - und der südlichste Teil am dunkelsten: In Südafrika sind 29 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv, im Gebiet um Sundumbili sogar 76 Prozent. Dort werden in wenigen Jahren rund 200000 Menschen an Aids sterben. Das ist fast die gesamte Bevölkerung der Region.

Die Hilfsorganisation "Brotherhood of Blessed Gérard" - der südafrikanische Malteser Hilfsdienst - versucht dort zu helfen, wo das Elend besonders groß ist. Der bayerische Benediktiner-Pater und Missionar Gerhard Lagleder, dessen Mutter eine gebürtige Traunsteinerin ist, engagiert sich seit 20 Jahren in Südafrika. Er berichtet von seinem Kampf gegen Aids: "Seit zwei Tagen versuchen wir erfolglos, jemanden zu finden, der sich für die Beerdigung verantwortlich fühlt. Die Mutter ist nicht erreichbar, die Tante haben wir ausfindig gemacht, aber sie kann und will die umgerechnet 70 Euro für die Beerdigung nicht zahlen!"

Für den aus Regensburg stammenden Pater Gerhard ist das ein neuer Gipfel des Problems: "Verwandte bringen ihre todkranken Angehörigen zu uns ins Hospiz und geben dabei falsche Adressen an, weil sie die Beerdigungskosten nicht mehr tragen können oder holen sie einfach nicht ab. Schon zu viele

Verwandte sind an Aids gestorben. Für die traditionell aufwändigen Beerdigungen der Zulu haben sie kein Geld mehr. Und wer einen Angehörigen nicht angemessen bestattet, muss nach dem Volksglauben ein Leben lang die Ahnengeister fürchten."

Die Gegend um Mandeni, rund 100 Kilometer nördlich von Durban, in der Pater Gerhard tätig ist, gilt als eine der von Aids am schlimmsten betroffenen Gegenden der Welt. Selbst im Aids-geplagten Afrika ein trauriger Rekord: 88 Prozent der Aids-Tests ergeben eine Infektion mit HIV. Hauptursache ist der häufige Wechsel der Geschlechtspartner. So leben im Industriegebiet Isithebe viele Wanderarbeiter, die zur Verbreitung von Aids in Afrika entscheidend beigetragen haben. Die extreme Armut führt dazu, dass sich viele Menschen prostituieren. Der großen Not unter Frauen und Mädchen stehen in Mandeni eine größere Zahl relativ wohlhabender Männer gegenüber. Sie "leisten" sich mehrere regelmäßige Geschlechtspartnerinnen. Unter den Opfern von Aids sind immer mehr Kinder. Ein Grund dafür ist der traditionelle Wunsch der Männer nach vielen Kindern. Hinzu kommt, dass immer mehr Kinder und sogar Kleinkinder Opfer von Vergewaltigungen durch HIV-positive Männer werden - wegen des Aberglaubens, dass der Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau von Aids heile.

Auch durch die Muttermilch kann der Virus übertragen werden. Dies wirkt sich besonders dramatisch in einem armen Land wie Südafrika aus. Stillen ist dort eigentlich die beste Nahrung, wird so aber zur tödlichen Gefahr.

Hinter diesen Fakten verbirgt sich unvorstellbare menschliche Not. Auf sie hat Pater Gerhard eine Antwort auf Grundlage christlicher Nächstenliebe gegeben. Vor 15 Jahren gründete er die "Brotherhood of Blessed Gérard", als nationale Hilfsorganisation des Malteserordens und schuf in Mandeni ein Pflege-, Sozial- und Hospiz-Zentrum sowie elf weitere Projekte, vom Kinderheim und einer Klinik für unterernährte Kinder bis zur Aids-Aufklärung. Das größte Hospiz-Zentrum des Landes mit je 40 Plätzen für Kinder und Erwachsene ermöglicht menschenwürdiges Sterben - gewaschen und gepflegt, in sauberer Kleidung in einem frisch bezogenen Bett und in Begleitung eines Helfers.

Immer wieder kommen staatliche und private Einrichtungen, um sich bei der Bruderschaft Rat in der Umsetzung des HAART-Programms (Hoch-Aktive-Anti-Retrovirale-Therapie) zu holen. "Die Medikamente töten das Virus nicht, aber die

Leute können noch 15, 20 Jahre bei hoher Lebensqualität weiterleben, in eine Zukunft hinein, in der vielleicht doch noch ein Mittel gegen Aids gefunden wird", sagt der 52-jährige Lagleder voller Hoffnung.

Die Bruderschaft hat über 1000 fördernde Mitglieder in aller Welt und fast 700 ehrenamtliche Helfer. "Wir sind sehr dankbar für die finanzielle Hilfe aus Deutschland, langfristig entscheidend für den Erfolg des Projektes ist jedoch, dass Südafrikaner Südafrikanern helfen", so Pater Gerhard.

Das Care-Zentrum muss weiter vergrößert werden, denn das Kinderheim, das vor allem AidsWaisen, aber auch kranke, misshandelte, unterernährte und behinderte Kinder aufnimmt, platzt aus allen Nähten.

"Hier stirbt ein ganzes Volk und hier, wo ich sterbende Säuglinge auf dem Arm halte, wo täglich junge Menschen an Aids sterben, da stirbt das Volk nicht nur in meinen Händen, sondern auch in meinem Herzen", beschreibt Lagleder seine Gefühle. Dennoch ist er zuversichtlich und voller Tatendrang. Nicht umsonst wird er deshalb von den Zulus "Wirbelwind" genannt. "Ich kann mich als Priester nicht vor eine Gemeinde hinstellen und vom lieben Gott predigen, wenn mir die Leute zur selben Zeit an Aids sterben oder verhungern. Von daher muss ich den Menschen die Liebe Gottes einfach zeigen, nicht nur im Wort predigen, sondern in der Tat verkünden."

Die Malteser im Landkreis Traunstein verbindet seit Jahren eine enge Partnerschaft mit Pater Gerhard Lagleder und den südafrikanischen Maltesern der "Brotherhood of Blessed Gérard". Weitere Informationen über den Kampf der südafrikanischen Malteser gegen Aids gibt es bei der Kreisgeschäftsstelle der Malteser. Wer Pater Gerhard Lagleder und seine Arbeit finanziell unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende auf das Sonderkonto des Malteser-Hilfsdienstes, Konto 3344 bei der VR-Bank Traunstein (BLZ 71062194), Stichwort "Südafrika", tun.


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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