Glaubenskurs:
Mission in Südafrika
mit P. Gerhard Lagleder

21. Oktober 2010: 16:30 (Live-Sendung):

 Live-Übertragung eines Telefon-Gesprächs von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard

 

Grüß Gott, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen! Ganz herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria! Mein Name ist Gaby Kuhn und ich begleite Sie durch die Sendung. Auch heute dürfen wir wieder einen Gast bei uns begrüßen, nämlich den Pater Gerhard. Weil aber der Pater Gerhard kein Schweizer Deutsch versteht werde ich an jetzt in Schriftdeutsch weitersprechen. Bevor ich unserem Referent das Wort überreiche, werde ich ihn und sein Projekt kurz vorstellen: Unser heutiger Gast ist Pater Gerhard Lagleder aus Südafrika. Er wurde 1955 in Regensburg geboren, wo er auch 1982 seine Priesterweihe empfing. Im gleichen Jahr ist er in den St. Ottilien Orden der Missionsbenediktiner beigetreten. 1994 wurde Pater Lagleder Magistralkaplan des Souveränen Malteser-Ritterordens. 1992 gründet Pater Gerhard im Zululand an der Ostküste Südafrikas die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Es ist eine eigenständige Hilfsorganisation innerhalb des Malteserordens. Pater Gerhard leitet dort ein AIDS-Therapie-Programm. An dieser Stelle übergebe ich Pater Gerhard das Wort, damit er uns mehr über sein Werk berichten kann. Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria.

Grüezi wohl und Grüß Gott! Ich freue mich sehr, dass ich bei Euch sein darf heute an diesem Nachmittag, um mit Euch zu sprechen. Ich bedanke mich auch ganz herzlich für die nette Vorstellung und ich möchte gern ein kleines Stück weiter einfach erzählen wie ich denn dazu gekommen bin: Ich war seit etwa 30 Jahren bei den deutschen Maltesern tätig, auch in Führungspositionen. Und meine Hauptaufgabe war die, Krankenpflege-Hilfspersonal auszubilden. Und von daher war es für mich eigentlich immer klar, dass ich mal Arzt werden wollte, denn ich hatte immer so die ganz große Idee, man muss den Menschen helfen zu viel es nur geht. Und jetzt habe ich dann durch die Malteser auch sehr viel Krankenhausdienst gemacht und, obwohl ich nur Pfleger war, haben mir viele Kranke oft im Nachtdienst eine ganze Lebensgeschichte und manche davon sogar eine Lebensbeichte abgelegt. Wie gesagt, ich war nur Pfleger. Und da ist mir dann so der Gedanke gekommen, dass ich sagte: „Eigentlich, wenn ich jetzt diesen Menschen sagen könnte ‚und Deine Sünden sind Dir vergeben‘, dann wäre Ihnen wirklich und endgültig und gut geholfen.“ Und so ist dann in mir so die Entscheidung gereift, eben nicht Arzt zu werden, sondern, wenn man so will, ein Arzt für die Seele zu werden, also Priester zu werden. Ich hatte einige großartige Vorbilder als Priester, die ich persönlich als heiligmäßige Priester verstehe, die mir das Priestertum vorgelebt haben, und so habe ich mich dann mit dem Direktor des Seminars in Verbindung gesetzt und ihm gesagt: „Würden Sie mich aufnehmen ins Priesterseminar?“ Und er hat mich dann aufgenommen. Und so habe ich dann begonnen 1976 in Regensburg Theologie zu studieren. Es tut zwar nichts zur Sache, aber vielleicht ist es ist eine kleine nette Anmerkung, dass ich auch dem Heiligen Vater in dieser Zeit als Ministrant gedient habe, weil der ja an der Universität Regensburg Professor für Theologie war. Aber damals ist er dann schon berufen worden als Erzbischof nach München und dann kurz (darauf) weg, als ich noch im Studium war. Ja, und dann habe ich mein Studium weitergeführt. Und während dieses Studiums haben wir im Priesterseminar auch sehr viele Bibelgespräche gemacht, jede Woche ein offizielles. Und ich habe so einem kleinen Glaubenskreis, einem inoffiziellen Glaubenskreis von sehr engen Freunden angehört. Und in diesem Glaubenskreis haben wir dann private Bibelgespräche gemacht. Und in diesen Bibelgesprächen haben mich zwei Abschnitte der Heiligen Schrift ganz besonders tief ins Herz getroffen, und zwar einer von denen war der, der eben gesagt hat: „Also, wenn du mir wirklich nachfolgen willst,  dann verkauf alles was Du hast, gib es den Armen, und dann folge mir nach!“ Und da dachte ich mir dann: „Ja, wenn der Liebe Gott jetzt zu mir ganz persönlich spricht, dann müsste ich ja eigentlich Ordensmann werden, und so habe ich mich dann schon während des Theologiestudiums – Ich hab für die Diözese Regensburg studiert – sehr interessiert am Ordensleben. Ich habe auch meine theologische Diplomarbeit über Ordensgeschichte geschrieben, nämlich über den Malteserorden, und wie er aus Benediktinischen und aus Augustinischen Elementen seine eigene Regel gemacht hat. Und so habe ich mir dann überlegt, ich müsste eigentlich in einen Missionsorden gehen, damit ich dann auch meine medizinisch-pflegerischen Talente, die mir der Liebe Gott geschenkt hat, nicht vergraben muss, sondern damit ich die einsetzen kann zum Wohl der Menschheit. Und so habe ich mich dann etwa ein Jahr vor der Priesterweihe entschlossen, nach sehr vielen Besuchen bei deutschen Missionsorden, in St. Ottilien bei den Missionsbenediktinern einzutreten und der Erzabt, der jetzt der Abtprimas des Benediktinerordens, Notker Wolf, ist, und dieser Abt, mein damaliger Erzabt, der sagte mir: „Pass auf,  ich kann Dich im Kloster erst dann zum Priester weihen lassen, wenn Du Feierliche Profess hast. Wenn Du Dich zum Priestertum berufen fühlst, mach Deine Ausbildung fertig! Mach Dein Pastoraljahr fertig! Lass Dich weihen und tritt als Priester ein! Und das habe ich dann getan. Ich bin dann 82 in Regensburg zum Diözesanpriester geweiht worden, und am Tag der Priesterweihe zum Ordenseintritt in St. Ottilien bei den Missionsbenediktinern beurlaubt worden. Ich hab dann mein Jahr Noviziat gemacht, wie jeder andere auch, habe dann 1983 meine zeitliche Prozess abgelegt, und 1986 meine Feierliche Profess, und im Januar 1987 bin ich dann im Flugzeug nach Afrika gesessen, und zwar in das Zululand. Und das ist ein Abschnitt von Südafrika, und bin dort der Benediktinerabtei Inkamana als Missionar zugewiesen worden. Ja, und da bin ich dann Ende Januar 1987 angekommen, war dann erst mal in einer Pfarrei als Kaplan. Das nennt man im englischen Bereich einen „Assistant Priest“, also einen Hilfspriester, wenn sie so wollen, hab also als Kaplan erst mal in der Pfarrei mitgearbeitet und die Zulu-Sprache gelernt. Denn wie will ich Seelsorge an Zulu sprechenden Menschen betreiben, wenn ich ihre Sprache nicht kann? Und in diesen drei Jahren der Vorbereitung und des Kaplan Seins habe ich mich dann auf mein Pfarrerdasein vorbereitet, und ich wurde eben dann im Oktober 1990 in eine relativ kleine – für Schweizer Verhältnisse wahrscheinlich eine große – Pfarrei gesandt, und zwar nach Mangete. Und dieses Mangete ist etwa 100 km nördlich von der 4 Millionen Stadt Durban. Und Durban kennt jeder von der Fußballweltmeisterschaft, wo auch Spiele stattgefunden haben. Das liegt am Indischen Ozean und 100 km nördlich ist Mandeni bzw. Mangete, wo ich dann Pfarrer wurde. Und ich habe dann im Jahr 1991 auch die Pfarrei Mandeni mit übernommen, und habe dann als Gemeindepfarrer zwölf Teilgemeinden betreut. Ich weiß nicht, wie man das in der Schweiz nennen würde, aber hier im Zululand hat man ja nicht nur die Pfarrei selber, sondern jede Pfarrei hat – früher hat man es Außenstationen genannt; vielleicht wäre es eine Expositur im Kirchenrecht – auf jeden Fall Unterabteilungen der Pfarrei. Und so war ich also ganz schön eingespannt in der Seelsorge für die Menschen die mir hier anvertraut sind. Und jetzt ist es mir passiert … Ich kann Ihnen eine Geschichte erzählen: Ich bin gerufen worden zur der Maria. Die hieß wirklich Maria. Den Familiennamen sage ich aus Schweigepflichtgründen nicht. Und die Maria war schwer krank. Und ich bin gerufen worden: „Die Maria liegt im Sterben. Bitte komm doch und bringe ihr die Krankenkommunion, bring ihr die Krankensalbung, die möchte …“ Ich hab sie sonst jedes Monat besucht, als Routine-Krankenbesuch, aber da war es dann eilig. Und dann ging ich zur Maria und hab der Maria die Krankenkommunion gespendet, die Krankensalbung gespendet. Dann sag ich zur Maria: „Sie, Maria, passen Sie mal auf! Ich bin nicht nur Priester. Ich kenne mich auch in der Krankenpflege aus. Warum sind Sie denn so krank? Was fehlt Ihnen denn?“ „Ja, mein Rücken tut mir so weh!“ Dann habe ich gesagt: „Darf ich mir Rücken anschauen?“ Dann sagt sie: „Ja bitteschön, schauen Sie sich den Rücken an!“ Dann habe ich mir den Rücken angeschaut und dann war bis auf die Knochen durch die Frau wundgelegen. Also man hat die Wirbel gesehen. Man hat die Rippen gesehen. Man hat die Darmbeine am Becken gesehen. So hatte sich die Frau wundgelegen. Die war einfach zuhause gelegen und ihre Angehörigen, die selber alt und gebrechlich waren, konnten sich nicht richtig um sie kümmern, und so ist sie dann so krank geworden. Und dann habe ich gesagt: „Um Gottes willen! Darf ich Sie zu einem ordentlichen Doktor bringen?“ Dann sagte sie: „Ja, ich kann mir das gar nicht leisten.“ Und dann habe ich gesagt: „Ja, lassen Sie das mal meine Sorge sein!“ Und dann habe ich sie eben in mein Auto gepackt und zu einem guten Arzt gebracht, der der Pfarrgemeinderatsvorsitzende unserer Teilgemeinde in Sundumbili, in der Pfarrei Mandeni war, und gesagt: „Bitteschön, Herr Doktor, schauen Sie sich doch die Frau an!“ Dann hat er sie ins Krankenhaus geschickt und in derselben Nacht ist sie verstorben. Und dann ist der Doktor zu mir gekommen und hat gesagt: „Mensch, Pater Gerhard, können wir nicht irgendeine Einrichtung schaffen? Hier sterben so viele Menschen einfach aus Vernachlässigung, weil keiner da für sie. Im Krankenhaus ist kein Platz für sie. Altenheim gibt es in unserer Gegend keines. Und könnten wir da gar nichts tun? Es ist nicht zum Anschauen, wie die Leute alle sterben weil sich keiner um sie kümmert.“ Und das war damals eigentlich so mit der Funke, der natürlich bei mir – ich hab meine Lebensgeschichte schon halb erzählt – auf guten Boden gefallen ist, wo ich dann gesagt habe: „Mensch, wir müssten eine Organisation gründen innerhalb unserer Pfarrei, innerhalb der katholischen Kirche, wo wir uns jetzt wirksam um die Kranken kümmern. Und ganz besonders wollte ich eben diesem Vorwurf aus dem Weg gehen, den man uns Missionaren oft macht, dass man Satellitenprojekte aufbaut, das heißt ein Projekt, das irgendwo von Europa aus gesteuert ist, und von Europa aus verantwortet wird, und wo man dann in Europa entscheidet, wie den Afrikanern zu helfen ist. Und ich habe gesagt: „Diesen Fehler will ich nicht machen. Ich möchte die Südafrikaner dazu bringen, den Südafrikanern, die Hilfe brauchen, in Südafrika zu helfen.“ Und hab daher dann eine Hilfsorganisation gegründet, die südafrikanischen Malteser, die wir nach dem Gründer des Malteserordens eben die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ nennen. Und diese Bruderschaft leistet heutzutage als größte katholische Hilfsorganisation Südafrikas sehr sehr viele Dienste.

Pater Gerhard, die meisten kennen den Malteserorden oder auch die Malteser, aber nur wenige kennen eben die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Können Sie uns das noch ein bisschen genauer erklären, was die machen oder was es da auch vielleicht für einen Unterschied ist zu den traditionellen Malteserorganisationen?

Mich freut der Ausdruck „traditionelle Malteserorganisationen“, und zwar freut er mich deshalb, weil wir eigentlich die traditionelle Organisation sind, die also nicht nur so als eine Hilfsorganisation im allgemeinen Sinn arbeitet, sondern ihren Auftrag auch ganz bewusst als Glaubensauftrag  sieht, wie es die Malteser übrigens international tun. Es gibt eine Parallele zu uns in der Schweiz. Das nennt sich der Malteser Hospitaldienst Schweiz – ich weiß jetzt gar nicht wie er auf Italienisch [Servizio Ospedaliero dell'Ordine di Malta (SOOMS)] oder auf Französisch [Service Hospitalier de l’Ordre de Malte (SHOMS)]heißt – aber es gibt diesen Malteser Hospitaldienst Schweiz. Das ist eine Hilfsorganisation des Malteserordens, die eben Krankenhilfe in der Schweiz leistet und das Äquivalent zu diesem Malteser Hospitaldienst in der Schweiz gibt es in vielen anderen Ländern, in Deutschland den Malteser Hilfsdienst in Österreich einen Malteser Hospitaldienst und in vielen anderen Ländern auch, und in Südafrika ist es eben diese Bruderschaft des Seligen Gerhard, wir aber in unserem Fall jetzt ein kirchlicher Verein ist, ein privater Verein von Gläubigen, der nach Kirchenrecht errichtet worden ist, also nicht nur eine nach Staatsrecht organisierte Organisation – das sind wir auch – aber was uns das Wichtige ist, dass wir eben den Auftrag der Kirche ausführen wollen durch die vielen verschiedenen Hilfstätigkeiten über die Ihnen sicher dann heute noch sehr ausführlich und sehr viel mehr erzähle.

Sie sind jetzt als Einzelkämpfer auch dorthin geschickt worden. Für solch eine Aufgabe braucht es Mut, Kraft und ein ganz großes Ja. Woher haben Sie diesen Mut, diese Kraft, und dieses Ja?

Ich kann nur eine Antwort geben, und das ist unser Glaube. Und wenn wir wirklich glauben, dann brauchen wir gar nicht so viel Mut. Denn wenn wir wirklich wissen, dass wir nur Werkzeuge in den Händen Gottes sind, dann gibt’s da gar kein langes Hin-und-her-Überlegen: „Schaffe ich das? Schaffe ich es nicht?“ Sondern dann geht es mit dieser allgemeinen Entscheidung, die wir als Ordensleute selbstverständlich, aber die auch jeder Priester trifft, dass er sagt: „Ich will mich ganz in den Dienst der Kirche stellen. Ich will mich dem Herrgott in die Hand geben als Werkzeug. Herrgott, vollende Du das Gute, das Du in mir begonnen hast!“ Das ist ein Teil der Weiheliturgie. Und genauso sehe ich das. Ich habe überhaupt keine Angst. Ich brauche auch keinen Riesenmut zu haben. Vielleicht von außen sieht das  durchaus so aus, denn Südafrika ist ja durchaus kein ungefährliches Land in sehr verschiedener Hinsicht, aber der Glaube, der ist eigentlich das, was uns beflügelt, was auch mich persönlich beflügelt, und da gibt‘s kein langes Zetern, und da gibt’s kein langes Warten und Bangen, sondern „Der Liebe Gott und Du ist eine absolute Mehrheit.“ Und warum soll ich da Angst haben? An der Seite Gottes zu stehen brauchen wir er keine Angst zu haben, so wie so wunderschön der Papst Johannes Paul II. immer wieder gepredigt hat: „Non habiate paura! Habt keine Angst!“ Und genauso sehe ich das.

Gleich, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, werden wir mehr über Pater Gerhards Arbeit hören. Davor machen wir aber eine Pause und werden uns das Lied anhören mit dem Titel „Maria, hilf uns in der Not!“

(Musikeinlage)

Lieber Zuhörer und Zuhörerinnen von Radio Gloria, bei uns zu Gast ist Pater Gerhard. Er ist Benediktinerpater und Missionar.  Set 17 Jahren ist er im Zululand/Südafrika tätig. Nun werden wir etwas über seine Arbeit und seine Projekte in Südafrika erfahren. Pater Gerhard, darf ich Sie bitten?

Gerne! Gerne erzähle ich Ihnen etwas über die Missionsarbeit, so wie ich sie als meine ganz persönliche Berufung verstehe, und vielleicht zur Einleitung möchte ich sagen, dass mich meine Missionsabtei, die Abtei Inkamana, eben im Jahr 1990  in die Gegend von Mandeni gesandt hat als Gemeindepfarrer und dass ich eben dort als Gemeindepfarrer, wie ich vorher schon sagte, gesehen habe, dass sehr viel Not besteht, und dass die gelindert werden muss. Und deshalb habe ich eine Hilfsorganisation gegründet, die Bruderschaft des Seligen Gerhard.

Vielleicht sollte ich einfach chronologisch anfangen mit dem ältesten Projekt, das wir schon 1992 angefangen haben. Das nennen wir unseren Hilfsfonds für Arme Kranke. Und dieser Hilfsfonds für Arme Kranke der hilft armen kranken Menschen, wenn sie dringend nötige medizinische Behandlung sich nicht leisten können. Angefangen hat dies mit einer Frau, die dringend eine Herzoperation brauchte, eine dreifache Bypass-Operation, aber das Geld nicht hatte. Sie war nicht krankenversichert und ohne Krankenversicherung hat man damals keine gute Behandlung bekommen. Und so war eben die Alternative: Entweder wir lassen sie sterben oder wir helfen. Und dann haben wir gesagt: „Das kriegen wir schon irgendwie hin.“ (Wir) haben dann Geld gesammelt und haben ihr geholfen, die Herzoperation zu haben. Sie hat die Herzoperation gut überstanden und das war so unser erster größerer Auftrag innerhalb dieses Hilfsfonds für Arme Kranke. Wir haben sehr vielen anderen armen kranken Menschen geholfen, dass sie medizinische Behandlung bekamen, die sie sich sonst nicht hätten leisten können.

Dann haben wir mit einem Nothilfefonds im Jahr 1993 begonnen. Und dieser Nothilfefonds kümmert sich um Menschen in unerwarteten Notsituation, also zum Beispiel: Es gibt bei uns, sehr viele Leute leben in Lehmhütten, die mit Stroh gedeckt sind, und wenn's mal ordentlich regnet, was bei subtropischen Regenfällen durchaus vorkommen kann, kann’s passieren, dass den Leuten das ganze Haus weg gewaschen wird vom Regen und dann haben die nichts mehr. Oder es gibt Buschfeuer bei uns, wo den Leuten alles verbrennt. Oder es gibt sehr viele andere Not und Armut, wo die Leute einfach ins Pfarrhaus kommen und sagen: „Herr Pfarrer, helfen Sie mir! Ich weiß überhaupt nicht mehr was ich anfangen soll. Ich hab sonst keine Hilfe.“ Und da helfen wir eben dann. Wir helfen den Leuten mit Baumaterial. Wir helfen Ihnen, dass sie selber wieder auf die eigenen Beine kommen. Wir am Leuten auch schon mit Kleidung geholfen. Wir geben nie Bargeld in Bettlerhände, denn das wäre eine sehr unkluge Art und Weise, wo dann auch die Gefahr bestünde, dass dieses Bargeld anderweitig verwendet wird und nicht für die wirkliche Not dieser Menschen. Gut!

Dann haben wir angefangen mit einem Stipendienfonds. Der Stipendienfonds kümmert sich um begabte Kinder armer Eltern. Ich persönlich denke, dass die beste Entwicklungshilfe die ist, dass man ausbildet, dass man die Leute auf die eigenen Beine stellt. Aber es gibt hier keine Lehrmittel- und keine Lehrmittelfreiheit in Südafrika, d.h. ich muss alles zahlen. Ich muss Schulgeld zahlen. Ich muss meine eigenen Bücher kaufen, meine eigene Schuluniform, und wenn ich studieren will dann ist das eine Sache, die sich wirklich nur die Kinder ganz reicher Eltern leisten können, aber nicht die armen Leute. Und so haben wir mit diesem Stipendienfonds angefahren. Wir haben in der Zwischenzeit weit über 100 Leuten, weit über 100 pro Jahr muss ich sagen, Schulgeld bezahlt. Wir haben sehr vielen Leuten das Studium bezahlt, und wir haben zum Beispiel eine Sozialarbeiterin ausbilden lassen, die jetzt anderen Menschen hilft. Wir haben Lehrer ausbilden lassen, Krankenschwestern ausbilden lassen, momentan eine Physiotherapeutin, die ihr Studium demnächst abschließt. Das sind alles Riesen-Kosten, sie sich die Kinder armer Eltern nicht leisten können. Und wir wollen damit eine nachhaltige Entwicklungshilfe leisten.

Dann haben wir angefangen mit einem ganz dringenden Projekt, auch noch im Jahr 93, also ganz am Anfang nach unserer Gründung, ein Jahr nachher, und zwar mit einem Hungerhilfeprojekt oder heutzutage nennen wir es eine Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Es gibt bei uns sehr viel Unterernährung, und zwar in erster Linie Fehlernährung. Und die Fehlernährung hat etwas mit Armut zu tun. Es hat aber auch sehr viel mit AIDS zu tun. Sie wissen ja, dass in Südafrika … In keinem Land der Welt gibt es mehr HIV-positive Menschen als in Südafrika. Also gibt‘s auch sehr viele schwangere Frauen, und gibt es sehr viele Mütter, die HIV-positiv sind, und wir wissen alle, dass der HIV-Virus durch das Stillen übertragen werden kann. Also sagt man den jungen Müttern: „Bitte stille nicht, weil Du sonst das Kind, wenn es noch nicht angesteckt ist bei der Geburt, dann durch das Stillen ansteckst.“ Jetzt wie soll aber das Kind dann zu Essen kriegen, wenn man‘s nicht an die Brust legen darf? Und so müssen die Leute eben dann diese Babynahrung kaufen, dieses Pulver das man anrührt, aber das können sich sehr viele nicht leisten. Dann wird‘s zu sehr verdünnt und diese wässrige Lösung hat dann nicht genügend Nährstoffe. Oder sie können sich diese Babynahrung überhaupt nicht leisten und verwenden eben dann Pudding oder Maisbrei, den sie verdünnen, und geben es den Kindern. Die kriegen dann nur Kohlenhydrate und kein Eiweiß und dies führt dann zu einer Mangelerkrankung, die man Kwaschiorkor nennt, und die kann und wird zum Tod führen, wenn man nichts dagegen tut. Und so haben wir also begonnen 1993 mit dieser Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge, wo wir regelmäßig, also jeden Monat sind’s gut über 50 dieser unterernährten Kleinkinder und Säuglinge, die wir behandeln, und zwar nicht nur jetzt behandeln medizinisch gesehen, sondern wir geben Ihnen auch, wo Armut der Grund ist, und das ist in fast allen dieser Fälle der Fall, geben wird Ihnen auch Milch und eiweißangereicherte Aufbaukost, also so einen Eiweißbrei, damit die Kinder die nötige Nahrung bekommen. Und dann unterrichten wir die Mutter bzw. die Person, die sich um das Kind kümmert, wie man Gemüse richtig anbaut, war des Kind alles braucht, um sich gesund zu ernähren.

Dann haben wir ein viertes Projekt begonnen und zwar eine Haushaltsschule. Und zwar ging es bei der Haushaltsschule einfach darum,  dass man arbeitslosen Leuten eine Möglichkeit geben wollte, dass sie eine Ausstellung bekommen. Die Haushaltsschule haben wir aber dann später wieder geschlossen, weil sich dann im sich entwickelnden Südafrika so ein bisschen eine Gegenhaltung gab, wo die Leute dann gesagt haben: „Wir wollen uns nicht zu Dienern der Weißen ausbilden lassen, um denen den Haushalt zu machen.“ Und dann später nicht mehr so viel Interesse bestanden. Dann haben wir gesagt, dann verwenden wir unsere Mittel in einem anderen Gebiet, wo es notwendiger ist.

Wir haben dann 93 auch noch einen Seniorenclub angefangen, einen Altenclub, also einen Club, in dem sich einsame alte Menschen treffen können, und ich glaube, das gibt es in der Schweiz auch, da brauche ich gar nicht viel dazu erzählen, und der arbeitet auch wunderbar, so dass eben diese alten Leute sich nicht einsam fühlen brauchen, sondern sich gegenseitig stützen können. Denn bei uns gibt’s ja sehr viele. Wenn die Kinder Arbeit haben, sind die den ganzen Tag nicht zuhause, und die Alten sind dann völlig vereinsamt zuhause.

Dann haben wir begonnen mit einem Entwicklungshilfezentrum, auch noch im Jahr 93. Also da ist unendlich viel entstanden in der Anfangszeit. Und zwar war das eine Nähschule und ähnlich wie mit der Haushaltsschule haben wir Frauen zu Schneiderinnen ausgebildet, damit sie auch wieder sich selber Geld verdienen konnten. Und sehr viele Frauen, die kein Geld in der Tasche haben, sind dann immer in der Gefahr, dass sie sich das Geld auf unlautere Art und Weise verdienen, eben durch Prostitution, und um dies zu verhindern haben wir gesagt: „Wie versuchen, möglichst viele auszubilden, so dass sich die dann ihren Lebensunterhalt verdienen können.“

Dann haben wir 1994 angefangen ein AIDS-Aufklärungs-Programm. Damals ist die AIDS-Welle erst so richtig losgegangen bei uns in Südafrika, also relativ kurzfristig – damals waren es 10 % der Bevölkerung. Ich weiß nicht, wie viele es in der Schweiz sind, aber in Südafrika ist mindestens ein Drittel der Gesamtbevölkerung HIV positiv und in der Provinz – Sie würden Kanton wahrscheinlich sagen – in der Provinz KwaZulu/Natal sind’s zwei Drittel der Bevölkerung. Damals waren es nur 10 %, aber wir damals schon gesagt: „Wir müssen unbedingt den Leuten erzählen die Wahrheit über HIV, die Wahrheit über AIDS, damit sie verhindern können, sich anzustecken.“

Und dann haben wir im Jahr darauf ein weiteres Projekt begonnen, einen Kindergarten. Und in diesem Kindergarten geht’s darum, dass es bei uns sehr viel Wanderarbeit gibt. Wanderarbeit heißt, der Vater arbeitet ganz weit weg von zu Hause, vielleicht in den Goldbergwerken von Johannesburg, und die sind 700 km weg, oder im Hafen in Durban oder sonst wo, ganz weit weg. Und viele dieser Väter kommen dann oft nur einmal pro Jahr nach Hause, schenken ihrer Frau wieder ein neues Kind, und machen sich aber dann wieder aus dem Staub. Und viele dieser Männer schicken dann auch kein Geld nachhause und die Mutter sitzt da und weiß nicht, wie sie ihre Kinder füttern soll. Und so haben wir gesagt: „Die Frauen sollen arbeiten gehen können. Wir kümmern uns um die Kinder.“ Und so haben wir diesen Kindergarten begonnen, der aus allen Nähten platzt, so viele Kinder haben wir, aber wir helfen eben, so gut wir können, um diesen Müttern eine Einkunfts-Möglichkeit zu schaffen, dass sie eben keine Bettler mir sein brauchen, sondern dass sie für sich selber und für ihre Kinder sorgen können.

Und dann haben wir begonnen, 1995, mit dem Spatenstich und 1996 mit der Eröffnung unseres Pflegezentrums. Und dieses Pflegezentrum ist heute das größte stationäre Hospiz Südafrikas. Normalerweise haben Hospize so 5-10, vielleicht zwölf Betten. Unser Hospiz hat heutzutage 40 Betten in der „inpatient unit“, also im stationären Hospiz. Wir betreiben in diesem Hospiz unterschiedliche Dinge: Zum einen Palliativpflege, indem wir uns um Menschen, denen medizinisch nicht mehr zu helfen ist, im Sinn, dass keine medizinische Heilung mehr möglich ist, … Da kümmern wir uns darum, dass die Menschen menschenwürdig leben können, dass wir ordentliche Schmerzbehandlung betreiben, dass die Sterbenden keine Schmerzen haben, und dass sie auch menschlich betreut werden, dass man mit Ihnen spricht, dass man mit Ihnen betet, dass man ihnen die Hand hält, dass man für sie menschlich da ist, und Ihnen so ermöglicht die letzten Monate oder Wochen ihres Lebens menschenwürdig zu leben und dann eben ihr Leben in die Hände Gottes zu übergehen. Das ist also das stationäre Hospiz. Wir machen dann auch häusliche Pflege vom Hospiz aus, das heißt wir fahren mit mobilen Hauskrankenpflegeteams in den Busch raus, besuchen die Patienten zuhause und helfen Ihnen in der Krankenpflege, so dass die Patienten nicht unbedingt jetzt ins Hospiz stationär aufgenommen werden müssen, sondern die zu Hause bleiben können und bleiben wollen, auch natürlich zuhause bleiben können, und aber trotzdem fachgerecht behandelt und betreut werden. Zum dritten machen wir in diesem Hospiz Ausbildung, und zwar Ausbildung von Pflege-Hilfspersonal, wo wir junge Menschen, d.h. die müssen nicht jung sein, aber die meisten sind jung, die bilden wir dann aus als Pflege-Hilfspersonal, so dass sie zuhause ihre eigenen Kranken besser pflegen können, ihre Nachbarn bei der Pflege unterstützen können, und so eine breite Basis von Menschen geschaffen wird, die bereit und in der Lage ist, und deshalb keine Angst hat, auch die häusliche Pflege dann durchzuführen. Und seit 2003 haben wir dann in diesem Hospiz auch begonnen mit der AIDS Behandlung, und zwar mit der Behandlung des HIV-Virus mit antiretroviralen Medikamenten. Das sind Medikamente, wenn man die regelmäßig einnimmt, kann man verhindern, dass der HIV-Virus sich im menschlichen Blut vermehrt. Und damit wird das Allgemeinbefinden der Patienten unendlich verbessert. Also wir haben Patienten gehabt, die sind auf der Tage reingekommen, wo man gedacht hat, der übersteht die Nacht nicht, und wenn man die dann behandelt mit diesen Medikamenten, geht es denen in relativ kurzer Zeit, so etwa nach acht Wochen, wesentlich besser und wir kommen dazu, dass bei fast allen unsere Patienten, und wir haben inzwischen mehrere hundert Patienten in Behandlung, die virale Ladung, d.h. die Anzahl der Viren auf – jetzt muss ich ins Deutsche übersetzen – „non detectable viral load“ das heißt also, dass die Virenladung unter 50 pro Kubikmillimeter absinkt, und damit sozusagen nicht mehr recht gut nachweisbar ist. Und damit geht's den Leuten gut, d.h. sie können wieder zurückgehen zur Arbeit. Sie sind wieder kräftig. Die sind wieder froh. Die stehen wieder voll im Leben und die Menschen können, wenn sie diese Behandlung bekommen, noch 10 – 15 – 20, vielleicht sogar 25 Jahre bei guter Gesundheit weiterleben. Und somit hat sich das Hospiz eigentlich geändert, von einem Haus, wo wir nur Sterbende im Sterben begleiten, zu einem Haus wo wir Sterbenskranke wieder auf die eigenen Beine stellen, und die Mütter zu ihren Kindern zurückschicken können, die Männer zur Arbeit zurückschicken können, je nachdem, und es den Menschen dann wesentlich besser geht. Das ist also das Hospiz, das seit 1996 eröffnete wurde und mit ganz großem Nachdruck arbeitet, und wie gesagt, wir sind das größte stationäre Hospiz Südafrikas, weil es bei uns eben so enorm viele HIV-positive Menschen gibt. Im Gebiet von Mandeni spricht man von einem „pocket of high infection rate“ auf Englisch. Und zwar wäre das ein endemisches Gebiet. Ich habe eine Zahl, eine offizielle Zahl, die ich zitieren kann, und zwar im Januar 2004 waren in unseren Gebiet 76 % der HIV-Tests positiv, und das heißt 76 % der Leute, die sich testen ließen, bei denen wurde das Virus im Blut nachgewiesen. Und von daher ist es eben unendlich wichtig, dass man was tut.

Jetzt muss ich die anderen Projekte noch erwähnen, die wir auch noch haben, obwohl ich natürlich jetzt in meinem Element bin, und gern sehr viel vom Hospiz erzählen würde.

Wir sind auch im Katastrophenschutz tätig. Wir hatten einen großen Einsatz. Im Jahr 2000 ist ja halb Mosambik unter Wasser gestanden durch eine große Überschwemmungskatastrophe. Und es war sehr schön, dass wir als Teil des Malteserordens der international ja tätig ist, als die Organisation, die vor Ort ist, an diesem Einsatz mitgearbeitet haben. Wir haben geholfen, dass zehntausende von Menschen die von medizinischer Behandlung abgeschlossen waren, weil sie durch Wasser eingeschlossen waren, und nicht ins Krankenhaus konnten, dass die medizinische Hilfe bekamen. Und das war ein ganz großartiger Einsatz unseres Katastrophenschutzes im Jahr 2000.

Dann haben wir im Jahr 1999 noch einen Erste Hilfe und Notfalldienst begonnen, wo wir eben Erste Hilfe Dienst anbieten bei Veranstaltungen, zum Beispiel jedes Jahr bei unseren kirchlichen Wallfahrten den Sanitätsdienst mit verrichten, so dass also Menschen, denen es bei Veranstaltungen schlecht geht, fachmännisch und gut geholfen werden kann.

Und jetzt, denke ich, haben wir fast alle Projekte besprochen miteinander. Ich schaue gerade noch nach. Nein, ich glaube, wir haben alle. Ich habe Ihnen, glaube ich, alle vorgestellt. Nein, jetzt hätte ich ja fast vergessen: 10-jähriges Jubiläum unseres Kinderheimes haben wir dieses Jahr gefeiert, ganz groß. Und zwar ist das Kinderheim entstanden eigentlich aus dem Hospiz. Mit anderen Worten: Der Papi macht die Mami schwanger  und macht sich davon, sobald er hört, dass seine Freundin schwanger ist. Die Frau stirbt etwas später, vielleicht an AIDS, und dann bleiben die Kinder übrig. Also wir haben sehr viele AIDS Waisen, mit denen wir es hier zu tun haben in unserem Land, in unserem Gebiet, und wir haben dann auch sehr viele Kinder, die ausgesetzt werden, also dass man ein Kind irgendwo findet, wo kein Mensch weiß, wer die Eltern sind, und solche Kinder sind bei uns. Wir haben in unserem Kinderheim auch leider einige misshandelte und missbrauchte Kinder, Kinder die unterernährt waren, Kinder die vernachlässigt wurden, und natürlich auch AIDS-kranke Kinder, also 43 Kinder jetzt in unserem Kinderheim, um die wir uns in ganz besonderer Weise kümmern. Ich hab letzte Woche ihre Sendung auch angehört und da ging’s um den Seligen Karl von Österreich. Und wir haben also unser neuestes Kind, das erst seit , ich glaube 3-4 Wochen bei uns ist, das haben wir dann auch Karl genannt, nach dem Seligen Karl von Österreich, der übrigens auch ein er Mitglied des Malteserordens war. Und so haben wir jetzt einen kleinen Karl, und als Familiennamen für dies ausgesetzte Kind haben wir dann den „Benedikt“ gewählt, also einen kleinen Karl Benedikt, Charles Benedict, was unser neuestes Kind ist, und bei dem war es so, dass eine Frau sagte: „Ich muss jetzt aufs Klo“ und sie will ihr kleines Kind nicht mit in die öffentliche Toilette nehmen, und hat eine Passantin gebeten: „Halten Sie bitte mein Kind“, und dann ging sie weg und kam nie mehr wieder, und die Passantin hatte das Kind in den Armen und wusste nicht wohin. Dann gingen sie zur Polizei und die haben mit den Schultern gezuckt: „Ja, wir können Ihnen auch nicht helfen.“ Die Sozialarbeiter waren damals im Streik. So etwas gibt‘s in Südafrika, dass Sozialarbeiter, Krankenschwestern und Ärzte streiken. Und da gab es auch keine Hilfe. Und so haben wir eben dann unser 43. Kind im Kinderheim bekommen.

So haben hier also ein Riesenspektrum an Hilfstätigkeiten, die wir durch unsere Hilfsorganisation abdecken, und wir sind sehr froh und sehr glücklich, dass wir so vielen Menschen auch intensiv helfen können und somit die Nöte der Menschen beantworten durch die Liebe Christi. Wo wir sagen: Die Liebe Christi drängt uns.  Wir können uns nicht hinstellen, ich kann mich als Priester nicht hinstellen und nur fromme Worte predigen – das tue ich auch – sondern ich muss die frommen Worten in die fromme Tat umsetzen und das versuchen wir mit unserer Hilfsorganisation, der Bruderschaft des Seligen Gerhard.

Nun, bevor wir hier eine Pause einlegen habe ich eine persönliche Frage an Sie, Pater Gerhard: Wie hat Sie selber die Projekte, Sie verändert?

Wenn ich Sie recht verstehe, wie haben mich die Projekte verändert?

Ja, genau!

Ich bin ein Mensch geworden der zwar bislang natürlich auch aus 30 Jahre Tätigkeit bei den deutschen Maltesern, wo man natürlich von Nöten der Menschen weiß, und auch etwas tut, aber wir für mich war des sowie ein Eintauchen, ein Eintauchen in ein Meer des Elends. Je mehr ich mich um die Menschen kümmere, mit desto mehr Elend werde ich konfrontiert und immer mehr Fälle werden an einen herangetragen, über die man als Normalbürger eigentlich praktisch nichts hört oder wenig hört, selbst als Pfarrer nicht zu viel damit zu tun hat, und so bin ich also hier in dieses Meer des Elends hineingeworfen worden und ich fühle mich jetzt als einer der hinausgesandt ist, dort etwas zu tun, was mich persönlich verändert hat ist, dass ich merke, ich habe nur zwei Hände, ich hab nur ein Herz, ich hab nur zwei Beine, und mit denen kann ich das alles nicht fertig bringen. Ich brauch den lieben Gott und der Liebe Gott braucht mich und ich bin ein Werkzeug in seiner Hand und ich selber kann‘s nicht fertig bringen. Und der liebe Gott hat mir so unendlich viele gute Menschen zur Seite gestellt, die mir dabei helfen, und dies hat mich wirklich nachhaltig verändert, dass ich ein Mensch bin, der zwar gelernt hat, Hilfe zu organisieren, der aber gleichzeitig einsieht, es liegt im Endeffekt nicht an mir, sondern im Endeffekt liegt’s am lieben Gott. Ich darf mich in seine Hände fallen lassen. Auch wenn ich weiß, ich kann nicht die ganze Welt retten, aber für die wenigen Menschen denen wir helfen können, und das sind ja Zehntausende, diesen Menschen zu helfen, das bedeutet für jeden Einzelnen die ganze Welt, wie die Mutter Theresa das auch gesagt hat.

Dann wollen wir an dieser Stelle wieder ein Lied anhören mit dem Titel „Das Wunder“.

(Musikeinlage)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer von Radio Gloria, wir haben einen Gast bei uns. Das ist Pater Gerhard. Er ist Benediktinerpater und Missionar. Seit 17 Jahren ist er im Zululand/Südafrika tätig. Pater Gerhard, jetzt frage ich sie, Hatten Sie einmal schon Heimweh oder das Bedürfnis, jetzt gehe ich nach Hause?

Die Frage wird mir sehr häufig gestellt. Wenn ich in Europa bin, bzw. in meiner bayerischen Heimat, und dann sag ich den Leuten immer: „Jetzt habe ich Heimweh.“ Dann schauen sie mich so an und dann sage ich: „Jetzt habe ich Heimweh nach Afrika.“ Denn Afrika ist mir zu einer neuen Heimat geworden und wenn ich hier nicht sein kann, weil ich zur Spendenwerbung oder zu sonstigen Dingen in Deutschland oder in Europa unterwegs bin, dann habe ich Heimweh. Also dann fehlen mir wirklich die Menschen hier, dann fehlt mir meine Heimat in der ich ganz tief verwurzelt bin, und die ich als meine ganz persönliche Lebensberufung verstehe. Wieder zurückzugehen nach Europa ist eine Sache, mit der ich mich überhaupt momentan gar nicht beschäftige, weil sie so weit weg ist. Höchstens, wenn ich mal ein Pflegefall wäre unter hier die Pflege nicht gewährleistet wäre, dann vielleicht, aber momentan ist das absolut nicht die Frage. Und nachdem also wir hier selber ein Pflegezentrum haben, hoffe ich, dass da irgendwann auch ich mal einen Platz finden werde. Also Heimweh habe ich, wenn ich in Europa bin, und Heimweh hab ich nach Afrika.

Jetzt zurück zu Ihrem Projekt mit AIDS: Wenn so ein Mensch die Diagnose HIV-positiv oder eben AIDS hat, kommen solche Patienten sofort zu Ihnen, oder verstecken sie sich erst mal?

Ja, jetzt kommt’s natürlich darauf an, wie er die Diagnose bekommt. Und in der Regel ist es so, dass der Patient schon ewig lang krank ist und dass er vielleicht eine Tuberkulose entwickelt hat. Viele Menschen wissen ja, dass ein HIV-positiver Mensch, dass bei dem die körperliche Abwehr nicht mehr funktioniert,  und er von da her mit sehr vielen so genannten opportunistischen Infektionen sich anstecken kann. Bei diesen steht also zum Beispiel die Gehirnhautentzündung oder eine Lungenentzündung oder eben die Tuberkulose sehr weit vorn und sehr viele Menschen haben die. Also die kommen wegen anderer Krankheiten ins Krankenhaus oder zum Doktor oder in eine Klinik, was also bei uns in Südafrika seine Basis-Gesundheitsstation ist, und dann bietet man ihnen einen HIV-Test an. Auch wenn die Leute zu uns kommen, wir machen auch HIV-Tests, und wenn dann die Diagnose kommt „Du bist HIV-positiv“, dann ist dies erst mal ein unendlicher Schock, so wie dies in Europa vielleicht ist wenn jemand eine Krebs-Diagnose bekommt. Und dann ist es ganz wichtig, wenn man diese Mitteilung dem Patienten macht, dass der HIV-Test positiv ist, dass man ihn auch berät wir und ihn sagt: „Du, pass auf, das ist nicht bis Ende der Welt, sondern es gibt unheimlich viele Möglichkeiten, wie wir Dir helfen können, und wie du vor allem sehr lange bei guter Gesundheit weiterleben kannst, wenn Du eine Behandlung bekommst.“ Und die bieten wir ja gottlob an. Also momentan ist es erst mal so ein Davonlaufen, oder eine Verdrängung nennt man es in der Psychologie, dass die Leute so tun: „Ja, vielleicht hat man das Blut verwechselt“ oder „vielleicht ist es ja doch nicht so“ und alle möglichen Ausreden findet und dann etwas später, wenn er dann einsieht, dass es ja doch so ist, dann werden die Leute auch häufig sehr ärgerlich, und der Ärger wirkt sich dann auf die Familie aus und aufs Pflegepersonal und auf alle anderen. Und erst dann beginnt der Patient oft zu hadern und zu handeln mit dem lieben Gott, „Also, lieber Gott, wenn Du jetzt ein Wunder geschehen lässt, dass ich von heute auf morgen nicht mehr HIV-positiv bin, dann werde ich sofort Ordensfrau, oder ich gebe mein ganzes Geld den Armen“ usw. und dann merkt er dann auch, dass diese Verhandlungen eine Milchmädchenrechnung sind, und dann gibt es viele Patienten, die im Endeffekt dann doch sagen: „Ja, jetzt ergebe ich mich meinem Schicksal, aber ich mache etwas Gutes draus. Ich nehme die Behandlung an.“ Also, erst mal ist es ein Riesen-Schock für den Patienten, und da muss man den Menschen dann wirklich helfen, und ihm beistehen und ihm die Hand reichen im übertragenen Sinn, aber auch im wörtlichen Sinn. Und das Gute an der Sache ist, dass  wir eben diese AIDS-Behandlung selber anbieten können und auch anbieten und durchführen und das ist, was der Patient braucht. Was ganz wichtig ist bei den Patienten ist eine ordentliche Patienteninformation. Und da heben wir uns sehr positiv von anderen Anbietern ab, weil wir jedem Patienten einen dreiwöchigen Vorbereitungskurs mitmachen lassen, in dem wir ihm erst mal erzählen, was denn HIV überhaupt ist. Die meisten unserer Patienten können ihren Namen nicht schreiben. Die meisten unserer Patienten unterschreiben mit einem Daumenabdruck, weil sie nicht schreiben können, viele unsere Patienten haben überhaupt keine schulische Bildung, viele sind, wie ich schon sagte, Analphabeten, und wenn man es dann mit so Leuten zu tun hat, kann man denen nicht irgend so eine kluge Broschüre geben, wo sie dann alles nachlesen können, sondern mit den Leuten muss man sich wirklich hinsetzen, bei Adam und Eva beginnen, und ihnen erzählen: „Was macht das Virus überhaupt? Wie kann man dem Virus Einhalt gebieten? Was macht die Behandlung?“ Weil es unendlich wichtig ist bei der AIDS Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten, dass man die Behandlung ganz konsequent durchführt. Ich sage den Leuten immer: „Also, Du pass auf, außer dem lieben Gott gibt‘s in seinem Leben jetzt nichts wichtigeres, als dass Du Deine Medizin nimmst. Alles andere hat zweiten Rang und dritten Rang. Das Wichtigste ist, dass Du zweimal täglich Deine Medizin einnimmst. Wenn Du nur zwei-dreimal hintereinander vergisst, Deine Medizin einzunehmen, kann sich das Virus ändern, es kann mutieren und das heißt, es wird dann unempfindlich gegen die Medizin.“ Und dann kann der nachher seine Medizin wieder nehmen, aber es hilft nichts mehr. Man hat dann eine resistente HIV-Infektion und an der sterben die Patienten meistens sehr sehr schnell. Ganz wichtig (ist es) den Patienten ordentlich vorzubereiten, dass er wirklich weiß worum es geht und wir haben eine 95-prozentige Erfolgsquote in unserer Behandlung, und sind da ganz mächtig stolz darauf, weil wir die Patienten ordentlich vorbereiten, eine natürlich ordentliche Behandlung durchführen, und wir haben dann auch Therapieberater die dann jeden einzelnen Patienten – und wir haben Hunderte in Behandlung – jedem einzelnen Patienten mindestens einmal pro Monat einen Hausbesuch abstatten, und sich mit dem hinsetzen: „Geht Dir’s gut? Hast Du Probleme? Hast Du Sorgen? Gibt‘s irgendwelche Nebenwirkungen oder sonst was?“ So dass man sehr frühzeitig Probleme erkennen kann und rechtzeitig eingreifen kann, bevor der Patient aufhört, seine Medizin zu nehmen. Und drum haben wir eben so einen ganz hohen Wirkungsgrad unserer Behandlung und sind da sehr dankbar dafür, dass wir eben das tun können, und auch in alle Zukunft hoffentlich weiterführen können.

Jetzt braucht das ja auch Geld, Pater Gerhard, und wir haben nur noch ganz wenig Zeit dafür. Ich möchte dann auch noch um Ihren Segen bitten. Können Sie in kurzen Worten sagen, wo vielleicht unsere Zuhörer oder Zuhörerinnen etwas, wenn sie möchten, einzahlen können?

Ja, das ist ganz lieb. Dankeschön!  Es gibt für die, die Internetanschluss haben, gibt es unsere Internetseite. Das wäre die www.bbg.org.za/hilf.htm  Da ist genau aufgeführt unsere Spendenkontonummer. Ich kann die auch kurz vorlesen: Das wäre die IBAN Nummer: DE37 7215 2070 0000 0120 21 und wenn man auf diese IBAN Nummer eine Spende überweist, dann kommt uns die direkt zu.

Und den Segen, den spende ich Ihnen natürlich auch jetzt sehr gerne:  Lasst uns beten! Wir rufen zu Dir, barmherzige Gott, schau gnädig auf dein Volk, das an Dich glaubt, lass alle, die auf Deine Güte vertrauen, Deine Hilfe erfahren und überall die Großtaten Deiner Liebe verkünden. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme auf euch herab und bleibe bei euch allezeit. Amen. Gelobt sei Jesus Christus.

In Ewigkeit. Amen. Pater Gerhard, ich möchte mich bei Ihnen recht herzlich bedanken, dass Sie als Gast und Referent bei uns gewesen sind. Auch Ihnen, lieber Zuhörer und Zuhörerinnen, bedanke ich mich recht herzlich, dass Sie mit mir durch die Sendung gegangen sind. Es würde mich freuen, wenn ich Sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen Gaby Kuhn und ich wünsche Ihnen Gottes Segen.


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Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:00:54