Glaubenskurs:

„Zieh in das Land, das ich Dir zeigen werde!“ (Gen 12,1) -

Wie einst Abraham und später die Weisen aus dem Morgenland
machen sich Missionare auch heute noch auf,
um den Herrn zu finden und ein Segen zu sein -

Missionarische Erfahrungen des Missionsbenediktiners Pater Gerhard

Eine Sendung von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard Lagleder OSB.
Aufgezeichnet am 10. Januar 2011
Gesendet am 13. Januar 2011: 16:30 Uhr


Grüß Gott und herzlich willkommen heißt Euch Gaby Kuhn. Auch ein Gruß an alle Zuhörer und Zuhörerinnen von Radio Gloria. Mit dem Thema Mission assoziieren viele Menschen unterschiedlichste Vorstellungen. Die einen denken an große Heilige, wie z.B. den Heiligen Aloisius. Die anderen haben ein romantisches Bild von vielen Reisen in exotische Länder. Unser heutiger Gast ist der Pater Gerhard Lagleder. Er ist 1955 in Regensburg geboren, Magistralkaplan des Souveränen Malteser-Ritterordens. Pater Gerhard hat bei uns schon im letzten Jahr bereits von den Waisenkindern in Südafrika erzählt. Heute erzählt er uns seine persönlichen Erfahrungen als Missionar. Weil aber unser Gast kein Schweizer Deutsch versteht werde ich ab jetzt in Schriftdeutsch weitersprechen. Lieber Pater Gerhard, der heutige Titel Ihres Vortrags heißt „Zieh ins Land, das ich Dir zeigen werde! – Wie einst Abraham und später die Weisen aus dem Morgenland machen sich Missionare auch heute noch auf, um den Herrn zu finden und ein Segen zu sein. Missionarische Erfahrungen des Missionsbenediktiners Pater Gerhard.“ Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria!

Grüß Gott und Grüezi wohl! Ich bedanke mich herzlich, dass ich wieder mit Ihnen eine Stunde verbringen darf, im Gespräch mit der Frau Kuhn.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte Unterschied zur Mission vergangener Zeiten?

Theologisch gesehen ist im Grunde kein Unterschied, d.h. die Missionstheologie hat sich nie geändert. Christus hat uns gesagt: „Geht hinaus in alle Welt, verkündet den Menschen die frohe Botschaft, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu tun, was ich Euch gesagt habe!“ Und daran hat sich eigentlich nichts geändert, aber was sich sehr intensiv geändert hat, sind die Missionsmethoden. In früheren Zeiten war es ja so, dass die Missionare teilweise mit dem Eseln oder mit dem Pferd in den Busch hinaus geritten sind, und erst mal Kranke gepflegt haben, dann begonnen haben, Leute zu unterrichten, und den Leuten dann auch vom Glauben was erzählt haben, und auf diese Art und Weise haben die Menschen dann zum Glauben gefunden, und sind getauft worden, und so ist dann die Kirche in Afrika und auch in anderen Ländern gegründet worden. Was sich heute geändert hat, sind die Missionsmethoden. Ich meine, dass ich Mission am Internet betreibe, dass ich den Menschen die Missionsidee auf ganz andere Weise klarmache, dass wir ein hochmodernes Hospiz betreiben, dass wir mit modernen Mitteln arbeiten in der heutigen Zeit ist einfach eine Notwendigkeit, weil es umso effektiver geht, wenn man diese modernen Mittel verwendet. Also, wie schon sagte, es hat sich an der Mission, am Auftrag, überhaupt nichts geändert. Es geht nur darum, dass wir, so wie es der Papst Johannes XXIII immer wiederholt hat, dieses „aggiornamento“, d.h. die Angleichung an die Zeitverhältnisse, dass wir immer neu uns überlegen müssen, wie wir in wirksamer Weise in der heutigen Zeit die Liebe Gottes zu den Menschen rüber bringen. Darum geht's. Und so werden heute andere Methoden verwendet in der Glaubensverkündigung, wie ich schon sagte, zum Beispiel im Internet, oder die Internetseelsorge, und auch mit audiovisuellen Mitteln wird gearbeitet, aber es hat sich am Grundauftrag der Kirche überhaupt nichts geändert.

Sind Abraham und die drei Weisen auch heute noch konkrete Vorbilder für Missionare?

Auf jeden Fall! Zu dem Abraham hat ja in Genesis 12,1 der Herr gesagt: „Zieh weg aus Deinem Land, von Deiner Verwandtschaft und aus seinem Vaterhaus in das Land das ich Dir zeigen werde. Ich werde Dich zu einem großen Volk machen, Dich segnen und Deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein!“ Und daran hat sich überhaupt nichts geändert. Das heißt, auch heute noch ziehen Missionare weg aus ihrem Heimatland, von ihrer Verwandtschaft, von ihrem Vaterhaus, in das Land, das Ihnen Gott zeigt – durch den Ordensoberen zum Beispiel – und sollen dort für die Menschen genauso ein Segen sein. Die Heiligen Drei Könige hatten eine ganz andere Erfahrung gemacht: Wir alle wissen ja, dass sie vermutlich weise Sterndeuter waren, die im Zweistromland, also was wir heute den Irak nennen, gelebt haben. Und in der Zeit Christi waren die Babylonier im Zweistromland. Und diese Babylonier hatten eine Idee, dass sie im Lauf der Himmelsgestirne gefolgt sind, in dem Sinn, dass sie so wie eben die Astronomie das heute auch macht, genau feststellt, welcher Stern sich wohin, und wann, und wie, und in Bezug auf andere Sterne, bewegt. Allerdings hatten die alten Babylonier damals den Sternen eine Bedeutung beigelegt, und es ist ganz interessant, dass im Jahr der Geburt Christi es eine einmalige Himmelserscheinung gegeben hat, nämlich dass der Jupiter dreimal in diesem Jahr eine Konjunktion, d.h. ein optisches Zusammentreffen, mit dem Saturn hatte und das geschah im Sternbild der Fische. Und jetzt muss man wissen, dass bei den alten Babyloniern der Jupiter als der Stern des Weltherrschers gegolten hat, der Saturn war der Stern Palästinas und das Sternbild der Fische war das Zeichen der Endzeit. Und somit ist es also diesen Sterndeutern in Babyloniern, im Zweistromland, was man damals von Jerusalem aus den Osten nannte, oder das Morgenland, ist es denen aufgegangen, durch den Lauf der Sterne, dass der Stern des Weltherrschers mit dem Stern Palästinas (zusammen)trifft im Sternbild des Zeichens der Endzeit. Das heißt mit anderen Worten, dass in Palästina der Herrscher der Endzeit erscheinen wird. Und deshalb haben sich diese drei Weisen auf den Weg gemacht, tausende von Kilometern aus dem heutigen Irak nach Palästina, und wollten eben den Herrscher der Endzeit dort finden, den sie dann doch in der Krippe von Bethlehem gefunden haben. Also wir müssen den Zeichen der Zeit folgen, wenn wir erkannt haben, und als richtig erkannt haben, dass Christus uns ruft. Dann müssen wir diesem Ruf folgen, so wie das der Abraham getan hat, oder wie das auch die drei Weisen aus dem Morgenland getan haben. Und dann werden wir auch wirklich den Herrn finden, und werden ihm begegnen können. Dann wird er uns als Licht aufstrahlen, wie er das den Heiligen Drei Königen ist.

Lieber Pater Gerhard, wir freuen uns nun auf ein hochinteressantes Thema, über die Realität der modernen Mission.

Ich möchte heute mal über die Realität der modernen Mission sprechen, aber damit beginnen, die Grundlagen, die theologischen Grundlagen der Mission etwas zu betrachten. Es ist mir eine ganz große Freude, dass am Dreikönigstag dieses Jahres (2011) sich zum 24. Mal der Tag meiner eigenen Aussendung als Missionar gejährt hat, und dass ich also jetzt im 25. Jahr im missionarischen Dienst sein darf. Und dieser missionarische Dienst ist eine Sendung. Unsere missionarische Sendung ist die Sendung Christi, und Christus hat eben gesagt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“, oder „Wie Du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.“ Ja, aber wie hat jetzt der Vater Christus in die Welt gesandt? Was ist sein göttlicher Auftrag? Was ist seine Sendung? Und da gibt’s eine wunderschöne Stelle, und zwar im Lukasevangelium, im vierten Kapitel, Vers 18 und 19, wo der Jesus zum Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit, seines öffentlichen Wirkens in Galiläa, am Sabbat in der Synagoge von Nazareth war, und da hat er dann aus dem Buch des Propheten Jesaja vorgelesen. Und im Lukasevangelium ist uns da berichtet, dass er sagt: "Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat nicht gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde, und den Blinden das Augenlicht, damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze, und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Und das, was das Lukasevangelium hier berichtet, ist ein fast wörtliches Zitat – weil Jesus ja auch vorgelesen hat – aus dem Propheten Jesaja, wo eben der Gesalbte Jahwes die Frohe Botschaft verkündet: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt“, und dann kommt genau dasselbe Wort: „Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine Frohe Botschaft bringe, und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde, und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Und genau daraus leitet sich mein und unser missionarischer Auftrag ab: Einmal wie der Abraham: „Zieh weg aus Deinem Land, von Deiner Verwandtschaft, und aus Deinem Vaterhaus, in das Land, das ich Dir zeigen werde!“ und dann der Missionsauftrag Christi: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ – alle Menschen! – „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und Lehre sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe!“ Und dann, nach Lukas 4, ist unsere missionarische Sendung, das Evangelium vom Heil in Jesus Christus zu verkünden – in Worten und in Taten –, wie Christus mich der Armen anzunehmen. Und wenn man die Bibel aufschlägt, findet man Christus meistens bei den Zerschlagenen, bei den Armen, bei den Ausgestoßenen. Meine missionarische Sendung ist, wie Christus alle zu heilen, deren Herz zerbrochen ist, wie Christus die Menschen von den Fesseln der Sünde zu befreien, wie Christus den Menschen aus dem Gefangensein in Not und Elend zu entlassen, wie Christus die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen, und jedes Jahr für die mir anvertrauten Menschen zu einem Jahr der Gnade werden zu lassen. Und der ganze Missionsauftrag lässt sich in dem Wort an Abraham zusammenfassen: „Ein Segen sollst du sein!“ Wichtiger ist aber noch, wie ich diesen meinen missionarischen Auftrag ganz konkret in die Tat umsetze. Und da kann ich jetzt nur von mir selber sprechen von meiner eigenen Erfahrung, und von meinen eignen missionarischen Aufgaben, die mir gestellt worden sind durch meine Gemeinschaft, durch die Missionsbenediktiner.

(Musikeinlage)

Ich habe ja in früheren Sendungen in Radio Gloria bereits etwas ausführlicher über unser Hospiz erzählt, das größte stationäre Hospiz in Südafrika, wo wir uns um Sterbende kümmern, wo wir uns um Aidskranke annehmen, nicht nur im Sterben, sondern sie auch behandeln, damit sie eben noch nicht so bald sterben müssen, und in einer anderen Sendung habe ich ausführlich über unser Kinderheim berichtet. Aber heute möchte ich Ihnen über andere Projekte etwas erzählen:
Und zwar möchte ich Ihnen etwas berichten von unserer Klinik für unterernährte Kinder: Unsere Klinik für unterernährte Kinder wurde eröffnet, weil es sehr viele Menschen gibt, bei uns hier im Zululand, sehr viele Kinder gibt, die unterernährt sind. Es gibt Kinder, deren Eltern, oder deren Mutter an AIDS erkrankt ist, und wenn man an AIDS erkrankt ist, soll man ja das Kind nicht stillen, weil sich das Virus durch die Muttermilch übertragen kann. Und so gibt es eben viele Mütter, die für ihre Kinder nichts zu essen haben. Es gibt dann auch sehr viele Kinder bei uns, deren Eltern nicht verheiratet sind, und meistens sind dann die Mütter auch sehr jung. So wachsen sehr viele kleine Kinder bei der Großmutter auf. Und die Großmutter kann das Kind natürlich nicht stillen, und so haben sehr viele kleine Kinder bei uns Mangelernährungs- und Unterernährungserscheinungen.
 Und deshalb haben wir diese Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge aufgemacht, wo wir Sprechstunden halten, wo wir unterernährte Kinder untersuchen, wo wir sie behandeln, wo wir sie mit Nahrung versorgen, und deren Bezugspersonen dann auch in Säuglingspflege und Ernährungslehre unterrichten.

Das gibt mir jetzt ein Stichwort, wenn ich über Ernährung spreche, wenn ich über Brot spreche, dass ich Ihnen eine ganz neue und andere missionarische Erfahrung mitteilen darf, die mir selber ganz tief unter die Haut gegangen ist: Ich gehe mit Ihnen jetzt den Gedanken zurück in unser Hospiz, und in unserem Hospiz lag ein Mann im Sterben.  Der Krankenpfleger, der sich um ihn kümmerte, hat mich angerufen, hat gesagt: „Mensch, Pater, bitte komm! Da liegt einer im Zimmer 2 im Bett 4, und dem geht’s gar nicht gut, und der hat gesagt, er will mit Dir ganz persönlich reden.“ Selbstverständlich bin ich sofort in das Krankenzimmer gegangen, bin zu dem Patienten hin und habe ihn gefragt: “Ja, Sie haben mich gerufen. Was kann ich für Sie tun? Ich bin der Pater Gerhard.“ Dann sagte er: „Sie, Pater, könnte ich Brot haben?“ Dann sagte ich: „Bitte? Sie wollen Brot haben? Und deshalb rufen sie mich? Ja, gerne, natürlich können Sie ein Brot haben.“ Dann bin ich rausgegangen, bin zur Küche, hab um ein Brot gebeten, habe ihm auf einem kleinen Teller Brot gebracht, und habe es ihm hingestellt, und gesagt: „Bitteschön, hier haben Sie Brot!“ „Nein, Pater, “ sagte zu mir, „ich will nicht dieses Brot. Ich will dieses Brot, was Du am Morgen immer den Menschen gibst.“ Da sagte ich: „Das Brot, das ich am Morgen immer den Menschen gebe?“ „Ja, in dem Gottesdienst, da gibst Du doch den Menschen immer das Brot. Und ich hab die anderen in meinem Zimmer gefragt, und die haben mir gesagt, dass dies das Brot des Lebens sei, und wenn man dieses Brot isst, wird man nicht sterben, und ich will nicht sterben! Bitte gib mir doch dieses Brot!“ Dann sagte ich: „Ja, Du meinst die heilige Kommunion, den Leib Christi. Das ist das Brot des Lebens. Aber das kann ich Dir nur geben, wenn du katholisch bist.“ „Ja, dann mach mich doch katholisch!“ „Ja, das geht gar nicht so einfach! Ich meine, dazu müssten sie erst getauft sein.“ „Ja, dann tauf mich doch!“ Und aus diesem Wunsch heraus hat sich dann ein etwa zweistündiges Taufgespräch ergeben. Viel Zeit hatte ich nicht, weil ich ja gespürt habe, dass der nicht mehr lange zu leben hat – das spürt man, wenn man etwas Erfahrung hat – und so habe ich dann nach dieser etwa zweistündigen Instruktion, diesem Patienten drei Sakramente gespendet: Erst mal habe ich in getauft, dann habe ich ihm die Krankensalbung gespendet, und dann habe ich ihm die Erstkommunion gespendet, die in seinem Fall die Wegzehrung gewesen ist. Ich werde es nie vergessen: Wie ich ihm die heilige Kommunion gegeben habe, wie die Augen sich in ein Leuchten verwandelt haben, und wie er – ich habe das Foto vor mir liegen – und wie er sich dann von mir verabschiedet hat. Und ich habe gesagt: „Ja, ich komme später wieder und besuch sie wieder.“ Und dann, zwei Stunden später, ruft mich der Krankenpfleger wieder an und sagt: „Jetzt ist er ganz zum Herrn heimgegangen.“ Und so hat dieser Mann sich bekehrt. So ist dieser Mann zum Glauben, zur Kirche gekommen. Und zwar das Schöne war, dass es ist nicht allein durch die Tätigkeit von uns so genannten Berufsmissionaren geschehen ist, die Theologie studiert haben, und die pastorale Ausbildung haben, sondern dass die eigentliche Missionstätigkeit durch die Zimmerkollegen geschehen ist, die ihm erzählt haben. Er war eingeladen zum Gottesdienst, hat daran teilgenommen, und hat die Leute dann gefragt: „Ja, was geschieht denn da?“ Und dann haben ihm die im Zimmer erzählt, was da geschieht, und somit war die missionarische Tätigkeit eigentlich geleistet durch die Zimmerkollegen dieses Kranken. Und da bin ich unendlich stolz darauf, dass also die Missionstätigkeit weitergeht, dass die eine Aufgabe der ganzen Kirche ist, nicht nur der Priester und der Missionare, sondern der ganzen Kirche, dass auf diese Art und Weise dieser Patient zu Gott gefunden hat, und ich bin absolut überzeugt, dass er noch am selben Tag, so wie der reuige Schächer, beim Herrn im Paradies war, und am himmlischen Hochzeitsmahl teilhaben durfte, und dass er dann dieses Brot des Lebens in einer ganz besonderen Weise, wie man es nur im Himmel bekommt, empfangen durfte. Das war so ein ganz tiefschürfendes, tiefgreifendes Erlebnis, das ich hatte. Weil ich oft auch gefragt werde: „Ja, sagen Sie mal, Missionsarbeit, erschöpft sich die in der sozialen Tat?“ Dann sage ich den Leuten: „Nein, die erschöpft sich nicht in der sozialen Tat. Die soziale Tat ist unendlich notwendig, so wie Christus eben auch die Kranken geheilt hat, so wie Christus auch die Blinden geheilt hat, wie er den Lahmen wieder von der Trage aufstehen ließ und nachhause gehen ließ. All das müssen wir tun im Auftrag Christi, aber darin erschöpft es sich natürlich nicht, sondern die Glaubensverkündigung und die Gottesdienstfeier kommt mit dazu. Und so wird den Menschen eben, wenn sie dann fragen: „Ja sag einmal, Pater, warum tust denn Du das eigentlich?“ Und wenn die Leute dann fragen – es ist ja ein bisschen lustig: Mich hat mal eines der Kinder im Kinderheim gefragt: „Ja, Pater, was verdienst Du denn überhaupt?  Du arbeitest so viel. Du musst ja wahnsinnig viel Geld verdienen!“ Und dann habe ich zu den Kindern gesagt: „Jetzt sage ich Euch mal ein Geheimnis: Ich verrate Euch ganz genau, was ich verdiene.“ Und dann haben sie gefragt: “Ja, was verdienst Du denn?“ Dann habe ich gesagt: „Keinen Pfennig!“ Oder keinen Cent müsste man heutzutage sagen, oder keinen Rappen in der Schweiz, „sondern ich bin ein Ordensmann und ich tue das, nicht weil ich damit Geld verdiene, sondern ich tue dies, weil ich mich dazu von Gott gerufen fühle.“ Und durch solche Fragen dann, wenn die Leute sagen: „Ja, warum tust du denn das?“, dann kann man Ihnen vom Glauben erzählen, dann kann man ihnen erzählen, dass man sich von der Liebe Christi angetrieben fühlt, und dass die einem die Kraft gibt, dass man die Arbeit tut, und dass man Christus nachfolgen will, dass man das tun will, was Christus uns gesagt hat, und darum geht es in der Missionsarbeit.

(Musikeinlage)

Für die Zuhörer und Zuhörerinnen, die etwas später zu uns gestoßen sind: Unser heutiges Thema: „Missionarisch Erfahrung des Missionsbenediktiners Pater Gerhard. Er ist gerade selber bei uns zu Gast. Wo muß heuzutage der Schwerpunkt erfolgreicher Missionsarbeit liegen?

Ich denke, der Schwerpunkt einer erfolgreichen Missionsarbeit muss darin liegen, dass ich ein genuines Glaubenszeugnis gebe. Wenn man sich über Kindererziehung unterhält, dann spricht man immer davon, dass die Kinder nicht das lernen, was ihnen gesagt wird, und was ihnen eingebläut wird, was sie zwanzigmal niederschreiben müssen und wiederholen müssen, sondern dass ein Kind immer von dem lernt, was andere tun. Das heißt, dass ein Kind dem Beispiel der Eltern und dem Beispiel von Verwandten, von Freunden, von anderen Leuten, folgt, die mit dem Kind zusammenleben. Und dadurch lernt der Mensch. Und ich denke, dass genau dasselbe auch für die Missionsarbeit gilt, nämlich dass nur dann eine wirklich erfolgreiche Missionsarbeit geleistet werden kann, wenn wir ein genuines Glaubenszeugnis geben, wenn die Menschen, für die wir da sind, an uns – und zwar meine ich jetzt wirklich nicht nur die Missionare, sondern wie ich vorher sagte, auch die ganze Kirche – wenn die ganze Kirche, wenn die Gläubigen ein genuines, ein glaubhaftes Glaubenszeugnis geben, so wie es in der Heiligen Schrift heißt: „An ihren Werken wirst du sie erkennen.“ Also, wenn wir den Glauben in die Tat umsetzen, und wenn die Menschen merken: Aha, dies ist jetzt ein Mensch, der kann vergeben. Warum tut der das? Und dann die Antwort kommt: „Aus meinem Glauben heraus!“ Oder warum macht ein Mensch Dinge, die ihn nichts einbringen, die ihm keinen Verdienst und kein Einkommen bringen, und wenn dann die Antwort die ist, dass ich das tue, oder das die Gläubigen das tun, weil sie sie nicht von der Liebe Christi gedrängt fühlen, die Liebe Christi an andere Menschen weiter zu schenken. Und ich denke, dass genau das wirklich eine erfolgreiche Missionsarbeit ausmacht. Denn die Menschen sind heutzutage sehr kritisch geworden, und die Menschen hinterfragen alles und jedes. Und das ist ja eigentlich gar nicht verkehrt, dass die Menschen Dinge hinterfragen, denn damit sind sie dann vielleicht auch vor Scharlatanen geschützt, die Ihnen das Blaue vom Himmel herunter erzählen, um sie für irgendeinen Blödsinn zu gewinnen, und drum ist es gut, wenn die Menschen hinterfragen, und drum ist es ebenso wichtig, dass die Menschen an der Glaubwürdigkeit der Christen sich erbauen, und sich daran ein Beispiel nehmen können, und auf diese Art und Weise selber dann zum Glauben finden und sagen: „Also, wenn so ein Christ ein Mensch ist, der sein Leben dafür einsetzt, dass anderen Menschen geholfen wird, wenn ein Christ ein Mensch ist, der vergeben kann, auch wenn er schwer verletzt worden ist von einem anderen Menschen, dass ein Christ ein Mensch ist, der Verantwortung übernimmt für andere, und gerade dies ist in Afrika enorm wichtig, … Es gibt zum Beispiel in der Zulu-Sprache kein Wort, mit dem man das deutsche Wort Verantwortung übersetzen könnte, und wenn die Menschen dann lernen, dass man Verantwortung übernimmt für andere, dass man für andere sich zuständig fühlt, dass man für andere sich verantwortlich fühlt, dass man nicht wegschaut wie der Priester und der Levit im Gleichnis in der Heiligen Schrift von dem Mann, der von den Räubern halb totgeschlagen wurde, sondern wenn man sich um den annimmt, auf den zugeht, wenn man ihm das gibt, was er braucht, dann glaube ich, ist dieses genuine Glaubenszeugnis gegeben und das kann wirklich weiter tragen.

Pater Gerhard, wie viele Jahre sind Sie denn jetzt schon in Afrika?

Ich bin jetzt im 25. Jahr in Afrika. Ich wurde am 6. Januar 1987 ausgesandt als Missionar von der Erzabtei St. Ottilien und bin noch im selben Monat hier in Afrika angekommen. Ich war dann drei Jahre zum Erlernen der Zulu-Sprache als Kaplan, oder wie man's auf Zulu nennt, als „kleiner Vater“ (und der „große Vater“ ist dann Pfarrer, der Pfarrseelsorger), also ich war als „kleiner Vater“ in einer Gemeinde und habe eben dort in der Seelsorge mitgearbeitet. Und dann, im Jahr 1990, wurde ich selber Pfarrer in einer Gemeinde hier in der Gegend, in unserer Nachbarpfarrei Mangete. Und im Jahr 1991 habe ich dann die Pfarrei Mandeni übernommen. Also sind es in diesem Jahr 20 Jahre, dass sich hier in Mandeni bin. Und wo das liegt, habe ich ja schon erzählt: Etwa 100 km nördlich von der riesengroßen 4 Millionen Stadt Durban.

Nach so vielen Jahren fühlen Sie sich bereits als Afrikaner?

Nein ich fühle mich nicht ein bisschen als Afrikaner, sondern völlig als Afrikaner. Da kann ich Ihnen eine lustige Geschichte erzählen: Ich war mal in Schwaben, und da war ein Fußballländerspiel, und da hat Südafrika, die Nationalmannschaft, gegen die deutsche Mannschaft gespielt. Und ich hatte einen Missionsvortrag. Und nach dem Missionsvortrag hat man sich eben am Fernseher dann dieses Länderspiel angeschaut. Und als ich dann für die Südafrikaner geschrien habe, hätten mich die fast gelyncht, weil ich so ein Verräter bin, und weil ich für die Südafrikaner schreie, und nicht für die Deutschen. Aber so ist es wirklich:  Ich fühle mich als Südafrikaner. Ich hab ein bayerisches Herz, das für Südafrika in Südafrika schlägt. Und genau dies ist auch wichtig. Man muss, wenn man Missionar sein will, ganz in das Missionsland eintauchen. Man muss ein Südafrikaner werden und man muss, ja wie gesagt, ganz in dieser Aufgabe aufgehen und einer von den Leuten werden. Mir geht es oft so, dass sich der einzige Weiße bin in einer Riesenmenge von Schwarzen.  Nur den Schwarzen fällt es auf, dass ich ein Weißer bin. Mir selber fällt dies gar nicht auf, weil ich die Sprache natürlich spreche und verstehe, und weil ich mich selber als einer dieser Menschen nicht nur fühle, sondern weil ich einer von ihnen bin. Und insofern ist es enorm wichtig für einen Missionar, dass sich ganz assimiliert und dass er sich ganz auf diese Aufgabe einlässt. Es ist ja eine Lebensaufgabe. Und wenn ich mit den Menschen lebe, dann muss ich auch mit den Menschen fühlen und sie verstehen. Und das war für mich so gut und wichtig, auch in diesen ersten drei Jahren. Ich hatte einen großartigen Lehrmeister, einen erfahrenen Missionar, der mir unendlich viel erzählt hat, auch von der Geisterwelt, von der Glaubenswelt, von den religiösen Vorstellungen, von der Mythologie und von den traditionellen Vorstellungen der Zulu. Und das hilft mir bis heute, was ich damals gelernt habe, weil man erst dann, nimmer so richtig weiß, was der Zulu im innersten denkt und was er fühlt, was er spürt, welche Ängste er auch hat, dass man dann auf diese Ängste auch antworten kann, und versuchen kann, in von diesen Ängsten zu befreien. Denn es ist ja leider so, dass in vielen der so genannten Stammesreligionen, diese Stammesreligion ein einziger Angstzustand ist, vor irgendwelchen bösen Geistern, vor Hexern, vor Zauberern, und vor anderen Leuten, die einem Übles tun wollen, und der Mensch dann seine religiöse Lebensaufgabe darin sieht, diese Geister zu vertreiben, oder Gegen-Zauber zu finden, und sich überhaupt nicht konzentrieren kann auf die Liebe Gottes. Von der weiß er ja nichts, denn seine Glaubenswelt beschränkt sich auf, wie ich schon sagte, auf diesen Angstzustand vor diesen bösen Geistern. Und wenn ich dem Menschen dann beibringen kann, und es dauert Jahrzehnte, bis es wirklich gelingt, wenn man den Menschen dann beibringen kann, dass er keine Angst zu haben braucht, weil eben der Liebe Gott in seinem Tod und in seiner Auferstehung Tod und Teufel und alle bösen Geister besiegt hat, und weil wir von da her wissen, dass Christus für uns kämpft, dass nicht ich kämpfen muss, sondern dass Christus an meiner Stelle für mich einsteht, für mich kämpft, und das Böse für mich besiegt hat, dass also nicht ich dauernd mich darauf konzentrieren muss, das Böse zu bekämpfen. Denn dann, rein psychologisch gesehen, konzentriert sich der Mensch immer nur auf das Böse, wenn er gegen das Böse kämpft. Und ich sage den Leuten immer: „Lass das Böse zur Seite! Schau nicht hin! Dreh Dich lieber zum Guten hin! Dreh Dich zum lieben Gott hin! Und wenn Du Dich Gott zuwendest, drehst Du Dich automatisch vom Bösen ab. Also brauchst Du das Böse gar nicht zu bekämpfen mit all Deinen Zaubern, mit all Deinen Hexereien, sondern überlass das dem lieben Gott! Sei an seiner Seite! Verlass Dich auf seine Kraft! Verlass Dich auf seine göttliche Allmacht, und dann kann Dir nichts mehr passieren. Und wenn die Leute das dann endlich verstehen, dann ist dies wirklich eine echte und eine ganz tiefe Befreiung, dass auf einmal so ein fürchterlicher Druck von ihrem Herzen wegfällt, und wenn sie eben wissen dürfen: Solang ich mit Christus bin, und auf seiner Seite bin, dann sind Christus und ich die absolute Mehrheit, und alles andere kann mir nichts mehr anhaben. Uns dies ist es ganz Wichtige in der Missionsarbeit, dass wir den Menschen die Angst nehmen, dass wir sie befreien, so wie es der Heilige Paulus sagt, dass wir im Glauben zur Freiheit befreit sind. Und genau darum geht's in der Missionsarbeit, auch die Menschen zu befreien, zum Glauben, zur Hoffnung und zur Liebe an Christus, in Christus, mit Christus, füreinander. Und dies ist das Wichtige in der heutigen Missionsarbeit, genauso wie es in früheren Zeiten auch war.

(Musikeinlage)

Pater Gerhard, würden Sie uns noch einmal ihre Projekte aufzählen?

Ja, ich fasse es nochmal einfach ganz kurz zusammen und erzähle Ihnen dann gerne mehr zu den einzelnen Projekten: Ich sagte ihnen bereits in früheren Sendungen, dass wir ein großes Hospiz betreiben, und in diesem Hospiz ein Aidsbehandlungsprogramm, und durch dieses Hospiz auch ein HIV und Aids Aufklärungsprogramm. In einer anderen Sendung habe schon davon gesprochen, dass wir ein großes Kinderheim betreiben, mit momentan 42 Kindern und ich habe gerade in dieser Sendung schon gesprochen über unsere Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Und jetzt, die weiteren Projekte die wir noch betreiben, sind: Ein Kindergarten. Dann haben wir einen Hilfsfonds für Arme Kranke. Dann haben wir einen Nothilfefonds und einen Stipendienfonds. Dann betreiben wir einen Senioren Club. Wir betreiben einen Erste Hilfe und Notdienst. Und schließlich und endlich sind wir auch im Katastrophenschutz tätig. Wir sind also bereit, im Katastrophenfall als Hilfsorganisation im Sanitäts- und Betreuungsdienst tätig zu werden. Das ins der Gesamtüberblick über die Hilfsprojekte, die wir betreiben. Und in dem haben wir enorm viel zu tun. Die beiden größten Projekte sind unser Hospiz und unser Kinderheim, aber die anderen sind nicht weniger wichtig.

Natürlich braucht Ihre Mission Geld zum Arbeiten. Wie können unsere Zuhörer und Zuhörerinnen Ihnen helfen?

Erst mal möchte ich mich ganz herzlich bedanken, dass mir diese Gelegenheit gegeben wird. Und ich bin auch sehr dankbar, dem Malteserorden in der Schweiz, die uns mit ganz offenen Armen aufgenommen haben in den Kreis derer, die sie unterstützen wollen, und die uns auch gesagt haben, dass wir sehr gerne über ihr Spendenkonto auch Spenden für uns entgegennehmen können. Diese Spenden wären einzuzahlen an die „Helvetische Assoziation FONDAHOM“. Und das Konto ist bei der UBS AG. Und die internationale Kontonummer die IBAN Nummer ist: „CH 26 00 26 026038304040R“ und im Verwendungszweck wäre der Vermerk „Südafrika“ bitte anzubringen, damit auch wir dieses Geld bekommen.

Ich bedanke mich nochmal ganz ganz herzlich für die Möglichkeit, an ihr Herz zu klopfen und zu sagen: „Bitte, helft uns, weil wir unsere gesamte Tätigkeit ausschließlich aus Spenden finanzieren müssen und die Menschen, denen wir hier helfen, selber völlig arme Leute sind, und selber keinem Beitrag leisten könnten.“ Und daher ein ganz herzliches Vergelt’s Gott, ein ganz herzliches Dankeschön!

Vielen Dank, lieber Pater Gerhard, für diesen intensiven Einblick in Ihre Arbeit! Zum Schluß noch möchte ich Sie, Pater Gerhard, um Ihren Segen bitten.

Sehr gerne. Lasst uns beten:  Gott, allmächtiger Vater, wir danken Dir, dass du uns alle berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen. Wir bitten dich, dass Du uns Deinen Segen schenkst, dass wir unsere eigene Berufung erkennen können, und dass wir unserer Berufung folgen können, dass wir den Glauben, die Hoffnung und die Liebe dort leben, wo du uns hingestellt hast. Wir bitten um Deinen besonderen Segen für die Missionare in der ganzen Welt, und für die Mission auch hier im Zululand, und für die Menschen in der Schweiz. Und dazu segne und behüte Euch der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen. Gelobt sei Jesus Christus!  In Ewigkeit. Amen.

Das ist es gewesen, unsere Sendung mit dem Titel „Missionarische Erfahrungen des Missionsbenediktiners Pater Gerhard Lagleder.“ Pater Gerhard, ich möchte mich bei Ihnen herzlich bedanken, dass Sie bei uns als Gast und Referent gewesen sind. Auch bei Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, bedanke ich mich recht herzlich, dass sie mit mir durch die Sendung gegangen sind.  Es würde mich freuen, wenn ich Sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen: Gaby Kuhn und ich wünsche Ihnen Gottes Segen!


Hochfest Erscheinung des Herrn - Der Stern von Betlehem - Predigt von Pater Gerhard T. Lagleder OSB


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Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:02:24