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Glaubensspiegel:

"Unter dem Kreuz des Südens"

Der Benediktinermissionar Pater Gerhard berichtet aus dem Zululand

Ein Interview von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard,
gesendet am 16. März 2011 um 14°° Uhr

Frage von Gaby Kuhn im Interview:
"Was ist aktuell Ihr größter Wunsch?"
Antwort von Pater Gerhard:
"Dass unsere AIDS-Patienten nicht sterben müssen"

Hintergrund: http://bbg.org.za/aidshilfe.html

 

"Grüß Gott" und Herzlich willkommen heißt Euch Gaby Kuhn. Auch ein Gruß an alle Zuhörer und Zuhörerinnen von Radio Gloria. Unser heutiger Gast, den wir bei uns begrüßen dürfen, versteht leider kein Schweizer Deutsch. Drum werde ich ab jetzt in Schriftdeutsch weitersprechen:

„Unter dem Kreuz des Südens“. Der Benediktinermissionar Pater Gerhard berichtet aus dem Zululand.

Eine unvergängliche Bruderschaft - 3.2.2011
„Zieh in das Land, das ich Dir zeigen werde!“ 13.1.2011
Herbergssuche im Zululand. - 8.12.2010
Ein Himmel von Pflege inmitten der Aids-Hölle - 1.12.2010
Mission in Südafrika - 21.10.2010
Pater Gerhard, der bei uns schon mehrmals über seine Missionstätigkeit und die Arbeit seines Waisenhauses berichtet hat, erzählt uns heute Neues aus dem Zululand. Leider bleiben auch im Zululand die Sorgen nicht aus, aber auch die schönen Erlebnisse prägen den Alltag. Pater Gerhard wird uns heute über die beiden Seiten seines Lebens im südlichen Afrika berichten. Für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, die beim letzten Mal Pater Gerhard nicht hören konnten, darf ich ihn noch einmal kurz vorstellen: Pater Gerhard wurde 1955 in Regensburg geboren, wo er auch 1982 seine Priesterweihe empfing. Im gleichen Jahr ist er in St. Ottilien dem Orden der Missionsbenediktiner beigetreten. Seit 2005 ist er Ehren-Konventualkaplan des souveränen Malteser Ritterordens. 1992 gründete Pater Gerhard im Zululand an der Ostküste Afrikas die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Es ist eine eigenständige Hilfsorganisation innerhalb des Malteserordens. Pater Gerhard leitet dort ein Aidstherapie Programm. Ich bin mit Ihm telefonisch verbunden. Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria! Pater Gerhard, was hat sich getan seit unserem letzten Gespräch?

Ja, was hat sich seit unserem letzten Gespräch bei Radio Gloria getan? Bei mir hat sich unendlich viel ereignet in dieser Zeit. Ich habe in der letzten Sendung ja bereits erwähnt, dass die amerikanische Staatsregierung ihre AIDS-Hilfe für Südafrika, oder für ganz Afrika, drastisch gekürzt hat und das hat zur Folge, dass auch das Aids Behandlungs-Programm der südafrikanischen Bischofskonferenz mit der wir zusammenarbeiten, bzw. deren Teil wir sind, sehr viel weniger Geld bekommt und das heißt, im Klartext gesprochen, dass wir ab Ende Mai von Amerika kein Geld mehr erwarten können. Dies ist ein riesengroßer Betrag, um den es hier geht, und deshalb bin ich zu meinem Ordensoberen gegangen und hab gesagt: „Bitte, lieber Vater Abt, es ist eine ganz schreckliche Situation eingetreten: Mir sterben 320 Leute, die wir in AIDS Behandlung haben, wenn die ihre Medizin nicht weiter bekommen, wenn sie ihre AIDS Behandlung nicht weiter bekommen.“ Und das hat er eingesehen und hat gesagt: „Ja, lieber Pater Gerhard, Du kannst jetzt wieder ganz für die Arbeit der südafrikanischen Malteser zur Verfügung stehen, ganz für die Arbeit des Blessed Gérard’s Care-Zentrums in Mandeni.“ Denn ich war während der letzten 13 Monate auch nebenher der Leiter der Klosterverwaltung der Abtei Inkamana, die 226 km nördlich von Mandeni liegt. Und von dieser Aufgabe hat mich gottlob nun mein Abt befreit. Es ist eigentlich schön, dass mein Nachfolger ein Afrikaner ist, der Kenianer Pater Johannes Paul und dies ist ein schönes Zeichen, dass sich die Kirche, auch die Klöster in Afrika, afrikanisieren, dass es nicht mehr darum geht, dass jetzt ein europäischer Missionar die Schlüsselstellen im Kloster alle inne hat, sondern dass immer mehr Einheimische reinwachsen. Und kürzlich wurde auch ein Mitbruder aus Malawi, der Bruder Kevin, zum Sub-Prior der Abtei Inkamana in Südafrika ernannt, also ein sehr schönes Zeichen der Afrikanisierung, dass unsere afrikanischen Mitbrüder nun Selbst- und Eigenverantwortung übernehmen können und damit bin ich jetzt wieder wirklich Vollzeit und ganzzeitig da für die Arbeit, die ich in Mandeni begonnen habe, nämlich die Arbeit der südafrikanischen Malteser, wo wir dort ein sehr großes AIDS-Behandlungsprogramm unterhalten. Und dafür bin  ich jetzt wieder ganz da.

Pater Gerhard, „Unter dem Kreuz des Südens“, warum sind sie zu diesem Titel gekommen?

http://www.umdiewelt.de/photos/791/678/0/19733.jpghttp://www.didgeman.de/inhalt/dreamtime/Images/kreuz_des_suedens.jpgDer Titel „Unter dem Kreuz des Südens“ hat eine symbolische Bedeutung. Natürlich weiß jeder, dass das Kreuz des Südens ein Gestirn, eine Himmelserscheinung, ist, die man nur in der südlichen Halbkugel am Himmel sehen kann, also ein Sternbild. Dies ist zu einem Symbol, zum Beispiel in der Fahne von Australien, geworden, und ich denke auch in Neuseeland und für uns bedeutet das Kreuz des Südens eigentlich sehr viel mehr, symbolisch gesehen. Unsere Menschen hier in Südafrika leben in einem sehr vielschichtigen Land. Die südafrikanische Tourismusbehörde spricht davon, dass Südafrika „die ganze Welt in einem Land“ sei. Die meinen natürlich damit, dass sie sagen wollen: „Du brauchst gar nicht woanders hinfahren. Wenn Du nach Südafrika fährst, bekommst Du alles, was Du im Rest der Welt auch sehen würdest.“ Aber ich fasse das auch ein bisschen anders auf, nämlich so, dass man in Südafrika die ganze Welt in einem Land erlebt, also die Erste Welt, die Zweite Welt, die Dritte Welt, und wenn man so will, auch die Vierte Welt. Das heißt, das Kreuz des Südens ist für mich ein Symbol, dass die Menschen im Süden, in der südlichen Hemisphäre, in der die Armut ja wesentlich größer ist als in der nördlichen Hemisphäre, dass die Menschen im Süden, auch im Süden Afrikas, ein ganz großes Kreuz zu tragen haben. bbgteuar.gif (72976 bytes)
Und das ganz große Kreuz, das die Menschen zu tragen haben, ist im Grunde die Armut. Und die Armut führt dann wie in einem Teufelskreis dazu, dass man sich keine Bildung leisten kann. Wenn die Menschen sich keine Bildung leisten können, wenn sie ungebildet sind, wenn sie keine Ausbildung haben, bekommen sie keine Arbeit. Damit haben wir eine enorm hohe Arbeitslosigkeit. Über 50 % der arbeitsfähigen Bevölkerung Südafrikas hat keine Arbeit, ist also arbeitslos. Und wenn ich keine Arbeit habe, kann ich mir nichts zu Essen kaufen. Wenn ich kein Geld verdiene, kann ich mir keine Nahrung kaufen und damit gibt es in Südafrika auch sehr viel wirklichen und echten Hunger. Und wenn jetzt die Leute noch Hunger geschwächt sind oder wenn sie, weil sie nichts auf dem Tisch haben, ihren Körper verkaufen zu müssen glauben in der Prostitution, werden sie krank. Und wenn die Menschen krank sind, können sie wieder nicht arbeiten und sind damit wieder arm. Also, wir haben diesen Teufelskreis der Armut, in dem eine schlimme Sache zur anderen führt und im Endeffekt sich das ganze so sehr im Kreis dreht, bis der Mensch einfach nicht mehr weiter kann. Und ich fasse diesen Teufelskreis der Armut wirklich als ein echtes „Kreuz des Südens“ auf. Heute ist Fastenzeit und in dieser Fastenzeit besinnen wir uns ja ganz besonders auf den Kreuzweg, besinnen wir uns ja ganz besonders darauf, wo wir selber oder wo andere Menschen, für die wir verantwortlich sind, ihr Kreuz tragen müssen. Und so ist es auch für uns ein neuer Aufruf, dass wir in unserer Hilfstätigkeit weitermachen.

Wenn ich jetzt an den Ursprung des Übels, an die Armut, denke, dann sind es zwei Dinge, um die wir uns in ganz besonderer Weise kümmern in der Bekämpfung der Armut.

  1. Das eine ist, dass wir einen Hilfsfonds für Arme Kranke unterhalten, wo Menschen, die sich eine medizinisch notwendige Behandlung nicht leisten können, wo wir denen unter die Arme greifen und diese Behandlung finanzieren.

  2. Aber es gibt auch noch eine zweite Armut. Und da möchte ich die Mutter Theresa von Kalkutta zitieren und die Mutter Theresa von Kalkutta hat einmal gesagt: „Die schlimmste Armut, die es in der Welt gibt, ist die Lieblosigkeit.“ Es geht also um Menschen, die arm sind, die arm sind, weil keiner sie mag, weil keiner sie schätzt, weil keiner sie in den Arm nimmt, weil keiner sich freut, wenn er sie sieht, Und das ist genau das, warum wir ein Kinderheim eröffnet haben. In diesem Kinderheim sind Kinder, die keiner sonst mag. In diesem Kinderheim sind Kinder, um die sich keiner sonst kümmern würde. Und dies ist eine Armut, wenn man kein Heim hat, wenn man keinen Platz hat, wo man sich abends hinlegt, wo man was zu essen bekommt, und vor allem, wenn man keinen Platz hat, wo man wirklich geliebt wird, ist das eigentlich eine ganz schlimme Armut. Und darum haben wir ein Kinderheim angefangen vor vielen Jahren, um eben Kindern ein neues Heim zu geben, die ausgesetzt sind, die krank sind, auch AIDS-krank sind, Kinder die misshandelt und missbraucht worden sind, due unterernährt waren, und die sonst kein zuhause hätten.

(Musikeinlage)

Der Bildungsmangel, der aus der Armut entsteht, auch dort greifen wir ein, und zwar in ganz besonderer Weise:

  1. Auf der einen Seite mit einem Stipendienfonds. Und dieser Stipendienfonds heißt, dass wir begabten Kindern armer Eltern helfen, dass sie eine Ausbildung sich leisten können. Also, wir zahlen denen die gymnasiale Ausbildung, die weiterführende Ausbildung, bezahlen auch manchmal die Grundschulgebühren. In Südafrika ist es ja nicht wie in Europa, wo man für die Schule nichts zahlen muss, sondern dort müssen Schulgebühren bezahlt werden, in der Grundschule, in der Hauptschule, in der Mittelschule, am Gymnasium, und natürlich Gebühren für ein Studium an der Universität können sich wirklich nur die Kinder von ganz reichen Eltern leisten und die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, die haben ja überhaupt kein Geld, und deshalb ist dieser Stipendienfonds eine ganz wichtige Sache, auch weil die beste Entwicklungshilfe eigentlich darin besteht, dass man die Menschen ausbildet, damit sie sich selber helfen können, und damit sie Helfer in der Gesellschaft werden.

  2. Zum zweiten versuchen wir den Bildungsmangel mit unserem Kindergarten zu bekämpfen. Warum Bildungsmangel mit Kindergarten? Der Kindergarten ist nicht nur so eine Kinderbewahranstalt, wo es darum geht, dass die Kinder aufgehoben sind bis die Mutter von der Arbeit zurückkommt, wenn sie eine hat. Sondern in diesem Kindergarten geht es wirklich um eine systematische Vorschul-Erziehung. Das Problem ist, dass die Kinder bei uns sehr häufig überhaupt nicht geistig gefördert werden zuhause. Sie müssen sich vorstellen: Kinder, die im Busch aufwachsen, die nichts anderes tun den ganzen Tag als außerhalb der Hütte zu spielen und vielleicht auf die Ziegen und auf die Hühner aufzupassen, die haben keine geistigen Anregungen und drum ist es so unendlich wichtig, dass man die bereits im Vorschulalter dann ordentlich schult, dass man mit den Kindern ein Vorschulprogramm macht, und das hilft Ihnen dann unendlich, dass sie in der Schule später besser mitkommen und bessere Leistungen erzielen und deshalb haben wir diesen Kindergarten eingerichtet. Er ist eigentlich für 40 Kinder gebaut, aber wir haben fast die doppelte Anzahl von Kindern in diesem Kindergarten drin, weil es eben sehr schwer fällt „nein“ zu sagen, wenn Kinder zu uns kommen, oder die Eltern mit ihren Kindern zu uns kommen, die einfach unsere Hilfe ganz dringend brauchen und sonst nicht wüssten, wo sie die Kinder hin bringen sollen, denn viele der Väter sind Wanderarbeiter, sind also weit von zuhause weg. Die Frau ist allein daheim. Jetzt muss sie aber Essen auf den Tisch bringen, und der Mann, der weit weg von zuhause wohnt, schickt oft kein Geld nachhause und jetzt muss die Mutter irgendwie selber versuchen, sich Geld zu verdienen, und da braucht sie eben dann jemand, der auf die Kinder aufschaut, und deshalb haben wir eben diesen Kindergarten eingerichtet, der eine wirklich sehr segensreiche Einrichtung ist. Es immer herrlich zu sehen, wie die Kinder dann heranwachsen und wie die eigentlich Dinge wissen, wo muss sich selber als Außenstehender wundert, wie ein Kind in der Vorschule zählen kann, addieren kann, denken können, wie die Kinder lesen können, wie die rechnen können, und wenn die dann zur Schule kommen, dann kommen die wesentlich besser mit, haben dann wesentlich bessere Leistungen in der Schule und genau das wollen wir mit diesen Kindergarten erreichen. Eigentlich wurde er für 40 Kinder gebaut, aber wir haben fast die doppelte Menge von Kindern im Kindergarten, weil einfach der Andrang so groß ist, weil so viele kommen und es ist dann unendlich schwer, den Eltern zu sagen: „Es tut uns leid. Wir können dein Kind nicht nehmen.“ Und des Kind wäre eben dann auf sich allein gestellt und das kann man also fast nicht verantworten und deshalb haben wir eben so viele Kinder in unseren Kindergarten.

So werden wir an dieser Stelle eine Pause machen und uns ein Lied anhören:

(Musikeinlage)

Für die Zuhörerinnen und Zuhörer, die etwas spät zu uns gestoßen sind: Im Mittelpunkt unserer Sendung steht „Unter dem Kreuz des Südens - Der Benediktiner-Missionar Pater Gerhard berichtet aus dem Zululand."

Jetzt kommen wir zum nächsten großen Kreuz des Südens, nämlich zur Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist bei uns ein enormes Problem. Etwa mehr als 50 % der arbeitsfähigen Bevölkerung haben keine Arbeit in Südafrika, und da muss man was tun.

Und wo wir besonders etwas tun, ist im Zusammenhang mit unserem Aidshilfeprojekt, nämlich dass wir versuchen, AIDS-kranke Leute dazu zu veranlassen, dass sie für sich selber sorgen. Und, wie meine ich das? Eine Arbeit in einer Fabrik zu bekommen ist sehr sehr schwierig, wenn man mal rausgefallen ist aus dem Arbeitssystem, aber wir versuchen denen zu helfen, dass sie zuhause für sich selber sorgen können, das heißt, wir haben in unserem AIDS-Nachsorge Projekt zum Beispiel Kurse wie man Hühner züchtet, oder wir haben Kurse, wie man Gartenbau macht. Wir haben Kurse, wie man Früchte oder Gemüse anbaut, und genau damit können die Leute sich dann a) mit guter Nahrung selber versorgen aber sie können auch mehr produzieren, als was sie selber brauchen, und es verkaufen und haben damit eine Einnahmequelle und genau da hilft man den Leuten die sonst keine Arbeit finden können, dass sie trotzdem sich etwas verdienen können, und eben nicht ohne irgendwelchen Verdienst sind.

Damit Hunger nicht die Folge der Arbeitslosigkeit ist haben wir zwei Hungerhilfeprojekte:

  1. Das eine ist unser Hungerhilfeprojekt, unsere Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Und das ist eine Klinik, wo wir Kindern helfen, die nicht genügend Nahrung bekommen, und zwar ist bei uns ein ganz großes Problem eben dieses Aids. Ich habe in früheren Sendungen bereits gesagt, dass Mandeni die Aidshochburg der Welt ist, Mandeni in Südafrika, in der etwa drei Viertel der Bevölkerung HIV-positiv sind. Und eine HIV-positive Mutter soll ja ihr Kind nicht stillen, weil das Aids Virus über die Muttermilch übertragen werden kann, aber wenn die Mutter jetzt ihr Kind nicht stillen kann, hat sie ja nichts zum Füttern, bekommt das Kind nichts zu essen und die Babynahrung, die man kaufen kann, und die man dann anrühren muss, und dem Kind geben muss, ist sehr teuer und die können sich sehr viele nicht leisten, oder sie verdünnen Sie dann zu sehr mit Wasser, dass sich Kind nicht genügend Nährstoffe, nicht genügend Eiweiß bekommt, und so haben wir sehr viele Fälle von Kwashiorkor. Das sie seine Eiweißmangelkrankheit, und das Fatale an Kwashiorkor ist, dass das Kind eben nicht schlank und dünn wird – da würden es die Eltern dann erkennen, dass was nicht stimmt. Sondern beim Kwashiorkor wird der ganze Körper aufgeschwemmt mit Wasser, und das Kind wird eigentlich erscheint es dicklich, so wie dieses Michelin-Männchen in der Werbung , wo das Kind also ganz ganz dick wird, und die Eltern meinen: „Ach, das ist ein gesundes Kind!“ In Wirklichkeit ist es schwerst-krank. Und diesen Kindern helfen wir mit unserem Hungerhilfeprojekt: Auf der einen Seite in der Erziehung dessen, der für dieses Kind zuständig ist. Oft ist es gar nicht die Mutter sondern irgend ein Verwandter, der sich um die Kinder kümmert, wenn die Mutter schon gestorben ist, oder wenn die Mutter nicht da ist, und zum anderen geben wir dort, war Armut der Grund für die Unterernährung ist, Milch und eiweißreiche Aufbaukost. Da gibt es so eine spezielle Mischung, die für unterernährte Menschen gedacht ist, und die hat all die Nährstoffe drin, die das Kind braucht, und das bekommen die dann von uns kostenlos, so dass eben diese Kinder nicht Gehirnschäden davon tragen aufgrund der Unterernährung, weil das leider auch der Fall ist, wenn Kinder im frühen Kindesalter unterernährt sind, dass sie dann Intelligenzschäden davon tragen und das ist dann eine Langzeitfolge, die man eigentlich nicht mehr zurückschrauben kann.

  2. Dann haben wir auch ein Nothilfeprojekt, wo wir Leuten helfen, die ohne irgendwelche Vorwarnungen, einfach in eine unerwartete Notsituation hineingeraten,
    zum Beispiel, dass durch einen Buschbrand das ganze Haus abbrennt, mit all dem, was drin war, oder dass bei unseren subtropischen Regenfällen (Jetzt haben wir ja Sommerzeit, wo es viel regnet,) dass alles weggeschwemmt wird, und die Leute stehen dann da und haben überhaupt nichts mehr. Und da hilft eben unser Nothilfefonds, wo wir mit unseren Sozialarbeitern zusammenarbeiten und den Menschen dann dort, wo sie einfach gar nichts mehr haben, unter die Arme greifen, damit sie nicht hungern müssen und damit sie Kleidung bekommen und damit sie eben überleben können bis sie sich selber wieder eine Behausung bauen.

(Musikeinlage)

Und jetzt kommt die Krankheit, von der ich anfangs gesprochen habe,  als weiteres Kreuz des Südens. Und das ist ja unser Haupt-Aufgabengebiet. Und drum nenne ich es auch am Schluss: Wir helfen Kranken in vier verschiedenen Projekten, auf der einen Seite nennen wir mal die kleineren eher:

  1. Wir sind auch im Katastrophenschutz tätig, wenn also Menschen durch eine Katastrophe … – Wir hatten einen großen Einsatz bei der Überschwemmungskatastrophe im Jahr 2000 in Mosambik, wo zehntausende von Menschen abgeschnitten waren von medizinischer Versorgung und wir dort als Teil eines großen Teams des internationalen Malteserordens mitgeholfen haben, ein Feldhospital aufzubauen, um die Menschen medizinisch zu versorgen.

  2. Dann sind wir auch im Erste Hilfe Dienst tätig,
    d.h. zum Beispiel bei großen Veranstaltungen leisten wir Erste Hilfe, dass die Menschen, die während so einer Veranstaltung sich verletzen oder krank werden, ordentlich versorgt werden.

  3. Und dann kommt eben unser Riesenprojekt, mit dem ich jetzt abschließen will, nämlich unser Hospiz.
    Unser Hospiz ist das größte stationäre Hospiz Südafrikas mit 40 Betten.
     Ich weiß nicht, wie groß das größte Schweizer Hospiz ist, aber wir können im internationalen Vergleich durchaus mit sehr großen Zahlen aufwarten, was einfach notwendig ist, weil es bei uns so viele Kranke gibt. Dieses stationäre Hospiz nimmt nicht nur sterbende Patienten auf, um sie im Sterben zu begleiten, um ihnen die Hand zu halten, um bei Ihnen zu sein, alle medizinische Behandlung zu geben, aber Ihnen auch menschlich beizustehen, einfach für sie da zu sein, ihnen die Hand zu halten, mit ihnen zu beten, sie zu verwöhnen in dem Sinn, dass sie mal auch ganz in Ruhe sein können, dass sie in einem ordentlichen Bett sind, dass sie sauber gewaschen werden und ordentliche Nahrung bekommen, aber dann einfach, dass man menschlich für sie da ist,  dass man sich neben das Bett hinsetzt und bei dem Patienten bleibt, solange er einen braucht, um ihn so in den letzten Lebenstagen und in den letzten Lebenswochen zu begleiten. Aber dieses Hospiz hat sich dann ausgeweitet, vor acht Jahren, im Jahr 2003, einfach dadurch, dass bei uns so unendlich viele Leute gestorben sind. Bei uns im Haus sterben pro Tag oft bis zu fünf Patienten; nicht jeden Tag fünf, aber bis zu fünf Patienten pro Tag! Und so kann es nicht weitergehen mit diesem AIDS – und die meisten davon haben AIDS.

  4. Und deshalb haben wir also bereits 2003 begonnen, ein Aidsbehandlungsprogramm einzuführen, nämlich dass wir den Menschen antiretrovirale Medikamente geben. Und diese antiretroviralen Medikamente führen dazu, dass der Patient sich wieder wohl fühlt. Was die Medikamente tun ist das HIV-Virus an der Vermehrung im menschlichen Blut zu hindern. Und damit wird die Virenbelastung, die bei einem Menschen im voll ausgebrochenen AIDS oft bis zu über 1 Million von HIV Viren pro Kubikmillimeter führt, dass die heruntergefahren wird, die Virenbelastung, auf was man „nicht mehr wahrnehmbare Virenbelastung“ nennt, also auf unter 50 Viren pro Kubikmillimeter, und damit sich das Wohlbefinden des Patienten wieder einstellt, der Patient eigentlich kein Patient mehr ist. Der fühlt sich völlig gesund. Der kann zur Arbeit zurück. Die Mütter können ihre Kinder großziehen, und dem Patienten geht es wieder gut. Und genau dies ist es, was die HAART-Behandlung, also die „Hoch-Aktive Anti-Retrovirale Therapie“ tut. Wir bekommen immer mehr Patienten. Wir haben Hunderte von Patienten in Behandlung, und ich eingangs in dieser Sendung bereits sagte, haben wir dieses riesengroße Problem, dass der Hauptgeldgeber für dieses AIDS-Behandlungsprogramm, die amerikanische Regierung, kein Geld mehr hat (wegen der Wirtschaftskrise in den USA) und einfach diese Aidshilfe nicht mehr so leisten kann wie früher, was eben zur Folge hat, dass wir ab Ende Mai von Amerika über die südafrikanische Bischofskonferenz keine Zuschüsse mehr bekommen können, und jetzt irgendwie selber schauen müssen, wie wir unsere AIDS Arbeit weiterführen. Und, wie ich schon sagte, ich bin enorm unter Druck, weil es ja um Menschenleben geht. Es geht also nicht darum, dass man jemand, dem man mit irgendwelchen Almosen geholfen hat, jetzt weniger Almosen geben kann, sondern es geht einfach darum, dass das Leben der Leute von dieser Behandlung abhängt, und die können sie anderweitig nicht bekommen. Die Regierung haben wir schon gefragt, das Gesundheitsministerium, und die haben uns gesagt: „Es ist unmöglich, dass wir die ganzen Leute einfach übernehmen! Ihr müsst selber schauen, wie ihr das regelt.“ Und deshalb bin ich also jetzt nach Europa gekommen. Ich werde auch nächste Woche in die Schweiz kommen, um vor allem im Gebiet von Zürich mich aufzuhalten, um dort einfach zu versuchen, Menschen zu finden, die sagen: „Mensch, Pater Gerhard, das verstehen wir. Das ist eine unendlich notwendige Arbeit, und wir müssen Dich dabei unterstützen.“ Und deshalb bin ich eben jetzt gekommen, um Hilfe zu finden für unser AIDS Projekt, dass das weiterlaufen kann, dass mir die Leute nicht sterben. Und deshalb werde ich also jetzt in dieser Betteltour, wenn sie es so nennen wollen, in dieser Rundreise versuchen, zu so vielen Leuten als möglich zu sprechen, und denen die Brisanz unserer AIDS-Arbeit klar zu machen und zu hoffen, dass wir Hilfe bekommen.

(Musikeinlage)

Im Mittelpunkt unserer Sendung steht: „Unter dem Kreuz des Südens – Der Benediktinermissionar Pater Gerhard berichtet aus dem Zululand“.
Pater Gerhard, was ist aktuell ihr größter Wunsch?

Mein größter Wunsch ganz aktuell ist, dass meine AIDS Patienten, für die ich persönlich, aber natürlich auch im Namen unserer Organisation Verantwortung übernommen habe, dass mir die nicht sterben müssen. Das ist nicht nur ein Wunsch, das ist eine Notwendigkeit, das ist ein Drang, das ist eine Berufung, die ich jetzt verspüre, dass ich sagen muss: „Ich kann die nicht sterben lassen! Ich muss was tun!“ Und deshalb ist mein größter Wunsch der, dass ich für diese Patienten Paten finde. Wenn ich von Paten spreche, dann meine ich Menschen, die sagen: „Wir helfen Dir, dass ein Patient wenigstens überleben kann.“ Wir haben das mal ausgerechnet und es ist eigentlich frappierend, wie gering der Betrag nur ist. Der Betrag für einen AIDS Patienten, in der ganzen AIDS-Behandlung, von den Medikamenten über die Labortests bis zu Personalkosten und Nebenkosten eingeschlossen, also alle Kosten eingeschlossen, kostet ein AIDS Patient pro Tag vier Schweizer Franken. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es Menschen gibt, die sagen: „Also vier Schweizer Franken, das ist nicht so enorm viel Geld, das können wir uns leisten, dass wir Dir jeden Tag vier Schweizer Franken geben.“ Und das kann man natürlich dann zusammenfassenden in eine wöchentliche Spende oder eine monatliche Spende oder, wenn man so will, in eine jährliche Spende, und damit eben dann hilft, dass man so einen AIDS Patienten weiter betreuen und behandeln kann, und dass der nicht sterben muss. Sie können diese Zahlen und noch weitere Informationen über unser AIDS-Programm ganz einfach im Internet finden, wenn sie auf die Seite www.bbg.org.za/aidshilfe.html  und dort finden Sie die ganze Problematik nochmal erläutert aber auch die Zahlen von den vier Schweizer Franken pro Tag, 28 Fr. pro Woche, 122 pro Monat, bis zu 1460 Fr. pro Jahr und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es auch viele Leute gibt, die sagen: „Also, mir allein ist das zu viel.“ Ich könnte aber mir vorstellen, dass eine Pfarrgemeinde, oder ein Verein, oder eine Gemeinschaft, oder ganz egal welche Menschengruppe, eine Schulklasse, sagt: „Wir übernehmen jetzt die Patenschaft für so einen AIDS Patienten.“ Und das ist mein größter Wunsch, dass diese Menschen nicht sterben müssen, sondern dass ich alternative Geldgeber finde, die uns helfen, das Leben dieser Menschen zu erhalten. Und es geht ja nicht nur um diese 320 Personen, die momentan in unserer Behandlung sind, sondern es sind ja viele auf der Warteliste, die diese Hilfe auch noch brauchen. Das ist mein größter Wunsch und ich bitte den Herrgott, dass er ihn mir erfüllt. Es geht nicht um mich. Es geht um diese Menschen. Und ich bin überzeugt: Wenn der liebe Gott es will, dann werden wir es schaffen.

Wenn Sie, lieber Zuhörer und Zuhörerinnen,  das Werk von Pater Gerhard unterstützen möchten, gebe ich Ihnen jetzt eine Schweizer Kontonummer an.

Und zwar: Helvetische Assoziation FONDAHOM, UBS AG, IBAN: CH26 0026 0260 3830 4040R, mit dem Vermerk „Südafrika“. Herzlichen Dank, Pater Gerhard, für dieses interessante Gespräch und Interview. Darf ich Sie zum Schluss noch um Ihren Segen bitten?

Lasset uns beten: Herr, allmächtiger Gott, Du hast uns alle gerufen, vor Dir zu stehen und Dir zu dienen. Du hast uns gerufen, das wir Deine Liebe allen Menschen weiter schenken. Du hast uns gerufen, dass wir Dich in unserem Leben nachahmen. Wir bitten Dich um Deinen Segen für die Menschen, die uns anvertraut sind, und wir bitten Dich um Deinen Segen für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Und so segne und behüte Euch alle der allmächtige und barmherzige Herr, der Vater, und der Sohn, und der Heilige Geist. Amen. Gelobt zu Jesus Christus! In Ewigkeit. Amen.

Das ist es gewesen, unsere Sendung mit dem Titel: „Unter dem Kreuz des Südens – Der Benediktinermissionar Pater Gerhard berichtete aus dem Zululand.“ Bei Ihnen, Pater Gerhard, möchte ich mich recht herzlich bedanken, dass Sie bei uns als Gast und Referent gewesen sind. Auch bei Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, bedanke ich mich recht herzlich, dass sie mich durch die Sendung begleitet haben. Es würde mich freuen, wenn ich sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen: Gaby Kuhn. Und ich wünsche Ihnen Gottes Segen.


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Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:05:18