Radio Horeb
Montag, 15. November 2004

Interview von Paul Hasel mit Pater Gerhard Lagleder OSB

 

 


AIDS ist die Geißel Südafrikas, 40% aller Todesfälle bei Erwachsenen sind auf das Virus zurückzuführen. Mehr als eine halbe Million Aidswaisen leben in Südafrika. Die Epidemie ist eine menschliche Katastrophe, aber nicht nur das, auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die von der Immunschwäche ausgehen sind ein Risiko für die Entwicklung des Landes. Einer Weltbankstudie zufolge wird das Bruttosozialprodukt in den kommenden Jahren um 17% sinken, wenn das Virus nicht gestoppt wird. Obwohl Südafrika eines der stärksten vom HIV Virus betroffenen Länder der Welt ist, war die Krankheit hier lange ein Tabu. Vor gut 12 Jahren haben sich deshalb auch die Malteser entschlossen das Tabu AIDS in Südafrika aufzubrechen und haben beschlossen, den am HIV Virus erkrankten Menschen vor Ort zu helfen. Dazu wurde die Brotherhood of Blessed Gérard als Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika gegründet. Der Präsident von Brotherhood of Blessed Gérard ist heute bei uns im Studio, mit ihm wollen wir über sein und damit auch das Engagement der Malteser für die AlDS Kranken in Südafrika sprechen. Es ist der Benediktinerpater Gerhard Lagleder.

Grüß Gott, Herr Pater Lagleder!

Grüß Gott!

Herr Pater Lagleder was war Ihre persönliche Motivation als Sie sich vor gut 12 Jahren entschlossen den Aidskranken in Südafrika zu helfen?

Ich wurde als Missionsbenediktiner ausgesandt ins Zululand, Südafrikas und als ich dann als Pfarrer eine Pfarrei übernahm mit sehr großen Elendsvierteln und einer sehr hohen AIDS Rate konnte ich mich natürlich nicht nur auf die Kanzel stellen und fromme Sprüche klopfen, sondern wir müssen die Liebe Gottes den Menschen in Wort und in der Tat verkünden und deshalb habe ich eben dann eben begonnen mit der AIDS Arbeit und deshalb eine Hilfsorganisation gegründet. Es ist ja wichtig, dass wir Hilfe nicht als Satellitenprojekt leisten, in dem Menschen aus dem Ausland nach Afrika gehen um dort zu helfen, sondern wir müssen Hilfe zur Selbsthilfe leisten, wir müssen die Menschen vor Ort dazu bringen, ihren eigenen Mitbürgern zu helfen und deshalb habe ich eine Hilfsorganisation in Südafrika selber gegründet und das sind die Südafrikanischen Malteser; und weil die "Brotherhood of Blessed Gérard" ein bisschen kompliziert im Deutschen ist, kann man auch gerne auf deutsch die Bruderschaft des Seligen Gerhard sagen.

Wer war der Selige Gerhard, was hat der gemacht, wieso wurde der selig gesprochen?

In den älteren Zeiten gab es diese Seligsprechungen noch nicht, sondern dies war eine Seligsprechung durch die Verehrung des Volkes und so ging es auch dem Seligen Gerhard, er war der Gründer des Malteserordens, er war ein Benediktinermönch, der vor 900 Jahren an der Abtei Sancta Maria Latina in Jerusalem tätig war, er war dort der Gästebruder und hat sich um die Gäste gekümmert. Es war natürlich so, dass in damaligen Zeiten die Pilger die nach Jerusalem kamen erschöpft und krank dort ankamen und von daher nicht so sehr ein Hotel oder ein Gästehaus brauchten, sondern ein Hospital und er war eben derjenige der dieses Gästehaus leitete und dies wurde damit ganz automatisch zum ältesten Hospital und dort hat er jetzt Leute gebraucht, die ihm halfen diese Kranken zu pflegen. Es war jetzt so, dass in damaligen Zeiten die Ordensberufe nicht so häufig waren und von daher brauchte er jetzt Leute, die ihm halfen diese Kranken zu pflegen und so hat er eine Bruderschaft von Krankenpflegern, wenn sie so wollen, gegründet, die ihm halfen, in der Pflege der Jerusalempilger. Und diese Bruderschaft wurde bereits 14 Jahre nach der Gründung von Papst Paschalis II. als selbständiger religiöser Orden anerkannt und dieser Orden ist heute unter der Bezeichnung der Souveräne Malteser-Ritterorden bzw. der Malteserorden bekannt.

Sie haben jetzt vorhin auch gerade gesagt Sie sind Missionsbenediktiner, wo liegt Ihre Mutterabtei sozusagen, wo kommen Sie ursprünglich her?

Ich komme gleich aus der Nähe von München und zwar aus St. Ottilien, der Erzabtei der Missionsbenediktiner, das ist 40 km westlich von München an der Autobahn München - Lindau.

Ich war ja auch schon in St. Ottilien und die Mönche, die ich da gesehen habe, die trugen alle so einen schwarzen Habit und Sie sitzen mir jetzt gegenüber in unserem Studio in der Münchner Innenstadt und Sie tragen keinen Habit, wie kommt das, gibt es für die Benediktiner die in anderen Ländern aktiv sind, Wahlfreiheit, was sie tragen?

Es ist natürlich so, wenn Sie in Afrika arbeiten und mit einem schwarzen Habit laufen würden, dann würden Sie sehr schnell am Hitzschlag sterben und dies ist einer der Hintergründe, aber es ist auch so, dass man, wenn man auf Reisen ist, nicht im Habit reist, aber sonst, wenn ich im klösterlichen Bereich im Einsatz bin, würden Sie mich mit einem genauso schönen Habit sehen wie meine Mitbrüder in St. Ottilien.

Sie sind auf Heimaturlaub, haben Sie da jetzt wirklich Urlaub, Sie sind ja jetzt auch bei uns im Studio heute für eine Stunde, oder verbringen Sie doch die meiste Zeit, wie jetzt diese Stunde damit, für Ihre Hilfsorganisation zu werben? Wie sieht das aus Ihr Heimaturlaub?

Ja, Urlaub ist natürlich immer so eine Sache, selbstverständlich dient er auch der Erholung und es ist ja so, wenn man nicht direkt in der Verantwortung steht, dann ist das auch eine Erholung und herum zu reisen und Vorträge zu halten strengt mich persönlich nicht allzu sehr an, ich tue es ja gerne und ich rede mit Freude von unserer Arbeit und deshalb ist dieser so genannte Heimaturlaub einfach eine Reise wo man anderen Leuten die Arbeit unserer Organisation vorstellen will und natürlich auch Freunde gewinnen will und ich kann mich hier eben nicht nur ruhig halten und nichts tun, sondern es liegt mir eben sehr am Herzen, dass diese Arbeit auch getragen wird, nicht nur durch finanzielle Hilfe sondern auch durch Hilfe im Gebet und so gehe ich eben rum und versuche die Leute dazu zu animieren, dass sie uns helfen im Gebet und natürlich auch im Opfer.

Sie und Ihre Organisation kümmern sich um Aids Kranke in Südafrika, wir in Europa haben kaum eine richtige Vorstellung über dieses Land, wir kennen vielleicht noch die Hauptstadt und dass das Land auf dem Weg zur Demokratie ist, dass die Apartheid abgeschafft ist, sagen Sie uns erst einmal wo in Südafrika engagieren Sie sich, in welchem Landesteil?

Wenn Sie die Landkarte Südafrikas genau in der Mitte zusammenfalten und nach Osten gehen, dann kommen Sie an die große Hafenstadt mit 4 Mio. Einwohnern, die Durban heißt und wenn Sie von dort 100 km nördlich gehen, dann kommen Sie an die Mündung des Tugela Flusses in den Indischen Ozean und genau dort liegt der Ort Mandeni. Im Großraum von Mandeni wohnen 250 000 Menschen und um die nehmen wir uns in unserer Hilfsorganisation, der Brotherhood of Blessed Gérard an.

Sie haben es vorhin schon einmal angesprochen, wie die Verknüpfung ist mit den Maltesern und dem Malteserorden mit dieser Hilfsorganisation, wie sieht jetzt die Zusammenarbeit genau aus, auch jetzt mal im Blick mit auf die Verbindung hier in die Erzdiözese München und Freising, wie funktioniert diese Zusammenarbeit, wer leistet was?

Malteser sind in der ganzen Welt tätig und das ist wie eine Großfamilie, wo alle eben zusammen helfen und die Deutschen Malteser sind besonders aktiv und helfen Maltesern auf der ganzen Welt in ihrer Arbeit uns so habe auch ich, als Gründer der Südafrikanischen Malteser, mich an meine deutschen Freunde gewandt und habe gesagt: könnt ihr uns nicht helfen, wir brauchen Hilfe, nicht nur finanziell, sondern natürlich auch mit know how und die Münchner Malteser haben unserer Hilfe entsprochen und sie haben im nächsten Jahr ihr 50 jähriges Jubiläum und zu diesem Zweck habe sie eine Jubiläumsaktion gestartet oder werden diese starten und sie haben gesagt: wir wollen nicht nur uns darüber freuen, dass wir 50 Jahre lang den Nächsten helfen dürfen, sondern wir wollen das auch in einer Weise tun, dass wir unserer Dankbarkeit durch Hilfe Ausdruck geben und so bin ich sehr dankbar und sehr stolz darauf, dass die Münchner Malteser uns erwählt haben als ihr Jubiläumsprojekt und versuchen so viele Spenden als möglich zusammenzubekommen um uns unter die Arme zu greifen und ich finde es ganz großartig und ich möchte auch an dieser Stelle mich dafür sehr herzlich bedanken.

Sie können den Dienst an den Aidskranken in Südafrika sicher nicht alleine leisten, sie sind derjenige sicherlich, der ein Team leitet, der den Überblick hat, wer arbeitet denn bei Ihnen mit, sind das jetzt noch zusätzliche Mitbrüder aus St. Ottilien, wer unterstützt Sie bei Ihrer Hilfsarbeit?

Als Missionsbenediktiner bin ich in Mandeni der Einzige, ich bekomme natürlich sehr intensive Unterstützung im moralischen Sinn von Seiten meines Ordens, der mich mit dieser Aufgabe beauftragt hat und ich habe deshalb eine Hilfsorganisation gegründet um eben möglichst viele Leute zu bekommen, die die Arbeit vor Ort tragen. Unsere Brotherhood hat momentan mehr als 1500 Mitglieder und von diesen 1500 sind 550 aktive Mitglieder vor Ort, alles Südafrikaner und von diesen 550 aktiven Mitgliedern sind 40 hauptamtliche Kräfte und die restlichen 510 sind ehrenamtliche Helferinnen und -helfer und das geht vom Arzt bis zum ganz einfachen Helfer der irgendwann einmal bei uns im Hause aushilft.

Sind das vor allem auch junge Menschen, die jetzt ganz besonders bewegt sind mitzuhelfen, die so etwas wie ein soziales Jahr mal leisten wollen oder eine soziale Auszeit nehmen für dieses Projekt?

Was das Ausland betrifft ja, wir haben immer mal wieder Leute aus dem Ausland, die zu uns kommen um so ein Art Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, ich verwende den Ausdruck eigentlich nicht gerne, weil es nicht dieses offizielle Freiwillige Soziale Jahr ist, aber es gibt Leute, die so wie Sie sagen eine Auszeit nehmen und uns da helfen wollen, aber das Wesentliche ist uns eigentlich, dass wir Leute vor Ort im eigenen Land gewinnen, die diese Arbeit tun und unter unseren aktiven Helfern sind Leute, die so alle paar Tage mal so eine Schicht machen und es gibt auch Leute, die regelmäßiger kommen, aber das ist ja das Proprium der Ehrenamtlichen Arbeit, dass man nicht gezwungen ist zu einer bestimmten Zeit irgendwelche Dienste zu tun, sondern dass man frei ist und wir haben da so einen Dienstplan, da kann man sich eintragen lassen und so läuft das.

Pater Gerhard, ich habe eingangs die Situation ganz allgemein für Südafrika beschrieben, das sind doch aber recht erschreckende Zahlen, 40% aller Todesfälle bei Erwachsenen sind auf den AIDS Virus zurückzuführen, mehr als eine halbe Million AIDS Waisen leben in Südafrika, wie sieht es jetzt ganz genau für das Gebiet aus, wo Sie wirken, sieht es da ähnlich aus

Ja, ich denke, Sie müssen sich jetzt festhalten, denn das Gebiet in dem ich tätig bin, ist, wenn Sie so wollen mit einem Schlagwort die AIDS Hauptstadt der Welt, die Township Sundumbili, die bei Mandeni liegt oder die zu Mandeni gehört, ist das Gebiet in Südafrika mit der höchsten AIDS Rate. Im Januar 2004 waren 76% der auf HIV getesteten Menschen HIV positiv. Vor 5 Jahren haben wir in iSithebe, das ist eine Industrieansiedlung 10 km nördlich, die zu unserem Einzugsbereich gehört Fabrikarbeiter durchgetestet und da waren 88% HIV positiv. Das kommt dann eben soweit, dass die Leute wirklich wie die Fliegen sterben; bei uns im Hospiz sterben pro Tag bis zu 4 Patienten an AIDS und das ist eine absolut schreckliche Tatsache.

Pater Gerhard, was sind die Ursache für AIDS in Südafrika, dass dieser Virus dort so schrecklich Ausmaße annimmt, woran liegt das?

Ich denke, dass der wirkliche Grund die Armut ist und die Ungleichheit der Geschlechter, d.h. dass Frauen sehr häufig arbeitslos sind und wenn sie Arbeit haben bekommen sie für die selbe Arbeit weniger Geld und dann ist die Versuchung natürlich sehr groß, sich im ältesten Gewerbe der Menschheit zu betätigen, mit anderen Worten dass sich die Leute durch Prostitution sich Geld verdienen wollen und ich denke, das darf man gar nicht so aburteilen, weil die Leute dies nicht tun um böse zu sein oder um den Geboten Gottes nicht zu folgen, sondern weil sie denken, dies ist die einzige Möglichkeit zu überleben und die armen Leute geben sich dann eben diesen Männern hin und stecken sich mit dem HIV Virus an und ich denke, das ist der Hauptgrund, es sind weit über 95% aller HIV Infektionen auf heterosexuellen Geschlechtsverkehr zurückzuführen.

Hängt das auch damit zusammen, dass es nicht so wie im christlichen Glauben so jetzt quasi ein Verbot gibt, den Partner zu wechseln, also dass die Mehrheit der Bevölkerung dort anderen Religionen, heidnischen Naturreligionen angehört, hängt das auch damit zusammen?

Ich denke auf jeden Fall. Es gibt ja bei uns die Mehrehe oder die Polygamie, d.h. ein Mann kann so viele Frauen haben wie er sich leisten kann, so lange er dem Schwiegervater 11 Stück Vieh bezahlt für seine Tochter kann er sie heiraten und dies ist natürlich ein Problem, dass von der historischen Struktur des Volkes die Polygamie grundgelegt ist, aber damit ist es nicht nur getan, denn das Problem ist, die meisten können sich diesen Brautpreis gar nicht leisten, aber bekommen dann doch Kinder und dann läuft der Mann wieder davon, bzw. der Freund und so das übliche Schema dem wir leider unterliegen ist eben das, dass der Vater seine biologische Rolle erfüllt und sobald er weiß, dass seine Freundin schwanger ist läuft er davon und die arme Mutter ist dann mit dem Kind und sehr häufig eben mit dem HIV Virus alleingelassen.

Sie haben gerade gesagt, die Menschen dort hängen anderen Religionen an, sie haben dadurch auch eine andere soziale Mentalität möchte ich es mal nennen, wie ist jetzt die Ausgangsbasis für Sie als Christ aus Ihrer Sicht, wie viele Christen leben in der Region wo sie arbeiten und gibt es da eine Kooperation mit denen?

Es sind etwa 5-8% Katholiken in unserem Gebiet, die anderen größeren christlichen Konfessionen sind die anglikanische Kirche, die methodistische Kirche, die baptistische Kirche, es gibt auch ein paar Lutheraner bei uns, aber der Großteil der Bevölkerung sind eben Heiden, wie man dies altertümlich bei uns sagt oder eben Leute die Animisten sind, die an böse Geister glauben, die versuchen ihre Ahnengeister zu beschwichtigen, dass ihnen die nichts antun und von dieser religiösen Basis aus gesehen ist es natürlich sehr schwierig und gerade das denke ich auch wenn es diesen Halt in der moralischen Wegweisung der Kirche nicht gibt ist auch etwas, was der AIDS Situation Vorschub leistet.

Sie haben vorhin gerade erzählt, dass in Ihrer Region bis zu 88% der Menschen betroffen sind vom AIDS Virus; was sagen die Menschen dazu, haben sie längst resigniert, wie ist die Einstellung der Menschen zu diesem Problem oder gibt es noch so ein Stückchen Hoffnung, was sagen die Menschen Ihrer Erfahrung nach, was sagen sie Ihnen?

Das Problem ist, das die Leute die Wahrheit einfach verdrängen und das ist ein ganz großes Problem. Es werden Leute bei uns im Hospiz eingewiesen und sie sagen: Sie Pater, mir haben sie so Zaubermedizin ins Essen gemischt, haben sie nicht ein bisschen so ein Gegenzauber, was da helfen könnte, damit wir diesen Zauber wieder herausbringen und den Leuten eben dann zu erklären, was wirklich dahinter steht, dass sie sich mit dem HIV Virus angesteckt haben ist häufig sehr schwierig, weil ihnen auch die Grundbegriffe in Anatomie, Physiologie, Pathologie und Pharmakologie fehlen und das muss man dann den Leuten ganz langsam beibringen, damit sie vorbereitet werden, dass sie entsprechende Medizin einnehmen, die ihnen helfen kann den HIV Virus wenigstens ein wenig im Zaum zu halten.

Ich habe eingangs auch vorhin gesagt, Südafrika ist in seiner jetzigen Form noch ein relativ junger Staat nach dem Abschütteln der Apartheid wird jetzt sicherlich auch noch die Demokratie aufgebaut, wieso schafft es denn jetzt aus Ihrer Sicht Staat und Gesellschaft in Südafrika nicht auch aus eigener Kraft diese Seuche AIDS zu bekämpfen, eben weil der jetzige Staat noch so jung ist und vielleicht sogar noch andere Probleme als wichtiger ansieht, wieso schafft man es nicht in Staat und Politik die Sache anzugehen?

Ich denke das ist so eine Situation, wie wenn Sie mit einer Schneeschaufel vor einer Lawine stehen und der Staat versucht sein Möglichstes, die Kirche versucht ihr Möglichstes, alle versuchen ihr Möglichstes, aber die Lawine ist einfach so übergroß, dass alle davon überrumpelt werden und es gibt nur wenige die dann so ein bisschen auf der Lawine noch lavieren können und dann etwas tiefer graben und die Lawine ganz langsam abtragen können. Jeder versucht sein Möglichstes und ich halte es so mit dem John F. Kennedy, der gesagt hat: frage nicht was kann deine Regierung für dich tun und alle Verantwortung auf die Regierung abzuschieben, sondern frag lieber, was kannst du für dein Land tun, und so spielt die Kirche auch ganz bewusst eine helfende Rolle, die dem Land helfen will das man mit vereinten Kräften von allen Seiten her das Problem angreift.

Pater Gerhard bis hierher erst einmal vielen Dank, gleich sprechen wir weiter über die Brotherhood of Blessed Gérard, die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika im Kampf gegen AIDS und unterhalten uns dann darüber, wie Ihre konkrete Hilfe für die Menschen aussieht, das Wort Hospiz fiel jetzt schon einige Male, es werden Kinderheime von Ihnen betrieben, also ganz vielfältig nehmen Sie den Kampf gegen AIDS auf; wir schauen konkret da noch gleich drauf

--- Unterbrechung mit Musik ---

Pater Gerhard wir haben verschiedene Felder angerissen im Eingangsgespräch, wo Sie beschrieben haben, was Sie in Südafrika für die Menschen tun, wir wollen das jetzt auch gleich noch genauer beschreiben für die Hörer was jetzt gar nicht an Stichworten gefallen ist, z.B. was wir sonst immer in den Medien hören, ist, dass ja gesagt wird: wir müssen in solchen Regionen wie in Südafrika nur genügend Verhütung betreiben, genügend Kondome austeilen, dann wird sich das Problem von alleine erledigen. Was sagen Sie dazu, ist das Verteilen von Kondomen eine Lösung die tragfähig ist aus Ihrer Sicht?

Das ist eine sehr schwierige Frage und zwar gerade deshalb weil bei uns durch die Kondomwerbung eine falsche Sicherheit oder ein Gefühl einer falschen Sicherheit erzeugt wird, das Problem ist, dass die Kondome in Südafrika qualitativ nicht allzu gut sind, sie haben selbst in der Empfängnisverhütung eine Fehlerquote von 15% und das ist natürlich alarmierend hoch und deshalb ist eben das Kondom auch nicht das Allheilmittel und die Leute denken, dass wenn sie ein Kondom verwenden könnten sie tun, was sie wollen und dann das Kondom oft auch nicht richtig anwenden oder wieder verwenden und das führt dann natürlich sehr häufig dazu, dass sich die Leute dann vielleicht noch eher anstecken als sie es tun würden, wenn sie kein Kondom verwenden würden und dann als Konsequenz ein enthaltsames Leben führen würden. Aber das ist natürlich eine Botschaft, die nicht für alle Ohren genehm ist, aber wir hören trotzdem nicht auf den Leuten zu sagen: es gibt nur eine ganz sichere Methode und das ist, dass du deine Beine schließt und eben ein enthaltsames Leben führst bzw. wenn du und dein Ehepartner HIV negativ sind, dann könnt ihr so viele Kinder haben wir ihr wollt, es kann euch überhaupt nix passieren, aber eheliche Treue ist eben das A und O und wer zur Seite rausgeht ist selber Schuld, wenn er dann Gefahr läuft, wenn er sich ansteckt. Aber das große Problem ist ja auch nicht dieses, sondern das große Problem ist, dass viele Frauen im Zululand gar keine Wahl haben, dass sie meinen, wenn ein Mann zu ihnen sagt, er will jetzt mit ihnen Geschlechtsverkehr haben, dass sie nicht nein sagen dürften und das ist eine ganz wichtige Sache in unserer AIDS Aufklärung, dass wir den Leuten, dass wir den Frauen sagen ihr habt ein Recht nein zu sagen und ihr dürft euch von den Männern da nicht übertölpeln lassen, die, aus welchen Gründen auch immer euch da in Gefahr bringen wollen und das ist auch eine ganz wichtige Botschaft, die wir in unserer AIDS Aufklärung rüberbringen.

Pater Gerhard, als Sie vor 12 Jahren nach Südafrika als Missionsbenediktiner gegangen sind, was war da Ihre erste Hilfsaktion und gibt es die heute noch?

Angefangen hat das Ganze einfach damit, dass ich 1990 als Pfarrer in das Gebiet von Mandini kam, 100km nördlich von Durban, der großen Hafenstadt am indischen Ozean und dass dort sehr viele Menschen waren, die vernachlässigt worden sind als kranke Menschen und es gab da so einen Fall, wenn ich das erzählen darf, wo ich gerufen wurde, als Priester natürlich, zu einer Schwerkranken um ihr die Krankenkommunion zu bringen, sie läge im Sterben. Ich bin dorthin gefahren, habe ihr die Krankenkommunion gebracht und weil sie sehr schlecht beieinander war, habe ich ihr auch die Krankensalbung gespendet und dann habe ich zu ihr gesagt: Sie ich bin nicht nur Priester, sondern ich bin auch Sanitäter, darf ich Sie mal fragen, was Ihnen denn gesundheitlich sonst noch fehlt und da sagt sie: ja mein Rücken tut mir so weh und dann habe ich mir den Rücken angeschaut und der war völlig wund gelegen, man hat bis auf die Knochen durchschauen können und sie war völlig ausgezehrt und abgemagert. Dann habe ich sie überredet, dass ich sie mitnehmen durfte zu einem guten Arzt, dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden der Township Sundumbili und zu dem bin ich dann hin und der sagte: ja, die ist so schlecht beieinander, die muss unbedingt sofort ins Krankenhaus und dann wurde sie ins Krankenhaus verlegt und in der selben Nacht ist sie dann verstorben. Und dann hat mich genau dieser Arzt angesprochen, hat gesagt: Mensch Pater Gerhard, könnten wir nicht irgendwas unternehmen, es sterben hier so viele Leute an Vernachlässigung. Leute sollten nicht sterben müssen an Bettgeschwüren und an Unterernährung, könnten wir nicht irgendetwas unternehmen, als die katholische Kirche, dass den Leuten geholfen wird? Und da ist er natürlich bei mir, als altem Malteser auf offene Ohren und offene Türen gestoßen und das war einer dieser Ausgangspunkte, wo ich dann gesagt habe: wir müssen irgendwie versuchen, dass wir eine Einrichtung schaffen wo wir uns um Menschen kümmern, die sonst vernachlässigt werden. Und so haben wir dann begonnen Geld zu sammeln um dann dieses Care Centre, wie wir es im Englischen nennen, dieses Pflege- Sozial- und Hospiz-Zentrum zu bauen; wir haben das Zentrum im Jahr 1996 am Todestag des Seligen Gerhard, dem 3. September, eröffnet und haben seitdem Tausende von Patienten dort behandeln können, aber anfangs war es wie gesagt nur für vernachlässigte Kranke, hat sich dann aber sehr schnell in ein Hospiz gewandelt und am Anfang war etwas die Hälfte unserer Patienten Krebspatienten und die Hälfte waren AIDS Patienten und jetzt haben wir ab und zu mal einen Krebspatienten und 99, noch was Prozent unserer Kranken sind jetzt AIDS Kranke und so hat sich das eben von selber entwickelt zu dem was es heute ist.

Das heißt also, Sie betreiben nicht nur Hospizarbeit, also Arbeit indem Sie Sterbende auf ihrem Weg begleiten, sondern auch Pflegearbeit; wo liegt eher der Schwerpunkt auf der Pflege oder im Hospizwesen?

Das ist bei uns ein Guss, Hospizarbeit wird meistens in Deutschland nur als die psychologische Hilfe verstanden, dass man mit den Leuten spricht und sie bestärkt und ihnen die Tröstungen der Kirche durch gutes Zureden und durch Dasein für die Kranken gibt; das gehört bei uns alles dazu, aber bei uns gehört auch das volle Spektrum der Pflege dazu, unser Hospiz schaut von außen oder auch von innen aus wie ein Krankenhaus, d.h. wir können Leute stationär aufnehmen, wir sind das größte Hospiz Südafrikas mit 80 Betten, 40 im Kinderheim und 40 im Hospiz selber für Erwachsene, wir nehmen aber nicht nur Patienten stationär auf, sondern wir haben auch Tagespflege im Angebot, d.h. dass man den Patienten am Morgen zu uns bringt, tagsüber betreuen wir den Patienten und am Abend kann er nach Hause gehen in seine gewohnte familiäre Umgebung und wir leisten auch mobile Hauskrankenpflege, d.h. so wie in Deutschland es die Sozialstationen tun, dass wir in den Busch raus fahren, in den Hütten die Leute besuchen und den Familien helfen, sie anregen und ihnen zeigen, wie man ihren Angehörigen pflegen kann und darüber hinaus bieten wir noch Pflegeausbildung an, Ausbildung für die Öffentlichkeit in häuslicher Krankenpflege, aber auch Ausbildung für unsere eigenen aktiven Helferinnen und Helfer, etwa zum Level einer deutschen Schwesternhelferin bzw. eines Pflegediensthelfers. Es ist also ein ziemlich umfassendes Programm, welches wir dort im Hospiz abziehen bzw. anbieten und damit können wir eben sehr vielen Menschen helfen und konnten schon Tausenden von Menschen helfen, wofür wir natürlich sehr dankbar sind.

Sie haben gerade angesprochen, dass Sie auch Leute ausbilden, die dann selbst zu Hause pflegen können oder einen Sterbenden begleiten können, ist das also auch eine Hilfe zur Selbsthilfe, das ist ja so der Klassiker in der Entwicklungshilfepolitik Hilfe zur Selbsthilfe wird das immer wichtiger?

Ganz wesentlich ja. Ich meine, die ganze Organisation ist eine Hilfe zur Selbsthilfe weil die aktiven Mitglieder dieser Organisation natürlich Südafrikaner sind, Zulus sind die vor Ort ihren eigenen Leuten helfen und insofern ist es durchaus Hilfe zur Selbsthilfe, aber auch im engern Sinn, dass man auch die Familie befähigt, durch die Pflegeausbildung etwa ihren eigenen Kranken zu Hause helfen zu können oder ihren Nachbarn helfen zu können. Wir haben es häufig auch schon erlebt, dass Leute, die bei uns aktiv tätig waren und dann weggezogen sind oder geheiratet haben oder aus irgendwelchen anderen Gründen nicht mehr ehrenamtlich bei uns mitarbeiten konnten, dass wir von denen hören, dass sie dann wo sie hingezogen sind von sich aus wieder anderen Leuten geholfen haben und auch ihr Wissen weitergegeben haben an andere und das ist so eine Art Schneeballsystem wie diese, nicht nur das Fachwissen, sondern auch die Einstellung, dass man anderen Leuten hilft weiter getragen wird. Denn man muss auch wissen, dass in der Zulugesellschaft der Familienclan zwar ein sehr eng gespanntes soziales Netz ist, wo man einander durchaus hilft, soweit es geht, aber dass außerhalb der eigenen Familie, des eigenen Familienclans diese soziale Einstellung gar nicht so gegeben ist und wenn man da so eine Saat sähen kann, die jetzt aufgeht, dass dann nicht nur die Meiers den Meiers und die Hubers den Hubers helfen, sondern dass man eben über die Familiengrenzen hinaus einander hilft, dann haben wir da sicher auch eine gute Aufgabe erledigt.

Wenn die Eltern an AIDS sterben, brauchen Kinder eine neue Heimat, sie fangen viele dieser Kinder auf in ihren Kinderheimen und ich denke, es gibt Kinder, die dann auch infiziert sind und es gibt jene, die nicht infiziert sind und die brauchen ja dann auch eine Perspektive, eine Zukunft; was bieten Sie denn diesen Kindern für die Zukunft, was für eine Perspektive?

Unser Kinderheim ist genau aus dem Grund entstanden, nämlich dass wir im Hospiz Mutter und Kind aufgenommen haben und dass die Mutter dann an AIDS gestorben ist und das Kind blieb übrig. Normalerweise würde natürlich der Familienclan das Kind übernehmen, d.h. nach Zulutradition müsste, wenn ich verheiratet wäre und ein Kind hätte, mein Bruder oder meine Schwester mein Kind übernehmen, wenn ich sterbe. Aber das Problem ist natürlich, dass die ganzen Brüder und Schwestern jetzt schon gestorben sind an AIDS und dass niemand mehr da ist. Und wo auch das staatliche Sozialsystem nicht mehr greift, d.h. wo es einfach keine Pflegeeltern, keine Adoptiveltern mehr gibt wegen des Überangebotes an AIDS Waisen, wenn Sie das so nennen wollen, dort greifen wir ein. Wir verstehen uns so wie ein Sicherheitsnetz eines Trapezkünstlers, solange seine Künste alle funktionieren, sprich die Künste des Sozialsystems des Staates, dann ist alles o.k., aber wenn er da durchfallen würde, dann fangen wir ihn trotzdem auf, so dass er nicht auf dem Boden aufschlägt; und so verstehen wir die Rolle unseres Kinderheimes, Sie haben mich gefragt, was die Perspektive ist, wir mussten uns natürlich bevor wir das Ganze angefangen haben überlegen: wie schaut es denn aus, wenn die Kinder älter werden und wir haben uns dann entschlossen, dass wir gesagt haben, wir können nicht, wenn das Kind jetzt 12 Jahre ist, das Kind auf die Straße stellen und sagen tut uns leid, wir können dir nicht weiterhelfen, sondern wir haben uns entschlossen, die Kinder so lange bei uns zu behalten, bis sie wirklich auf eigenen Beinen stehen, mit anderen Worten bis sie eine Berufsausbildung abgeschlossen haben oder im Studium sind und dann selber ihr Leben in die Hand nehmen können und selber Geld verdienen können.

Pater Gerhard, Sie haben vorher erzählt, dass die Menschen, die zu Ihnen kommen, anderen Religionen angehören und dann noch oft meinen, Sie könnten denen im Sinne dieser Religionen helfen, wie ist das jetzt in den Hospizen, in den Kinderheimen, gibt es da auch diese Skepsis von den Menschen oder geben sich die Menschen, die dann dahin kommen ganz in Ihre Hände und vertrauen darauf, dass Sie die richtigen Heilmittel sozusagen haben?

Wenn die Leute zu uns kommen, dann werden die ganz angenehm empfinden, dass wir ihnen Religion nicht aufdrücken, sondern dass unser religiöses Angebot immer ein Angebot ist, d.h., dass wir beim Aufnahmegespräch mit den Leuten reden, auch dann wenn man sie dann nachher auf dem Zimmer besucht, auch über spirituelle Probleme spricht, über psychologische Probleme spricht und je nachdem wie sich der Patient dann öffnet kann man einen Schritt weitergehen und das empfinden die Patienten durchaus angenehm, es wird ihnen dann auch angeboten an den Gottesdiensten im Haus teilzunehmen, wir haben jeden Tag in der Früh um 7.30 Uhr hl. Messe und am Sonntag um 9.30 Uhr und da können die alle daran teilnehmen und sehr viele auch Nichtkatholiken nehmen gerne an diesen Gottesdiensten teil, weil sie einfach sagen, das ist eine Zeit wo ich zur Besinnung kommen kann, wo ich in der Gemeinschaft mit den anderen Kranken, aber auch mit den Gesunden, weil wir ganz bewusst die Gesunden unserer Pfarrei mit zu unseren Gottesdiensten einladen, damit die Kranken nicht isoliert auf der einen Seite stehen und die Gesunden isoliert auf der anderen und sich auf diese Art und Weise sich eine echte Gemeinde bildet, die durchaus für die Kranken in ihrer Gemeinschaft eine Heimat wird und dass ist, glaube ich, wie es auch Christus von uns will, dass wir alle eine große Familie sind und das versuchen wir zu verwirklichen uns dann eben wie gesagt in der Gesprächsseelsorge die Menschen auch zu Gott zu bringen.
Wenn ich Ihnen da ein Beispiel erzählen darf, wo mir, als altem Hasen auch die Knie weich geworden sind. Das war ein Fall, wo mich ein Mann zu sich gerufen hat und sagte .... und das heißt auf Deutsch: Entschuldigen Sie Hochwürden, könnte ich etwas Brot haben und ich habe mir gedacht: ja das ist ja kein großes Problem, ging in die Küche und habe ihm eine Scheibe Brot auf einen Teller gelegt und gebracht und er sagte: .... Nein, mein Herr, ich möchte ein anderes Brot; ich hab´ mir gedacht, ja was will er denn und ich wollte schon etwas unmutig werden, weil er da so wählerisch ist, aber einem Sterbenden oder einem Kranken gegenüber wird man natürlich immer versuchen, besonders lieb zu sein und so war ich es dann auch und habe ihn gefragt: ja was wollen Sie denn für ein anderes Brot .... Ich möchte das Brot des Lebens. Dann war ich ganz von den Socken, dass mir ein Heide, jemand der von Gott wie ich dachte noch nie etwas gehört hat, dass der auf einmal das Brot des Lebens will, mich auf einmal mit Theologischen Fachbegriffen befragt. Und dann wurde ich neugierig und habe gefragt: Ja sagen Sie mal, was meinen Sie denn da mit dem Brot des Lebens und da sagte er: ja Pater, du hältst doch jeden Tag in der Früh diesen Gottesdienst, diese Hl. Messe und ich habe die Leute dann gefragt, wenn du da dieses Brot verteilst, was denn das ist und dann haben mir die anderen Patienten gesagt, dass das das Brot des Lebens ist und wenn ich von diesem Brot esse, dann werde ich nicht sterben und ich will doch nicht sterben, bitte gib´ mir doch dieses Brot. Und dann habe ich gesagt: Ja, wenn Sie die Erstkommunion wollen, dann müssten Sie ja eigentlich getauft sein und dann sagte ich ja... Ja, dann tauf mich doch! Dann sag ich: ja aber zur Taufe normalerweise braucht man als Erwachsener ein Jahr Taufvorbereitung bei uns bis man getauft werden kann, aber der lag wirklich im Sterben und war sehr schlecht beieinander und dann habe ich eben Gnade vor Recht ergehen lassen, habe ihm so eine Stunde lang Taufunterricht erteilt und habe ihm dann die Taufe gespendet. Im selben Gottesdienst habe ich ihm dann die Erstkommunion gespendet und weil er so schwer krank war, habe ich ihm auch noch die Krankensalbung gegeben und ging dann sehr froh und glücklich auf mein Büro zurück und habe weitergearbeitet. Nach wenigen Stunden ruft mich einer der Pfleger an und sagt: Mensch, Pater schnell komm´ runter, dem Patienten geht es ganz schlecht, er atmet ganz schwer und dann kam ich runter auf die Krankenstation und konnte ihm gerade noch im Sterben die Hand halten und mit ihm beten. Und wie ich schon eingangs sagte, da wurden auch mir, als altem Hasen, ich bin seit 35 Jahren in der Krankenpflege tätig und seit 17 Jahren Missionar und da wurden auch mir die Knie weich, dass ein Mensch an seinem Todestag sagt, er will das Brot des Lebens und dass die Missionierung nicht durch die Profimissionare, die Theologie studiert haben und über alle möglichen Pastoralkurse und sonstigen Dinge abgeschlossen haben und als Amtsträger der Kirche den Glauben verkünden, sondern dass das die anderen Mitchristen waren, die anderen Katholiken waren, die den Glauben weiter getragen haben und da bin ich eigentlich unendlich froh geworden, dass unsere Kirche eine Kirche ist, die den Glauben verkündet auf allen Ebenen und so gibt es viele Leute die sich einfach aus der Erfahrung des Geliebtseins, des Aufgehobenseins, des spirituellen Angebotes, des Gottesdienstlichen Angebotes dann auch bekehren und zur Kirche zurückfinden, aber auch sehr viele Leute, die 10, 20, 30 oder noch mehr Jahre nicht mehr beim beichten waren, dann in dieser schlimmen Situation zurückfinden und sagen: Herr Pater, ich würde mal gerne mit Ihnen sprechen und am Ende eines stundenlangen Gespräches steht eben dann manchmal Gottlob die Lossprechung und es ist eine wunderschöne Aufgabe und deshalb ist also auch diese Hospizarbeit, wenn man sie aus diesem Blickwinkel leistet zutiefst missionarische Arbeit.

Und diese positiven Beispiele kann ich mir gut vorstellen bewirkt sicherlich auch bei Ihnen, dass Sie das über einen so langen Zeitraum tun können und so engagiert. Kann man sagen, spielt dann das Brot des Lebens nicht nur für diesen Kranken eine wichtige Rolle, sondern auch für Sie selbst, ist das die Kraftquelle aus der Sie täglich neu tanken?

Ich habe jetzt gelächelt, die Hörer können das nicht sehen an meinem Gesicht, weil Sie genau den Nerv meiner persönlichen Frömmigkeit angesprochen haben, ich bin sehr auf die Eucharistie zentriert in meiner persönlichen Frömmigkeit, ich habe eine kleine Hauskapelle neben meinem Büro und da ist das Allerheiligste drinnen und jeden Tag hole ich es raus aus dem Tabernakel und setze es in die Monstranz, ich habe eine wunderschöne selbst gemachte Monstranz, einen brennenden Dornbusch und dort halte ich dann Anbetung und sag´ zum Herrn: Bitte schön gib mir die Kraft, dass wir diese Arbeit weiter tragen können, aber gib´ auch unseren Patienten die Kraft und dieses Brot des Lebens ist jetzt also wirklich das Zentrum natürlich unseres Glaubens, selbstverständlich, aber es ist auch ein ganz spezielles Zentrum meiner persönlichen Frömmigkeit und ich werde oft gefragt: wie hältst du das aus, jeden Tag bis zu 4 Menschen in den Tod zu begleiten und das ist meine Antwort, durch die Fundierung im Glauben, aber auch durch das Wissen, zu wissen, dass den Menschen wenn sie nicht bei uns wären, es wesentlich schlechter ginge und dass sei dann fern von Gott, fern von einer liebenden Hand vernachlässigt, oft alleine sterben würden und wenn wir gerade im Tod den Menschen die Liebe Gottes zeigen können, dann denke ich, ist es eine ganz wesentliche Aufgabe von uns Christen und von uns Katholiken umso mehr.

Pater Gerhard, lassen Sie uns auch den Blick in die Zukunft richten, wie könnte denn aus Ihrer Sicht denn jetzt die Situation stabilisiert werden, kann AIDS eigentlich als Seuche noch aufgehalten werden, was ist da Ihre Einschätzung für die Zukunft?

Wir haben in diesem Jahr begonnen mit Antiretroviraler Therapie, d.h. man muss natürlich alle Möglichkeiten ausschöpfen, die es gibt, Palliativpflege ist gut und wunderbar und sehr wichtig, aber wo es noch darüber hinaus Möglichkeiten gibt muss man die natürlich ausschöpfen und so haben wir in diesem Jahr eben, wie ich schon sagte mit der Ausgabe von Antiretroviralen Medikamenten begonnen, das sind Medikamente, die den HIV Virus leider nicht vernichten können, aber doch an der Vermehrung hindern können und damit einem Menschen noch 10, 15, vielleicht 20 Jahre dazuschenken und das bei guter Lebensqualität, d.h. die Leute können zur Arbeit zurückkehren, die Frauen können ihre Kinder großziehen und wie gesagt, wenn man dann 10,15 Jahre vielleicht 20 Jahre gewinnt, ich hoffe und bete, dass in dieser Zeit vielleicht doch die Pharmaforschung noch ein Medikament finden könnte, das den HIV Virus wirklich vernichten könnte und damit wäre dann auch das Leben dieser Menschen im biologischen Sinn gerettet und das ist die große Hoffnung, die wir haben. Es ist natürlich eine Wahnsinnsaufgabe bei so vielen HIV positiven Patienten diese Behandlung durchzuführen, aber wir müssen tun was wir können und das tun wir auch.

Und wir hier müssen doch, stimmen Sie hiermit überein, auch dafür sorgen, dass die Medikamente finanzierbar werden, dass fordert ja der Vatikan ständig. Ist das so, müssen wir auch in dieser Beziehung mithelfen, dass da faire Preise auf dem Weltmarkt für diese Medikamente entstehen?

Auf jeden Fall und da bin ich sehr dankbar dafür, wenn ich Ihnen jetzt ganz einfach sage, dass bis vor 2 Jahren die Behandlung mit diesen Antiretroviralen Medikamenten den 4-fachen Monatslohn eines Fabrikarbeiters gekostet haben und durch diese Einführung der Generika jetzt nur noch einen halben Monatslohn kosten, dann ist das zwar auch noch ein astronomischer Betrag, aber trotzdem es ist wesentlich mehr in den Bereich der Erschwinglichkeit gerückt, aber es gibt gottlob jetzt auch 2 verschiedene Schienen der kostenlosen Behandlung, das eine ist unsere eigene Regierung, dass unsere eigene Regierung sich durchgerungen hat, diese Medikamente kostenlos an die Bevölkerung auszugeben und das andere ist die katholische Kirche und da waren wir Vorreiter und da bin ich auch sehr stolz darauf, dass bereits seit 11/2 Jahren bzw. 2 Jahren die katholische Kirche begonnen hat, in den ersten Zentren diese Antiretrovirale Behandlung auszugeben, noch bevor die Regierung damit begonnen hat und momentan sind es 11 Zentren der katholischen Kirche und davon sind 3 in kwaZulu/Natal und wir sind eines von diesen 3 Zentren und sind sehr froh und stolz darauf, dass wir da helfen können und ich muss auch dazu sagen, es wird ja immer so viele auf die Amerikaner geschimpft, die Amerikanische Staatsregierung, die haben den President’s Emergency Plan for AIDS Relief , PEPFAR, abgekürzt und aus diesem Fundus werden alle AIDS Medikamente bezahlt, die wir ausgeben, alle Blutuntersuchungen und es werden auch einige unserer hauptamtlichen Mitarbeiter bezahlt aus diesem Fonds und dafür sind wir enorm dankbar und das möchte ich an dieser Stelle auch mal öffentlich sagen und damit können wir diese Arbeit auch finanzieren, es bleibt natürlich ein riesengroßer Restbetrag zu finanzieren und das ist ja der Grund, warum ich meinen so genannten Heimaturlaub damit verbringe, das ich Bettelreisen mache.

Jetzt wird sich der eine oder andere Hörer hier bei uns in München fragen, ja der Pater Gerhard hat es uns gerade bewegend, sehr bewegend doch geschildert, wie er seinen Dienst verrichtet an den AIDS Kranken in Südafrika, ich möchte ihm helfen, dass das auch weiter so gut geht, wie können die Hörer hier in München Sie unterstützen, wie funktioniert das?

Jetzt sage ich etwas, was Sie vielleicht nicht erwarten oder vielleicht doch erwarten, als katholischer Sender. Das Wichtigste ist mir das Gebet. Und darum möchte ich auch ganz ganz herzlich bitten, dass die Menschen uns in ihr Gebet einschließen und den lieben Gott bitten, dass er uns die Kraft gibt in den oft sehr schwierigen Situationen in denen wir sind, aber mehr noch unsere Patienten sind, durchzuhalten. Und wer darüber hinaus uns auch finanziell unterstützen will, die Münchner Malteser waren so lieb und haben ein Spendenkonto extra für diesen Zweck eingerichtet und das ist bei der Ligabank in München, BLZ 750 903 00, die Kontonummer ist ganz einfach 2424240. Darauf kann man Spenden einzahlen und wenn man den Absender ordentlich angibt, kriegt man auch eine Spendenquittung dafür.

Aktuelles Spendenkonto ->

Und die Spendenkontonummer, ganz wichtig für unsere Hörer zu wissen, hinterlegen wir dann auch bei unserem Hörerservice. Pater Gerhard, wenn man sich für Ihre Gemeinschaft, die Brotherhood of Blessed Gérard interessiert, wo gibt es dazu nähere Informationen?

Das Einfachste ist direkt am Internet und zwar haben wir eine sehr ausführliche Homepage, das wäre die www.bbg.org.za. Dort kann man sich sehr ausführlich informieren über das Internet, aber Sie können auch die Frau Reimer von den Münchner Maltesern anrufen, die hier neben mir sitzt und die genau Bescheid weiß über unsere Arbeit und die erreichen Sie unter München 08943608193 und wenn Sie mit der Frau Reimer sprechen, die kann Ihnen weitere Informationen geben, wenn Sie mich in Südafrika anrufen ist es ein bisschen teuer, die Frau Reimer weiß es ganz genau wie der Hase läuft bei uns und die kann Ihnen gerne weitere Informationen geben.

Und wie gesagt, liebe Hörer, alle Daten gibt es bei unserem Hörerservice unter der 070075257525. Pater Gerhard, wann fliegen Sie zurück und was erwartet Sie wenn Sie wieder zurück sind in Südafrika, was steht da an für Sie an Arbeit?

Wann ich zurück fliege ist am nächsten Sonntag um 17.15 Uhr und was mich erwartet ist meine neue Heimat, eine riesengroße Aufgabe und eine sehr große Freude, dass man in dieser Aufgabe stehen darf und den Menschen den Glauben im Wort und in der Tat verkünden darf und darauf freue ich mich sehr und die Leute fragen mich immer: Hast du kein Heimweh? Dann sage ich: Ja, ich hab´ Heimweh, aber jetzt und zwar Heimweh nach Afrika.

Pater Gerhard, auch bei uns in Deutschland gibt es AIDS Kranke, die unter dem Virus leiden, es gibt aber auch zig andere Viruskrankheiten unter denen die Menschen auch hier bei uns in Deutschland leiden, ich möchte Sie deshalb zum Abschluss der Sendung um Ihren priesterlichen Segen bitten, gerade für die Menschen, die an diesen Viruskrankheiten leiden

Der Name des Herrn sei gepriesen - Von nun an bis in Ewigkeit - Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn - Der Himmel und Erde erschaffen hat.
Und jetzt gebe ich Ihnen den Segen in der Zulusprache: Makanihlahlamelise uNkulunkulu uSomandla, uYise beneNdodana noMoya ogcwebileyo.
Gelobt sei Jesus Christus - In Ewigkeit. Amen.

Pater Gerhard, ich darf mich ganz herzlich bedanken, dass Sie heute in unser Münchner Studio gekommen sind, hier zu Radio Horeb in die Münchner Innenstadt und über Ihr Projekt berichtet haben in Südafrika für die AIDS Kranken. Ganz herzlichen Dank dafür!

Ich bedanke mich auch ganz herzlich bei Ihnen und bei Radio Horeb.

Und ich wünsche Ihnen eine gute Rückreise nach Südafrika und dass Sie dort wieder wohlbehalten ankommen um im Dienst der AIDS Kranken dort zu stehen. Ihnen alles Gute

Vergelt's Gott und Gottes Segen auch für Sie.


Wir bedanken uns aufs herzlichste bei Sr. Johanna Stadler für die große Mühe, dass sie das gesamte Interview von der CD abgetippt hat, damit wir es hier im Internet veröffentlichen können.


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Diese Seite wurde zuletzt am 17-04-2013 22:06:01 aktualisiert.