AIDS ist in dieser Region weit verbreitet

19. März 2009: Pater Gerhard gibt eine telefonisches Interview für den Norddeutschen Rundfunk


Ich habe ihn gefragt: „AIDS ist in der Region weit verbreitet. Wie hoch liegt denn die Infektionsrate dort?“

Was ich schwarz auf weiß nachweisen kann sind im Januar 2004 76% der Personen, die einen HIV Test durchgeführt haben, die waren HIV-positiv.

Viele AIDS-Stationen in Afrika werden ja in kirchlicher Trägerschaft geführt. Dort wird auch Aufklärungsarbeit geleistet. Wie sieht denn die Beratung aus?

Die Beratung sieht so aus, dass wir den Leuten erst einmal reinen Wein einschränken, wie sich der HIV-Virus wirklich verbreitet, auch biologische Hintergründe erzählen. Denn das große Problem, vor dem wir hier stehen, ist der Geisterglaube und die Leute sind überzeugt, dass man kranke ist, weil man verhext, verwünscht, verzaubert worden ist, und von da her überhaupt kein Verständnis für die Wirklichkeit oder die biologischen Vorgänge da sind, und von daher natürlich auch überhaupt kein Verständnis da ist, wie man sich vor der Infektion schützen kann, und deshalb ist es ganz wichtig zu sagen: „Du kannst Dich dagegen schützen a) dadurch, dass Du enthaltsam lebst, und wo Enthaltsamkeit kein Weg ist. da muss man dann andere Mittel verwenden, zum Beispiel, dass man eben als Paar einander treu ist und das große Problem ist eben, dass in Südafrika die Promiskuität eine große Rolle spielt, und dort wo auch das keine Möglichkeit mehr ist, muss man sich natürlich auch mit mechanischen Barrieren schützen.

Das heißt, Sie verteilen auch Kondome und erklären den Gebrauch.

Dies ist gar nicht notwendig, dass wir Kondome verteilen, weil die liegen in allen öffentlichen Gebäuden rum. In jedem Postamt, in jeder öffentlichen Toilette, können Sie Kondome in Hülle und Fülle bekommen, aber das Problem ist, dass gerade mit der Kondomverteilung das Problem nicht gelöst ist. Und der Papst hat recht, wenn er sagt, dass mit den Kondomen die Sache verschärft wird. Insofern hat er Recht, als eine falsche Sicherheit entsteht. D.h. den Leuten wird gesagt: „Du kannst tun und lassen was Du willst, es kann Dir eh nichts passieren.“ Und ich sage den Leuten immer: „Pass mal auf,  wenn Du nicht in den Regen rausgehst, wirst Du auf keinen Fall nass. Wenn Du aber trotzdem raus gehst und einen Regenschirm verwendest, hast Du einen gewissen Schutz, allerdings ist er auch nicht hundertprozentig.“ Und bei HIV braucht man eben einen hundertprozentigen Schutz, und den bieten leider eben auch Kondome nicht.

Was der Papst jetzt gesagt hat, findet bei uns großes Gehör. Wie sieht es denn in Afrika aus? Ist es dort auch ein großes Thema?

Das Problem ist natürlich, es gibt nur 5-8 % Katholiken landesweit, und von da her ist es eine schwierige Sache, weil es wenig Gehör findet. Insofern sind diese Aussagen zwar für unseren Bereich durchaus sehr wichtig und interessant, aber in der Öffentlichkeit haben sie leider keinen so großen Widerhall wie sie eigentlich haben sollten.

Sie haben es angesprochen. Kondome wiegen vielleicht in eine falsche Sicherheit. Das Spanische Gesundheitsministerium hat in einer ersten Reaktion jetzt sofort beschlossen, 1 Million Kondome nach Afrika zu senden. Sie sind vor Ort. Sie haben die Lage gesehen oder sehen Sie auch nach wie vor. Was würden Sie sich denn wünschen, wie kann effektiver geholfen werden in der Aidsproblematik?

Wie effektiver geholfen werden könnte, wäre auf jeden Fall mal, dass man die Leute, die HIV-positiv sind, dazu bringt, dass sie die AIDS Behandlung annehmen mit antiretroviralen Medikamenten, denn dadurch können sie indirekt auch die AIDS-Infektion wieder herunterfahren, wenn eben die Leute die HIV-positiv sind, entsprechend behandelt werden und damit das Ansteckungsrisiko geringer ist.

Soweit Informationen von Pater Lagleder in Mandeni. Er organisiert dort ein AIDS-Hospiz.


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Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:10:10