Pater Gerhard Lagleder OSB zu Gast bei Radio Maria Südtirol

Ausschnitt aus einer Live-Sendung am 20. April 2011

 

Liebe Freunde von Radio Maria Südtirol, heute dürfen wir einen Gastpriester ganz herzlich begrüßen: Pater Gerhard Lagleder. Er kommt aus Bayern und ist zur Zeit auf Heim-Urlaub in Europa. Normalerweise ist er ein Missions-Priester in Südafrika und ist dort seit 25 Jahren tätig. Und wir freuen uns sehr, dass er heute zu uns ins Studio gekommen ist, und dass wir mit ihm gemeinsam im Gebet verbunden sein dürfen, nicht nur hier in unserem Studio, sondern auch in ganz Südtirol und natürlich nehmen wir auch alle Anliegen mit, die er von Afrika hierher nach Europa gebracht hat. Wir wollen auch diese Anliegen einschließen. Pater Gerhard Lagleder kümmert sich dort in einem Hospiz mit seinen Mitarbeitern um Aidskranke. Also seien wir gemeinsam verbunden im Gebet.

Liebe Zuhörer, als ich am Sonntag die Passion gelesen habe, und der Priester liest ja da immer die Rolle Jesu, war eigentlich nur ganz wenig, was ich lesen musste, einmal dass Jesus sagt: „Ich bin es“ vor dem Pilatus und dann nur noch diesen einen Satz, wo Christus ganz laut schreit: „Eli, Eli, lama sabachtani - Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Und ich möchte ganz ehrlich sagen, dass mich das auch ganz tief persönlich ins Herz getroffen hat, weil ich mir diesen Jesus vorstelle am Kreuz, der sich völlig verlassen fühlt, der sich allein fühlt, der am Ende ist mit seiner Kraft, und der sich in dieser Kreuzesnot selbst noch von seinem Vater im Himmel verlassen fühlt. Vielleicht haben Sie auch in Ihrem Leben schon mal solche Momente selber erlebt, wo sie gesagt haben: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Vielleicht hat Ihnen der Arzt mitgeteilt, dass Sie eine ganz schwere Krankheit haben, oder vielleicht haben Sie auch mal gerufen: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ als ein ganz lieber Mensch gestorben ist, den sie gemocht haben und der sie geliebt hat. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ so fragen wir uns so oft. Und wenn ich mir die Fernsehberichte über die Katastrophe in Fukushima in Japan anschaue, frage mich auch: „Mein Gott, warum sind diese Menschen so verlassen?“ Und wenn ich mir die Menschen anschaue im Zululand in Südafrika, wo ich seit 25 Jahren Missionar sein darf, dann denke ich mir auch oft: „Mein Gott, warum hast du diese Menschen verlassen?“ Das Gebiet, in dem ich tätig bin, dort sind drei Viertel der Bevölkerung HIV-positiv. Die Menschen sterben wie die Fliegen an AIDS. Jeden Tag sterben in Südafrika über 1000 Menschen an AIDS. Und da fragt man sich dann: „Mein Gott, warum hast du uns verlassen?“ Und ich denke, es gibt nur eine Antwort auf die ganze Frage nach der Verlassenheit, wo wir uns so ganz am Ende fühlen, wo wir am Ende unserer Kräfte sind, wo wir am Ende unserer Weisheit sind. Und das sind auch keine Worte, sondern einfach nur der Blick aufs Kreuz, der Blick auf den Gekreuzigten, der seine Arme weitet, und der seinen Kopf neigt und stirbt. Was mich daran so betroffen macht, ist dass Christus den Kreuzweg gegangen ist, nicht weil er sein Kreuz getragen hat, sondern mein Kreuz, und Dein Kreuz. Er hat mein und Dein Kreuz getragen, weil wir in unserer Schuldhaftigkeit, in unserer Sündhaftigkeit, dieses Kreuz verursacht haben, und da ist sich der lebendige Gott, der Sohn des lebendigen Gottes, nicht zu  fein und nicht zu gut und er nimmt es auf sich, er trägt es. Es ist ihm eine fürchterliche Last, so dass er dreimal selber unter dieser Last fällt, und er muss sich auch aufhelfen lassen, und muss sich das Kreuz tragen lassen, weil er wirklich völlig am Ende ist. Und all das tut er, damit Du und ich, damit wir nicht dem Tod anheimgestellt sind, sondern, dass er uns durch Ostern von den Toten auferwecken kann. Das Schönste, was ich an der Osterbotschaft jedes Jahr neu empfinde, ist nicht, dass Christus von den Toten erstanden ist, sondern dass, wie der heilige Paulus schreibt, wir mit Christus auferweckt sind, dass er also nicht in das Totenreich hinab geht, um von dort wieder aufzustehen und zu zeigen, dass er der Allmächtige ist, der Sohn des allmächtigen Gottes, sondern dass er in seiner Gnade und Liebe auch in dieser letzten Verlassenheit wieder an uns denkt, wieder für uns da ist, den Prellbock des Todes durchbricht, und Dich und mich mit heraufnimmt aus dem Tod, so dass Dein Leben und mein Leben immer in Gottes Hand sind, und dass wir aus dieser Liebe und aus dieser Gnade Gottes, die uns das Leben schenkt, und immer neu gibt, nie herausfallen können. So sehe ich Christus ins Angesicht, jetzt dann am Karfreitag, wenn wir das Leiden und den Tod unseres Herrn Jesus Christus feiern. Und wenn ich mich dann vor dem Kreuz hinknien darf, und wenn ich ihm ehrfürchtig die Füße küssen darf, dann kann ich nur sagen: Vergelt’s Gott! Lieber Gott, ich danke Dir, dass du so groß und so wunderbar bist, dass Du mich aus der letzten Todesnot herausnimmst und mir neues Leben schenkst, und dass Du dieses neue Leben allen Menschen schenkst, wenn sie nur für Dich offen sind, wenn sie ihr Herz für Dich bereiten, und wenn sie Dich annehmen, wenn sie Dich herein lassen, den Mensch gewordenen Gottessohn, der für uns da ist, jetzt, alle Zeit und in Ewigkeit.

Jetzt darf ich Ihnen noch den Segen spenden, und ich möchte das in Verbundenheit mit den Menschen im Zululand, für die ich Missionar sein darf, gerne in der Zulu-Sprache tun: Der Herr sei mit euch! Und mit deinem Geiste! Makanihlahlamelise uNkulunkulu uSomandla, uYise beneNdodana noMoya ocwebileyo. Amen. Gelobt zu Jesus Christus! In Ewigkeit, Amen.

Wir danken Pater Gerhard Lagleder, der zu uns heute ins Studio gekommen ist, denn, wie gesagt, ist er seit 25 Jahren in Südafrika tätig, und wir werden auch seine Gebetsanliegen jetzt im Rosenkranz um 12 Uhr 15 mit einschließen.


Und hier die ungekürzte "Fassung":

20. April 2011, 11:45 - 12:15 Uhr: Bei uns zu Gast: Pater Gerhard Lagleder OSB. Er betet mit uns die Sext, den Angelus und hält eine kurze Ansprache.

 

 

Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Letzte Aktualisierung am 03-04-2013 09:52:33