Bei uns zu Gast – Eine Sendereihe von Radio Maria Österreich.

Die Bruderschaft des sel. Gerhard

Sendung am 2. Juni 2011, 13:00

 

Wir dürfen heute bei uns Pater Gerhard Lagleder aus Bayern in unserem Studio von Brixen begrüßen. Pater Gerhard ist derzeit in Europa, arbeitet aber seit 25 Jahren in Südafrika. Er ist dort Präsident der Malteser und der Bruderschaft des Seligen Gerhard. Guten Tag!

Guten Tag und Grüß Gott, liebe Hörer von Radio Maria. Dankeschön, dass Sie mich eingeladen haben, dass ich Ihnen etwas über mich und meine Arbeit erzählen darf.

Pater Gerhard, sie waren ja nicht immer Benediktiner, sondern haben ihren geistlichen Weg als Diözesanpriester begonnen, haben dann aber unmittelbar zum Benediktinerorden gewechselt. Ist das richtig so?

Es ist richtig so. Ich war erst Diözesanpriester in der Diözese Regensburg. Allerdings bin ich am Tag der Priesterweihe bereits zum Ordenseintritt beurlaubt worden und die Idee, Ordensmann zu werden, und nicht nur Diözesanpriester zu bleiben, ist mir eigentlich während des Studiums gekommen; und zwar haben wir so die Nachfolgeperikopen des Evangeliums betrachtet in unseren geistlichen Gesprächen und da ist mir so eine Stelle sehr ins Herz geschossen und zwar die, wo eben Jesus zu dem reichen Jüngling sagt: „Ja, wenn du mir jetzt wirklich ganz nachfolgen willst, dann verkauf e alles, was du hast, gib den Erlös den Armen und dann komm und folge mir nach.“ Und dann dachte ich mir: Ja wenn das so ist, dann müsste ich eigentlich Ordensmann werden und dann dachte ich mir: Wo gehst du hin? Ich war früher, ich bin jetzt seit langer Zeit, seit 1969, Malteser und von daher ist mir die Krankenpflege vertraut. Ich war früher Lehrpfleger bei den Maltesern und Rettungssanitäter, und dann dachte ich mir: Ich muss diese Talente, die mir der liebe Gott geschenkt hat, auch später mal einsetzen. Also wenn du ins Kloster gehst, dann gehst du in einen Missionsorden. Jetzt wusste ich natürlich überhaupt nicht wohin, und so habe ich dann viele Missionsorden einfach angeschrieben und denen gesagt, dass ich Interesse hätte, nach meiner Priesterweihe ins Kloster zu gehen, habe dann sehr viele Einladungen bekommen und sehr viel Literatur und sehr viele Briefe und habe das alles durchgelesen, angeschaut, alle besucht und dann kam ich zu den Missionsbenediktinern von Sankt Ottilien und es war als ob ein Vorhang aufgeht, dass es … Ah, jetzt bist du genau dort, wo du, was du gesucht hast. Da habe ich genau das gefunden was ich mir immer so als das Ideal des Ordenslebens vorgestellt hatte, und so bin ich eben dann bei den Missionsbenediktinern eingetreten, habe in der Diözese noch mein Studium fertig gemacht, den  Pastoralkurs bis zur Priesterweihe, und dann, wie gesagt, wurde ich zum Ordenseintritt beurlaubt. Dann, als ich ins Kloster eingetreten bin, habe ich natürlich ganz genau, wie jeder andere auch, mein Noviziat gemacht, drei Jahre zeitliche Profess, und habe dann im September 1986 meine Feierliche Profess als Benediktiner abgelegt,  und am 6. Januar 1987 wurde ich als Missionar ausgesandt, und zwar in das Zululand in Südafrika.

In diesem Zululand von Südafrika wirken sie ja schon 25 Jahre. Meine erste Frage dazu: Was waren Ihre ersten Eindrücke, als sie damals angekommen sind, die politische Situation auch, vielleicht von der Apartheid, dass sie uns hier etwas erzählen, aber auch die soziale Situation der Menschen damals und heute.

Ja, als ich nach Südafrika kam, kam ich erst mal für die ersten drei Jahre in eine Pfarrei, völlig abgeschiedenen, im tiefsten Busch, wo der Pfarrer und ich die einzigen Bleichgesichter, die einzigen Weißhäutigen waren, im ganzen Großraum um dort a. die Zulu-Sprache zu lernen, b. mich über die Gebräuche und die religiösen Vorstellungen und über die Mythologie der Zulu zu informieren und da reinzuwachsen, und ich war damals unendlich beeindruckt. Natürlich, wenn man noch nie vorher in Afrika war, kommt einem jede Blume, kommt einem jeder Baum, kommt einem jedes wilde Tier, das man sieht, als eine ganz große Besonderheit vor und so war es auch. Ich war also bezaubert von der Landschaft, von der Gegend dort, aber auch von den Menschen, denn die Menschen waren unendlich gastfreundlich, unendlich lieb, obwohl es natürlich für jemand der die Zulu-Sprache damals erst erlernen musste, schon auch etwas frustrierend sein kann. Man kommt als Akademiker in ein anderes Land und die Leute behandeln einen wie ein kleines Kind, weil man nicht reden kann; und es war dann eine sehr interessante Erfahrung über diese Zeit hinweg dann erst mal die Zulu-Sprache zu lernen und, wie gesagt, in diese Bräuche der Menschen mich einzufühlen und einführen zu lassen, denn es ist so unendlich wichtig, das man als Missionar nicht wie der Elefant in den Porzellanladen kommt, sondern dass man die Leute dort abholt, wo sie sind, dass man sie versteht, dass man auch weiß, wie sie denken und dann kann man erst richtig und wirklich ein guter Seelsorger sein und so bin ich sehr dankbar für diese Vorbereitungszeit. Als ich dorthin kam, war dies  natürlich die Zeit, als die Apartheid noch so richtig am Kochen war. Unsere südafrikanische Wende war ja erst 1994, und ich kam 1987 schon dorthin, und ich habe die Apartheid noch richtig miterlebt. Ich habe zum Beispiel mal einen schwer verletzten Menschen, der schwere Schnittwunden an seiner Hand und am Unterarm hatte, den habe ich verbunden und habe ihn dann zum Arzt gebracht und der Arzt hat gesagt: Es tut mir leid, das ist  ein Schwarzer, dem darf ich nicht helfen. Da sage ich: Ja,  entschuldigen sie, bitteschön, der verblutet, bitteschön, haben sie kein ärztliches Ethos? Dann sagt er: Wenn ich den hier behandle, dann verliere ich meine Lizenz, als Arzt zu arbeiten, und dann hat er mich eben so in eine primitive Gesundheitsstation geschickt, wo ich den Patienten dann hingebracht habe, und ich hoffe, dass er es überlebt hat. Also das war für mich sein frappierendes Beispiel, dass man selbst angesichts eines schwer blutenden Patienten sagt: Es tut mir leid ich darf dir nicht helfen, der hat die falsche Hautfarbe und so habe ich also Apartheid wirklich noch in der schlimmen Art erlebt. Allerdings war die Kirche von Anfang an auch sehr konsequent, dass sie diese Apartheid nicht anerkannt hat, und die katholische Kirche hat also zum Beispiel Schulen gehabt, wo sie teilweise gemischte Kinder hatte, also Schwarze und Weiße und Mischlingskinder gemeinsam; oder meine eigene Abtei Inkamana hat eine Eliteschule, ein Elite-Gymnasium, wo lauter schwarze Kinder in einem so genannten weißen Gebiet erzogen wurden und es war, früher waren wir da schon „persona non grata“. Man hat uns also sehr argwöhnisch beobachtet und wollte uns eigentlich nicht weitermachen lassen aber, weil wir einen sehr guten Ruf hatten, war das dann, ist es dann eben doch nicht passiert, aber es war dann eine ganz schwierige Situation eben weil die Kirche von Anfang an gesagt hat: Das ist unmenschlich, das ist eine Sache, die wir nicht mittragen können, und sich einfach gegen diese Apartheid gestellt hat; und die römisch-katholische Kirche war ja bekannt als die „Roomse Gefaar“ auf Afrikaans und d.h. „die römische Gefahr“, also die Römer, die römisch-katholische Kirche, wurde als Gefahr angeschaut, weil wir eben sehr konsequent waren und dass, wie wir das Evangelium Christi auslegen, dass der liebe Gott für alle Menschen da ist, weil wir das konsequent gelebt haben. Sie haben mich nach der sozialen Situation gefragt: Ich habe im Busch eigentlich eine zwar sehr ärmliche Familien und Bevölkerungsstruktur kennen gelernt, aber eigentlich ein funktionierendes System, d.h. die Leute haben Ziegen und Rinder und hatten Ackerbau betrieben und konnten davon leben, aber in den Bereichen, wo man Industrie angesiedelt hat, hat man die Leute dann entwurzelt aus ihrer familiären Umgebung und dann sind sie weggezogen aus ihrem …, aus dem Busch, wenn sie so wollen, in …, sind verstädtert worden, konnten aber dann nicht nachhause zurückkehren und so haben sich also um diese größeren Städte dann Elendsviertel gebildet, wo die Leute, in Häusern kann man eigentlich fast nicht sagen, in Baracken, in Hütten leben die sie sich aus Autowrackteilen, aus Plastikplanen, aus Holzbrettern, aus Wellblech und sonstigem Abfallmaterial zusammengebastelt haben und da gibt es außerhalb der großen Städte sehr viele solche Elends-Gürtel und auch das habe ich erlebt, und das war dann auch die Pfarrei, in die ich zuerst mal als Pfarrer im Jahr 1990 kam, und das hat mich dann sehr tief beeindruckt und hat dann in mir auch den Entschluss reifen lassen, dass man mehr tun muss als nur den Glauben zu predigen und Gottesdienst zu feiern sondern dass die Kirche ihre dritte Wesensaufgabe, nämlich die der Caritas, der christlichen Nächstenliebe, beispielhaft leben muss.

Sie haben davon gesprochen dass dazumal die katholische Kirche als Gefahr angesehen wurde. Wie erleben sie es heute als Priester und Missionar in ihrem Gebiet?

Ja, heute ist es genau das Umgekehrte. Heute ist die Kirche ein großer Hoffnungsträger, die römisch-katholische Kirche. Als ich ein großes Pflegehospiz und Sozialzentrum in unserem Gebiet gegründet habe, habe ich mich bei den Kollegen von den anderen Konfessionen erkundigt ob sie nicht mitmachen würden, dass wir gemeinsame Sache machen, gemeinsame Sache machen im Kampf auch gegen AIDS, das ja so in den neunziger Jahren erst so richtig schlimm wurde in Südafrika, und da haben mir meine Kollegen dann gesagt: Ja also bei uns, in unseren Kirchen, da gibt es keine AIDS-Kranken. Das müsst ihr Katholiken schon selber machen wenn ihr solche AIDS-Kranken habt, und heutzutage haben wir die meisten Kranken von diesem Bereich und es sind ganz wenige Katholiken dabei. Aber das mal ganz unbenommen, das wichtige was ich eben damals gesehen habe, ist dass wir als Kirche ein Zeichen setzen und dass wir nicht diskriminieren, dass wir jedem Menschen helfen, ganz egal welches Parteibuch, welche Hautfarbe oder welche Religionszugehörigkeit er hat, dass wir einfach für die anderen da sind. Christus hatte auch nicht die Leute erst angeschaut, welche Konfession sie haben, vor er ihnen geholfen hat, sondern er hat jedem geholfen der es gebraucht hat und so haben wir das auch getan.

Sie haben es vorher angesprochenen, das Werk und auch das Hospiz, welches sie gegründet haben, zu Beginn haben wir gehört dass sie auch Präsident der Malteser im Ort sind und nicht nur der Malteser, sondern auch der Bruderschaft des Seligen Gerhard. Ja, und wir möchten über dieses Werk auch nun einiges erfahren, denn deshalb haben sie auch ihre Europareise angetreten. Zu allererst: Was waren dazumal die Gründungsmotive für dieses Werk?

Vielleicht darf ich richtig stellen: Die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“, wie wir es im deutschen nennen, oder „Brotherhood of Blessed Gérard“ im englischen, das sind die südafrikanischen Malteser und die habe ich gegründet und die leite ich heute. Die Motive, das zu tun sind ganz einfach: Ich kam als Gemeindepfarrer in eine große, eigentlich in zwei große Pfarreien mit insgesamt zwölf Gemeinden, die zu betreuen waren und ich habe natürlich Gottesdienste gehalten, ich habe natürlich den Glauben in der Predigt verkündet, aber wenn ich's etwas überzeichnet ausdrücke, sind mir die Leute während der Predigt eingeschlafen, nicht weil ich so langweilig predige sondern weil sie so geschwächt sind, weil sie so krank sind. Südafrika ist das Land, das die meisten HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen auf der ganzen Welt hat. in Südafrika ist ein Drittel der Gesamtbevölkerung etwa HIV-positiv und in dem Bundesland oder der Schweiz würde man es Kanton nennen, in Österreich sagt man Bundesland, und wir sagen Provinz dazu, in der Provinz kwaZulu/Natal sind etwa zwei Drittel der Bevölkerung HIV-positiv und ich sehe es ganz persönlich als eine Fügung Gottes an, dass er mich gerade in ein Gebiet geschickt hat wo die Ansteckungsrate extrem hoch ist, nämlich 76 % der HIV-Tests in dem Gebiet, in dem ich tätig bin. Das heißt Mandeni, und das ist etwa 100 km nördlich der 4 Millionen Stadt Durban, die jeder von der Fußballweltmeisterschaft her kennt, weil sie ein Austragungsort war, also in diesem Mandeni waren im Januar 2004 76 % der Bevölkerung HIV-positiv, d.h. die Leute sterben wirklich wie die Fliegen einer nach dem anderen und da muss man was tun, und so war also das Gründungs Motiv ganz einfach das, dass ich als Pfarrer sagte, wir müssen die karitative Tätigkeit der Kirche auf ordentliche organisatorische Beine stellen. Es geht ja nicht an, dass die Kirche ihre karitative Tätigkeit darin sieht, Banknoten an Bettler zu verteilen. Damit erreicht man genau das Gegenteil von dem, was man will; sondern, was ich gesagt habe, ist dass wir auch nicht den Fehler machen dürfen, den man der Mission und der Entwicklungshilfe oft vorwirft, dass man nämlich Satellitenprojekte macht, wo man Leute aus der Ersten Welt in die Dritte Welt schickt und die bleiben dann ein paar Monate und werden dann wieder abgezogen und dann bricht alles zusammen weil die einheimischen die Projekte nicht weiterführen können und diesen Fehler wollte ich eben nicht begehen sondern was ich gesagt habe ist dass wir die Südafrikaner motivieren und befähigen und begleiten müssen, dass sie sich selber helfen. Hilfe zur Selbsthilfe. Also habe ich eine genuin südafrikanische Hilfsorganisation gegründet, ursprünglich bei der Gründung mit vier Leuten aus unserer Pfarrei, einem Geschäftsmann und seiner Frau und einem Arzt und seiner Frau, die Krankenschwester ist, und mit mir selber, dem Pfarrer. Wir waren also eine eine Gruppe von fünf Leuten und haben am 28. Oktober 1996 diese Hilfsorganisation gegründet, die Brotherhood of Blessed Gérard. Die hat sich inzwischen ausgewachsen zu einer Organisation mit über 2500 Mitgliedern und damit sind wir die größte katholische Hilfsorganisation in Südafrika in der Zwischenzeit, die sich eben zum Ziel gesetzt hat, dass wir den Kranken und Armen helfen, dadurch dass wir eigene Hilfsprojekte aufbauen die von den Südafrikanern getragen sind und von den Südafrikanern durchgeführt werden und damit nachhaltig sind und eben nicht abhängig sind von irgendwelchen Ausländern sich dann wieder zurückziehen und die Leute ihrem Schicksal überlassen.

(Musikeinlage)

Als wir unsere Organisation gegründet haben war es natürlich die Frage: Sollen wir diese Organisation irgend einem größeren Verband anschließen und die Idee war natürlich sehr nahe liegend weil ich ja selber schon seit 1969 Malteser bin und auch bei den deutschen Maltesern in Führungspositionen tätig war dass wir sie dem Malteserorden anschließen, erstens wegen dem Know-how und zweitens auch wegen der internationalen Verbindungen, und so haben wir uns dann entschlossen, diese Hilfsorganisation dem Malteserorden sozusagen als Kind anzubieten und er hat dann auch ganz kurz nach der Gründung bereits unsere Organisation als die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika anerkannt. Damit haben wir den Leitsatz der Malteser als unseren Grundsatz und dieser Grundsatz heißt auf Lateinisch: „tuito fidei et obsequium pauperum“ und das heißt auf Deutsch „Schutz oder Verteidigung des Glaubens und Hilfe den Armen“. Wir versuchen also unseren Glauben zu schützen, zu verteidigen, unseren Glauben zu leben, dadurch dass wir uns um die Armen und die Verlassenen annehmen. Die Spiritualität des Malteserordens hat ja diese zweifache Richtung: auf der einen Seite dass wir, wie es auch der heilige Benedikt sagt, dass wir im Kranken Christus sehen und im Kranken Christus dienen. „Was ihr den geringsten eurer Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan“; aber auch umgekehrt dass der Kranke im Helfer die liebende Sorge Gottes erfahren darf und somit Gott näher kommt. Also das ist unsere Spiritualität, dass man, dass der Kranke die Liebe Gottes erfährt und dass wir im Kranken den leidenden Christus treffen und ihm dienen. Das geht natürlich auch auf die Benediktinische Spiritualität zurück. Ich bin ja selber Benediktiner und der Gründer des Malteserordens, der Selige Gerhard, war ja auch ein Benediktiner und auch benediktinisch wird es dann genannt „ora et labora“ („bete und arbeite“). Also die geistliche Komponente und die karitative Komponente verschmelzen zu einer Einheit und das ist auch sehr wichtig, dass man da nicht zwei Dinge daraus macht, sondern dass beides aus einem Guss sein muss, dass wir als Benediktiner Gott suchen indem wir uns jederzeit bewusst sind, dass Gott da ist und dass wir ihm eben in den Menschen, die uns begegnen, dienen, und auf der anderen Seite, dass wir es den Menschen ermöglichen Gott zu begegnen in der Liebe, die sie erfahren dürfen. Ein weiterer Grundsatz unserer Arbeit, der natürlich enorm wichtig ist, und der auch schon ein Gründungsmotiv war, ist einfach diese Hilfe zur Selbsthilfe, dass wir also ganz bewusst Programme übernommen haben bzw. aufgebaut haben, wo es darum geht, dass den Menschen von einheimischen Leuten geholfen wird, die die Sprachkenntnis haben, die die Ortskenntnis haben, die im Volk selber verwurzelt sind und dann die Leute natürlich viel besser verstehen als jeder Außenstehende. Und diese Grundsätze versuchen wir jeden Tag neu in die Tat umzusetzen.

Pater Gerhard, man kann auch sagen, dass sie im Leben und in ihrer Berufungsgeschichte ziemlich großes Glück hatten, denn sie sind Benediktiner. Der Gründer der Malteser, auch ein Benediktiner, also sie können alles gut einbinden in ihre Arbeit. Sie haben davon gesprochen, dass sie sich als Werk der Bruderschaft des Seligen Gerhard in die große Familie der Malteser eingegliedert haben. Wie funktioniert das? Gibt es dort auch eine Art Volontäre, die aus Europa kommen, die sie unterstützen? Gibt es hier Hilfe aus Europa oder von anderen Staaten für diese Bruderschaft des Seligen Gerhard?

Als wir angefangen haben, hatten wir einige freiwillige Helfer aus dem Ausland, aus europäischen Ländern und auch aus Amerika. Die meisten davon waren gute bis sehr gute Leute. Wir haben auch ein paar nicht ganz so tolle Erfahrungen gemacht, aber wir haben dieses Programm in der Zwischenzeit aufgegeben, weil es gar nicht notwendig ist, dass wir Helfer importieren und dann auch noch entsprechend betreuen müssen, weil wir ja über 1000 ehrenamtliche Kräfte aus Südafrika selber haben und die streiten sich um die Schichten, dass sie die belegen können. Es ist also nicht notwendig dass wir Leute aus dem Ausland holen. Wo wir die Hilfe brauchen, das ist auf der einen Seite im Know-how, aber auf der anderen Seite natürlich auch in den Finanzen, in der Hilfe, denn das große Problem ist, dass es unendlich schwer ist, in Südafrika Spendenwerbung zu betreiben, weil es in Südafrika nur eine sehr dünne Oberschicht gibt, kaum eine Mittelschicht und eine riesengroße Unterschicht, und da gibt es also sehr wenige, die für Spendenaufrufe bereit wären und deshalb müssen wir uns einfach auch international öffnen und die Menschen im Rest der Welt bitten, unsere Arbeit mitzutragen. Wir haben die Leute, die die Arbeit leisten, aber das Geld fehlt uns, das voll und ganz allein aus eigenen Kräften zu finanzieren.

Und hier kommen wir zum Punkt auch unserer Sendung, kann man sagen. Auf der anderen Seite hat sich das bewahrheitet, dies „Hilfe zur Selbsthilfe“. Sie haben davon gesprochen, dass sie viele ehrenamtliche Mitarbeiter haben, die sich sogar um die Arbeit streiten. Das ist gut zu hören und das ist auch ein Segen für diese Menschen, aber auf der anderen Seite gibt es auch Herausforderungen. Die erste Herausforderung haben Sie schon genannt, die finanzielle Hilfe, wo wir auch später nochmal zu reden kommen, welche Schwierigkeiten sie gerade in ihrem Land, in ihrer Diözese haben, um zu Finanzen oder zu finanziellen Mitteln zu kommen. Aber gibt es noch weitere Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben?

Herausforderung ist natürlich, dass sowohl unsere hauptamtlichen als auch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter aus dem ganzen Spektrum der Bevölkerung kommen. Und wenn ich Ihnen gerade sagte, dass in unserem Gebiet 76 % der HIV-Tests positiv sind, dann ist eine Herausforderung auch die, dass eben auch unter unseren hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern es sehr viele gibt, die nicht nur bei uns Helfer sind, sondern gleichzeitig bei uns Patienten sind, denen wir als gesundheitlich helfen dürfen/müssen/sollen, damit sie …, damit es Ihnen wieder besser geht und es ist dann auch schön, wenn genau diese Leute, denen selber geholfen wird, von sich aus dann wieder zu Helfern werden. Es ist einfach auch eine ganz großartige Sache, und das ist die Schöne in dieser Herausforderung, die Kehrseite der schlechten Medaille, wenn Sie so wollen, dass eben diese Leute dann genau wissen worum es geht und, wenn sie selber betroffen sind, dann sehr viel authentischer auch anderen Leuten helfen können, über ihre Schwierigkeiten helfen können, wenn sie selber davon betroffen sind. Eine zweite ganz große Herausforderung ist natürlich die Armut, die bei uns in unserer Gegend herrscht. In der Gegend, in der wir die soziale Versorgung der Menschen übernommen haben, leben ungefähr 250.000 Menschen. Von denen leben etwa zehn tausend in menschenwürdigen Behausungen und die anderen 240.000 leben in Township-Häusern, leben in Slums, leben in Elendsvierteln (und wir haben einen), leben in armen ländlichen Behausungen, und damit ist die Herausforderung auch die, dass eben die Helfer, aus denen sich unsere ehrenamtliche Helferschaft rekrutiert, natürlich auch aus dieser Armut kommen, und das es für die auch zum Beispiel eine ganz große Herausforderung ist, wenn die zum Beispiel zuhause gewöhnt sind, ein Haus haben, das aus Lehm gebaut ist, mit Stroh gedeckt ist, mit Kuhdung ist der Boden gemacht und dann kommen die in ein Haus rein wo man darauf Wert legt, dass der Boden immer sauber ist, dass die Waschbecken sauber sind, dass die Fenster geschlossen sind, weil die Klimaanlage sonst umsonst arbeitet, dass sie zu Hause eventuell mit den Händen essen und dann, wenn sie im Kinderheim beschäftigt sind, dann den Kindern beibringen sollen, dass ja eigentlich man mit Messer und Gabel essen sollte, was sie selber nicht können. Wir müssen zum Beispiel, wenn die Leute zur Grundausbildung als Helfer kommen, ihnen zeigen und beibringen, wie man eine Toilette bedient und wie man mit Messer und Gabel isst. Also dies ist auch eine große Herausforderung, aber gleichzeitig auch eine sehr große Chance, dass man also hier auch sehr viel Entwicklungshilfe leistet und Menschen aus ihrer Erbärmlichkeit herausholt und ihnen auch kulturell weiterhilft, für ihr  Selbstbewusstsein weiterhilft, denn Leute die sonst eben wirklich am Existenzminimum leben, wenn die dann an uns mithelfen, da sind sie unendlich stolz darauf, und damit gibt man Ihnen auch einen großen, eine große, ein großes Plus in ihrem Selbstbewusstsein.

Die Bruderschaft des Seligen Gerhard hat in ihrer Umgebung, in dieser Diözese, wo sie tätig sind, auch einige Häuser errichtet. Zum einen haben sie im Vorgespräch von einem Hospiz erzählt und von einem Kinderheim. Vielleicht, dass die Hörer hier etwas erfahren dürfen über das Hospiz und über das Kinderheim. Welche Aufgaben hat das Hospiz, und welche Aufgaben hat dieses Kinderheim, und welche Menschen kommen vor allem in diese Häuser?

Das Hospiz und das Kinderheim sind im selben Gebäude untergebracht. Wir haben aber, wie sie richtig sagen, auch andere Gebäude errichtet. Wir haben zum Beispiel einen Kindergarten errichtet, der außerhalb unseres Zentrums ist, in einer sehr ärmlichen ländlichen Gegend, und wir haben eine Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge eingerichtet neben der Kirche in der Township, aber unser Zentrum selber beherbergt unsere beiden größten Projekte, die das Hospiz und das Kinderheim sind. Im Hospiz geht es in erster Linie natürlich darum, was jedes Hospiz macht, nämlich Palliativpflege zu leisten, sich um Menschen anzunehmen, sich um Menschen zu kümmern, die auf medizinische Art und Weise nicht mehr heilbar sind, die Krankheiten haben, die zum Tode führen, und wo es eben keine medizinische Heilung mehr gibt. Als wir angefangen hatten, haben wir sehr viele Krebspatienten gehabt und ein paar AIDS-Patienten, aber in der Zwischenzeit hat sich das völlig umgedreht und jetzt sind über 99 % unserer Patienten AIDS-Patienten und nur noch wenige Krebspatienten. Wenn ich es überzeichnet sage, dann muss ich sagen: Die Leute werden gar nicht mehr alt genug, um einen Krebs zu entwickeln, weil sie vorher schon an AIDS sterben. Wir kümmern uns also um die Sterbenden, um denen einen menschenwürdigen Tod zu ermöglichen. Wenn wir die Leute holen aus dem Slum raus, dann sind die ja oft völlig verwahrlost. Sie müssen sich vor Augen führen, dass die Menschen im Busch davon ausgehen, dass sie …, dass Krankheiten hervorgerufen sind durch böse Geister, durch Verhexung, Verwünschung und Verzauberung, und jetzt haben die Leute Angst, sich um einen Kranken zu kümmern, denn wenn ich mich um den kümmere, dann bestrafen mich vielleicht die bösen Geister, weil ich Ihnen in ihr böses Handwerk pfusche. Also lässt man die Kranken liegen und wir haben oft Patienten erlebt, die auf einer Grasmatte am Boden liegen, völlig verwahrlost, die schon lange nichts mehr zu essen hatten, die völlig ausgezehrt und ausgemergelt und ausgehungert sind. Wir haben Patienten erlebt die, Sie wissen ja, wenn ein Patient sich nicht bewegt, bekommt der auf dem Rücken Wunden, was man in der Umgangssprache ein Bettgeschwür nennt, oder Dekubitus in der Fachsprache, ich habe also Leute mit Bettgeschwüren erlebt, die bis zu den Knochen durchgingen, wo man die Dornfortsätze der Wirbelsäule gesehen hat und die Rippen, und der ganze Rücken war eine einzige Wunde, voller Maden, voller Würmer und voller Ameisen, und solche völlig verwahrloste die Patienten haben wir oft zu betreuen, und wenn der Patient dann zu uns ins Hospiz reinkommt, in ein sauberes Bett, im Badezimmer ist warm und kalt Wasser, er bekommt ordentliches Essen, er bekommt volle medizinische Behandlung, alles natürlich zum Nulltarif, dann kriegen die so einen richtigen Kulturschock, aber nicht nur den Kulturschock, dass sie jetzt in der Sauberkeit sind, sondern auch ein Kulturschock der Liebe, dass sie auf einmal wichtig sind: „Kann ich noch was tun wir sie? Brauchen Sie noch was? Darf ich Ihnen das Kissen noch aufschütteln? Haben sie noch Hunger?“ und da haben also manche Patienten zu uns schon gesagt: „Ja also, so lieb wie ihr war noch kein Mensch zu mir in meinem Leben und es ist eigentlich das tollste Kompliment das man überhaupt bekommen kann. Aus dieser AIDS Betreuung der Sterbenden ist uns eine weitere Aufgabe erwachsen und das ist die der AIDS-Behandlung.  Wir haben gesagt: Wir können nicht mehr weiter zuschauen. Auch zu einer Zeit, als die südafrikanische Regierung noch selber sehr kritisch war der AIDS-Behandlung gegenüber, haben wir bereits vor acht Jahren begonnen, im Rahmen des AIDS-Behandlungsprogramms der südafrikanischen katholischen Bischofskonferenz, eben diese AIDS-Behandlung durchzuführen. Und wenn sie dem Patienten diese hochaktive antiretrovirale Therapie geben, dann kann der Patient noch 10, 15, vielleicht sogar 20 Jahre, oder vielleicht gar 25 Jahre, bei guter Gesundheit weiterleben. Also, dem geht es wieder gut. Der kann wieder aufstehen. Der kann zurück in die Arbeit gehen, wenn er noch eine hat. Die Eltern können ihre Kinder selber großziehen und das ist seine unendlich großartige Sache, diese AIDS-Behandlung und das tun wir mit sehr großem Erfolg seit acht Jahren. Das Kinderheim wiederum ist aus dem Hospiz entstanden, und zwar einfach deshalb, weil manchmal einfach Kinder übrig bleiben. Die Mama stirbt an AIDS. Der Papa ist schon lang davongelaufen, und die Mutter stirbt an AIDS, und die Kinder bleiben übrig, und so haben wir gesagt: Wir können die Kinder nicht auf die Straße schicken und sagen „Tut uns leid! Deine Mama ist gestorben und wir sind nicht für Kinder zuständig.“ Und so haben wir dann vor inzwischen zehn Jahren begonnen, dieses Jahr werden elf Jahre, ein Kinderheim aufzubauen, und in diesem Kinderheim haben wir jetzt 41 Kinder. Von diesen Kindern sind einige AIDS-Waisen einige sind selber AIDS-krank bzw. HIV-positiv, bekommen natürlich die Behandlung, aber alle Kinder bekommen ein neues Zuhause, Liebe und Geborgenheit und das ist ja das wichtigste, was die Kinder brauchen. Wir haben aber leider auch sehr viele ausgesetzte Kinder. Wir haben Kinder, die misshandelt worden sind, und wir haben Kinder, die missbraucht worden sind. Und da muss ich Ihnen eine ganz schlimme Sache erzählen: Die schlimme Sache ist: Es gibt bei uns so ein Ammenmärchen und dieses Ammenmärchen besagt, dass ein HIV-positiver Mann sein Virus los bekommen kann durch Defloration, d.h. auf Deutsch, dass er mit einer Jungfrau Geschlechtsverkehr hätte. Die Durchschnittsbevölkerung beginnt aber mit etwa zwölf Jahren, sexuell aktiv zu sein. Also haben sie keine Jungfrau mehr, die über zwölf ist.  Und jetzt werden immer jüngere Kinder vergewaltigt, von HIV-positiven Männern, die ihr Virus los bekommen wollen. Und ich werde es nie vergessen, einen Fall, wo ich selber ein neun Monate altes Baby in meinen eigenen Händen gehalten und getragen habe, das vom eigenen Vater vergewaltigt wurde, der HIV-positiv war, weil der sein Virus los bekommen wollte. Das neun Monate alte Baby starb an den barbarischen Verletzungen und der Vater kurz drauf an AIDS. Und da kommt mir nicht nur Gift und Galle hoch, sondern auch der Entschluss, dass wir umso mehr tun müssen für die Aufklärung, dass wir den Menschen sagen müssen, dass eben Krankheit weder durch böse Geister noch durch Verhexung, Verwünschung und Verzauberung hervorgerufen ist, und vor allem, dass es nicht durch so eine barbarische Tat, dass man sich durch diese barbarische Tat nicht von dem AIDS loseisen, oder das los bekommen kann, und das ist eben so wichtig, wenn man es eben mit Leuten zu tun hat, die oft ihren Namen selber nicht schreiben können, wenn man es mit Leuten zu tun hat, die  ja noch völlig im Ahnenkult und Geisterglauben verhaftet sind, dass man denen einfach wirklich die Wahrheit sagt, und das tun wir auch. Wenn die Leute zu uns zur AIDS-Behandlung kommen, kriegen die einen dreiwöchigen Vorbereitungskurs, wo man wirklich sozusagen bei Adam und Eva anfängt: Was ist ein Krankheitskeim? Wo kommt der Krankheitskeim vor? Wie kommt er in deinen Körper rein? Was macht er in deinem Körper? Was machen die Medikamente, damit der Krankheitskeim das, was er machen will, nicht tun kann und warum es ist deshalb so wichtig, dass zu den (die Medikamante!) regelmäßig einnimmst? Was sind mögliche Nebenwirkungen, damit, wenn die auftreten, du nicht aufhörst, die Medizin zu nehmen, sondern sie weiter nimmst? Denn das größte Desaster, das in der Aids-Behandlung passieren kann, ist eben, dass der Patient aufhört, seine Medizin zu nehmen, und wenn er nur zwei-dreimal vergisst, seine Medizin einzunehmen, kann das HI-Virus mutieren, d.h. es kann sich verändern, so dass es nachher unempfindlich wird der Behandlung gegenüber und, auch wenn der nachher ganz brav seine Medizin wieder einnimmt, hilft das Ganze nichts mehr und die Leute sterben dann innerhalb weniger Wochen. Also die Aidsarbeit ist so das zentrale Programm, unsere zentrale Arbeit, die wir haben, weil wir eben in der AIDS-Hochburg der Welt tätig sind und dann ist das das zentrale Problem und auch unsere zentrale Aufgabe, sowohl von den Erwachsenen her als auch von den Kindern her.

(Musikeinlage)

Jetzt ist auch ihre Arbeit mit so manchen Schwierigkeiten oft konfrontiert. Wir haben es vorher angesprochen: Die größte Herausforderung ist es auch, finanzielle Mittel zu bekommen, und in unserem Vorgespräch haben sie mir das erzählt, dass sie natürlich auch unseren Hörern erzählen können, dass eben Gelder eingespart werden, dass wenig Geld mehr zur Verfügung steht, und natürlich möchten wir auf diesem Wege auch durch unsere Sendung hier darauf aufmerksam machen und dafür geben wir dann später auch noch einige Daten bekannt, dass sie auch dieses Werk, diese Bruderschaft des Seligen Gerhard auch finanziell unterstützen können.

Ja, das große Desaster, das passiert ist, ist dass ich im Januar dieses Jahres eine E-Mail bekommen habe von der katholischen Bischofskonferenz von Südafrika: „Lieber Pater Gerhard, wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, der USA, ihre Aidshilfe für Afrika drastisch reduzieren musste“. Ich nehme an: Jeder weiß Bescheid über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen die USA momentan konfrontiert sind, und deshalb darf man den auch nicht böse sein, dass sie sagen: „Wir können Euch nicht weiter helfen.“ Im Gegenteil: Wir sind sehr dankbar für die acht Jahre, wo sie ganz massiv unsere Aids-Behandlung mitfinanziert haben, aber jetzt gibt’s eben nichts mehr. Und somit wurde mir mitgeteilt, dass wir ab Ende Mai dieses Jahres, also ab nächsten Monat, kein Geld mehr erwarten können aus diesen Geldern der Vereinigten Staaten und so müssen wir selber irgendwie schauen, wie wir zurechtkommen. Wir fahren unsere Fühler natürlich überallhin aus, sowohl was die südafrikanische Regierung betrifft als auch andere mögliche Geldgeber im Land, aber das sind alles Dinge, die sehr lange Verhandlungen brauchen und momentan schaut es eben so aus, dass wir eine feste Zusage von irgend einem Geldgeber haben, und drum bin ich Hals über Kopf nach Europa gereist und gehe jetzt überall hin, wo man mich hören will, und erzähle den Leuten von unserer Arbeit, aber auch von unserer Not, und ich habe eine persönliche Gewissensnot, und meine Gewissensnot ist, dass ich Behandlungsverträge mit den Patienten unterschrieben habe. Natürlich steht im Kleingedruckten drin: „Wir helfen Ihnen solange es geht.“ Aber ich kann jetzt auch nicht sagen: „Jetzt geht es eben nicht mehr, und drum musst du sterben!“ Und die Konsequenz für diese Patienten ist einfach: entweder sie bekommen die Medizin und können weiterleben, und das noch bis zu 25 Jahre, oder die andere Konsequenz ist, dass sie sterben müssen. Und das ist mein Gewissenskonflikt, so dass ich eben sage: Ich muss versuchen, alles was in meiner Macht steht, zu tun, um Menschen zu finden, die sagen: Das ist eine großartige Arbeit, die ihr leistet. Ich möchte das auch unterstützen und so bitten wir eben, und so klopfe ich eben an alle möglichen Herzen, und so auch an ihre Herzen, liebe Hörer von Radio Maria, dass sie sich überlegen, ob Sie unsere Arbeit nicht auch finanziell unterstützen können. Die Kosten für die Aids-Behandlung sind in Südafrika nicht so teuer wie in Europa. Wenn man summa summarum ausrechnet, sind es eigentlich nur drei Euro pro Tag pro Patient. Also ich brauche für einen Patienten jeden Tag drei Euro, und das bezahlt für die Medizin, für die Laborkosten, für die Arztkosten, für alle Nebenkosten. Das ist alles inklusive. Und so versuche ich eben momentan, dass wir Menschen finden, die vielleicht sogar eine Patenschaft übernehmen, und die auf diese Art und Weise dann helfen, dass wir wenigstens einem Patienten das Leben retten können. Natürlich ist der Wunsch, dass wir allen das Leben retten können, und ich verspreche Ihnen, dass ich nicht hier aufhöre, bis mir das gelingt, denn ich denke, ich könnte sicher keine Nacht mehr schlafen, wenn ich wüsste, dass einer oder mehrere unserer Patienten sterben würden, weil ich‘s nicht fertigbringe, Menschen zu finden, die uns da helfen. Und das ist auch einer der Anlässe, warum ich eben jetzt nach Europa gekommen bin, um zu bitten, dass man unsere Arbeit unterstützt.

Sie haben es schon angesprochen: Eine Behandlung pro Tag kostet drei Euro. Gibt es sonst eine Möglichkeit, wo ein Laie sich beteiligen kann? Sie haben es auch schon angesprochen, bei einer Patenschaft. Wäre es zum Beispiel möglich, dass sich eine Schulklasse an solch einer Patenschaft beteiligen könnte?

Es kann im Grunde jede Gruppe von Menschen sein. Natürlich für eine Einzelperson, wenn man also 3 Euro hochrechnet auf ein Jahr, das sind 1095 €. Das kann für eine Privatperson zu viel sein, aber wie Sie richtig sagen, vielleicht eine Schulklasse, und ich habe kürzlich in einer Schulklasse gesagt: Schaut, ihr seid Schüler. Wenn jeder von euch zehn Cent pro Tag spendet, und dies ist also auch für Schüler heutzutage kein Riesenbetrag, dann können wir einem Menschen, vielleicht einem Kind, das Leben retten, und so kann es jede Gruppe sein. Das kann eine Pfarrei sein. Das kann ein kirchlicher Verein sein. Es kann eine Jugendgruppe sein. Es kann ein Trachtenverein, ein Schützenverein, oder eine Freiwillige Feuerwehr, oder ganz egal welche Personengruppe, die sagt: „Ja also, da helfen wir zusammen. Das kriegen wir schon fertig. Das kriegen wir schon hin, dass wir eben da einem Menschen auf Dauer hin helfen“, und wir wären eben froh, wenn es Leute gäbe die dann eine Patenschaft übernehmen, im Sinn, dass sie uns eben regelmäßig diese Gelder überweisen. (Wir haben leider kein Spendenkonto in Österreich.) In Österreich haben wir ein Spendenkonto. Das wird sicher durch Radio Maria ihnen bekannt gegeben, wenn sie dort anrufen, aber wir haben auch ein Spendenkonto in Deutschland, leider nicht in Italien.

Aber wer weiß, vielleicht wird es irgendwann einmal möglich sein, gerade jetzt durch ihre Tour durch Europa, aber wir sind ja da verbunden in der Europäischen Union. Da sind die Grenzen auch gefallen und auch das Überweisen von Geld von Südtirol nach Österreich und Deutschland überwiegt hier nicht mehr. Also die Kosten für eine solche Überweisung. Pater Gerhard, wir sind am Ende unserer Sendung leider schon angelangt. Wir haben sehr vieles erfahren über ihre Arbeit, aber auch über das heutige Thema, über die Aidskranken, wo sie ja sehr tätig sind mit all ihren Ehrenamtlichen. Was möchten Sie zum Abschluss an unsere Hörer noch sagen? Wo sollten wir unsere Augen, unsere Ohren offen halten?

Bitte halten Sie ihre Augen und ihre Ohren offen auf den Herrn hin! Ich denke, dass die wirksamste Hilfe, die einem Menschen überhaupt geschenkt werden kann, die des fürbittenden Gebetes ist, und ich denke ja da zum Beispiel an diesen Kranken, den wir in der Heiligen Schrift (kennen), der da durch das Dach mit der Trage heruntergelassen wurde, vor Jesus hin. Der hat überhaupt nicht darum gebeten, dass ihm geholfen wird, aber die anderen haben gesagt, er braucht die Hilfe, der muss Jesus nahe kommen. Wenn also Sie uns bitte helfen in ihrem Gebet, dass wir die Menschen Gott nahebringen können. Natürlich bringen wir die auch unsererseits Gott nahe, aber diese Verbundenheit im Gebet, die ist mir unendlich wichtig, und da bitte ich sie auch wirklich: Wenn sie dem Herrn die Tür einrennen und ihm sagen: Bitte, lieber Gott, hab Erbarmen mit diesen Menschen, die sonst sterben würden. Ich glaube, dass der liebe Gott die Kraft hat und die Macht hat in seiner Allmacht dass ihr Dinge möglich macht, dass er die Herzen der Menschen erweicht, dass sie uns helfen, und so verlasse ich mich darauf, dass der liebe Gott wirklich alles richten wird. Aber wir müssen ihm eben unsere Hände, Augen und Ohren der Verfügung stellen, aber viel mehr noch unser eigenes Herz schenken. Und so danke ich ihnen ganz besonders, wenn sie uns auch in ihr …, ganz tief in ihr Gebet mit hineinnehmen.

Und diese Sendung möchten wir natürlich auch mit einen gemeinsamen abschließenden Gebet beenden, damit wir jetzt schon beginnen, gemeinsam im Gebet immer wieder aufs Neue verbunden zu sein.

Und da möchte ich jetzt das Gebet unserer Bruderschaft gerne beten:

Herr Jesus Christus, du hast mich in deiner Gnade berufen, dir als Mitglied der Bruderschaft des Seligen Gerhard zu dienen. Ich danke dir, dass du mich berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen. Ich bitte dich demütig, auf die Fürsprache unserer Lieben Frau, des Patrons der Malteser, des Heiligen Johannes des Täufers, und des Gründers der Malteser, des Seligen Gerhard, und aller Heiligen, dass die Spiritualität unserer Bruderschaft mein Leben durchdringe und meine Taten durchdringe, auf dass ich mich jederzeit deinen Dienst widme, in meiner Familie, bei meinen Freunden, und vor allem bei denen, die meine Hilfe brauchen. Im Vertrauen auf deine Hilfe möchte ich immer und jederzeit den Glauben verteidigen und ein offenes Herz haben für meinen Nächsten, ganz besonders für die Armen, für die Traurigen, für die Einsamen, die Behinderten und die Kranken. Gib mir die Kraft, die ich brauche, dass ich mich diesem Vorsatz stelle, und dass ich als aufrechter Christ im Geist deines Evangeliums lebe, zur Ehre Gottes, für den Frieden der Welt und das Wohl der ganzen Menschenfamilie. Amen.

Pater Gerhard Lagleder, wir danken ihnen und wir haben uns gefreut dass sie heute bei uns zu Gast waren, und wir wünschen Ihnen vor allem alles Gute für ihre Arbeit und vor allem Gottes reichlichen Schutz und Segen für Sie, für die Arbeit, und für all die Ehrenamtlichen, aber besonders für jene kranken Menschen die ihrer Hilfe bedürfen.

Ganz herzlichen Dank!

 


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Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:12:09