Menschen im Portrait - Eine Sendereihe von Radio Maria Österreich.

Portrait: P. Gerhard Lagleder -
Missionsbenediktiner im Einsatz für die Ärmsten Südafrikas

Ein Interview, das am 13. August 2011 in Radio Maria ausgestrahlt wurde.

 

 

Liebe Freunde und Hörer von Radio Maria, Herzlich willkommen zur Sendung Portrait, heute mit und über Pater Gerhard Lagleder. Pater Gerhard ist Missionsbenediktiner von St. Ottilien und schon seit 25 Jahren in Südafrika tätig, im Zululand. Jetzt ist er derzeit in Europa und es freut mich, dass wir sie auch hier begrüßen dürfen im Studio von Radio Maria. Herzlich willkommen, Pater Gerhard!

 

Dankeschön, es ist sehr lieb, dass sie mich eingeladen haben. Ich freue mich, dass ich mit ihnen ein bisschen plaudern darf.

 

Ja, im Laufe der Sendung werden wir auch erfahren, was ihr Grund des Kommens nach Europa ist. Wie gesagt, 25 Jahre leben sie im Zululand in Südafrika. Wenn Sie sich unseren Hörerinnen und Hörern vorstellen bitte!

 

Ja, ich bin der Pater Gerhard. Ich bin in Regensburg geboren und in Regensburg in Bayern zum Priester geweiht worden, im Jahr 1982, und bin dann erst ins Kloster eingetreten und zwar eben in die Erzabtei St. Ottilien und bin von dort am 6. Januar 1987 als Missionar ausgesandt worden, und zwar in das Zululand in Südafrika. Dieses Zululand liegt an der Ostküste. Vermutlich kennen die Hörer von der Fußballweltmeisterschaft den Austragungsort Durban. Das ist eine 4 Millionen Stadt am Indischen Ozean, und etwa 100 km nördlich von diesem Durban liegt der Ort Mandeni, und in diesem Ort bin ich seit 21 Jahren tätig und versuche dort eben mich um die Menschen zu kümmern, denen es schlecht geht. Ich bin dort der Diözesan Caritasdirektor in unserer Diözese Eshowe. Und ich habe vor 20 Jahren in Südafrika die südafrikanischen Malteser gegründet, die wir nach dem Gründer des Malteserordens, dem seligen Gerhard, eben die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ nennen auf Deutsch und auf Englisch würde dies die „Brotherhood of Blessed Gérard“ sein, deren Leiter und Gründer ich bin.

 

Ein großes Missionsgebiet. Wie viele Menschen zählen sie zu ihrer Pfarre bzw. zum Einzugsgebiet?

 

Ja, unser Einzugsgebiet, in dem leben ungefähr 250.000 Menschen und von diesen 250.000 Menschen leben 10.000 in dem kleinen Dorf Mandeni. Das sind etwa 10.000. Und um dieses Gebiet herum gibt es ein großes Elendsviertel, oder ein Elendsgebiet eigentlich. Das Zentrum ist die Township Sundumbili, und etwa 10 km im Norden gibt es ein Industriegebiet. Das heißt iSithebe. Und in dieses Industriegebiet hat man Leute abgezogen oder abgeworben aus dem Busch, in dem die Menschen eigentlich in einem sozial intakten Gefüge leben, und hat sie da angeworben, damit sie in Fabriken arbeiteten, aber die Leute haben dann oft, von weit her sind sie zu uns gekommen und haben dann ihre Heimat sozusagen verloren und haben sich dann außerhalb dieser Fabriken selber irgendwelche Hütten gebaut, teilweise aus Autowrackteilen, aus Abfallmaterial, aus Plastikplanen, aus Holzbrettern. Und in diesen Bretter-Buden leben sie. Und so gibt es ein großes Elendsviertel. Wir nennen das ein „informal settlement“, außerhalb dieses Industriegebietes, das sich um Mandeni herum zieht. Und dort leben eben dann diese 160.000 in dem Township und der Rest eben in diesen Elendsvierteln außen rum. Und im weiteren Bereich gibt es dann auch noch ein landwirtschaftliches Gebiet, in dem auch nochmal etwa 10-15.000 Menschen in Streu-Siedlungen leben, wie wir das im Zululand kennen, dass also die einzelnen Kraale in Rufverbindung voneinander entfernt sind.

 

Vor 25 Jahren sind sie nach Südafrika. Also 1987 sind sie ausgesandt worden, haben dann dort die Hilfsorganisationen, die Bruderschaft des Seligen Gerhard gegründet, innerhalb auch der Gründung des Malteser Ordens in Südafrika, sind dessen Präsident jetzt, und in späterer Folge auch zum Caritasdirektor der Diözese Eshowe geworden, wie sie erzählt haben. Wo ist denn da jetzt die Not am größten?

 

Ich denke, die Not ist am größten einfach in dem Bereich, wo die Menschen von AIDS betroffen sind. Südafrika ist ja das Land in dem es die meisten HIV-positiven Menschen und AIDS-kranken Menschen auf der ganzen Welt gibt. Ich war mal eingeladen zu einem Aidssymposion der bayerischen Staatsregierung mit der Regierung des West-Kaps. Das ist das Gebiet um Kapstadt. Und da hat uns der Herr Regierungsdirektor einen Vortrag gehalten, dass in Bayern null-komma-null-nochwas Prozent HIV-positiv sind. Und wir haben uns alle nur so angeschaut, weil eben in Südafrika ein Drittel der Bevölkerung, also ein Drittel von 43 Millionen, und das ist ungefähr so viel, wie Österreich Einwohner hat, HIV-positiv sind bzw. AIDS-krank sind und das ist das zentrale Problem, mit dem wir es zu tun haben. Es gibt nämlich dann auch ein Bundesland, würden sie es in Österreich nennen, was wir eine Provinz nennen, in kwaZulu/Natal, da sind etwa zwei Drittel der Bevölkerung HIV-positiv und dann gibt es „pockets of high infection rate“, also was wir im Deutschen vielleicht ein endemisches Gebiet nennen könnten, mit sehr hoher Ansteckungsrate. Und da hat das Gebiet um Mandeni leider diese traurige Berühmtheit erlangt, die AIDS-Hochburg der Welt zu sein, wo im Januar 2004 76 % der HIV-Tests positiv ausgefallen sind. Und „positiv ausfallen“ heißt, dass die Menschen das Virus in ihrem Blut tragen und damit im Lauf von maximal zehn Jahren dann AIDS entwickeln. Also das ist das zentrale Problem, mit dem wir in Südafrika konfrontiert sind, denn wir haben eine negative Geburtenrate bereits, d.h. es sterben mehr Menschen in Südafrika als geboren werden, und da muss man was tun und da hat auch die Kirche gesagt: „Wir dürfen den Leuten nicht nur fromme Predigten halten.“ Das tun wir natürlich auch, und den Glauben verkünden in Worten, sondern die Glaubensverkündigung muss eben einfach auch durch die liebende Tat geschehen. Der heilige Paulus sagt ja schon, dass unser Glaube tot ist, wenn er keine Werke aufzuweisen hat. Also, der Glaube muss uns so durchdringen, dass er in die Tat sich umsetzt. Ich kann nicht einen Rosenkranz beten und nachher ganz bös und unwillig sein meiner Familie gegenüber. Und genauso sehen wie das auch in unserem Bereich, dass wir einfach uns um die Menschen kümmern müssen, denen es schlecht geht. Und in Südafrika spricht man ja nicht mehr von einer Epidemie von AIDS, sondern von einer Pandemie. Und „Pan“ ist Griechisch und heißt „alle“. Also, dass alle in irgendeiner Weise von HIV und Aids betroffen sind. Und da muss ich jetzt auch mal ganz offen sagen, dass die römisch-katholische Kirche eigentlich der Vorreiter war und bereits vor acht Jahren begonnen hat mit der AIDS Behandlung als es von der südafrikanischen Regierung her noch überhaupt nicht erwünscht war, als die südafrikanische Regierung ihren Kopf in den Sand gesteckt hat sozusagen, und so getan hat, als ob es AIDS nicht gäbe. Und unsere Gesundheitsministerin damals auf internationale Aidskongresse fuhr und einen Stand aufgebaut hat mit roten Beeten und mit Knoblauch und sagte, dass dies viel gesünder sei als die giftige AIDS-Medizin und so hat sich dann Südafrika sozusagen lächerlich gemacht auf dem internationalen Parkett, obwohl wir das Land sind mit der höchsten HIV Infektionsrate in der ganzen Welt. Das hat sich gottlob geändert. Südafrika hat jetzt einen großartigen AIDS-Behandlungsplan, der allerdings erst langsam sukzessive umgesetzt wird. Es sind also nur etwa 10-15 % derer, die die Behandlung eigentlich bräuchten, bereits in Behandlung. Es ist also ein enormer Nachholbedarf und da hat eben die katholische Kirche bereits vor acht Jahren begonnen mit dieser Ausbildung der Leute, die in der AIDS Behandlung tätig waren, und dann selber mit der AIDS-Behandlung begonnen. Und ich kann auch ganz stolz Ihnen sagen, dass eben die katholische Kirche am Anfang auch der Regierung geholfen hat, ihre eigenen Programme aufzubauen, weil wir einfach die Erfahrung hatten, weil wir erst begonnen haben und dann unsere Erfahrungen an Sie weitergeleitet haben, unsere Lehrpläne für die Aidsvorbereitung der Patienten und für die Patientenbegleitung und damit also auch sehr viel tun konnten, das die Aidshilfe in ganz Südafrika einfach auf eine breitere Basis gestellt werden konnte.

 

Sie haben jetzt schon ein bisschen begonnen, konkret zu sagen, wie hier die Hilfe ausschaut. Welche Hilfe leistet denn die Bruderschaft des Seligen Gerhard, eine Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika? Wie schaut denn hier Hilfe konkret aus bzw. vielleicht beantworten sie vorher auch noch die Frage. „Warum sind sie denn jetzt auch längere Zeit, wie ich von ihnen schon gehört habe, in Europa?

 

Ja, wenn Sie mich fragen, warum ich jetzt in Europa bin, dann ist das ganz einfach der Grund, dass wir riesengroße finanzielle Probleme haben mit der AIDS Behandlung. Ich hab in unserem Interview vorher gesagt, dass die südafrikanische katholische Bischofskonferenz der Vorreiter in der Aids-Behandlung in Südafrika war, und diese AIDS-Behandlung in Südafrika durch die Bischofskonferenz wurde großenteils finanziert von der amerikanischen Regierung, also der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die mussten aber wegen finanzieller Schwierigkeiten ihre Hilfszusage reduzieren auf ein Minimum, was zur Folge hat, dass das AIDS-Behandlungsprogramm nicht mehr finanziert werden kann und wir haben Anfang Januar, eigentlich müsste ich sagen Ende Januar haben wir eine E-Mail bekommen: „Es tut uns schrecklich leid, aber wir können Ihnen ab Ende Mai kein Geld mehr für die Aids-Behandlung zur Verfügung stellen weil eben die Amerikaner die Gelder für die Aids-Behandlung in Afrika wesentlich reduziert haben.“ Und jetzt müssen wir einfach selber irgendwie schauen, wie wir an Gelder herankommen, dass uns die Leute nicht sterben müssen, denn des Problem mit der Aids-Behandlung ist: Wenn sie einmal begonnen haben, müssen Sie Ihre Medizin regelmäßig jeden Tag einnehmen, je nach Behandlungsschema einmal oder zweimal pro Tag, je nachdem welche Medikamente sie bekommen, aber sie müssen die täglich einnehmen, und wenn sie nur ein - zweimal hintereinander vergessen, die Medizin einzunehmen, hat das Virus die Chance zu mutieren, und das heißt auf Deutsch, sich zu verändern, dass es resistent wird, also dass es gegen die Medizin resistent wird, und damit auch, wenn man nachher die Medizin wieder einnehmen würde, die Medizin nichts mehr hilft. Also, wir müssen verhindern, dass der Patient aufhört, die Medikamente zu nehmen. Wenn wir ihm aber die Medikamente nicht mehr geben können, und die Menschen, um die wir uns kümmern, sind ja Menschen, die haben keinen Knopf Geld in der Tasche, die könnten dies nie selber leisten, und die Regierung ist auch völlig überfordert. Wir können einfach nicht tausende von AIDS Patienten jetzt in die Hände der Regierung geben und sagen: „Jetzt seid ihr dran. Wir haben kein Geld mehr.“ Das können die nicht, weil die Infrastruktur fehlt, weil das Geld fehlt, weil das Personal fehlt. Also müssen wir irgendwie weitermachen und das ist der Grund, warum ich zur Zeit hier bin, um an die Herzen so vieler Menschen als nur möglich zu klopfen, und zu sagen: „Bitte helft uns, dass wir diese Aids-Behandlung weiterführen können!“
Die erste Frage war die, was wir alles tun. Die Aids-Behandlung ist nur eines unserer Projekte, um die es uns in unserem Bereich geht. Wir betreiben diese Aids-Behandlung in dem größten stationären Hospiz Südafrikas, und in diesem stationären Hospiz leisten wir Palliativpflege, d.h. wir kümmern uns um Menschen, für die es medizinisch keine Heilung mehr gibt, um Ihnen zu ermöglichen, ein menschenwürdiges Sterben zu haben, d.h. wir kümmern uns um sie. Wir können die stationär aufnehmen. Wir nehmen uns sowohl medizinisch an und die Patienten, nehmen ihnen die Schmerzen, aber wir kümmern uns auch menschlich um sie, die psychosoziale Betreuung, aber auch die seelsorgerische Betreuung, so dass die Menschen in einer Atmosphäre sterben können, wo man sich um sie kümmert, wo sie geliebt werden, wo man sie mag. Jetzt muss ich Ihnen aber noch erzählen, warum das so wichtig ist: Weil es im Zululand die Überzeugung gibt, bei vielen Menschen, vor allem bei Menschen aus den ländlichen Gebieten, dass Krankheit hervorgerufen ist durch Verhexung, Verwünschung und Verzauberung. Also hat man Angst sich um einen Kranken zu kümmern, weil man dann befürchtet, wenn man sich um diesen Kranken kümmert, dass man dann bestraft würde von den bösen Geistern, die ja genau das Gegenteil erreichen wollen, nämlich dass es dem Patienten schlecht geht. Und damit werden sehr viele Patienten vernachlässigt. Man kümmert sich nicht um die Patienten. Wir haben Patienten erlebt, die auf dem mit Kuhdung gemachten Hütten-Boden liegen, auf einer Grasmatte, die dort in ihren eigenen Ausscheidungen liegen, die nicht weggeputzt werden. Wir haben Patienten erlebt, sie wissen ja, dass ein Patient der dauernd auf dem Rücken liegt und sich nicht bewegt, sehr leicht Bettgeschwüre, also einen Dekubitus bekommen kann, und ich habe Patienten erlebt mit Bettgeschwüren, wo der ganze Rücken eine einzige Wunde war, wo man die Dornfortsätze der Wirbelsäule sehen konnte, wo man die Rippen sehen konnte, und auch Wunden erlebt, in denen Maden und Würmer und Ameisen waren, die Patienten völlig ausgezehrt und ausgemergelt, dass man jede einzelne Rippe zählen konnte, und solche Patienten holen wir dann aus den Elendsvierteln raus. Und wenn die dann zu uns ins Hospiz kommen, ist es ein absoluter Kulturschock, ein Kulturschock einmal, dass sie in einem sauberen Bett liegen, was sie vorher nicht kannten, dass sie fließend Warm- und Kaltwasser im Badezimmer haben, dass sie eine gute abwechslungsreiche, vitaminreiche Ernährung bekommen, das sie volle medizinische Behandlung bekommen, aber es gibt auch so diesen Kulturschock der Liebe, wo die Patienten auf einmal geliebt werden, wo man sie mag, sich um sie kümmert, wo man sie fragt „Wie geht’s ihnen denn? Was kann ich noch für Sie tun? Darf ich Ihnen das Kissen nochmal aufschütteln? Brauchen Sie noch was? Haben sie noch Hunger?“ Und da haben uns manche Patienten schon gesagt: „Mensch, also so lieb wie ihr war noch keiner zu mir in meinem Leben!“ Und dies ist eigentlich das schönste Kompliment, das man bekommen kann. Also, es geht uns um die Palliativpflege, und in unserem Hospiz sterben pro Tag bis zu fünf Patienten an AIDS, und oft ist das Bett noch gar nicht kalt, kommt der nächste schon wieder rein. Aber es geht nicht nur eben um diese stationäre Hospizpflege. Wir machen auch ambulante Hospizarbeit, d.h. wir haben Hauskrankenpflegeteams, die in den Busch rausfahren und die Kranken zuhause betreuen, um ihnen eben zu ermöglichen, dass sie dort ordentlich behandelt werden und wo man dann auch die Familie anleiten kann und denen helfen kann.

 

(Musikeinlage)

 

Sie versuchen auch die Angehörigen davon zu überzeugen, dass sie nicht von diesem bösen Zauber weiter befallen werden, wenn sie sich um die Angehörigen oder die einfach auch noch zu Hause gepflegt werden können, kümmern. Sie versuchen auch die Bevölkerung aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein hervorzurufen sich hier um die HIV Ansteckung auch zu sorgen, eben im katholischen Wege usw. Also, das Programm ist einfach grösser gefächert. Sie haben jetzt ja schon angesprochen das Hospiz. Wie versuchen sie denn vor Ort hier noch entgegenzuwirken?

 

Was die Aidsaufklärung betrifft, da geht's natürlich in erster Linie darum, dass man überhaupt ein Verständnis bei den Leuten wecken will. Was ist denn HIV-Infektion überhaupt, dass es also nicht von den bösen Geistern kommt, sondern den Leuten erst mal zu erzählen: Was ist denn eigentlich ein Krankheitskeim? Wo gibt’s diesen Krankheitskeim? Wo kommt er her? Wie kommt in den Körper rein? Was passiert, wenn er im Körper drin ist? Und jetzt, was macht die Medizin, um zu verhindern, dass der Krankheitskeim im Körper das tun will, was er tut, und warum ist es deshalb so wichtig, die Medizin zu nehmen? Was sind mögliche Nebenwirkungen, um eben damit vorzubeugen, dass der Patient irgendwann, wenn es ihm mal übel wird, wenn er die Medizin einnimmt, die Medizin absetzt und damit sozusagen, wenn Sie so wollen, Selbstmord begeht. Denn sie dürfen nicht aufhören, die Behandlung zu nehmen. Wenn sie aufhören, dann wird der Patient sehr bald versterben und da ist es einfach ein Kampf, den man aufnehmen muss, und wo man nicht nachgeben darf, und wo man die Leute immer neu erinnern muss. Und deshalb ist uns auch die Nachsorge im AIDS so wichtig oder die, wir nennen es die Therapiebegleitung, wo der AIDS-Patient dann sowohl aus der Familie wir einen Begleiter mit ausbilden, der dann genau weiß, worum es geht in der Aids-Behandlung, und der den Angehörigen dann erinnert: „Hast du heute deine Medizin schon genommen?“ Und zweitens, dass wir selber Therapie-Begleiter zu den Patienten schicken. Und der Patient bekommt dann einen Hausbesuch, einmal pro Monat mindestens, von so einem Therapiebegleiter, der ihn dann fragt: „Na, klappt alles? Gibt’s irgendwelche Schwierigkeiten? Vertragen sie die Medizin? Gibt es sonstige Probleme?“ Und wenn's Probleme gibt, kann man eben sehr schnell eingreifen, und dort helfen, um zu verhindern, dass der Patient aufhört, die Medizin zu nehmen.

 

Sie haben jetzt bereits erzählt über das Hospizprogramm bzw. auch die Aufklärungsprogramme innerhalb der Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika. Was wird denn noch geleistet?

 

Aus dem Hospiz heraus ist eigentlich unser Kinderheim entstanden. Der Hintergrund ist der, dass sehr viele Väter sich sehr schnell nachdem sie herausfinden, dass ihre Freundin schwanger ist, aus dem Staub machen, damit sie keine Unterhaltsleistungen zahlen müssen. Es werden ja über 95% der Kinder in unserem Bereich außerhalb der Ehe geboren, und jetzt stirbt irgendwann die Mutter an AIDS und dann bleibt das Kind übrig. Und damit wir dieses Kind nicht auf die Straße schicken müssen – kann man ja nicht – haben wir dann schon vor zehn Jahren begonnen mit einem Kinderheim, d.h. wir haben Kinder aufgenommen, wo die Mama eben an AIDS gestorben ist oder an Infektionskrankheiten die sie aufgrund ihrer Aids-Krankheit bekommen hat. Und so haben wir diese Kinder dann aufgenommen, haben dabei natürlich auch einige Kinder, die selber infiziert sind mit HIV und die dann AIDS entwickelt haben, und die sind natürlich bei uns auch im AIDS-Behandlungs-Programm. Wir haben aber im Kinderheim auch sehr viele ausgesetzte Kinder und wir haben auch leider viele missbrauchte Kinder. Und das muss ich ihnen jetzt eine ganz schlimme Sache erzählen, die leider wirklich ein ganz großes Problem ist bei uns: Und zwar gibt es so ein Ammen-Märchen, das sagt, dass ein HIV-positiver Mann sein Virus losbekommen könnte durch Defloration und das heißt auf Deutsch, dass er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte. Nun ist aber das große Problem, dass in unserem Bereich die jungen Leute sehr früh beginnen, geschlechtlich aktiv zu sein, und zwar mit 12-13 Jahren bereits. Also gibt es kaum noch eine Jungfrau über zwölf oder 13. Also werden immer jüngere Mädchen vergewaltigt von HIV-positiven Männern, weil die meinen, dass sie damit ihr HI-Virus losbekommen könnten. Ich habe meinen eigenen beiden Händen ein neun Monate altes Baby gehalten, das vom eigenen Vater vergewaltigt worden war. Das Kind starb an den barbarischen Verletzungen und der Vater starb kurz darauf an AIDS. Und das ist ein wirklich ganz schlimmes Problem, mit dem wir zu kämpfen haben, dass also Kinder vergewaltigt werden, weil HIV-positive Leute meinen, sie könnten das Virus los bekommen. Und wir haben in unserem Kinderheim eben auch solche Kinder, die früher vergewaltigt worden sind, und um die muss man sich natürlich dann in einer ganz besonderen Weise kümmern, a) um die HIV-Infektion, die sie bekommen haben, was in vielen Fällen der Fall ist, aber natürlich auch dass man sich psychiatrisch und psychologisch um sie annimmt, dass man überhaupt wieder ein Vertrauen in ihnen wecken kann, dass sie einem Menschen wieder trauen können, und es dauert lang-lang-lang, bis man die Leute, bis man diese Kinder dann wieder so hinbringt, dass sie ein relativ normales Leben führen können, aber es ist uns bislang in jedem Einzelfall auch wirklich gelungen, dass die nach vielen Jahren dann auftauen und über diese Erlebnisse hinwegkommen, wenn man sie natürlich entsprechend fachlich auch begleitet und behandelt. Und das ist die Aufgabe unseres Kinderheimes.
Und ein weiteres Programm haben wir angefangen, und zwar schon sehr früh, die Organisation wurde vor 20 Jahren gegründet und eines der ersten Programme war eigentlich unsere Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Südafrika ist eigentlich kein armes Land was jetzt Bodenschätze oder was die Landwirtschaft betrifft, aber das Problem ist dass eine HIV-positive Mutter ihr Kind nicht stillen soll weil die Konzentration des HI-Virus in der Muttermilch so hoch ist, dass sich das Kind durch das Trinken an der Mutterbrust anstecken kann. Also soll die Mami ihr Kind mit der Flasche aufziehen. Jetzt ist aber diese Flaschennahrung sehr teuer und viele verdünnen dann dieses Pulver zu sehr mit Wasser oder sie können sich dies überhaupt nicht leisten und geben den Kindern dann so verdünnten Maisbrei, oder sie geben ihnen verdünnten Pudding, oder einfach nur Zuckerwasser zum Trinken und das sind natürlich reine Kohlenhydrate und kein Eiweiß, und so sterben die Kinder dann an einer Eiweißmangelkrankheit, die man in der medizinischen Fachsprache Kwashiorkor nennt, und damit sie eben daran nicht sterben müssen, haben wir diese Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge eingerichtet, wo wir sowohl die Kinder versorgen, und zwar medizinisch versorgen, aber auch, wo wir ihnen Milch und einen speziellen Brei geben, der so gemischt ist, dass er sehr eiweißreich ist und die Kinder damit das bekommen, was ihnen vorher gefehlt hat, und in dieser Klinik haben wir also mindestens immer etwa 50-60 Kinder. Und wenn die einen wieder herausgefüttert sind, und wenn es ihnen wieder gut geht, dann kommen andere nach und so ist es also ein dauerndes Programm, wo wir eben diesen Kinder dann wirklich auch das Leben retten können weil sie sonst an dieser Unterernährung sterben würden. Und das ist auch eine ganz wichtige Aufgabe, die wir erledigen.
Wir haben noch einige andere Programme, in denen wir uns um Menschen annehmen, die in Notsituationen geraten sind, und wir versuchen eben auf diese Art und Weise, den Menschen zu zeigen, dass der liebe Gott für sie da ist. Wir versuchen, ihnen zu zeigen, dass die Kirche wirklich ihre Verantwortung ernst nimmt, dass man für andere Menschen da ist, und dass man ihnen sozusagen die Liebe Gottes auch spürbar macht, in dem was wir tun, und darum geht‘s summa summarum in unserer Organisation und in all den Programmen, die der angeschlossen sind.

 

Pater Gerhard Lagleder, ja ein kurzer Einblick in ihre Arbeit in Südafrika in der Diözese Eshowe. Ich danke ihnen für die Vorstellung ihrer Person, dieses Projekts, wünsche ihnen Gottes Segen und vor allem die Hilfe vieler vieler Menschen, und ich darf noch abschließend noch um ihren priesterlichen Segen bitten.

 

Den kriegen Sie sehr gerne und ich möchte mich auch ganz herzlich bedanken, dass sie mich eingeladen haben, mit ihnen etwas über meine Arbeit und die mir anvertrauten Menschen zu plaudern und so möchte ich Ihnen jetzt auch den Segen der Sprache spenden, die ich im Zululand spreche, nämlich in der Zulu-Sprache:

Der Herr sei mit euch!

 

und mit deinem Geiste

 

Makanihlahlamelise uNkulunkulu uSomandla, uYise, beneNdodana noMoya ocwebileyo!

 

Amen.

 

Ganz herzlichen Dank! Und behüte sie Gott und Gottes Segen auch für Radio Maria und all deren Hörer.

 

Liebe Freunde und Hörer von Radio Maria, das war die Sendung Portrait von Pater Gerhard Lagleder, Missionsbenediktiner von St. Ottilien, seit 25 Jahren in Südafrika. Er leitet die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika und ist auch Caritasdirektor der Diözese Eshowe.

Nähere Informationen zum Projekt www.bbg.org.za

 


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Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:12:25