In der Aids-Hölle

Interview von Johannes Tanzler mit Pater Gerhard am 21. Juli 2010 anlässlich der Internationalen AIDS Konferenz in Wien.
Gesendet am 7. September 2010 in Radio Stephansdom.

© Radio Stephansdom, Wien


Mandeni im Zululand an der Ostküste Südafrikas ist die AIDS-Hauptstadt der Welt. In keiner anderen Region auf der Erde ist die Infektionsrate so hoch wie hier. Fast zwei Drittel der Bevölkerung ist HIV-positiv. Pater Gerhard Lagleder hat dort die Bruderschaft des Seligen Gerhard gegründet, eine Hilfsorganisation des Malteserordens.

Das kam daher, dass ich als Pfarrer in Südafrika tätig war und jetzt, wenn ich es mal übertrieben sage, dass mir die Leute während der Predigt verhungert sind.

Als Missionar wird Pater Gerhard Lagleder nach Südafrika geschickt, als Einzelkämpfer. Doch als sich aufmacht, das Evangelium zu predigen, findet er sich von Menschen umgeben die viel mehr brauchen also nur gute Worte.

Ich kann schönste Predigt halten, aber wenn mir die Leute während der Predigt verhungern, hilft's nichts. Also muss ich als Priester in einer Gemeinde, in der krasse Armut herrscht, einfach mehr tun als nur fromme Worte zu predigen und das Evangelium wirklich in die Tat umsetzen.

Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung gründete Pater Gerhard Lagleder 1992 die Bruderschaft des Seligen Gerhard.

Wir wollten nicht den Fehler machen, der der Mission so häufig vorgeworfen wird, nämlich dass man irgendwo Riesenprojekte aufbaut als Satellitenprojekte, die vom Ausland her gesteuert werden, und irgendwann zieht man sich aus dem Land dann zurück, und alles bricht zusammen, sondern was wir tun wollten, ist von Anfang an die Einheimischen dazu befähigen und zu motivieren, sich selbst zu helfen.

In Südafrika ist landesweit rund ein Drittel der Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert. In der Provinz KwaZulu/Natal an der Ostküste sind es etwa zwei Drittel. Dort wiederum ist die Infektionsrate in Mandeni am höchsten. Fast 80 % aller HIV-Tests sind positiv. Ein trauriger Weltrekord, auf den keiner stolz ist, und den auch keiner zur Aufnahme in das Buch der Rekorde vorschlagen wird.

Also dies ist unser ganz massives Problem, und da muss die Kirche was tun, und da hat die Kirche was getan. Ich weiß nicht, ob Sie sich bewusst sind, dass die katholische Kirche in Südafrika der größte Träger der AIDS Arbeit nach der Regierung ist. Und wir waren des vierte Programm überhaupt im ganzen Land Südafrika, das antiretrovirale Behandlung eingeführt hat, das heißt auf Deutsch die Behandlung von AIDS Kranken mit Medikamenten, die das Virus zwar leider nicht töten können, aber an der Vermehrung hindern, und damit geht's dem Patienten wieder gut und er kann 10, 15, 20, vielleicht 25 Jahre weiterleben bei guter Gesundheit.

Die Ursachen für die hohe Infektionsrate sind erforscht: Drückende Armut, eine patriarchalische Gesellschaftsstruktur, und viele wechselnde Sexualpartner breiten AIDS unter südafrikanischen Zulu in Mandeni in dieser Dichte aus.

Es war mal ein Doktorand der University of Berkeley in Kalifornien bei uns und wollte herausfinden „Warum ist Mandeni bekannt als die AIDS Hauptstadt der Welt?“ Er hat eine dreijährige Studie betrieben mit sehr vielen Patienteninterviews und sehr viel Hintergrundforschung. Und er ist zu zwei Ergebnissen gekommen: Das erste Ergebnis ist die Ungleichheit der Geschlechter und das zweite ist die Armut. Mit anderen Worten: Frauen bekommen sehr viel seltener eine Arbeit und wenn sie Arbeit bekommen, kriegen sie auch weniger Geld dafür. Mit anderen Worten: Die Frauen haben kein Geld in der Tasche und die Männer haben das Geld in der Tasche. Und diese armen Mädel und die armen Frauen müssen jetzt irgendwie versuchen, sich Geld zu verdienen, und dies geht eben mit dem ältesten Gewerbe der Welt, weil dies oft die einzige Möglichkeit ist in ihren Augen, sich Geld zu verdienen. Es ist aber nicht so die übliche Prostitution, sondern es geht darum, dass sich ein Mädel oder eine Frau einen Freier sucht, einen Freund sucht, auf mittelfristiger oder längerfristiger Ebene, der dann, je nachdem, wenn er es fühlt, dass er mit der Frau beieinander sein will, sie ruft und die Frau wird dann für ihre sexuellen Dienste damit belohnt, dass dieser Freier dann ihr zum Beispiel die Miete zahlt, oder das Schulgeld für die Kinder, oder die Kleidung, oder die Nahrung. Jetzt reicht aber einer dieser – wir nennen diese Freunde Sugar Daddys – jetzt reicht einer dieser Sugar Daddys nicht aus, um überleben zu können, und jetzt haben leider diese Frauen oft 3, 4, 5 verschiedene Sugar Daddys, und sind aber ihren so genannten Freundinnen auch wieder nicht treu, und insofern hat man also diese unendlich hohe Promiskuität, und das hat er herausgefunden, ist der Grund, warum bei uns die HIV-Infektionsrate so wahnsinnig hoch ist und immer noch im Steigen ist.

Die Bruderschaft des Seligen Gerhard ist eine Gruppierung von rund 1500 Idealisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, Hilfsbedürftige zu befähigen, sich selbst zu helfen. Benannt ist sie nach dem Seligen Gerhard, der vor mehr als 900 Jahren den Malteserorden gegründet hat. In der Hilfe für Aidspatienten, die meisten von Ihnen sind mittellos, übernimmt die Bruderschaft in Südafrika heute eine Vorreiterrolle. Dennoch kann nicht allen geholfen werden, sagt Pater Gerhard Lagleder. Das liege aber nicht nur am Geld.

Ja, na natürlich sind wir begrenzt in unseren Ressourcen, aber bislang haben wir unsere Kapazität nicht erreicht, das heißt, wir könnten sehr viele mehr behandeln. Aber das Problem ist, dass die Leute Angst haben. Wir nennen das Stigma. Das heißt der HIV Patient hat Angst, wenn eher die Diagnose bekommt „Ich bin HIV-positiv“, dass er von seiner Familie, von seinen Freunden, von seiner Umgebung gemieden wird, dass er schief angeschaut wird, dass man mit dem Finger auf ihn zeigt, und davor haben die Leute Angst. Und den Leuten wird’s gar nicht klar, dass es eine Sache von Leben und Tod ist, und dass, ob jetzt da einer mit dem Finger auf mich zeigt oder nicht, wenn ich dann nachher überleben kann, sollte mit das eigentlich egal sein. Genau daran arbeiten wir, dass wir jetzt versuchen, die Leute zu überreden. Wir haben so genannte peer counsellors und peer counsellors sind Patienten, die selber im Behandlungsprogramm sind, die wir zu Therapieberatern ausbilden, und die dann von ihrer Seite her selber als Betroffene mit ihren Freunden und Kollegen sprechen, und sagen: „Komm, hab Dich nicht so! Das ist dich überhaupt kein Problem! Schau mich an! Mir ist es genauso dreckig gegangen, wie es Dir jetzt geht, und jetzt geht’s mir wieder prima, und kein Mensch zeigt mit dem Finger auf mich, sondern ich bin wieder voll in meiner Gemeinschaft, in meiner Gesellschaft, in meiner Familie integriert.“ Und damit erreicht man sehr viel.

Das öffentliche und private Gesundheitssystem Südafrikas ist durch die riesige Anzahl von HIV-Patienten aber absolut überfordert. Die Kirche könne und dürfe da nicht achselzuckend daneben stehen, sondern müsse alle zur Verfügung stehenden Kräfte mobilisieren, sagt Pater Gerhard. Die von ihm gegründete Bruderschaft des Seligen Gerhard klärt die Öffentlichkeit über HIV und Aids auf und zeigt HIV-Positiven, wie sie trotz der Infektion gut leben können.

Unsere Organisation hat das größte stationäre Hospiz Südafrikas aufgebaut, das seit 3. September 1996 betrieben wird. Wir haben dort 40 Betten in unserer Krankenstation, in der wir Hospizpatienten stationär aufnehmen können, aber das ist nur ein kleiner Bereich unserer Arbeit. Der größte Bereich unserer Arbeit ist im ambulanten Bereich zu sehen, und zwar einmal, was man im südafrikanischen Bereich einen Tagespatienten nennt, also einen ambulanten Patienten, der ins Hospiz kommt, dort beraten und behandelt wird, und dann wieder nachhause geht, aber dann haben wir auch, was wir einen Heim-Patienten nennen, im Sinn von, dass er daheim behandelt wird. Wir besuchen die Kranken zuhause in ihren Hütten, in ihren Behausungen, wo die leben, durch unsere Hauskrankenpflegeteams, und machen dort dieselbe Beratung, dieselbe Behandlung, und wenn's nötig ist, dass der Patient reinkommt, kommt er auch rein und wir betreuen Hunderte von Patienten in dieser häuslichen Krankenpflege bzw. in diesem häuslichen Hospizbereich.

Außerdem bildet das Zentrum Therapieberater aus. Sie besuchen jeden Patienten mindestens einmal pro Monat zuhause, denn jeder von ihnen muss zweimal täglich seine Medikamente einnehmen, ansonsten kann das Virus mutieren, und wird resistent gegen die Behandlung.

Das heißt auf Deutsch, was wir mit den Leuten machen ist, dass der Therapieberater den zuhause besucht: „Na, wie geht's? Gibt‘s irgendwelche Sorgen und Probleme?“ Wenn's gesundheitliche Probleme sind, dass man die adressiert, wenn‘s soziale Probleme sind, dass man die adressiert. Wir haben auch eine Sozialarbeiterin hauptamtlich angestellt, die dann helfen kann, wenn's finanzielle Sachen sind, oder wenn's Beziehungs-Probleme sind, und dass man damit einfach dem Patienten hilft, dass er die Behandlung auf keinen Fall unterbricht. Man hat keine zweite Chance. Man muss dies einfach durchziehen.

Dennoch sterben alleine im Malteser-Hospiz in Mandeni pro Tag bis zu fünf Patienten infolge von AIDS. Tausende wurden dort schon gepflegt und betreut und im Sterben begleitet. Viele von Ihnen wären erst in der Mitte ihres Lebens gestanden. Ihre Kinder blieben allein zurück. So viele Eltern sind schon tot, dass man bei den Kindern heute von Afrikas verwaister Generation spricht.

Die wenigsten Eltern sind verheiratet und es ist dann in fast allen, oder in sehr vielen Fällen so, sobald der Freund erfährt, seine Freundin oder seine Geschlechtspartnerin ist schwanger, macht er sich aus dem Staub, damit er nichts zahlen muss. Und jetzt kriegt das arme Mädel dann ihr Kind und das Kind wird dann vermutlich bei der Geburt infiziert oder auch nicht, aber irgendwann stirbt die Mutter mal an AIDS. Die südafrikanische Gesellschaft, ich kann jetzt speziell nur für die Zulu-Gesellschaft reden, da habe ich Erfahrung, hat eine ganz tolle Sozialstruktur bzw. eine Art und Weise, wie man füreinander sorgt, und zwar ist es dort so, nehmen wir mal an ich wäre kein Priester, sondern ich wäre verheiratet, hätte Frau und Kinder, und wenn ich jetzt sterben würde, müsste mein Bruder meine Frau und alle meine Kinder automatisch übernehmen. Da muss man gar nicht fragen. Das ist selbstverständlich. Und das funktioniert auch. Und jetzt ist aber das große Problem, dass all diese Brüder und Schwestern schon gestorben sind, auch an AIDS, und dass also die Generation ausstirbt der jungen Leute, die sozusagen dann als Ersatzeltern tätig sein könnten, und jetzt kriegt die Oma, die hat oft 10, 15, 20 Enkelkinder von ihren verschiedenen verstorbenen Kindern. Die kriegt aber nur so eine Alterspension. Es gibt bei uns so eine Alterspension, die ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Von diesem geringen Geld muss sie dann diese Stube voller Kinder durchfüttern. Und jetzt stirbt die Oma. Und jetzt haben wir die von Kindern geführten Haushalte, wo also 13-, 14-, 15-jährige Kinder für ihre jüngeren Geschwister sorgen und sich um die kümmern und um die annehmen. Die haben aber wiederum keine Einkunfts-Möglichkeiten. Und jetzt kommt’s zu einer zweiten AIDS-Welle, wo dann manche dieser älteren Mädchen einfach wiederum ihren Körper verkaufen, damit sie Geld bekommen, um für ihre jüngeren Geschwister sorgen zu können, und dies ist eigentlich furchtbar bitter.

Das Hospiz vom Pater Gerhard Lagleder hat deshalb vor mehr als zehn Jahren auch ein Kinderheim aufgebaut. Mittlerweile leben dort 42 Kinder. Nicht alle sind AIDS-Waisen. Einige sind auch HIV-positiv und im Behandlungsprogramm, andere wurden ausgesetzt, denn aus Angst vor des Stigmatisierung durch die Diagnose AIDS flüchten viele uns lassen ihre Kinder zurück.

Die Kinder im Hilfszentrum der Malteser haben ihre Eltern verloren. Viele sind HIV-positiv und ein großer Teil von Ihnen wurde misshandelt und missbraucht.

Es gibt leider ein fürchterlich schlimmes Ammenmädchen in Südafrika, ich glaube auch in anderen afrikanischen Ländern, und zwar, dass ein HIV-positiver Mann das Virus verlieren könnte, wenn ihr Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte. Jetzt beginnt aber der Durchschnitts-Zulu mit etwa zwölf Jahren sexuell aktiv zu sein, also Jungfrauen über zwölf gibt’s kaum. Und jetzt werden immer jüngere Kinder vergewaltigt, weil der HIV-Positive meint, er würde des Virus los bekommen, wenn er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte.

Ich hab ein neun Monate altes Baby in diesen Händen getragen, das vom eigenen Vater vergewaltigt wurde, um das Virus los zu bekommen. Das Kind ist gestorben und der Vater auch. Und es ist eine unendlich schlimme Sache. Ich hab gemeint, das sei – ja gut, ich habe schon gehört davon, aber wenn man selber die Erfahrung macht, dann ist es ganz bitter. Und als ich dieses Kind dann ins Krankenhaus gebracht hab, sagt die Krankenschwester zu mir, selber eine Zulu: „Herr Pater, dies verstehe ich nicht!“ Da sage ich: „Was verstehen sie denn nicht?“ Dann sagt sie: „Schauen Sie mal!“ Es war ein Kinderzimmer, wo etwa 20 Kinderbetten waren, und da sagt sie: „Dieses Kind vergewaltigt, dieses nicht, dieses vergewaltigt, dieses nicht, dieses, dieses vergewaltigt, dieses vergewaltigt, dieses nicht, dieses vergewaltigt …“ waren über die Hälfte dieser Kinder vergewaltigte Kinder! Dass es so schlimm ist, auch zahlenmäßig, ist mir erst damals bewusst geworden.

Das ist unglaublich und unsagbar, aber wahr!

Dies ist eine unendlich schlimme Sache, und es zeigt auch, dass wir in unserer AIDS Aufklärung sehr aggressiv vorgehen müssen, um den Leuten die Wahrheit über den HIV-Virus zu erzählen, dass man nicht mit irgendwelchen Zaubereien den loskriegt oder mit derartigen Praktiken, sondern dass man das Virus wirklich nur mit einer richtigen Behandlung im Zaum halten kann.

In keinem Land der Welt leben mehr Menschen mit dem HI-Virus als in Südafrika. Über 5 Millionen Infizierte gibt es dort. Die katholische Kirche hilft und ist ein Vorreiter bei der Behandlung von AIDS Patienten. In Europa wird die Rolle der Kirche gern auf die Kondomfrage reduziert und von manchen kritisiert. Dabei sieht seine tägliche Arbeit ganz anders aus, meint Pater Gerhard Lagleder. Schon 1994 hatte er mit einem HIV/AIDS-Aufklärungs-Programm begonnen und die Öffentlichkeit in Fabriken oder in Jugendgruppen, aber auch über die Medien, über AIDS informiert, und darüber, wie man trotz HIV-Infektion ein gutes Leben führen kann. 1996 eröffnete die Bruderschaft des Seligen Gerhard ein neugebautes Hospiz, das bis heute das größte Hospiz Südafrikas ist. Später kamen das Kinderheim dazu und die Behandlung von Aidspatienten, aber ursprünglich ging Pater Gerhard Lagleder als Missionar nach Südafrika.

Wir versuchen die Liebe Christi den Menschen erfahrbar zu machen und wir haben aus unserer Tätigkeit heraus immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Leute zu uns kommen und sagen: „Mensch, sag mal, warum machst du denn das? Du verdienst kein Geld, Du arbeitest wie ein Stier, und nicht nur ich, sondern auch unsere Mitarbeiter, warum macht ihr das?“ Und wenn man ihnen dann sagt: „Ja, Du, ich glaube an diesen Christus, und dass dieser Christus sich den Menschen zugewandt hat, denen es schlecht geht, dass sie geheilt hat, und ich denke, dass ich dies auch tun soll, das Christus mich zu Dir geschickt hat, dass ich Dir seine Liebe erfahrbar mache, in dem, dass ich jetzt zu dir lieb und freundlich und nett bin und Dir helfe, mit Deiner Situation besser zurecht zu kommen.“

Ich wurde mal von einem unserer Krankenpfleger gerufen: „Im Zimmer 3 ist ein Patient, der möchte Dich gern sehen, der möchte unbedingt jetzt mit dem Priester sprechen.“ Ja, ja gut. Dann komme ich zu ihm runter, zum Patienten, und grüße ihn freundlich und sage: „Ja, was hätten Sie denn gern? Was kann ich für Sie tun? Ich bin gerufen worden.“ Dann sagte er zu mir: „Ja, ich möchte Brot.“ Da denk ich mir „das hätte ihm ja der Pfleger auch bringen können“ und gehe in die Küche, und bring ihm eine Scheibe Brot und dann sagte er zu mir: „Nein, nein, nein, ich möchte nicht dieses Brot. Ich möchte dieses Brot, das Du den Menschen immer in dieser Gebetsversammlung gibst.“ Dann sagte ich: „Meinst Du unserem Gottesdienst?“ „Ja, ja, den meine ich. Und Du gibst doch denen immer ein Brot. Ich habe mit den anderen gesprochen, und die haben mir gesagt, dass dies der Leib Christi sei, und dass wer dieses Brot isst, das der ewig leben wird und ich möchte auch ewig leben, und ich will nicht sterben, gib mir doch bitte dieses Brot!“ Und dann habe ich gesagt: „Dieses Brot kannst aber nur empfangen, wenn du Katholik bist.“ „Ja, dann mach mich doch zum Katholiken!“ „Ja so einfach geht das auch nicht.“ Und an dieses Gespräch hat sich dann ein etwa zweistündiges Taufgespräch im Grunde angeschlossen. Ich wusste, dass der Patient nicht mehr viel Zeit zum Leben hat, also und so habe ich dann in einer etwa zweistündigen Katechese mit ihm gesprochen, und hatte wirklich von ihm erfahren, oder es wurde mir klar, dass er es wirklich ernst meint, und dass seine Information eigentlich von den anderen Christen die mit ihm im Zimmer waren, rüber kam. Für mich war das ein unheimlich schönes Erlebnis, zu sehen, dass Mission nicht mehr nur Sache von uns Berufsmissionaren ist, die mit theologischer Ausbildung dorthin gehen, sondern dass die Kirche sich selber weiter trägt, dass die Kirche ihn sich missionarisch geworden ist, und den Glauben weiter trägt. Und ich hab den Patienten dann getauft, habe ihm im selben Taufgottesdienst die Erstkommunion gespendet und die Firmung in Todesgefahr und nachdem ich fertig war mit ihm, bin ich wieder in mein Büro hoch und nach etwa 1 h ruft mich der Pfleger an, dass der Patient gestorben ist. Und es war ein Erlebnis, wo mir heute noch die Gänsehaut kommt, wenn ich mich daran erinnere, wie dieser Patient sich bekehrt hat, aufgrund dessen was ihm die anderen erzählt haben über den Glauben.

Weltweit wird ein Viertel der Hilfe für AIDS-Kranke und HIV-Infizierte von katholischen Einrichtungen getragen. Nur 30 % aller Erkrankten können weltweit mit wirkungsvollen Medikamenten versorgt werden. In Teilen Südafrikas sind es gar nur 10 %. Im Kampf gegen Aids müsse jetzt der Zugang für alle Menschen zu Behandlung und Therapie sichergestellt werden, und dass auf globaler Ebene. Pater Gerhard Lagleder:

Ich glaube, es wäre wichtig, das man sich noch mehr zusammensetzen würde und einen gemeinsamen Plan entwickeln würde, wo alle Regierungen zusammen helfen, wo nicht nur jetzt Gelder, sondern auch Know-how weitergegeben wird, und wo man, ich könnte mir vorstellen, dass reiche Nationen durchaus sagen könnten: „Wir helfen jetzt den armen Nationen, die sich nicht leisten können.“ Ich meine, für mich war's eine ernüchternde Erfahrung, dass ich mit Leuten aus anderen afrikanischen Ländern gesprochen habe, die sie mir sagten: „Bei uns gibt's keine AIDS Behandlung, und vielleicht in den er Hauptstädten, in den Privat-Hospitälern für die, die sich‘s leisten können, aber keine großen Programme für die ganze Bevölkerung. Und wenn da die ganze Welt mal zusammenhalten würde, dass man flächendeckend diese AIDS Behandlung anbieten könnte, da wäre riesig was gewonnenen. Ich denke, dass dies so ein ganz großes Ziel sein sollte und sein müsste für die AIDS Arbeit in die Zukunft.

Pater Gerhard Lagleder, kann mit seiner Bruderschaft des Seligen Gerhard in Mandeni in Südafrika nur wenigen helfen, doch für diese Wenigen bedeutet das unglaublich viel.

Man hat die Mutter Theresa mal gefragt, warum sie nicht allen Menschen in Indien helfen kann, wo es doch so viele Arme gibt. Und sie hat geantwortet, dass die Menschen, denen man helfen kann, für die dies die ganze Welt bedeutet, wenn man Ihnen hilft, und wenn sie gerettet werden, und man kann nicht die ganze Welt retten, aber die gerettet werden, für die bedeutet es die ganze Welt. Und so sehen wir dies auch. Wir können einiges tun. Wir haben sehr große Erfolge, vor allem in unserer AIDS Behandlung. Und dies ist immer wunderschön:

Am Welt-AIDS-Tag, am 1. Dezember, machen wir immer ein „Fest des Lebens“, das heißt auf Deutsch:  Wir laden die AIDS Patienten, die bei uns in Behandlung sind, und das sind Hunderte, die laden wir ein zu einem Fest. Und die kommen dann alle, und die singen und tanzen und freuen sich des Lebens. Und es können einem die Tränen dabei kommen, wenn man dann so eine große Gruppe von Leuten sieht und genau weiß, wenn die nicht in unserem Behandlungsprogramm wären, dann wären die längst tot. Und dann sind die lebensfroh und haben wieder Kraft und haben Freude und erfreuen sich des Lebens, und genau das ist was wir erreichen wollen, dass wir eben möglichst vielen Menschen diese Möglichkeit eröffnen, und daran arbeiten wir, dass eben so viele Leute als möglich zum HIV-Test kommen und wenn sie dann eben HIV-positiv sind, dass man ihnen die AIDS Behandlung anbietet.

 


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Diese Seite wurde am 19.9.2011 erstellt. Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:13:03