Kampf gegen Aids.

Mandeni an der Ostküste Südafrikas ist die Aids-Hauptstadt der Welt: Fast 80 Prozent der Bevölkerung dort ist HIV-positiv.

Der Benediktinerpater Gerhard Lagleder hat dort die Bruderschaft des Seligen Gerhard aufgebaut, eine Hilfsorganisation des Malteserordens.

Kinderheim- und Hospiz-Einrichtungen geben den Kranken Hoffnung:

Die Kirche als Vorreiter im Kampf gegen Aids.

© Radio Stephansdom, Wien

 

Mandeni im Zululand an der Ostküste Südafrikas ist die AIDS-Hauptstadt der Welt. In keiner anderen Region der Erde ist die Infektionsrate so hoch wie hier. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung ist HIV-positiv. Pater Gerhard Lagleder hat in Mandeni eine Hilfsorganisation gegründet, die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Sie hilft Aidskranken, Waisen und Armen.

Es kam daher, dass ich als Pfarrer in Südafrika tätig war, und jetzt wenn ich es mal übertrieben sage, dass mir die Leute während der Predigt verhungert sind.

Als Missionar wird Pater Gerhard Lagleder nach Südafrika geschickt. Er will den Glauben verkünden, doch bald findet er sich dort von Menschen umgeben, die viel mehr brauchen, also nur gute Worte.

Ich kann die schönste Predigt halten, aber wenn mir die Leute während der Predigt verhungern, hilft's nichts. Also muss ich als Priester in einer Gemeinde, in der krasse Armut herrscht, einfach mehr tun als nur fromme Worte zu predigen und das Evangelium wirklich in die Tat umsetzen.

Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung gründet Gerhard Lagleder 1992 die Bruderschaft des Seligen Gerhard, eine Hilfsorganisation des Malteserordens.

Wir wollten nicht den Fehler machen, der der Mission so häufig vorgeworfen wird, nämlich dass man irgendwo Riesenprojekte aufbaut als Satellitenprojekte, die vom Ausland her gesteuert werden, und irgendwann zieht man sich aus dem Land dann zurück und alles bricht zusammen, sondern was wir tun wollten ist von Anfang an die Einheimischen dazu befähigen und zu motivieren sich selbst zu helfen.

In Südafrika ist landesweit rund ein Drittel der Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert: In der Provinz kwaZulu/Natal an der Ostküste sind es etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Dort wiederum ist die Infektionsrate in Mandeni am höchsten. Fast 80 % aller HIV-Tests dort sind positiv, so viele wie sonst nirgends. Ein trauriger Weltrekord, auf dem keiner stolz ist und den auch keiner zur Aufnahme in das Buch der Rekorde vorschlagen wird.

Also das ist unser ganz massives Problem, und da muss die Kirche was tun, und da hat die Kirche was getan. Ich weiß nicht, ob sie sich bewusst sind, dass die katholische Kirche in Südafrika der größte Träger der Aidsarbeit nach der Regierung ist, und wir waren des vierte Programm überhaupt, im ganzen Land Südafrika, das antiretrovirale Behandlung eingeführt hat, d.h. auf Deutsch die Behandlung von AIDS Kranken mit Medikamenten, die das Virus war leider nicht töten können, aber an der Vermehrung hindern und damit geht's dem Patienten wieder gut und er kann 10, 15, 20 vielleicht 25 Jahre weiterleben bei guter Gesundheit.

Die Ursachen für die hohe Infektionsrate sind erforscht: Hohe Armut, Unterdrückung von Frauen und viele wechselnde Sexualpartner breiten Aids unter südafrikanischen Zulu in Mandeni in dieser Dichte aus.

Es war mal ein Doktorand der University of Berkeley in Kalifornien bei uns und wollte herausfinden, warum ist Mandeni bekannt als die AIDS Hauptstadt der Welt? Er hat eine dreijährige Studie betrieben mit sehr vielen Patienteninterviews und sehr viel Hintergrundforschung und er ist zu zwei Ergebnissen gekommen, das erste Ergebnis ist die Ungleichheit der Geschlechter und das zweite ist die Armut; mit anderen Worten: Frauen bekommen sehr viel seltener eine Arbeit und wenn sie Arbeit bekommen kriegen sie auch weniger Geld dafür. Mit anderen Worten: Die Frauen haben kein Geld in der Tasche und die Männer haben das Geld in der Tasche, und diese armen Mädel und die armen Frauen müssen jetzt irgendwie versuchen, sich Geld zu verdienen und das geht eben mit dem ältesten Gewerbe der Welt, weil das oft die einzige Möglichkeit ist in ihren Augen sich Geld zu verdienen. Es ist aber nicht so die übliche Prostitution, sondern es geht darum, dass sich ein Mädel oder eine Frau einen Freier sucht, einen Freund sucht auf mittelfristiger oder längerfristiger Ebene, der dann, je nachdem wenn er es fühlt, dass er mit der Frau beieinander sein will, sie ruft und für seine sexuellen, und die Frau wird dann für ihre sexuellen Dienste damit belohnt, dass dieser Freier dann ihr zum Beispiel die Miete zahlt, oder das Schulgeld für die Kinder, oder die Kleidung, oder die Nahrung. Jetzt reicht aber einer dieser, wir nennen diese Freunde „Sugar Daddys“, jetzt reicht einer dieser Sugar Daddys nicht aus, um überleben zu können, und jetzt haben leider diese Frauen oft 3, 4, 5 verschiedene Sugar Daddys, und sind aber ihren so genannten Freundinnen auch wieder nicht treu, und insofern hat man also diese unendlich hohe Promiskuität, und das hat er herausgefunden, ist der Grund, warum bei uns die HIV-Infektionsrate so wahnsinnig hoch ist und immer noch im Steigen ist.

Pater Gerhard Lagleder hilft Hilfsbedürftigen sich selbst zu helfen, in der Hilfe für Aidspatienten, die meisten von ihnen sind mittellos, nimmt die Bruderschaft in Südafrika heute eine Vorreiterrolle ein. Dennoch kann nicht allen geholfen werden, sagt Pater Gerhard, das liege aber nicht nur am Geld.

Ja natürlich sind wir begrenzt in unseren Ressourcen aber bislang haben wir unsere Kapazität nicht erreicht, d.h. wir könnten sehr viele mehr behandeln, aber das Problem ist, dass die Leute Angst haben, wir nennen das Stigma, d.h. der HIV Patient hat Angst, wenn eher die Diagnose bekommt, ich bin HIV-positiv, dass er von seiner Familie, von seinen Freunden, von seiner Umgebung gemieden wird, dass er schief angeschaut wird, dass man mit dem Finger auf ihn zeigt, und davor haben die Leute Angst. Und den Leuten kommt‘s, wird’s gar nicht klar, dass es eine Sache von Leben und Tod ist, und dass, ob jetzt da einer mit dem Finger auf mich zeigt oder nicht, wenn ich dann nachher überleben kann sollte mir das eigentlich egal sein. Und genau daran arbeiten wir, dass wir jetzt versuchen, die Leute zu überreden. Wir haben so genannte „peer counsellors“ und „peer counsellors“ sind Patienten, die selber im Behandlungsprogramm sind, die wir zu Therapieberatern ausbilden und die dann von ihrer Seite her, selber als Betroffene mit ihren Freunden und Kollegen sprechen und sagen: „Komm, hab dich nicht so! Das ist doch überhaupt kein Problem! Schau mich an! Mir ist es genauso dreckig gegangen, wie es dir jetzt geht, und jetzt geht’s mir wieder prima, und kein Mensch zeigt mit dem Finger auf mich, sondern ich bin wieder voll in meiner Gemeinschaft, in meiner Gesellschaft, in meiner Familie integriert. Und damit erreicht man sehr viel.

Das öffentliche und private Gesundheitssystem Südafrikas ist durch die riesige Anzahl von HIV-Patienten aber absolut überfordert. Die Kirche könne und dürfe da nicht achselzuckend daneben stehen, sondern müsse alle Kräfte mobilisieren, sagt Pater Gerhard. Er und seine 1500 Mitstreiter in der Bruderschaft des Seligen Gerhard klären die Öffentlichkeit über HIV und Aids auf, und zeigen HIV-Positiven wie sie trotz der Infektion gut leben können.

Unsere Organisation hat das größte stationäre Hospiz Südafrikas aufgebaut das seit 3. September 1996 betrieben wird. Wir haben dort 40 Betten in unserer Krankenstation, in der wir Hospizpatienten stationär aufnehmen können, aber das ist ein kleiner Bereich unserer Arbeit. Der größte Bereich unserer Arbeit ist im ambulanten Bereich zu sehen, und zwar einmal, was man im südafrikanischen Bereich einen Tagespatienten nennt, also einen ambulanten Patienten, der ins Hospiz kommt, dort beraten, behandelt wird und dann wieder nachhause geht. Aber dann haben wir auch, was wir einen Heimpatienten nennen, im Sinn von, dass er daheim behandelt wird. Wir besuchen die Kranken zuhause in ihren Hütten, in ihren Behausungen, wo sie leben, durch unsere Krankenpflegeteams und machen dort dieselbe Beratung, dieselbe Behandlung, und wenn's nötig ist, dass der Patient reinkommt, kommt er auch rein. Und wir betreuen Hunderte von Patienten in dieser häuslichen Krankenpflege bzw. in diesem häuslichen Hospizbereich.

Außerdem bildet das Zentrum Therapieberater aus. Sie besuchen jeden Patienten mindestens einmal pro Monat zuhause, denn jeder Infizierte muss zweimal täglich seine Medikamente einnehmen, ansonsten kann das Virus mutieren und resistent gegen die Behandlung werden.

Das heißt auf Deutsch, was wir mit den Leuten machen ist, dass der Therapieberater ihn zu Haus besucht: „Na, wie geht's? Gibt‘s irgendwelche Sorgen und Probleme?“ Wenn es gesundheitliche Probleme sind, dass man die adressiert, wenn‘s soziale Probleme sind, dass man die adressiert. Wir haben auch eine Sozialarbeiterin hauptamtlich angestellt, die dann helfen kann wenn's finanzielle Sachen sind oder wenn's Beziehungs-Probleme sind, und dass man damit einfach dem Patienten hilft, dass er die Behandlung auf keinen Fall unterbricht. Man hat keine zweite Chance. Man muss das einfach durchziehen.

Dennoch sterben alleine im Malteser-Hospiz in Mandeni pro Tag bis zu fünf Patienten an AIDS. Tausende wurden dort schon gepflegt und betreut und im Sterben begleitet. Viele von ihnen wären erst in der Mitte ihres Lebens gestanden. Ihre Kinder blieben allein zurück. So viele Eltern sind schon tot, dass man bei den jungen Leuten von Afrikas verwaister Generation spricht.

Die wenigsten Eltern sind verheiratet, und es ist dann in fast allen oder in sehr vielen Fällen so: Sobald der Freund erfährt seine Freundin oder seine Geschlechtspartnerin ist schwanger, macht er sich aus dem Staub damit er nichts zahlen muss. Und jetzt kriegt das arme Mädel dann ihr Kind, und das Kind wird dann vermutlich bei der Geburt infiziert oder auch nicht, aber irgendwann stirbt die Mutter mal an AIDS. Die südafrikanische Gesellschaft, ich kann jetzt speziell nur für die Zulu-Gesellschaft reden, da habe ich Erfahrung, ist eigentlich eine ganz toll, hat eine ganz tolle Sozialstruktur bzw. eine Art und Weise, wie man füreinander sorgt. Und zwar ist es dort so: Nehmen wir mal an, ich wäre kein Priester, sondern ich wäre verheiratet, hätte Frau und Kinder, und wenn ich jetzt sterben würde, müsste mein Bruder meine Frau und alle meine Kinder automatisch übernehmen. Die muss man gar nicht fragen. Das ist selbstverständlich. Und jetzt ist aber des großen Problem, und es funktioniert auch, aber das große Problem jetzt ist, dass all diese Brüder und Schwestern schon gestorben sind, auch an AIDS, und dass also die Generation ausstirbt der jungen Leute die sozusagen dann als Ersatzeltern tätig sein könnten, und jetzt kriegt die Oma die, die hat oft 10, 15, 20 Enkelkinder von ihren verschiedenen verstorbenen Kindern, und jetzt, die kriegt aber nur so eine Alterspension. Es gibt bei uns so eine Alterspension, die ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Und von diesem geringen Geld muss sie dann diese Stube voller Kinder durch füttern. Und jetzt stirbt die Oma. Und jetzt haben wir die von Kindern geführten Haushalte, wo also 13, 14, 15-jährige Kinder für ihre jüngeren Geschwister sorgen und sich um die kümmern und um die annehmen. Die haben aber wieder keine Einkunfts-Möglichkeiten. Und jetzt kommt es zu einer zweiten AIDS-Welle, wo dann manche dieser älteren Mädchen einfach wiederum ihren Körper verkaufen damit sie Geld bekommen, um für ihre jüngeren Geschwister sorgen zu können und das ist eigentlich furchtbar bitter.

Das Hospiz vom Pater Gerhard Lagleder hat deshalb vor mehr als zehn Jahren auch ein Kinderheim aufgebaut. Mittlerweile leben dort 42 Kinder. Nicht alle sind Aidswaisen. Einige sind HIV-positiv und im Behandlungs-Programm. Andere wurden ausgesetzt, denn die Angst vor der Stigmatisierung durch die Diagnose Aids treibt viele zur Flucht. Ihre Kinder lassen sie zurück.

Die Kinder im Hilfszentrum der Malteser haben ihre Eltern verloren, viele sind HIV-positiv, und ein großer Teil von ihnen wurde auch misshandelt und missbraucht.

Es gibt leider ein fürchterlich schlimmes Ammenmärchen in Südafrika, ich glaube auch in anderen afrikanischen Ländern, und zwar, dass ein HIV-positiver Mann das Virus verlieren könnte, wenn er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte. Jetzt beginnt aber der Durchschnitts-Zulu mit etwa zwölf Jahren sexuell aktiv zu sein. Also Jungfrauen über zwölf gibt’s kaum. Und jetzt werden immer jüngere Kinder vergewaltigt, weil der HIV-Positive meint, er würde das Virus los bekommen, wenn er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte.

Ich hab ein neun Monate altes Baby in diesen Händen getragen, das vom eigenen Vater vergewaltigt wurde, um das Virus los zu bekommen. Das Kind ist gestorben und der Vater auch. Und das ist eine unendlich schlimme Sache. Ich habe gemeint es sei, ja gut, ich habe schon gehört davon, aber wenn man selber die Erfahrung macht, dann ist es ganz bitter. Und als ich dieses Kind dann ins Krankenhaus gebracht habe, sagt die Krankenschwester zu mir, selber eine Zulu: „Herr Pater, dies verstehe ich nicht.“ Dann sagte ich: „Was verstehen Sie denn nicht?“ Dann sagte sie: „Schauen sie mal“ - es war ein Kinderzimmer wo etwa 20 Kinderbetten waren – und dann sagte sie: „Dieses Kind vergewaltigt, dieses nicht, dieses vergewaltigt, dieses nicht, dieses, dieses vergewaltigt, dieses vergewaltigt, dieses nicht, dieses vergewaltigt“, da waren über die Hälfte dieser Kinder vergewaltigte Kinder. Und dass es so schlimm ist, auch zahlenmäßig, ist mir erst damals bewusst geworden. Das ist unglaublich und unsagbar, aber wahr. Das ist eine unendlich schlimme Sache und es zeigt auch, dass wir in unserer AIDS Aufklärung sehr aggressiv vorgehen müssen, um den Leuten die Wahrheit über den HIV-Virus zu erzählen, dass man nicht mit irgendwelchen Zaubereien den loskriegt oder mit derartigen Praktiken, sondern dass man das Virus wirklich nur mit einer richtigen Behandlung im Zaum halten kann.

In keinem Land der Welt leben mehr Menschen mit dem HI-Virus als in Südafrika. Über 5 Millionen sind dort infiziert. Die katholische Kirche hilft und ist ein Vorreiter bei der Behandlung von Aidspatienten. In Europa wird die Rolle der Kirche gern auf die Kondomfrage reduziert und von manchen kritisiert. Pater Gerhard Lagleder meint jedoch, das Wichtigste sei, den Menschen klarzumachen, das Virus nicht weiterzugeben.

Deshalb sagen wir den Leuten ja auch: Es ist unbedingt notwendig, dass sie einen Partner nicht anstecken, denn in dem Fall geht's ja und das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten!“ und wenn ich als HIV-positiver Mensch meinen Ehepartner anstecke mit der Krankheit, obwohl ich weiß, dass sie eine tödliche Krankheit ist, dann würde er ihn sozusagen im übertragenen Sinne zu seiner Tötung beitragen und das wollen wir ja nicht. Und deshalb muss man den Leuten eben sagen, dass sie das verhindern müssen und die einzige Art und Weise, wie man es wirklich hundertprozentig verhindern kann ist natürlich die Enthaltsamkeit. Das natürlich einem Ehepartner zu sagen, ist eine sehr schwierige Sache und es wird auch sehr große Probleme aufwerfen, aber da gibt's eben dann mechanische Barrieren, eben das Kondom, und ich bin persönlich sehr froh, dass eben der Heilige Vater in diesem Interviewbuch von Peter Seewald, auch sehr deutlich dazu Stellung genommen hat und gesagt hat,  dass „in einem oder anderen Fall kann es in der Absicht Ansteckungsgefahr zu verringern jedoch ein erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten menschlichen Sexualität“ und er spricht vom Kondomgebrauch. Und darum bin ich also unendlich froh, dass der Heilige Vater selber da einen Ausspruch getan hat in dieser Richtung, denn ich persönlich empfinde es als ein Gebot der Nächstenliebe, dass ich, wenn ich HIV-positive wäre, meine Krankheit nicht an einen anderen weitergebe, und mich da eben entsprechend verhalte, um dies zu verhindern.

1994 hat Gerhard Lagleder mit dem HIV/Aids Aufklärungs-Programm begonnen und die Öffentlichkeit in Fabriken oder in Jugendgruppen und über die Medien über Aids informiert und darüber wie man trotz HIV-Infektion ein gutes Leben führen kann. 1996 eröffnete die Bruderschaft des Seligen Gerhard ein neugebautes Hospiz das bis heute das größte Hospiz Südafrikas ist. Später kamen das Kinderheim dazu und die Behandlung von Aidspatienten. Aber ursprünglich ging Pater Gerhard als Missionar nach Südafrika.

Wir versuchen, die Liebe Christi den Menschen erfahrbar zu machen und wir haben … aus unserer Tätigkeit heraus immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Leute zu uns kommen und sagen: „Mensch, sag mal, warum machst du denn das? Du verdienst kein Geld, du arbeitest wie ein Stier“, und nicht nur ich, sondern auch unsere Mitarbeiter. „Warum macht ihr das?“ Und wenn man ihnen dann sagt: „Ja, du ich glaube an diesen Christus und dass dieser Christus sich den Menschen zugewandt hat, denen es schlecht geht, dass sie geheilt hat. Und ich denke, dass ist das auch tun soll. Dass Christus mich zu dir geschickt hat, dass ich dir seine Liebe erfahrbar mache, in dem dass ich jetzt zu dir lieb und freundlich und nett bin, und dir helfe mit einer Situation besser zurecht zu kommen.“

Ich wurde mal von einem unserer Krankenpfleger gerufen: „Im Zimmer drei ist ein Patient, der möchte dich gern sehen, der möchte unbedingt jetzt mit dem Priester sprechen.“ Ja, na gut, dann komme ich zu ihm runter, zum Patienten, und grüße ihn freundlich und sage: „Ja, was hätten sie denn gern? Was kann ich für sie tun? Ich bin gerufen worden.“ Dann sagte er zu mir: „Ja, ich möchte Brot.“ Da denk ich mir, das hätte ihm ja der Pfleger auch bringen können, und gehe in die Küche, bringe ihm eine Scheibe Brot und dann sagt er zu mir: „Nein, nein, nein, ich möchte nicht dieses Brot. Ich möchte dieses Brot, das du den Menschen immer in diesem, in dieser Gebetsversammlung gibst.“ Dann sage ich: „Meinst du unserem Gottesdienst?“ Ja, ja den meine ich, ja, und du gibst doch denen immer ein Brot und ich hab mit den anderen gesprochen und die haben mir gesagt, dass dies der Leib Christi sei und dass wer dieses Brot isst, das der ewig leben wird und ich möchte auch ewig leben und ich will nicht sterben gib mir doch bitte dieses Brot. Und dann hab ich gesagt: Ja, dieses Brot kannst du aber nur empfangen wenn du Katholik bist. Ja dann mach mich doch zum Katholiken. Ja so einfach geht das auch nicht. Und an dieses Gespräch hat sich dann ein etwa zweistündiges Taufgespräch im Grunde angeschlossen ich wusste dass der Patient nicht mehr viel Zeit zum Leben hat, also, und so hab ich dann in einer etwa zweistündigen Katechese mit ihm gesprochen und hatte wirklich von ihm erfahren oder ich, es wurde mir klar, dass er es wirklich ernst meint, und dass seine Information eigentlich von den anderen Christen, die mit ihm im Zimmer waren, rüber kam. Für mich war das ein unheimlich schönes Erlebnis, zu sehen, dass Mission nicht mehr nur Sache von uns Berufsmissionaren ist, die mit theologischer Ausbildung dort hingehen, sondern dass die Kirche sich selber weiter trägt, dass die Kirche in sich missionarisch geworden ist und den Glauben weiter trägt. Und ich habe den Patienten dann getauft, habe ihm im selben Taufgottesdienst  die Erstkommunion gespendet und die Firmung in Todesgefahr und, nachdem ich fertig war mit ihm, bin ich wieder in mein Büro hoch und nach etwa einer Stunde ruft mich der Pfleger an, dass der Patient gestorben ist. Und es war ein Erlebnis, wo mir heute noch die Gänsehaut kommt, wenn ich mich daran erinnere wie dieser Patient sich bekehrt hat aufgrund dessen was ihm die anderen erzählt haben über den Glauben.

Weltweit wird ein Viertel der Hilfe für Aidskranke von katholischen Einrichtungen getragen. Nur 30 % der Infizierten auf der ganzen Welt können mit wirkungsvollen Medikamenten versorgt werden. In Teilen Südafrikas sind es gar nur 10 %. Deshalb müsse im Kampf gegen Aids der Zugang für alle Menschen zu Behandlung und Therapie sichergestellt werden.

Ich glaube, es wäre wichtig, dass man sich noch mehr zusammensetzen würde und einen gemeinsamen Plan entwickeln würde wo alle Regierungen zusammen helfen und nicht nur jetzt Gelder sondern auch Know-how weitergegeben wird und wo man, ich könnte mir vorstellen, dass reiche Nationen durchaus sagen könnten: „Und wir helfen jetzt den armen Nationen, die sich‘s nicht leisten können.“ Ich meine, für mich war's eine ernüchternde Erfahrung, dass ich mit Leuten aus anderen afrikanischen Ländern gesprochen habe, sie mir sagten: „Bei uns gibt's keine Aidsbehandlung.“ Und vielleicht in den Hauptstädten, in den Privathospitälern für die, die sich‘s leisten können, aber keine großen Programme für die ganze Bevölkerung, und wenn da die ganze Welt mal zusammenhalten würde, dass man flächendeckend diese Aidsbehandlung anbieten könnte, da wäre riesig was gewonnenen. Ich denke, dass dies so ein ganz großes Ziel sein sollte und sein müsste für die Aidsarbeit in die Zukunft.

Pater Gerhard Lagleder kann mit seiner Bruderschaft des Seligen Gerhard in Mandeni in Südafrika nur wenigen helfen, doch für diese wenigen bedeutet das unglaublich viel.

Man hat die Mutter Theresa einmal gefragt, warum sie nicht allen Menschen in Indien helfen kann, wo es doch so viele Arme gibt, und sie hat geantwortet, dass die Menschen, denen man helfen kann, für die das die ganze Welt bedeutet, wenn man ihnen hilft, und wenn sie gerettet werden, und man kann nicht die ganze Welt retten, aber die gerettet werden, für die bedeutet es die ganze Welt. Und so sehen wird das auch. Wir können einiges tun. Wir haben sehr große Erfolge, vor allem in unserer AIDS Behandlung. Dies ist immer wunderschön am Welt-AIDS-Tag. Am 1. Dezember machen wir immer ein Fest des Lebens, d.h. auf Deutsch, wir laden die AIDS Patienten, die bei uns in Behandlung sind, und das in Hunderte, die laden wir ein zu einem Fest. Und die kommen dann alle und die singen und tanzen und freuen sich des Lebens und es können einem die Tränen dabei kommen wenn man dann so eine große Gruppe von Leuten sieht und genau weiß, wenn die nicht in unser Behandlungsprogramm wären, dann wären die längst tot. Und dann sind die lebensfroh und haben wieder Kraft und haben Freude und erfreuen sich des Lebens und genau das ist was wir erreichen wollen, dass wir eben möglichst vielen Menschen diese Möglichkeit eröffnen und daran arbeiten wir, dass ebenso viele Leute als möglich zum HIV-Test kommen und wenn sie eben dann HIV-positiv sind, dass man ihnen die Aidsbehandlung anbietet.

 


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Diese Seite wurde am 19.9.2011 erstellt. Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:13:36