SWR International - 13.04.2007 / 16.00 – 16.30 Uhr


Spielplatz für aidskranke Kinder in Südafrika

Ein Beitrag von Cornelia Merkel

Morgen beginnt in der ARD die Themenwoche „Kinder sind Zukunft“. Das Motto gilt für alle Kinder dieser Welt. Doch in Teilen Afrikas erlaubt die Immunschwäche-Krankheit Aids vielen Kindern nicht erwachsen zu werden. Sie sterben an der Krankheit. Andere wachsen als Waisen auf. Die Lebenserwartung auf dem Kontinent sinkt teilweise dramatisch. Menschen in Afrika südlich der Sahara, werden laut UNICEF im Durchschnitt mittlerweile nur noch 46 Jahre alt. In der Region Mandeni in Südafrika leben 250.000 Menschen, 76 Prozent von ihnen sind mit Aids infiziert. Im „Blessed Gerard’s Hospiz“ kann nur ein kleiner Teil des Elends aufgefangen werden - in einem Hospiz mit 40 Betten und einem Kinderheim mit eben so viel Plätzen. Dank einer Spende aus Deutschland haben diese Kinder gestern eine Spiellandschaft bekommen.

„Ich glaub, die warten jetzt auf den Startschuss – und ich denk, ich muss jetzt mal die Kinder rufen, sonst kommen die nicht. Kiddies, kiddies kiddies, come, come, come. Jetzt sind natürlich nicht genügend Plätze auf jeder Schaukel, aber das wird sich einpendeln.“

Pater Gerhard ist überglücklich. Wie ein Kind freut sich der 51jährige mit seinen Kindern über diese bunte Spiellandschaft aus Holz, dort an der Stelle, wo bis vor zwei Tagen nur braune Erde war. Zwei Türme, zwei rote Schaukeln, ein Reck, Sandkästen, und, und, und bringen große, braune Kinderaugen zum Strahlen. Die neue Spiellandschaft ist längst erobert. Es ist wie Weihnachten im April – mehr als das. Der 10jährige Cameron kann es noch gar nicht so richtig fassen.

„I’m so surprised to see that Menz Holz. They were working with us – I’m so excited and I can’t believe it.”

Zusammen mit seinen Freunden Phiwa und Evander hat er schon die rote Rutsche und die Kletterwand ausprobiert. Selbst die Kleinsten haben es mittlerweile geschafft, auf einen der beiden Türme zu klettern. Runter geht’s natürlich mit der Rutsche, das weiß doch jedes Kind. Also rutscht endlich.


„You must slide, you must slide!… Yeah!”

Auf den ersten Blick glückliche und zufriedene Kinder. Auch auf den zweiten Blick. Doch in Wirklichkeit sind sie arm dran diese Kinder zwischen wenigen Wochen und 14 Jahren. Sie sind misshandelt, missbraucht, Aids-Waisen, an Aids infiziert oder bereits an Aids erkrankt. Pater Gerhard nennt nur zwei Beispiele:

„Wir haben zum Beispiel ein Kind hier, dessen Mutter starb an Aids, das Kind war acht Jahre alt und hat nur zwölf Kilo gewogen, war völlig ausgezehrt und ausgemergelt, absolut unterernährt und hatte eine unbehandelte Epilepsie. Jetzt ist sie eben kontrolliert und dem Kind geht es soweit so gut, aber es hat natürlich einen schweren Gehirnschaden und wird sein Leben lang pflegebedürftig bleiben.“

Auch die Geschichte eines anderen Kindes ist sehr, sehr traurig.

„Das Kind hat zugeschaut, wie seine Mutter ermordet wurde und der Mörder wollte natürlich den Zeugen auch ausschalten, hat dann mit dem Stiefel auf das Kind eingetreten und ihm den Schädel dabei gebrochen. Das Kind war dann im Koma für lange Zeit. Leider hat es sich heraus gestellt, dass das Kind durch die Mutter, vermutlich durch die Muttermilch, oder bei der Geburt, sich das Virus zugezogen hat. Dieses Kind ist jetzt auch unter antiretroviraler Therapie. Wenn sie das Kind jetzt so anschauen, der ist fröhlich und springt herum und sie würden dem überhaupt nicht ansehen, dass er Aids hat.“

So wie man auch den ganz Kleinen im Hospiz nicht ansieht, warum sie nicht bei den anderen im Kinderheim leben, sondern hier im Bett im Kinderkrankenzimmer des Hospiz liegen. Der einjährige Junge hier hat kürzlich erst Laufen gelernt, schwärmt Helferin Angelika Müller und versucht dabei einen ein paar Wochen alten Säugling zu beruhigen.

„Das ist unser kleiner Spatz, der natürlich eigentlich nur auf den Arm will und gucken will und dann ist alles in Ordnung. Dann ist die Welt in Ordnung.

An manchen Tagen sterben dennoch bis zu fünf Menschen im Hospiz des „Blessed Gerard“ in Mandeni. Auch für Pater Gerhard keine leichte Aufgabe.

„Ja das ist natürlich eine Sache, die auch uns immer wieder ziemlich an die Nieren geht, wenn man so ein kleines Krabberle, wenn es stirbt in das Leichenhaus trägt, dann geht es auch einem Professionellen ganz tief ans Herz und das ist eine Sache, die ist wirklich nicht leicht zu ertragen.“ (Pater Gerhard)


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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