SWR2 01.05.2007 / 12.00 – 12.30 Uhr


Der Pater und sein Werk

Cornelia Merkel berichtet über ein Hilfsprojekt in Südafrika

Fast jeder fünfte Erwachsene in Südafrika ist HIV-positiv und jeden Tag sterben 950 Menschen an Aids. Die Sterbenden brauchen Hilfe, viele finden sie im größten Hospiz Südafrikas im Norden von Durban. Geleitet wird es von Pater Gerhard Lagleder aus Regensburg. Vor 20 Jahren wurde er von seinem Orden, vom Kloster St. Ottilien in Bayern, nach Südafrika geschickt - als Pfarrer. Schnell stellte der Pater fest, dass die Menschen dort mehr brauchen als nur fromme Worte.

„Wir haben hier große Slum-Gebiete, wir haben hier Township-Gebiete, in denen Menschen in einer Art und Weise leben, wie man sich das in Deutschland überhaupt nicht vorstellen kann. Und mir sind im sprichwörtlichen Sinn gesprochen die Leute während der Predigt verhungert. So musste ich also jetzt versuchen, dass wir die Arbeit der Kirche in der Glaubensverkündigung sehen, aber in der Glaubensverkündigung nicht nur im Wort, sondern in der Tat. Mit anderen Worten, die Menschen hier dazu befähigen, sich selbst zu helfen.“ (Pater Gerhard)

Für Pater Gerhard die beste Form der Entwicklungshilfe. So gründete er seine eigene Hilfsorganisation, die mittlerweile zwölf verschiedene karitative Projekte betreut.

„Die mit Abstand größten sind unser Kinderheim und unser Hospiz. Das Kinderheim hat 40 Plätze und das Hospiz hat 40 Bettenplätze in der Pflegeeinheit. Damit sind wir das größte Hospiz Südafrikas. Wir haben jetzt auch die antiretrovirale Behandlung begonnen und damit gibt man den Leuten wieder ne Chance noch 10, 15, 20 Jahre bei sehr guter Lebensqualität zu leben und das ist unsere Aufgabe.“ (Pater Gerhard)

Als eine Mutter im Hospiz an Aids starb und ein Kind zurückließ, das keine weiteren Verwandten mehr hatte, da diese bereits auch an Aids gestorben waren, hieß es für den Mann mit dem großen Herzen zu handeln. Er baute ein Heim für Kinder,

„in dem ausgesetzte Kinder, kranke Kinder, früher misshandelte, missbrauchte Kinder sind, einige davon sind HIV-positiv, einige sind in der Aids-Phase, einige auch in antiretroviraler Behandlung. Und die beiden Projekte greifen ineinander – d. h., wenn es den Kindern so schlecht geht, dass sie mit den anderen nicht mehr spielen können, dann gehen sie runter ins Hospiz, werden dort wieder aufgepäppelt und wenn es ihnen wieder besser geht, gehen sie wieder zurück ins Kinderheim.“ (Pater Gerhard)

50 Prozent Krebs-, 50 Prozent Aidspatienten, das war die Rate zu Beginn des Hospiz in Mandeni.

„Aber jetzt hat uns die Aids-Welle völlig überholt und wir haben 99,9 Prozent Aids-Fälle. Ab und zu mal einen Krebs-Patienten. Aber die meisten schaffen es ja gar nicht mehr einen Krebs zu entwickeln, weil sie vorher schon an Aids sterben.“ (Pater Gerhard)

In der Region Mandeni in Südafrika leben derzeit 250.000 Menschen. 76 Prozent von ihnen tragen das Aids-Virus in sich, berichtet der Kirchenmann, der aus dem Katastrophenschutz kommt. Für ihn bedeutet dies eine große Herausforderung und Aufgabe.

„Ich denk’, dass das größte Problem die Armut ist. Das heißt, es gibt Leute, die einfach keine andere Möglichkeit sehen, sich Geld zu verdienen, als die Beine zu öffnen und auf diese Art und Weise durch eine unendliche Promiskuität, die überhaupt nichts mit irgendwelchem Lustgewinn zu tun hat, sondern dass man sich einfach sonst die Brötchen nicht verdienen könnte. Deshalb sehe ich die größte Aufgabe darin, dass man Arbeitsplätze schaffen würde, damit die Leute sich das Geld auf andere Weise verdienen können.“ (Pater Gerhard)

Vor nunmehr 20 Jahren, als Pater Gerhard in die Provinz KwaZulu-Natal kam, lernte er zuerst die Zulu-Sprache, die Zulu-Mythologie, ihren Glauben, ihre Denkweise und ihr Brauchtum kennen.

„Denn des ist unendlich wichtig, wenn ich jemanden seelsorgerisch betreuen will, dass ich dann wirklich in die Seele des Menschen mich einfühlen kann, dass ich nicht wie so ein Tölpel da die Bonifatiuseichen fälle, sondern dass ich mich einfügen und einfühlen kann und den Leuten dann so helfe, wie sie es am Besten brauchen und wie man ihnen am Besten nahe kommen kann." (Pater Gerhard)

Der Durchschnitts-Zulu hat Angst vor dem Tod. Er ist überzeugt davon, dass Krankheiten durch böse Geister oder Verwünschung hervorgerufen werden. Wer sich um Kranke kümmert, pfusche den bösen Geistern ins Handwerk und werde von ihnen bestraft. Viele Patienten werden im Hospiz aufgenommen, weil zu Hause aus „Glaubensgründen“ keine Pflege möglich ist. Im Schnitt stirbt jeden zweiten Tag ein Mensch im Hospiz. An manchen Tagen sterben bis zu fünf Menschen – Erwachsene und Kinder.

„Ja das ist natürlich eine Sache, die auch uns immer wieder an ziemlich an die Nieren geht, wenn man so ein kleines Krabberle, wenn es stirbt in das Leichenhaus trägt, dann geht es auch einem Professionellen ganz tief ans Herz und das ist eine Sache, die ist wirklich nicht leicht zu ertragen.“ (Pater Gerhard)


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