SWR1 Kirche 06.05.2007 / 7.00 – 8.00 Uhr


Ein Bayer in Südafrika

Ein Bericht von Connie Merkel für SWR1 „Sonntagmorgen“

Ein bayrischer Pater ging vor 20 Jahren nach Südafrika, um den Glauben zu verkünden.
Heute sorgt er dafür, dass Aids-infizierte Kinder gute Medikamente bekommen.

Es muss ein Gefühl wie Weihnachten gewesen sein. Vierzig Kinder in einem südafrikanischen Heim bekamen kürzlich einen riesengroßen Spielplatz geschenkt mit Holztürmen, Schaukeln, Kletterwänden, Sandkästen und einer Rutschbahn. Finanziert wurde das Ganze mit Spendengeldern aus Hessen und Rheinland-Pfalz. Der Gründer und Leiter des Kinderheims im südafrikanischen Mandeni, Pater Gerhard, stammt aus Bayern.


„Von einer Hand zu einer Hand geht ein Licht über unser Land, von einer Hand zu einer Hand über unser Land.“

Die Erwachsenen sind sichtlich gerührt. Da stehen die Kinder mit den großen, dunklen Augen auf den Türmen und der Brücke der neuen Spiellandschaft im Osten Südafrikas und singen deutsch. Sie leben hier in einem Kinderheim, „in dem ausgesetzte Kinder, kranke Kinder, früher misshandelte, missbrauchte Kinder sind, einige davon sind HIV-positiv, einige sind in der Aids-Phase, einige auch in antiretroviraler Behandlung.“ erklärt Pater Gerhard, Missionsbenediktiner, der das „Blessed Gerard’s Hospiz“ vor 11 Jahren gegründet hat und leitet. Von seinem Orden, vom Kloster St. Ottilien in Bayern, war er 1987 in das Zululand geschickt worden. Als Pfarrer sollte er künftig in der Region Mandeni wirken. Schnell stellte Pater Gerhard jedoch fest, die Menschen hier brauchen mehr als nur fromme Worte.

„Wir haben hier große Slum-Gebiete, wir haben hier Town-Ship-Gebiete, in denen Menschen in einer Art und Weise leben, wie man sich das in Deutschland überhaupt nicht vorstellen kann. Und mir sind im sprichwörtlichen Sinn gesprochen die Leute während der Predigt verhungert. So musste ich also jetzt versuchen, dass wir die Arbeit der Kirche in der Glaubensverkündigung sehen, aber in der Glaubensverkündigung nicht nur im Wort, sondern in der Tat. Mit anderen Worten, die Menschen hier dazu befähigen, sich selbst zu helfen.“ (Pater Gerhard)

Für den Pater, der aus dem Katastrophenschutz kommt, die beste Form der Entwicklungshilfe. So gründete er seine eigene Hilfsorganisation, die mittlerweile zwölf verschiedene karitative Projekte betreut.

„Das Hospiz hat 40 Bettenplätze in der Pflegeeinheit. Damit sind wir das größte Hospiz Südafrikas. Und wir haben jetzt auch die antiretrovirale Behandlung begonnen und damit gibt man den Leuten wieder ne Chance noch 10, 15, 20 Jahre bei sehr guter Lebensqualität zu leben und das ist unsere Aufgabe.“ (Pater Gerhard)

40 hauptamtliche und rund 850 ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen den Pater aus Deutschland bei seiner Arbeit - sowohl im „Blessed Gérard’s Hospiz“ als beispielsweise auch im „Heim für unterernährte Kinder“. Für die Ehrenamtlichen bedeutet es sehr viel allein die Uniform der Hilfsorganisation tragen zu dürfen und jeden Tag eine Mahlzeit zu bekommen. Zu Beginn des Hospiz waren die Hälfte der Patienten Krebs- die andere Hälfte Aidskrank. Inzwischen liegt die Aidsrate bei 99,9 Prozent. An manchen Tagen sterben im Hospiz bis zu fünf Menschen – Erwachsene und Kinder. Auch für Pater Gerhard keine leichte Aufgabe.

„Das ist natürlich eine Sache, die auch uns immer wieder ziemlich an die Nieren geht, wenn man so ein kleines Krabberle, wenn es stirbt in das Leichenhaus trägt, dann geht es auch einem Professionellen ganz tief ans Herz und das ist eine Sache, die ist wirklich nicht leicht zu ertragen.“ (Pater Gerhard)

Seit 20 Jahren sorgt der bayrische Pater für kranke und unterernährte Kinder im südafrikanischen Mandeni und hinter ihm steht eine große Schar deutscher Spender.


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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Diese Seite wurde zuletzt am 08-10-2009 15:59:39 aktualisiert.