SWR4 – 24.05.2007  / 17.00 – 18.00 Uhr


Pater kämpft gegen Aids

„Heute um Fünf“ –  SWR4-Reporterin Cornelia Merkel hat den deutschen Pater Gerhard besucht.

Heute um Fünf – Aktuelle Information bei SWR4 Rheinland-Pfalz.

Entwicklungshilfe für Afrika, die gab es schon vor zwei Jahren im ganz großen Stil – zumindest auf dem Papier. Im Kampf gegen Wassermangel, Hungersnot und Aids, wollten die G8 um 50 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Davon wird wohl nicht mal die Hälfte zusammenkommen. Vom G8-Gipfel Anfang Juni jetzt in Heiligendamm soll ein Signal des Vertrauens in den afrikanischen Kontinent ausgehen. Ein Beispiel für echte Hilfe dagegen ist Pater Gerhard. 1987 wurde er von seinem Orden nach Mandeni nach Südafrika geschickt. Hier sollte er als Pfarrer wirken. Schnell hat der Mann aus Bayern allerdings erkannt, die Menschen hier brauchen mehr als fromme Worte.

„Wir haben hier große Slum-Gebiete, wir haben hier Township-Gebiete, in denen Menschen in einer Art und Weise leben, wie man sich das in Deutschland überhaupt nicht vorstellen kann. Und mir sind im sprichwörtlichen Sinn gesprochen die Leute während der Predigt verhungert. So musste ich also jetzt versuchen, die Menschen hier dazu befähigen, sich selbst zu helfen.“ (Pater Gerhard)

So gründet der Pater seine eigene Hilfsorganisation, die mittlerweile zwölf verschiedene karitative Projekte betreut.

„Die mit Abstand größten sind unser Kinderheim und unser Hospiz. Das Kinderheim hat 40 Plätze und das Hospiz hat 40 Bettenplätze. Damit sind wir das größte Hospiz Südafrikas. Wir haben jetzt auch die antiretrovirale Behandlung begonnen, damit gibt man den Leuten wieder ne Chance noch 10, 15, 20 Jahre bei sehr guter Lebensqualität zu leben und das ist unsere Aufgabe.“ (Pater Gerhard)

In einer Region, in der dreiviertel der Menschen das Aids-Virus in sich tragen, eine wahre Herausforderung. Im Hospiz liegt die Aidsrate heute bei 99,9 Prozent. Als eine Mutter im Hospiz an Aids stirbt und ein Kind zurücklässt, das keine Verwandten mehr hat, da auch diese bereits an Aids gestorben sind, baut Pater Gerhard ein Heim für Kinder.

„Das Kinderheim ist eben ein Kinderheim, in dem ausgesetzte Kinder, früher misshandelte, missbrauchte Kinder sind, einige davon sind HIV-positiv, einige sind in der Aids-Phase, einige auch in antiretroviraler Behandlung. Die beiden Projekte greifen ineinander – d. h., wenn es den Kindern so schlecht geht, dass sie mit den anderen nicht mehr spielen können, dann gehen sie runter ins Hospiz, werden dort wieder aufgepäppelt und wenn es ihnen wieder besser geht, gehen sie wieder zurück ins Kinderheim.“ (Pater Gerhard)

Auf der Kinderstation des Hospiz liegen momentan zwei Kinder - ein Junge - gerade ein Jahr alt geworden und ein kleines Mädchen - es ist erst fünf Monate alt.

„Das ist unser kleiner Spatz, der natürlich nur auf den Arm will und gucken will, dann ist die Welt in Ordnung.“ (Angelika Müller)

Allerdings erst nachdem Arzthelferin Angelika Müller der Kleinen ein paar Löffel Babynahrung gegeben hat. Nur kurz täuscht das zufriedene Schmatzen der Kleinen darüber hinweg, wo wir uns befinden.

„Zum Schluss sieht man es den Kindern an – das ist schon klar. Es ist schon ein Unterschied, ob in Deutschland, wo ich im Krankenhaus gearbeitet habe, alte Menschen sterben, die ihr Leben gelebt haben, wo man sagen kann, gut, die können jetzt in Ruhe einschlafen – oder ob man hier so einen kleinen Wurm, der noch nichts vom Leben hatte. Ich muss da schon mit den Tränen kämpfen, wenn mir so ein Kind im Arm stirbt.“ (Angelika Müller)

Gemischte Gefühle bei den Helfern im „Blessed Gerard’s Care-Zentrum“ in Mandeni in Südafrika“.


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Diese Seite wurde zuletzt am 08-10-2009 15:59:49 aktualisiert.