SWR3 „Weltweit“ – 24.06.2007


Die Welt zu Gast bei Freunden

Das andere Südafrika – Bilder aus Mandeni vom „Blessed Gerard’s Care-Center“

SWR3 „Weltweit“ am Sonntag.
„Die Welt zu Gast bei Freunden“

Die WM ist jetzt ein Jahr her und das Ziel heißt 2010. In drei Jahren werden wir bei der WM in Südafrika sein, dann wird in Kapstadts neuem Stadion mit 70.000 Plätzen dann vielleicht das Halbfinale stattfinden. Das alte Stadion ist längst abgerissen. Aber Herbert Becker, der Aufsichtsratsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, ist vor kurzem nicht wegen des Fußballs nach Südafrika geflogen, sondern um dort im Osten Südafrikas, in Mandeni, eine Spiellandschaft für das Kinderheim „Blessed Gerard’s Care Centre“ zu bauen.


„Ja ich hab guten Vorarbeiter, der sagt mir, was ich zu tun habe. Aber es klappt ganz gut. Wir haben bereits ein Teil zusammengebaut und es passt.“ (Herbert Becker)

Bei tropischer Luftfeuchtigkeit klotz Herbert Becker gleich mit ran. Nach einer Stunde Fahrt vom Flughafen Durban ins 100 km nördlich gelegene „Blessed Gerard’s Care Centre“ sind alle überrascht wie grün – wie dunkelgrün die Vegetation hier ist – ähnelt eher Frankreich. Südafrika das hatte man sich anders vorgestellt. Wären da nicht die Menschen mit der schwarzen Hautfarbe. Auch die Kinder im Heim im Alter zwischen wenigen Wochen und 14 Jahren sind schwarz.

„Die Kinder leben in einem sehr begrenztem Raum und unser playground ist so ne Art Wohnzimmer für uns – also wir sind jeden Tag hier. Wir sind in Afrika, das Wetter ist fast immer schön, so dass das eine immens wichtige Sache ist, dass das hier auch schön ist, dass das anregt, dass die Kinder sich bewegen und Lust haben und gerne rauskommen auch“ meint Diakon Thomas Müller.

Zum Spielen gab es für die Kids bislang nicht viel mehr als eingezäuntes Ödland mit ein paar Bäumen und Tischen und Bänken darin. Die Bewohner drum rum suchen Schutz hinter Militärstacheldraht. Nicht wegen der Kinder, sondern wegen der hohen Kriminalität hier in Mandeni. Die Stellvertreterin von Pater Gerhard wurde vor einem Jahr bei einem Einbruch in ihre Wohnung getötet. Ein Kind aus dem Heim hat zugeschaut,

„wie seine Mutter ermordet wurde. Der Mörder wollte natürlich den Zeugen auch ausschalten und hat dann mit dem Stiefel auf das Kind eingetreten. Das Kind war dann im Koma für lange Zeit. Leider hat es sich heraus gestellt, dass das Kind durch die Mutter, vermutlich durch die Muttermilch, oder bei der Geburt, sich das Virus zugezogen hat. Dieses Kind ist jetzt auch unter antiretroviraler Therapie. Wenn sie das Kind jetzt so anschauen, der ist fröhlich und springt herum und sie würden dem überhaupt nicht ansehen, dass er überhaupt Aids hat.“  (Pater Gerhard)

Die anderen Kinder sind Aids-Waisen oder an Aids infiziert, wurden misshandelt oder missbraucht. Dennoch sind sie zufrieden und glücklich. Und völlig überwältigt, als die kunterbunte Spiellandschaft nach zwei Tagen fertig ist.

“I’ m lucky – I like the slide the best. I’m so surprised, to see that "Menz Holz". I’m so excited and I can’t believe it.”

SWR3-Reporterin Cornelia Merkel war beim Spielplatz-Aufbau in Mandeni in Südafrika dabei. Und welche Bedeutung dieses Kinderheim in Südafrika hat und wie die Menschen dort leben, darüber berichten wir gleich in SWR3.

Der Sonntagnachmittag in SWR3:

Die Hilfsorganisation „Luftfahrt ohne Grenzen“, kurz „LOG“, die am Flughafen Frankfurt ihren Sitz hat, nutzt das Netz der weltweiten Luftfahrt. So werden zum einen Kinder, beispielsweise Tretminenopfer aus Afghanistan, nach Deutschland geflogen, damit sie hier operiert werden können. Zum anderen gehen Lieferungen an Kinder in die ganze Welt, wie etwa nach der Tsunami-Katastrophe nach Indonesien. Über 7 Tonnen Hilfsgüter – darunter der Spielplatz in Einzelteilen, aber auch T-Shirts, Fußbälle, Fahrräder hat „Luftfahrt ohne Grenzen“, diesmal nach Südafrika bringen lassen für die 40 Kinder des Heims vom „Blessed Gerard’s Care Centre“ im Osten von Südafrika in Mandeni. Und die können es nicht mehr erwarten endlich auf ihren neuen Spielplatz zu kommen.

„Ich glaub, die warten jetzt auf den Startschuss – und ich denk, ich muss jetzt mal die Kinder rufen, sonst kommen die nicht. Kiddies, kiddies come, come, come.” (Pater Gerhard)

Während die Kinder die Spiellandschaft nun im Sturme erobern, schaukeln, klettern oder rutschen, nutzt der Pater, der aus Bayern stammt, die Zeit, seinen Gästen aus Deutschland die Umgebung zu zeigen – einen Teil von KwaZulu/Natal.

„Was wir sehen – das sind Häuser kann man es nicht nennen, das sind Hütten, die sich die Leute selber zusammen gebastelt haben, aus Lehm, aus Wellblech, wie man hier sieht, aus Plastikplanen, Autowrackteilen. Das sind Leute, die vermutlich irgendwann mal Arbeit bekommen haben, aber sich natürlich kein Haus leisten können und sich dann eben solche Elendshütten hier bauen." (Pater Gerhard)

Unterwegs im Allrad-Jeep durch diese Township. Hier leben circa 150.000 Menschen. 76 Prozent von ihnen tragen das Aids-Virus in sich.

„Was die Township mit dem CareCentre zu tun hat, dass wir uns praktisch um die Kranken aus diesem Gebiet kümmern, speziell eben um die Schwerstkranken - die Aidspatienten. Wir sind hier die einzige stationäre Einrichtung, die Aidsbehandlung durchführt.“ (Pater Gerhard)

Viele Zulus suchen noch immer, wenn sie krank sind, den Medizinmann auf, um mit seiner Hilfe die Ahnengeister nach der Diagnose zu befragen.

„Es kann immer nur Verhexung, Verwünschung und Verzauberung sein. Der einfache Zulu kennt keinen Krankheitskeim und das macht natürlich dann auch unsere Aids-Aufklärung wahnsinnig schwierig. Wenn wir denen was von einem „humanen immun- deffizienz Virus“ erzählen, dann schlackert der nur mit den Ohren und fragt sich, was ist denn das für ein neuer Geist.“ (Pater Gerhard)

Unkenrufen zufolge ist Südafrika am Untergang. Allerdings nicht wirtschaftlich, meint Pater Gerhard, „Wenn wir am Untergang sind, ist es Aids, aber wirtschaftlich haben wir unheimliches Potential und wenn das richtig genutzt wird, sehe ich durchaus ne sehr gute Chance, dass wir in unserem Land auf einen grünen Zweig kommen können.“

Regierung, Industrie und Wirtschaft sind da gefragt – es gilt jede Menge Arbeitsplätze zu schaffen. Der Pater aus Deutschland hofft auch auf Impulse der WM 2010.

„Natürlich haben viel Aufholbedarf in unserem Land, was die ganze Infrastruktur betrifft. Eines der größten Probleme scheint der öffentliche Nahverkehr zu sein. Aber auch, dass wir die Stadien nicht haben, die den Anforderungen entsprechen. Aber es sind ja noch ein paar Jährchen hin bis dorthin und Südafrika hat schon mehrere Wunder geschafft – sowohl das Wunder unserer südafrikanischen Wende und dann werden wir diese Weltmeisterschaft auch noch schaffen. Also ich bin schon zuversichtlich.

Infos auf SWR3. de auf der „Weltweit“-Seite.


Diese Seite ist Teil der Medienschau der Brotherhood of Blessed Gérard



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