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SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Sendung von Sonntag, 01. Mai 2011

Autor: Dr. Thomas Weißer, Mainz, Katholische Kirche

 

Pater Gerhard T. Lagleder OSB

Teil 1. Missionar, Mönch, Malteser 

Pater Gerhard Lagleder ist Missionsbenediktiner. Ein Mönch also, der nicht in einem Kloster lebt, sondern als Missionar überall auf der Erde arbeitet und betet. Doch Lagleder folgt zwei Berufungen: Er ist nicht nur Priester - sondern auch Rettungssanitäter beim Malteser-Hilfsdienst. Beides verbindet er in seiner Arbeit. In Südafrika leitet er das größte Hospiz des Landes, betreut werden vor allem AIDS-Patienten, ein Kinderheim, einen Kindergarten und vieles mehr. Der richtige Job für einen Priester? 

Ich darf als Priester nicht nur die Liebe Gottes von der Kanzel predigen in den schönsten Worten, sondern die beste Predigt ist die, die in die Tat umgesetzt wird und wenn die Menschen sagen, Mensch, also die Katholiken, das sind also wirklich Leute die ihren Glauben ernst nehmen, die tun was für die Kranken, die reden nicht nur. 

Kaum betritt er das Zimmer, nimmt er mich schon gefangen. In vielerlei Hinsicht. Pater Gerhard Lagleder ist ein mächtiger Mann. Seine Stimme ebenso voluminös. Und die Begeisterung für seine Sache springt sehr schnell auf mich über. Seine Sache: Das sind Menschen in Südafrika. Vor allem die unzähligen AIDS-Kranken. Sie werden im Blessed Gerard's Care-Zentrum versorgt. Mit erstaunlichen Erfolgen: 

Ein AIDS-Kranker, der in der AIDS-Phase ist, der hat höchstens noch ein Jahr zu leben und wenn er die Behandlung bekommt, dann kann er noch 10, 15, 20, vielleicht sogar 25 Jahre weiter leben. Das ist genau das, was wir erreichen wollen und (...) das ist eine absolut großartige Sache, wenn wir den Leuten da eigentlich neues Leben schenken können, wenn man das mal so bezeichnen darf. 

Ein Priester, der ein Gesundheitszentrum leitet, das ist sicher ungewöhnlich. Pater Gerhard aber ist seit über 40 Jahren im Malteser-Hilfsdienst aktiv, ein ausgebildeter Rettungssanitäter. Trotzdem fällt mir das nicht leicht, Priester-Sein und Rettungsdienst zusammenzubringen.

Aber Pater Gerhard fügt beides zusammen. Vor allem im Glauben: Jesus, so sagt er, galt schließlich auch vielen als Arzt. Doch für Lagleder war der Weg nach Südafrika nicht unbedingt die erste Wahl. 

Begeistert war ich eigentlich nicht als Weißer in das Land der Apartheid zu gehen, wo man von vornherein eigentlich von den Leuten als ein Ausbeuter und als ein Vertreter der Rasse angesehen wird, vor der man eigentlich Angst hat und von denen man sich verfolgt fühlt.

Und trotzdem geht Lagleder. Ich stelle mir vor, dass das ein Riesensprung für ihn war. Lagleder wuchs schließlich in Regensburg auf. Einer Stadt, die als „Weltkulturerbe" bis heute vom Mittelalter geprägt ist, von alter Bausubstanz und Gemütlichkeit. Und dann kommt er als Missionar in eine völlig andere Welt.

In ein Gebiet in dem es riesige Slums gibt, in dem es riesige Townships gibt - und ich sag's ein bisschen übertrieben: bei mir sterben in der Predigt die Menschen an Hunger und die Leute schlafen in der Predigt ein, nicht weil ich so langweilig predige, sondern weil sie aus Schwäche einschlafen.

 Pater Gerhard setzt sich mit einem großen Team für alle ein. Nicht selbstverständlich. Denn als Gerhard 1987 nach Südafrika kommt, herrscht noch die Apartheid, die Rassentrennung. Was das heißt, hat Lagleder hautnah erfahren:

 Einmal kam ein Schwerverletzter und da musste ich ihn dann in die Hände einer Krankenschwester abliefern, weil der Arzt ihn nicht behandeln durfte. Ich hab gesagt, Mensch Herr Doktor der stirbt, bitte tun Sie was für den. Sagt er, ich verliere meine Konzession, ich kann das nicht tun. Und das war für mich so ein ganz prägendes Erlebnis, wo mir die Apartheid richtig so als völlig unmenschliche Sache vorkam und wo ich das erlebt hab und das hat mich sehr geprägt.

 Dass sich Pater Gerhard mit fast neunzig hauptamtlichen und etwa eintausend ehrenamtlichen Helfern um Menschen kümmern kann, egal welche Hautfarbe sie haben, egal wie krank und arm sie sind, das erfüllt den Malteser sichtlich mit Stolz. Und mir imponiert, wie er diesen Dienst mit seinem Glauben verknüpft:

 Das ist, was ich unter Missionsarbeit verstehe, dass wir den Menschen die Liebe Christi in Taten spürbar machen und sie auf diese Art und Weise indirekt Christus näher bringen.

 Teil 2. Glaube und Krankheit

 Ich treffe Pater Gerhard Lagleder in Baden-Baden. In einer Kirchengemeinde stellt er seine Arbeit vor. Den Kofferraum vollbeladen mit Prospekten. Lagleder ist in Deutschland, weil er Geld braucht. Einer seiner größten Geldgeber ist abgesprungen. Aber in unserem Gespräch wird mir auch deutlich: Geld steht nicht im Mittelpunkt, im Mittelpunkt stehen die Menschen, sie liegen ihm am Herzen.

 In meinen Händen sind Tausende von Menschen gestorben. Das heißt: Ich hab also Tausenden von frisch Verstorbenen die Augen zugedrückt und sie in ihrem Sterben begleitet. Ich glaub, was mir die Kraft gibt, da nicht zu verzweifeln - Es gibt zwei Antworten, einmal natürlich wegen meines Glaubens, das ist ganz klar, dass wir wissen, dass wir die Menschen ja in die Hände Gottes übergeben können.

 Und die andere Antwort ist ganz einfach: Lagleder erfährt, dass er helfen kann. Dass es nicht nur Tod gibt, sondern eben auch neues Leben.

 Wir erleben Kranke, die auf einer Grasmatte liegen in ihren eigenen Fäkalien, die Maden und Ameisen in ihren Bettgeschwüren haben  und diese Skelette von Menschen holen wir in unser Hospiz rein und die kriegen so einen doppelten Kulturschock. Einmal den Kulturschock, dass sie in einem sauberen Bett sind, dass sie alle medizinische Behandlung kriegen, aber auch so einen Kulturschock der Liebe, dass sie auf einmal wichtig sind.

Ein Kulturschock der Liebe, das finde ich einen starken Ausdruck. Lagleder erzählt, was das heißt:

 Da haben Patienten schon zu uns gesagt: Mensch, so lieb wie ihr war noch keiner zu mir in meinem Leben. Und wenn sie dann bei uns im Hospiz sind, sind sie behütet und beschützt, und ist der Patient eben in dieser menschenwürdigen, in dieser liebenden Umgebung und kann so sein Leben in die Hände Gottes übergeben.

 Nach dem Abitur vor über zwanzig Jahren war ich in Zentralafrika und habe dort zwei Monate mit einigen Patres gelebt, habe sie begleitet, konnte viel erfahren in diesem afrikanischen Land. Und trotzdem scheint mir das Leben, das Pater Lagleder beschreibt ganz weit weg. AIDS war damals kein Thema - jetzt ist es Afrikas großes Thema. Ein Thema, mit dem sich die katholische Kirche schwer tut. Stichwort: Kondome. Aber Lagleder macht mir deutlich: Die Südafrikaner, mit denen er zu tun hat, vorwiegend Zulus, lehnen Kondome ab.

 Selbst wenn ich jetzt als Priester zu denen hingehen würde und sag, bitte, bitte, bitte, nimm ein Kondom, dass du deine Frau nicht ansteckst, dann würde der mir eine Ohrfeige geben und sagen, ja, was bildest du dir ein.

Denn viele Kinder sind immer noch Zeichen von Männlichkeit und Lebenskraft. Kondome kommen da nicht in Frage. Lagleder kapituliert in dieser Frage nicht, aber was ich spannend finde: Er versucht, die Menschen zu verstehen, weiß nicht alles besser. Diese Haltung verortet Lagleder in seinem Glauben.

 Ich glaub, dass wir einfach gesandt sind, so wie Christus selber auf die Menschen einfach zugegangen ist, ganz egal welchen Glaubens die waren und ihnen die Liebe Gottes einfach in Taten spürbar machen.

 Informationen und Kontakt unter http://www.bbg.org.za


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Letzte Aktualisierung am 17-04-2013 22:15:00