Das Großpriorat Böhmen
des Souveränen Malteser-Ritterordens

Ein Beitrag unseres Mitgliedes Dr. Peter Martinez

Der Ursprung des Souveränen Ritterordens des Hl. Johannes von Jerusalem, von Rhodos und von Malta kann bis auf seine Gründung im Jahr 1099 zurückverfolgt werden. Als sich der Orden ausbreitete, wurde es notwendig, sich vor Ort in Prioraten und Großprioraten zu organisieren. Das Großpriorat von Böhmen wurde 1183 gegründet.

Die Geschichte der Malteserritter in Prag wird durch einige Straßennamen auf der Kleinseite am westlichen Brückenkopf der berühmten Karlsbrücke in Erinnerung gerufen. Bis 1741 war die Karlsbrücke die einzige Verbindung über die Moldau. Die Brücke wurde 1357 von Karl IV in Auftrag gegeben, um die Judith-Brücke zu ersetzen, die 1158 gebaut und 1342 bei einer Überschwemmung zerstört worden war. Der Torbogen zur Karlsbrücke wird von zwei Türmen von unterschiedlicher Höhe flankiert. Der höhere Turm mit Fiale im Norden wurde zusammen mit der Karlsbrücke gebaut. Im Süden ist ein niedrigerer Turm, die Überreste des Judith-Brückenturms, der 1188 zum Schutz des Zugangs zur ursprünglichen Judith-Brücke gebaut worden war.

Eine kurze Wegstrecke von diesen Türmen entfernt liegt der Malteserplatz und der Großprioratsplatz. Am nördlichen Ende des Malteserplatzes steht eine Statue des Hl. Johannes des Täufers - Teil eines Brunnens, der 1715 zur Erinnerung an das Ende der Pestepidemie errichtet worden war. Am nörlichen Ende des Großprioratsplatzes ist der frühere Sitz des Großpriors. In seiner jetzigen Form geht der Palast auf Zwanzigerjahre des achtzehnten Jahrhunderts zurück. Ein großes Wandgemälde des Popmusikers John Lennon hat die Mauer des Großprioratsgartens seit dessen Tod geziert.

Das Rad der Mühle des Großpriors wurde gänzlich renoviert und läuft in einem Seitenkanal der Moldau, der als das "Venedig von Prag" bekannt ist.

Auch in diesem Gebiet ist die Kirche Unserer Lieben Frau unter der Kette, die zwei massive Türme hat die aus der Zeit stammen als dies eine Prioratsfestung war. Die Kirche, deren Grundstein im 12. Jahrhundert gelegt wurde, ist die älteste auf der Kleinseite und war den Rittern des Hl. Johannes von König Wladislaw II gegeben worden. Sie stand in der Mitte des schwer befestigten Klosters der Ritter, das den Zugang zur alten Judith-Brücke, der Vorgängerin der Karlsbrücke, bewachte. Der Name der Kirche bezieht sich auf die Kette, die während des Mittelalters verwendet wurde, um das Torhaus des Klosters zu schließen.

Im 13. Jahrhundert wurde ein gotisches Presbyterium hinzugefügt, doch die ursprüngliche romanische Kirche wurde im folgenden Jahrhundert zerstört. Ein neuer portico wurde gebaut mit einem Paar massiver viereckiger Türme, aber die Arbeiten wurden eingestellt und das alte Schiff wurde zu einem Innenhof zwischen den Türmen und der Kirche. Die Kirche bekam 1640 durch Carlo Lurago einen barocken facelift. Der Hochaltar zeigt ein Gemälde das die Jungfrau Maria und den Hl. Johannes den Täufer darstellt, wie sie den Malteserrittern 1571 bei der berühmten Seeschlacht von Lepanto zu Hilfe kommen.

Das Großpriorat Böhmen überlebte trotz Widrigkeiten, die es während der Französischen Revolution und den darauf folgenden Napoleonischen Kriegen erfuhr bis ins 20. Jahrhundert, möglicherweise dem Jahrhundert, in dem es in seinem langen Bestehen am meisten auf die Probe gestellt wurde.

Während des Ersten Weltkrieges unterhielt der Orden einen Lazarettzug, der durch ganz Europa kreiste und die Kriegsverwundeten behandelte. Über 27.000 Feldoperationen wurden durchgeführt.

1938 wurde als Folge des Anschlusses Österreichs durch Hitler das (unabhängige) Großpriorat Österreich gebildet. Während der Besatzung Böhmens durch die Nazi waren die Aktivitäten des Ordens untersagt und seine Besitzungen wurden konfisziert. Obwohl die Aktivitäten des Ordens durch die Nazi unterbunden waren, nutzte der Regent Schwarzenberg seinen politischen Einfluß, um das Überleben des Ordens sicherzustellen.

Nach dem Krieg gab der sozialistische Staat die Besitzungen, die von den Nazis konfisziert worden waren, nicht zurück, sondern verstaatlichte sie. Bis 1950 tolerierten die Kommunisten ein Minimum von Aktivitäten, aber dann wurde der Orden mit anderen kirchlichen Orden aufgelöst und verboten. Die Mehrheit der Ordensmitglieder ging ins Exil. Eine kleine Gruppe von Rittern blieb in Böhmen und setzte die caritativen und pflegerischen Aktivitäten des Ordens mit Unterstützung ihrer Mitbrüder im Ausland fort. Prinz Karl Schwarzenberg (1911-1986) stand ihnen als Regent des Großpriorates Böhmen vor, der das Überlebensrecht des Großpriorates unermüdlich verteidigte. 1981 wurde Frà Karl Paar zum Großprior im Exil gewählt.

Nach der Samtrevolution 1989 nahm der Orden sofort seine Aktivitäten wieder auf. Neue Mitglieder wurden eingeführt und die ersten Schritte wurden unternommen, um die Rückgabe der Ordensgebäude in Prag zu sichern, nämlich den Großpriorspalast und die Kirche Unserer Lieben Frau unter der Kette. Letztlich wurde Malteska Pomoc als Hilfsorganisation des Ordens in der Tschechischen Republik gegründet.

1991 nahm der Orden mit der Tschechischen Republik diplomatische Beziehungen auf. Die Ordensbotschaft steht heute neben der Kirche Unserer Lieben Frau unter der Kette. So dient das achtspitzige Kreuz wiederum als Symbol für die Hilfe und den Trost für die, welche körperlich oder geistig leiden und erinnert uns an den Leitspruch des Ordens Tuitio fidei et obsequium pauperum.


Diese Seite ist Teil des Rundbriefs Nr. 18 der Brotherhood of Blessed Gérard


Diese Seite wurde am 16. Dezember 1999 erstellt und zuletzt am 08-10-2009 16:06:11 geändert.