Vorstellung der in der zweiten Hälfte des Jahres 2000 tätigen ausländischen ehrenamtlichen Helfer


Silla Helas

Sie gab uns diesen Brief:

Ich wurde während der Zeit, in der ich für das Care Centre arbeitete immer wieder von Freunden und Verwandten gefragt, wie mir die Arbeit dort gefällt. Ich konnte immer antworten, dass es mir gut gefällt und ich Freude an der Arbeit hatte. Die meisten konnten das nicht verstehen. Ist das nicht ganz schön anstrengend, hart und deprimierend, fragten sie mich. Das ließ sich natürlich nicht verleugnen. Zu erklären, warum es mir trotzdem gefiel, fiel mir schwer. Warum kann es schön sein, Menschen beim Sterben zusehen zu müssen, zu versuchen ihnen die letzten Tage zu erleichtern, wo man noch nicht einmal ihre Sprache spricht? Und warum verzweifelt man bei so viel Elend, von dem man erfährt, nicht? Den ersten Grund, den ich meist nannte, war, dass all die Menschen, die dort Tag und Nacht arbeiten, bewundernswert und furchtbar lieb sind. Na, das erleichtert bestimmt einiges, bekam ich zu hören – und so war es auch. Ich glaube, ohne das nette Umfeld, wäre ich nicht lange dort geblieben. Aber es gibt noch so viele andere Gründe, die meinen Aufenthalt dort, so eindrucksvoll machten, die man aber so schwierig nur in Worte fassen kann.

Ich will versuchen, an zwei Beispielen, die sich in meinem Kopf eingeprägt haben, versuchen zu erklären, was ich meine.

Gleich am Anfang, als ich in Mandeni ankam, war unter den Patienten eine Frau, die mit Aids, TB und vielleicht auch noch einer Hirnhautentzündung im Sterben lag. Sie war ausgehungert und schwach, voller Wunden, redete kaum noch, sondern lag eigentlich einfach nur noch so da. Ihr Zustand wurde immer schlechter und so saß ich oft stundenlang bei ihr. Sie hielt sehr, sehr lange durch. Eines Morgens, als ich ins Zimmer kam, schien ihre Wahrnehmung nicht ganz so getrübt. Wir hatten während der langen Zeit kaum ein Wort gewechselt, aber als ich ihren Namen nannte, lächelte sie mich an. Dieses kleine Lächeln, obwohl ich noch nicht einmal wusste, ob es mir galt, reichte schon aus, um glücklich zu sein und zu merken, dass das was man tut gut ist.

Ein anderen Anblick, den ich nicht vergessen werde, ist der eines kleinen Jungen, der während der morgendlichen Messe einen epileptischen Anfall bekam. Er knallte mit dem Kopf auf den Boden und ließ uns alle zusammenfahren. Wir hatten den Jungen am Abend davor von seiner Familie abgeholt, die sich in keiner Weise um ihn gekümmert hatte. Lange hatte er keine Medikamente mehr bekommen (die es kostenlos gibt) und durch viele Anfälle immer mehr Fähigkeiten eingebüßt. Er konnte nicht mehr richtig kauen und war deswegen halb verhungert. In der Klinik, die wir nur aufsuchten, um zu erfragen welche Dosis der Medikamente er denn bekommen sollte, wurden wir abgewimmelt, weil es bereits Feierabend war und dann nur noch Notfälle entgegengenommen werden. Mich machte der Vorfall wütend - wegen all der Gemeinheiten, die dem Jungen, der eigentlich ein ganz normales Leben hätte führen können, widerfahren waren. Und ich merkte, dass die Arbeit, die die Bruderschaft leistet wirklich wichtig ist und benötigt wird, damit immerhin für einen ganz kleinen Teil der Menschen und Kinder, die dort leben, Leben wieder lebenswerter gemacht werden kann.


Silvana Bothur, Elena Schmidt, Dorothea Huber, Sebastian Hofmann,
alle aus Deutschland

Wir wünschen, dass Sie Ihre Arbeit bei uns im Pflege- und Hospiz-Zentrum des Seligen Gerhard erfüllt und befriedigt hat. Danke für die Zeit, die Sie sich genommen haben, und für das Geld, das Sie ausgegeben haben, um nach Mandeni zu kommen, um uns bei unserer Aufgabe, den Kranken zu helfen, zu unterstützen

Diese Seite ist Teil des Rundbriefes Nr. 20 der Brotherhood of Blessed Gérard

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Diese Seite wurde am 17. Dezember 2000 erstellt und zuletzt am 08-10-2009 16:10:01 geändert.


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