Der deutsche Fernsehkanal ProSieben sendete am 9. April 2002 in seinem SAM Programm eine sehr bewegende Reportage über unsere Arbeit.

Redaktion: Sabine Albersdörfer · Länge: 7:50 min

 

AIDS

Bei uns in Deutschland wird über die tödliche Immunschwäche eigentlich kaum noch gesprochen. In Afrika rafft sie aber einen ganzen Kontinent dahin. Jede Woche sterben in Südafrika fast tausend Menschen an den Folgen von AIDS. Schon im vergangen Jahr waren wir dort und besuchten den dreijährigen Thembinkosi und seine Mutter. Beide hatten Aids. Die Mutter bereits im Endstadium und sie starb auch bald nach unseren Dreharbeiten an der tödlichen Krankheit. Noch vor ihrem Tod hat sie ihren kleinen Jungen in ein Hospiz gebracht und gesagt: "Kümmert Euch um ihn bis auch er stirbt!"

Thembinkosi stöhnt vor Schmerzen. Der 3jährige wiegt nur noch zehn Kilo. Immer öfter quälen ihn Fieberschübe. Sein kleiner Körper kämpft gegen eine unheilbare Krankheit: Thembinkosi hat Aids. Aids im Endstadium.

Schwester Sindi, pflegt Thembinkosi „ Es bricht einem das Herz, wenn man ein kleines Kind mit solchen Schmerzen sieht. Thembinkosi weiß ja nicht, was mit ihm passiert. Er kann sich ja noch gar nicht richtig ausdrücken.“

Thembinkosis Mutter Khululiwe. Vor einem Jahr war sie im gleichen Zustand wie ihr Sohn jetzt: Aids im Endstadium. Bei Thembinkosi war die Krankheit damals noch nicht ausgebrochen.

Jetzt ist er kaum wiederzuerkennen: völlig abgemagert, kann kaum noch sprechen.

Khululiwe starb wenige Wochen nach diesen Filmaufnahmen. Die junge Frau schien schon zu ahnen, dass ihr Leben bald zu Ende geht.

Khululiwe, 18, starb vergangenen Oktober „Ich habe unglaubliche Schmerzen, bekomme kaum noch Luft und kann nicht mehr aufstehen. Ich weiß, dass ich bald sterben muss – und ich weiß, dass auch mein Sohn bald sterben wird.“

Und doch: wie viele der Patienten hier, hatte auch Khululiwe einen würdevollen Tod. Musste nicht, wie die meisten Aidskranken in Südafrika, jämmerlich zugrunde gehen.

Bis zuletzt erfuhr sie Liebe: im Hospiz von Pater Gerhard Lagleder. Seit gut fünf Jahren widmet der Mönch aus Bayern sein Leben den Menschen, die niemand mehr will: den Todkranken von KwaZulu Natal.

Pater Lagleder, sorgt für Aids-Kranke "Es ist eine AIDS-Hölle. Es ist ein Platz in dem AIDS so überhand genommen hat und das Problem ist, dass die Krankenhäuser völlig überfüllt sind. Die Krankenhäuser können mit den Patienten nicht mehr zurecht kommen und wenn die Krankenhäuser dann sehen 'Also dem können wir eh nicht mehr helfen' dann schicken sie die Leute einfach heim."

Sindi hat Thembinkosis Mutter Khululiwe bis zum Tod begleitet. Und jetzt tut sie alles, um den letzten Willen der Verstorbenen zu erfüllen.

Sindi: “Bevor Thembinkosis Mutter starb hat sie uns alle gebeten, dass wir uns um Thembinkosi kümmern. In den letzten Tagen vor ihrem Tod wollte Khululiwe ihren Sohn ständig bei sich haben.“

Kümmert Euch um Thembinkosi. Diesen Wunsch hat sich Sindi zu Herzen genommen. Sie tut alles, um die Schmerzen des Jungen zu lindern. Doch anders als in Europa, sind Medikamente für Aidskranke hier knapp.

Eines gibt es im Sterbehospitz im Überfluß: die Liebe für den Patienten.

Sindi: „Im Moment interessiert sich Thembinkosi für nichts, aber es gefällt ihm, wenn man ihn in den Arm nimmt und ganz fest drückt. Er hat früher schon immer gerne gekuschelt und war sehr liebesbedürftig. Und jetzt braucht er das natürlich umso mehr.“

Thembinkosi: noch vor wenigen Monaten war er ein kräftiger, aufgeweckter Junge.

Doch schon damals war klar: sein junges Leben wird nur von kurzer Dauer sein.

Kindern wie Thembinkosi zu helfen, dass hat sich auch Clare vorgenommen. Die Südafrikanerin hat das Sterbehospiz mitbegründet. Und sie weiss, diese Kinder brauchen Hilfe. Kinder wie Bongani. Der einjährige hat [Vater und] Mutter durch Aids verloren, ist [möglicherweise] selbst HIV-positiv. Die kleine Hope: sie lebt seit [kurz nach] ihrer Geburt im Hospiz. Ist Aids [bzw. Sozial-]waise.

Flora: sie wurde von ihren Eltern vernachlässigt. Hier ist sie glücklich. [Ihr Vater starb an AIDS.]

Damit sich diese Kinder künftig noch wohler fühlen, soll hier in wenigen Wochen ein Kinderheim entstehen.

Clare Kalkwarf, kümmert sich um Aids-Waisen „Im Moment sind die Kinder noch im Hospiz untergebracht. Denn eigentlich hatten wir hier ja nie eine Kinderabteilung geplant. Sie ist sozusagen von selbst entstanden. Einfach dadurch, dass viele Mütter hier an Aids sterben und ihre Kinder dann alleine zurückbleiben.“

Hier in der hügeligen Landschaft von KwaZulu Natal ist die Lebenserwartung gering.

In den Slums bestimmen Elend und Gewalt den Alltag. Aids verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Thembinkosis Mutter ist wurde wahrscheinlich bei einer Vergewaltigung mit dem HIV-Virus infiziert. Bei der Geburt wurde ihr Sohn ebenfalls mit dem Aidsvirus infiziert. Erst seit kurzem gibt es ein Medikament, das dies verhindert.

Sindi, hofft auf Hilfe für Aids-Kranke “Das ist ein ernstes Problem in Südafrika. Wir hoffen, dass die Regierung das lebensrettende Medikament Nevirapine bald allen Müttern zur Verfügung stellt. Dieses Medikament verhindert, dass sich Aids bei der Geburt von der Mutter auf das Kind überträgt.“

Auch Thembinkosi hätte das Medikament retten können. Doch jetzt ist es zu spät.

Heute morgen isst er zum ersten mal seit einer Woche wieder. Doch schon nach wenigen Bissen ist der Kleine völlig erschöpft.

Bis zu 300 Menschen werden in KwaZulu Natal täglich beerdigt.

Wenn kein Wunder geschieht, wird sich diese Zahl bald verdreifachen.

Lagleder, „Engel der Todkranken“ : "Ich vergleiche die AIDS-Situation hier in Südafrika oft mit dem Schiff der Titanic. Es sind etwa 10 %, die nicht HIV-positiv sind und das wären die Leute, die in den Rettungbooten sitzen und die anderen 90 % die gehen unter. Machen kann man nichts.

Das einzige was man tun kann ist dass man das tut was von der Titanic erzählt, nämlich dass dieses Orchester noch gespielt hat, dass wir versuchen den Menschen in ihrer schlimmen Situation die Hand zu reichen, zeigen, Du bist nicht allein, Du bist geborgen, Du stirbst nicht allein."

Jeder Tag im Hospiz beginnt mit einem Gottesdienst. Die meisten Patienten nehmen daran teil.

Für den Aidsjungen Thembinkosi ist es einer der letzten Besuche. Von Tag zu Tag verliert er mehr Gewicht.

Hier auf dem nahegelegenen Friedhof soll der todkranke Thembinkosi einmal seine letzte Ruhe finden. Das hat sich seine Mutter so gewünscht.

Alle wissen: Thembinkosis Zeit ist begrenzt. Doch in dieser Zeit soll es ihm an nichts fehlen.

Sindi, pflegt Thembinkosi „Im Moment braucht er Liebe, ganz viel Liebe und Pflege. Und ich bete, dass Gott ihm hilft.“

Der kleine Junge ist eines von tausenden Kindern, die hier in Südafrika an Aids sterben. Nur drei Tage nach unserem Besuch ist Thembinkosi für immer eingeschlafen.


Am 12. Februar 2002 konnte Thembinkosi's Mutter ihn wieder in die Arme schließen - im Himmel.

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leute ihnen, laß sie ruhen in Frieden!


Diese Sendung war ein update zu einer früheren Sendung von ProSieben
AIDS-Reportage Südafrika von Philipp Hahn, ProSieben TV Germany


Hospiz in Südafrika


Diese Seite ist Teil des Rundbriefs Nr. 22 der Brotherhood of Blessed Gérard


Diese Seite wurde zuletzt am 01-04-2013 01:29:04 aktualisiert.


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