Lindani

Lindani*, ein kleines Mädchen, wurde von ihrer Mutter zu uns gebracht. Sie hatte die "üblichen" Symptome, wie Durchfall und Erbrechen. Die Kleine sieht nicht gut aus und ist ziemlich schwach.
Dazu kommt, dass ihre Haut an etlichen Stellen kaputt ist.

Das sind so die typischen Zeichen für eine Aidserkrankung. Ja, sie und auch ihre Mutter haben Aids. Da ihre Mutter noch arbeiten geht und sie niemanden hat, der sich um die Kleine kümmern kann, möchte sie, dass Lindani anschließend, wenn es ihr wieder besser geht, vorübergehend ins Kinderheim kommt. Nun, vorerst bleibt sie aber mal hier im Hospiz. Einige Monate später muss die Mutti mit der antiretroviralen (=ARV) Behandlung beginnen, da ihre Blutwerte entsprechend sind. Lindani geht es auch zunehmend besser und so holt die Mutti sie noch vor Weihnachten wieder nach Hause.

Aber sie bringt uns Lindani schon nach ein paar Tagen wieder. Mit den gleichen Symptomen wie beim ersten mal. Sie erkennt uns wieder und nach anfänglichem Weinen als die Mutti geht, lässt sie sich aber schnell beruhigen. Wir versuchen wieder ihren Hautausschlag und den Durchfall in Griff zu bekommen, was auch nach einiger Zeit gelingt. Und dann geht es ihr schon wieder so gut, dass wir laufen lernen und selber essen lernen und so haben wir beide viel Spaß miteinander. Manchmal allerdings verausgabt sie sich so, dass sie einfach einschläft, ganz egal wo sie ist und was um sie herum geschieht.

Aber auch bei ihr gibt es ein ständiges auf und ab des Zustandes. Als es ihr dann wieder schlechter ging und sie nicht mehr richtig essen und trinken wollte brachten wir sie ins Krankenhaus nach Stanger. Die Ärzte nahmen Blut ab, auch um zu sehen wie hoch der CD4-Helferzellen-Wert ist. Wenn diese unter 200/mm3 sind, muss man mit der Behandlung mit ARVs beginnen. Gottlob waren sie noch viel zu hoch, so dass Lindani noch nicht auf ARVs gesetzt werden musste. Sie sollte aber trotzdem erstmal da bleiben und wir brachten sie auf die Kinderstation. Ich zog ihr ihre Sachen aus und sie bekam ein kleines weißes Krankenhaushemd. Wie sie da so saß in ihrem Bettchen mit diesem weißen Hemdchen, sie sah aus wie ein kleiner Engel. Und es brach mir fast das Herz diesen kleinen Engel jetzt dazulassen und nicht wieder mitzunehmen.

Inzwischen ist sie gewachsen und ich sehe sie, wenn die Mutti zur regelmäßigen Untersuchung kommt, da sie Lindani dann mitbringt. Und wir beide freuen uns auch immer wenn wir uns sehen. Diese regelmäßigen Untersuchungen sind sehr wichtig für Patienten, die im ARV-Programm sind. So kann der Doktor sehen, ob die Medikamente vertragen werden oder ob es irgendwelche anderen Probleme gibt. Lindanis Blutwerte sind immer noch so hoch, dass sie noch keine ARVs braucht. Aber auch bei ihr wird regelmäßig das Blut überprüft und wenn die Werte es einmal notwendig machen, wird auch sie mit ARVs behandelt werden und eine Chance bekommen trotz Aids ein langes und relativ normales Leben zu führen.

Angelika Müller

* Lindani (Zulu für "Wartet!) ist nicht ihr wirklicher Name, aber ihre Mutter gab ausdrücklich die Erlaubnis diese ihre Geschichte zu erzählen und ihre Fotos hier zu verwenden.


Diese Seite ist Teil des Rundbriefs Nr. 27 der Brotherhood of Blessed Gérard


Diese Seite wurde zuletzt am 08-10-2009 16:53:29 aktualisiert.


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