Es ist Sonntag

Es ist Sonntag und der Gottesdienst am Festtag des Seligen Gerhard. Wir sind in der kleinen Kirche, die Teil des Pflege-, Hospiz- und Therapiezentrums  (Care Centre) ist. Ich sitze fast neben dem Allerheiligsten  und folge dem Gottesdienst möglichst  konzentriert, aber manchmal wandern meine Gedanken fort. Nicht weit hinter dem Allerheiligsten links hinter mir außerhalb der Außenmauer dieser kleinen Kirche ist das Grab von Mrs. Clare Ann Kalkwarf. Sie war eine der Mitbegründerinnen der Bruderschaft des Seligen Gerhard und das was hier heute geleistet wird hat sie maßgeblich mit aufgebaut. In einer sinnlosen Gewalttat wurde sie am 6. April 2006 in ihrem eigenen kleinen Haus ermordet und auf testamentarischen Wunsch hier auf dem Grundstück der Bruderschaft bestattet. Inzwischen wächst eine neue Generation von Helfern heran, die sie nicht mehr gekannt haben. Für uns war es eine große Ehre, sie kennengelernt zu haben. Wir werden sie nicht vergessen und eigentlich möchte ich glauben, dass sie wie ein Schutzengel für die Bruderschaft des Seligen Gerhards da ist. Wenn Clare heute sehen würde, wie das Care Centre auch räumlich gewachsen ist: sie würde sich sehr freuen. All das was wir in unserer Hilfe tun, tun wir ein bisschen auch im Gedenken an sie. Meine Blicke gehen zu den Helfern, wie sie dort in ihren weißen Diensthemden dem Gottesdienst folgen, zu den Kindern des Kinderheims, die wirklich glückliche Kinder geworden sind  und ohne diese Hilfe vielleicht schon nicht mehr am Leben wären. Ich schaue in die  Augen dieser Menschen und eigentlich möchte ich die Dankbarkeit, die mir heute als neu ernanntes Honoray Dedicated Member entgegengebracht wird, an diese Menschen weitergeben. Ihr seid es die hier tagtäglich aufopferungsvoll den Menschen auf professionell höchstem Niveau helft. Wir, die wir nicht in Mandeni täglich mithelfen können, können nur in bescheidenem Maße versuchen, Hilfe zu organisieren. Damit die Mittel zur Hilfe bereitstehen. Ich möchte nicht sagen „von außen“, denn ich empfinde mich als Bestandteil dieser Bruderschaft, als Teil des Ganzen. Nicht als jemand der von außen kommt, sondern als Mitglied dieser Gemeinschaft und das ist ein  sehr schöner Gedanke. Jeder versucht, an seinem  Platz etwas zu tun,  damit die Projekte weitergehen können und der Dampfer nicht untergeht.

Die verschiedenen Hilfsprojekte könnten von einem Musiker vielleicht als Symphonie bezeichnet werden, bei dem viele verschiedene Instrumente ineinandergreifend zusammen spielen und zum  Schluss ein Gesamtkunstwerk mit dem einen Ziel einer Symphonie ergeben. Hier sind es die verscheidenden Hilfsprojekte, die ineinandergreifend einen Teufelskreislauf aus Armut, Unterernährung und Krankheit durchbrechen können. Ich möchte dieses versuchen, an einigen der von der Bruderschaft des Seligen Gerhard entwickelten Hilfsprojekte zu erklären. Im Grunde  geht es am Ende immer um die Hilfe an dem einzelnen kranken, einsamen und armen Menschen.

In dieser sehr armen Gegend sind ungefähr zwei Drittel der Menschen HIV-positiv oder bereits an AIDS erkrankt. Diese Menschen sterben oft ohne Pflege und Zuwendung in ihren Hütten. Dadurch bleiben kleine Kinder als Waisen zurück oder es kommt es zu Missbrauch und auch Vergewaltigungen. In vielen Familien arbeiten die Männer weitentfernt in den Goldminen Johannesburgs oder im Hafen von Durban und kommen nur einmal im Jahr zu ihren Frauen nach Hause. Diese Frauen sind mit ihren Kindern allein und haben keine Möglichkeit sich ausreichend darum zu kümmern.  AIDS ist noch keine heilbare Erkrankung, aber durch eine moderne sogenannte antiretrovirale Therapie kann  der Ausbruch der Erkrankung um viele Jahre bis Jahrzehnte heraus gezögert werden. Jahre, in denen die Menschen beschwerdefrei aktiv leben können. Sie können ihre Kinder aufziehen, Arbeiten gehen und ihre Felder und Gärten bestellen. Neben dem persönlichen  Glück des Weiterlebens auch ein  für die Gesellschaft wichtiger sozioökonomischer  Aspekt.

An diesen ganz vielen Fronten setzen die verschiedenen Hilfsprojekte der Bruderschaft des Seligen Gerhard an und sind wirklich eine Hilfe. Die wirklich kranken Menschen, die einer Therapie nicht mehr zugänglich sind, müssen nicht armselig allein in Ihren Hütten sterben, sondern können ihr Leben in Menschenwürde und auch in der Nähe Gottes beenden. Menschen, die einer  AIDS-Therapie zugänglich sind, bekommen diese Therapie unentgeltlich (dafür etwas zahlen könnte kein einziger der Patienten  der Bruderschaft des Seligen Gerhard). Kinder die von Ihren Eltern ausgesetzt oder missbraucht wurden, oder deren Eltern an AIDS gestorben sind, bekommen in dem Kinderheim ein wunderbares neues zuhause und die Kinder die tatsächlich HIV- positiv sind werden in das Therapieprogramm aufgenommen. Kinder, deren Mütter alleine sind, können im Kindergarten versorgt werden. Begabte Kinder und Jugendliche, denen niemand eine Ausbildung ermöglicht kann durch die Bruderschaft des Seligen Gerhard geholfen werden. Da die staatlichen Mittel eines öffentlichen Sanitäts – und Rettungswesens nicht ausreichen, steht die Bruderschaft des Seligen Gerhard auch hier bereit: um  zum Beispiel großen kirchlichen Veranstaltungen einen Sanitäts- und Erste-Hilfedienst zu stellen oder im Rahmen von Malteser International  auch bei größeren Katastrophen helfen zu können, so z.B. im Jahre 2000  in  Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen bei einer Flutkatastrophe  im benachbarten Mozambique, bei der die internationale Hilfe nur von südafrikanischem Boden aus organisiert werden konnte.

Die Bruderschaft des Seligen Gerhard steht nicht nur in Worten, sondern im allerbesten wirklichen Sinne in der Tradition des Malteserordens. So hat es vor 900 Jahren angefangen. Der Selige Gerhard hat in Jerusalem die Not der Menschen gesehen und ein Hospital und Hospiz gegründet. An allen Orten an denen der Malteserorden ansässig war und wo Hilfe notwendig war, wurde armen Menschen geholfen und dadurch die durch den Herrn uns nahe gelegte Nächstenliebe in die Tat umgesetzt.

Und auch mit der in Mandeni sehr beeindruckenden  Professionalität (gut ausgebildete Helfer und Organisatoren, qualifizierte  Krankenschwestern, Ärzte, Sozialarbeiter und Seelsorger) steht die Bruderschaft des Seligen Gerhard in allerbester jahrhundertealter Tradition. Im 16. Jahrhundert war das in Europa anerkannt modernste Krankenhaus  in der Stadt Valletta auf Malta, gegründet und betrieben durch den Malteserorden.

Und in Südafrika ist die Hilfe weiterhin dringend notwendig und kann nur durch unserer aller Hilfe und Spenden bezahlt werden. Deshalb ist es so wichtig, alles dafür zu tun, damit die Arbeit in  Mandeni weitergehen kann.

Dr.med. Andreas Heinze


Diese Seite ist Teil des Rundbriefs Nr. 30 der Brotherhood of Blessed Gérard


Diese Seite wurde zuletzt am 17-04-2013 22:32:15 aktualisiert.


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