ZU GAST - Der Missionsbenediktiner Gerhard Lagleder leitet in Südafrika ein Hospiz für Aidskranke.
Seit Jahren arbeiten er und seine Mitbrüder gegen die Seuche Aids.
Häufig recht unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in Mitteleuropa.
Welch bedrohliche Auswirkungen die Immunschwächekrankheit hat, das wird zum Weltaidstag am 1. Dezember deutlich.
Ob es für Afrika Chancen gibt im Kampfs gegen Aids, darüber sprach Andrea Haagn mit Pater Gerhard in Würzburg.
Falls Sie den nachstehenden Bericht über die Brotherhood of Blessed Gérard als Videodatei herunterladen möchten, klicken Sie auf die Verknüpfung:
Brotherhood of Blessed Gerard, Südafrika Brotherhood of Blessed Gérard, Südafrika (26MB)
Wir bedanken uns bei Gerhard Petter und der Malteser Jugend Würzburg für diesen freundlichen Service!

 

Andrea Haagn stellt den bayerischen Benediktinerpater Gerhard Lagleder vor, der schon seit 18 Jahren Hilfsprojekte in Südafrika betreut.

88 Prozent beträgt die AIDS-Rate in manchen Gebieten im Zululand in Südafrika. 4.000 Menschen infizieren sich pro Tag auf dem schwarzen Kontinent mit dem Virus. In der Provinz kwaZulu/Natal, dort wo Pater Gerhard Lagleder arbeitet, sterben bis zu sechs Babies jeden Tag an AIDS. Seit 1996 gibt es deshalb das Hospiz des Seligen Gerhard. Aus einer Malteserleidenschaft heraus hat es der Benediktinerpater gegründet, denn für eine Gesamtbevölkerung von rund 100.000 Menschen im Gebiet von Mandeni gibt es weder Krankenhaus noch Altenheim, nur eine Hand voll Ärzte. Viele Familien sind nicht in der Lage, sich um ihren kranken Angehörigen zu kümmern. Auch viele Babies und Kleinkinder werden im Hospiz und im Gesundheitscentre des bayerischen Benediktinerpaters betreut. Für sie gibt es medizinische Hilfe, ausgewogene Ernährung und menschlichen Beistand. Regelmäßig ist Pater Gerhard auch unterwegs, hunderte von Kilometern zu den Kranken in den Hütten. Medizinische Betreuung, aber vor allem Aufklärungsarbeit über HIV und AIDS sind die Hauptaufgaben von Pater Gerhard und seinen Mitarbeitern. Viel Arbeit, die noch vor ihm liegt und viele Menschen, die auf seine Hilfe hoffen.

(Andrea Haagn):
Pater Gerhard, Sie leben in Südafrika im Zululand, in dem es mit über 70 Prozent HIV positiv Kranker eine der weltweit höchsten AIDS-Raten gibt. Welche Folgen hat das für die Region?

(Gerhard Lagleder · Benediktinerpater in Südafrika):
Es hat katastrophale Folgen weil einfach eine unendlich große Zahl von Menschen an AIDS leidet und jeder weiß, dass AIDS eine unheilbare Krankheit ist, das heißt, dass ein Großteil der Bevölkerung sterben wird und das hat natürlich nicht nur menschliche Folgen, sondern auch volkswirtschaftliche Folgen, dass Fabriken zum Beispiel laufend neue Arbeiter schulen müssen, um in die Fußstapfen der anderen zu treten, die wie die Fliegen am laufenden Band wegsterben.

Was sind denn die Gründe für diese immens hohen Zahlen an AIDS-Kranken?

Einer der Gründe ist ganz sicher die Armut der Menschen. Bei uns gibt's ein ganz großes Problem der gender inequality, das heißt der Ungleichheit der Geschlechter, dass Frauen oft für dieselbe Arbeit wesentlich weniger verdienen oder überhaupt keinen Beruf haben und die müssen eben dann dazuverdienen und das tun sie im horizontalen Gewerbe und damit ist natürlich die Ansteckungsrate extrem hoch. Viele müssen dann, um zu überleben, mit mehreren Männern gleichzeitig Verhältnisse unterhalten, die ihnen dann das Geld geben, dass sie ihre Kinder ernähren können, dass sie die Miete bezahlen können, etwas zum Essen kaufen können und die sind ja dann auch wieder nicht treu. Also es gibt schon eine unheimlich große Promiskuität und das ist ganz sicher der Faktor, der Hauptfaktor, warum die AIDS-Rate bei uns extrem hoch ist.

Sie versuchen seit siebzehn Jahren diese immensen sozialen und menschlichen Probleme zu lösen. Wie helfen Sie?

(Gerhard Lagleder leitet ein Hospiz für Aidskranke):
Wir haben inzwischen in diesen zwölf Jahren seit ich eine Hilfsorganisation dort gegründet habe, die südafrikanischen Malteser, die wir nach dem Gründer des Malteserordens die Brotherhood of Blessed Gérard nennen ... Wir haben in diesen zwölf Jahren zwölf Projekte aufgebaut. Wir haben ein großes Hospiz, das größte Südafrikas. Wir haben 40 Betten und im angeschlossenen Kinderheim nochmal 40 Betten also ein 80-Betten-Haus. Wir betreiben eine Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Wir haben ein Entwicklungshilfezentrum, in dem wir arbeitslose Frauen und auch Männer zu Schneidern und Schneiderinnen ausbilden, damit sie eben nicht sich durch Prostitution das Geld verdienen müssen. Wir haben einen Erste Hilfe- und Notdienst eingerichtet. Wir betreiben Nothilfe, wenn Leute in große Not geraten sind. Wir haben ein großes AIDS-Aufklärungsprogramm, weil dies ein ganz wesentlicher Faktor ist, die Leute zu warnen, dass sie sich eben nicht anstecken, bzw. wenn sie angesteckt sind, wie sie positiv mit AIDS leben können. Wir haben einen Kindergarten, der überfüllt ist, und viele andere Projekte, mit denen wir einfach versuchen die Not der Menschen dort zu lindern.

Sie kümmern sich als katholischer Ordenspriester auch um AIDS-Prävention, wie sie vorher gesagt haben, das heißt konkret Kondome als eine Schutzmöglichkeit gegen die Immunschwächekrankheit. muss da Ihrer Meinung und Erfahrung nach die Kirche noch viel viel offensiver werden?

(Gerhard Lagleder · Benediktinerpater in Südafrika):
Man kann in der AIDS-Vorbeugung gar nicht offensiv genug sein. Allerdings ist es ein Ammenmärchen zu meinen, dass Kondome der einzige Schutz seien. Im Gegenteil: Wir sagen im Einklang jetzt sogar mit der Regierung in Südafrika, dass die Leute in erster Linie abstinent leben sollen. Dort, wo dies nicht möglich ist, dass sie ihrem Partner treu sein sollen und wo auch das nicht möglich ist, dass sie dann wenigstens ein Kondom verwenden. Und ich sage den Leuten immer: "Wenn ihr Ehebruch begeht ist es eine Sünde und das ist nicht richtig, aber wenn ihr Ehebruch ohne Kondom begeht ist die Sünde noch viel schlimmer!"

In Bayern könnten sie ein relativ beschauliches Leben als Ordenspriester führen. Was treibt sie nach Südafrika und was treibt Sie dort an?

Ich denke ich muss mit dem Heiligen Paulus sprechen, der sagt: Die Liebe Christi drängt uns. Und ich kann einfach als Pfarrer nicht mich vor eine Gemeinde hinstellen und denen vom lieben Gott predigen, wenn mir die Leute zur selben Zeit verhungern. Und von daher muss ich eben die Liebe Gottes den Menschen einfach zeigen, nicht nur im Wort predigen, sondern in der Tat verkünden. Und ich denke, dass das das Wichtige ist. Und was mich wirklich treibt ist einfach die Not der Menschen, auf die ich antworten muss. Ich könnte nicht ruhig leben, wenn ich da zuschauen würde, sondern ich muss was tun. Gott hat mir Talente gegeben. Gott hat mir zwei Hände und einen gesunden Kopf gegeben und die muss ich alle einsetzen, um damit den Menschen zu helfen.

Vielen Dank, Pater Gerhard Lagleder, für dieses Gespräch und alles alles Gute für Ihre Arbeit wünschen wir Ihnen. Dankeschön!


Wenn Sie Pater Gerhard helfen wollen:
Bruderschaft des Seligen Gerhard e.V.
Sparkasse Neuburg-Rain
Kontonummer 12021
Bankleitzahl 721 520 70

Ein Hauch von Hollywood

Dreharbeiten in der Würzburger Malteser-Geschäftsstelle

Würzburg, 07.10.2004 [GePe]

Pater Gerhard Lagleder (OSB), Präsident der südafrikanischen Malteser und "Urgestein" der bayerischen Malteser Jugend wurde im Rahmen seines Heimaturlaubs für einen Fernsehbericht über sein Aids-Hilfe-Projekt in Südafrika interviewt. Andrea Haagn vom Sankt Michaelsbund führte das Interview - natürlich bei den Maltesern. Gesendet wird der Beitrag am Sonntag, 28.11.2004 in der Reihe Immer wieder Sonntags, Sendezeiten und Kanäle siehe Link.



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Letzte Aktualisierung dieser Seite am 01-04-2013 22:38:04