Ein Stück Südafrika - wie kein Tourist es kennt


Ein Film über die Hilfsorganisation des Malteser-Ritterordens in Südafrika.

Ihre Entstehung, ihr Wirken und ihre Pläne

 


Der Selige Gerhard lebte um die Wende des 12.Jahrhunderts. Er war ein französischer Benediktinermönch und der Gastpater des Klosters St. Maria Latina in Jerusalem. Dort fanden viele Pilger Unterkunft, die gekommen waren, um die Orte zu sehen, wo Jesus gelebt hat, gestorben und auferstanden ist. Die meisten von ihnen erreichten Jerusalem erschöpft und krank, weil die langen Reisen in jenen Zeiten eine große Anstrengung bedeuteten.

So verwandelte sich das Gästehaus zusehends in ein Hospital und wurde als das Hospital zu Jerusalem weithin bekannt. Dort wurden nicht nur Kranke gepflegt, sondern auch Findelkinder aufgenommen, Hungernde gespeist, Arme bekleidet und Strafentlassene betreut. Der Selige Gerhard gründete die Bruderschaft des Hl. Johannes von Jerusalem als caritative Organisation zum Unterhalt des Hospitals.

Diese Gemeinschaft entwickelte sich zum ältesten Hospitalorden der Kirche, der heute unter der Bezeichnung Souveräner Malteser-Ritterorden allgemein bekannt ist.

Der Geist und die Regel der Bruderschaft des Heiligen Johannes und des Malteserordens führen auf das Benediktinische Prinzip der Gastfreundschaft zurück, das im Kapitel 53 der Regel des heiligen Benedikt Ausdruck findet: "Alle Gäste, die zum Kloster kommen, sollen wie Christus aufgenommen werden; denn er wird einmal sagen: Ich war Gast, und ihr habt mich aufgenommen. Allen soll man Ehre erweisen, die ihnen zukommt, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern."

Der Selige Gerhard und seine Nachfolger betrachteten es als Ehre, den Bedürftigen dienen zu können und dadurch die Gnade zu erhalten, Christus nahe zu sein, der durch die Armen vergegenwärtigt wird. Die Mitglieder des Hospitalordens legten das Gelübde ab, "Diener für unsere Herren, die Kranken zu sein".

Das Hospital verstand sich als geistliche Gemeinschaft. So wurde den Kranken nicht nur medizinisch sondern auch seelsorgerisch betreut.

Das Leben in der Hospitalgemeinschaft wurde als Heilsereignis verstanden, weil die Kranken auf der einen, aber auch die Brüder durch ihre liebende Sorge auf der anderen Seite jeweils Christus vergegenwärtigen.

Diesen Geist der Bruderschaft des Heiligen Johannes will nun die Brotherhood of Blessed Gérard wiederaufleben lassen. Sie will das Charisma dieser Ursprünge mit neuem Leben erfüllen und in unsere gegenwärtige Zeit und Lebenssituation übertragen.

Am 28. Oktober 1992 gründeten der deutsche Missionar und altgediente Malteser Pater Gerhard zusammen mit den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden aus Mandeni und Sundumbili sowie deren Frauen die Brotherhood of Blessed Gérard als Verein von Gläubigen. Am 5.November 1992 signalisierte der Bischof von Eshowe grünes Licht und bestätigte die Gründung am 20. April 1993 offiziell als einen kirchlichen Verein. Am selben Tag erkannte der Souveräne Rat des Malteser-Ritter-Ordens in Rom die Bruderschaft als Hilfsorganisation der Malteser an.

Das Motto der Brotherhood of Blessed Gérard ist das der Malteser-Ritter: "tuitio fidei et obsequium pauperum" - "Verteidigung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen."

Die Brotherhood of Blessed Gérard lebt dieses Motto durch freiwilligen Dienst an den Armen, durch wohltätige Projekte, ohne Rücksicht darauf, welchem Glauben, welcher Hautfarbe oder politischen Richtung die Bedürftigen angehören.

Die Bruderschaft wirkt im Großraum Mandeni, ca. 100 Kilometer nördlich von Durban. Wie überall in Südafrika ist die Bevölkerung dort bunt durcheinander gewürfelt. Die etwa 100.000 Einwohner des Gebietes sind zu 90% Zulu, zu 6% Mischlinge und zu 4% weiße Südafrikaner.

Als Siedlung für schwarze Arbeiter einer großen Papierfabrik entstand die Township Sundumbili. Deren Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren durch die Entwicklung eines riesigen Industriegebietes in iSithebe stark vermehrt, welches ca. 23.000 Arbeitsplätze bietet. Der Reiz, mit Geld für Arbeit entlohnt zu werden, lockte viele aus dem intakten Sozialgefüge ihrer heimatlichen Kraale heraus, da sie aufgrund der weiten Entfernungen nur noch selten nach Hause kommen können. Dies hat sich aber nur für die wenigsten bezahlt gemacht, denn die Löhne sind doch so gering, dass sie nicht einmal zum Bau einfacher Häuser ausreichen. So sind um ISithebe und Sundumbili ausgedehnte Elendsviertel entstanden, in denen Menschen teilweise in sehr kleinen und primitiven Hütten leben müssen, die sie sich aus Wellblech, Brettern, alten Säcken, Autowrackteilen und Verpackungskartons zusammengestückelt haben. Es gibt weder fließendes Wasser noch Brunnen, Elektrizität ist für viele noch ein Fremdwort und Schulpflicht gibt es für schwarze Kinder hierzulande auch heute noch nicht.

Ohne Hilfe von außen gelingt es daher nur ganz wenigen, dem Teufelskreis der Armut zu entrinnen: Bildungsnotstand führt zu Überbevölkerung, Überbevölkerung verursacht Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkeit bedingt Hunger, Hunger macht krank, Krankheit schafft Armut und wer arm ist kann sich keine Bildung leisten.

Die Brotherhood of Blessed Gérard hat sich zur Aufgabe gemacht, die Fesseln dieses Teufelskreises zu zerbrechen und ein Leben in Menschenwürde zu ermöglichen.

HUNGERHILFE

"Es gibt in unserer Gegend noch viele Menschen, die wirklich Hunger leiden, kleine Kinder die Gehirnschäden davontragen, weil sie unterernährt sind. Deswegen sagten wir uns, dass wir etwas für sie tun müssen und starteten ein Hungerhilfeprojekt für unterernährte Kinder in Sundumbili."

Unterernährung in früher Kindheit führt unweigerlich zu dauerhaften Gehirnschäden. Unser Gründungsmitglied, der praktische Arzt Dr. Thabethe aus der Township Sundumbili und seine Frau Nokuthula, eine qualifizierte Krankenschwester, haben ein Programm initiiert, in dem wir uns mangelernährter Kinder annehmen. In unserem Hungerhilfeprojekt werden die Mütter beraten und es wird ihnen beigebracht, wie sie richtig für ihre Kinder sorgen sollten. Die Kleinen werden untersucht, gewogen und ihre gesundheitlichen Fortschritte genau registriert.

In Fällen, in denen Armut der Grund für die Unterernährung ist und Stillen nicht ausreicht oder unmöglich ist, versorgt die Brotherhood of Blessed Gérard die Familien kostenlos mit der benötigten Milch, Babynahrung und Eiweißaufbaukost.

ALTENCLUBS

"Wir müssen auch etwas für die älteren Menschen tun, die einsam zu Hause sind, weil ihre Kinder arbeiten. Denn oft wissen sie nichts mit sich anzufangen und sitzen nur stundenlang vor dem Fernseher und warten darauf, dass der Tag vorübergeht.

Deshalb organisieren wir Treffen, wo sie sich miteinander austauschen können, gemütlich beisammensitzen und hilfreiche Informationen durch Vorträge bekommen.

Wir nennen diese Treffen Twilight-Club. Dort können die älteren Leute aus ihrer Isolation entfliehen. Was ich besonders an diesen Clubs schätze, ist, dass unsere Alten inzwischen sagen: 'Uns soll nicht nur geholfen werden, sondern wir selbst wollen helfen.' Ich finde das eine wunderschöne Idee."

Eine Gruppe unserer aktiven Mitglieder laden alle interessierten Bürger im Senioren-Alter zum Twilight-Club ein, um bei einer Tasse Tee gemütlich beisammen zu sein und sich zu unterhalten. Die Treffen werden jeden Monat anders gestaltet, so kam z.B. einmal ein Arzt und referierte über Altersbeschwerden, ein anderes Mal wurde Altengymnastik und Sitz-Tanz geübt, wieder ein anderes Mal wurde gebastelt und gespielt.

So erreichen wir, dass viele ältere Menschen aus ihrer Einsamkeit befreit werden und neue Bekanntschaften schließen können.

HILFE FÜR MITTELLOSE KRANKE

Frau Marjorie Clark musste sich dringend einer Herzoperation unterziehen. Die Krankenversicherung deckte allerdings bei weitem nicht die Kosten. Die Brotherhood of Blessed Gérard brachte durch Spendenaufrufe die Mittel auf, um die Differenz zu bezahlen.

Jetzt hat sich Frau Clark wieder völlig erholt und wurde selbst ein aktives Mitglied der Bruderschaft und leitet einen eigenen Twilight-Club in Mangete, einem Farmgebiet außerhalb von Mandeni.

ENTWICKLUNGSHILFEZENTRUM - NÄHSCHULE

"Es gibt so viele Menschen, die zu Hause sitzen und nichts zu tun haben. Wir aber denken, dass wir diesen Menschen helfen müssen, dass sie fähig werden, sich selbst zu beschäftigen und zu arbeiten, um damit auch Geld zu verdienen. Deshalb richteten wir in Sundumbili ein Selbsthilfezentrum ein.

Wir begannen dieses Entwicklungshilfezentrum mit Nähkursen, in denen wir die Interessenten darin unterrichten, Kleidungsstücke anzufertigen, so dass sie dann ihre Produkte verkaufen können, um den Lebensunterhalt für sich und ihre oft großen Familien zu verdienen. Denn manchmal muss eine einzige Person eine riesige Familie allein versorgen."

'Gib einem armen Mann einen Fisch, dann hat er genug für einen Tag - lehre ihn das Fischen, dann wird er immer genug haben.' Diese alte Weisheit bewahrheitet sich auch heute und beschreibt am besten, was wir mit unserem Entwicklungshilfezentrum in Sundumbili erreichen wollen. Denn hier sollen Fertigkeiten erlernt werden, die zu selbständiger Beschäftigung ermuntern und dadurch arme Menschen von der Wohltätigkeit anderer unabhängig machen. Unser erster Schritt dazu sind Nähkurse. Sie werden von einer qualifizierten Nählehrerin geleitet, die wir hauptamtlich beschäftigen.

Obwohl sie als im Nähen unerfahrene Anfänger beginnen, lernen die Teilnehmerinnen nach wenigen Wochen, schöne Kleidungsstücke von erstaunlich guter Qualität herzustellen.

AIDS - VORBEUGUNG

"Es ist nicht genug, dass wir den Leuten das Nähen beibringen, sondern sie müssen auch lernen, auf ihre Gesundheit zu achten, denn wenn sie krank sind und aus diesem Grunde nicht arbeiten können, bringt das alles nichts. Deshalb beschlossen wir, etwas in dieser Richtung zu unternehmen. Was wir planen sind grundlegende Kurse in Hygiene und Krankheitsvorbeugung. Am dringendsten scheint es uns zu sein, dass wir die AIDS-Problematik ansprechen, denn diese Krankheit greift in unserer Gegend in erschreckendem Maße um sich. Ein Arzt vom Krankenhaus in Ngwelezane berichtete, dass etwa 10% der hiesigen Bevölkerung mit dem HIV-Virus infiziert seien. Es dauert zwar einige Jahre, bis sich die Krankheit voll entwickelt hat, doch sie ist auf jeden Fall tödlich. Was wir also auch im Entwicklungshilfezentrum tun werden, ist, die Leute darüber aufzuklären, wie diese schreckliche Krankheit zu vermeiden ist, an der so viele Menschen sterben."

Unser Entwicklungshilfezentrum wird bald verstärkt im Bereich der AIDS-Aufklärung tätig sein. Dr Thabethe hat bereits in der Gegend den Anstoß dazu gegeben, indem er Vorträge und Kurse hält und die Arbeit der öffentlichen, kirchlichen und privaten Organisationen in diesem Bereich koordiniert, um die weitere Ausbreitung dieser tödlichen Infektionskrankheit zu verringern.

HAUSWIRTSCHAFTSSCHULE

"Es gibt eine weitere Not in unserer Gegend: Viele Menschen finden keine Arbeit, weil sie keinerlei Ausbildung haben. Wir kennen viele Frauen, die vergeblich nach Arbeit in einem Haushalt suchen, weil sie nicht mit modernen Haushaltsgeräten umgehen können. Deshalb helfen wir auch da, damit diese Menschen eine Anstellung finden können, bzw. damit die, die bereits Arbeit haben, deren Anforderungen besser gerecht werden und so ihren Lebensstandard verbessern können."

Viele der Menschen, die im Busch leben, kennen sich mit modernen Haushaltsgeräten und Verfahrensweisen nicht aus. Für sie ist es besonders schwierig, Arbeit zu finden.

Die theoretischen und praktischen Einführungen und Schulungen in Konversationsenglisch, im sicheren Gebrauch von Elektrizität und den entsprechenden Geräten, im Kochen, Bügeln, Flicken und in persönlicher Hygiene werden von einer Gruppe Ehrenamtlicher in unserer Haushaltsschule durchgeführt.

Alles, was die Frauen gelernt haben, müssen sie in einem Test am Ende unter Beweis stellen, bevor sie ihre Teilnahmebescheinigung erhalten.

Eine der Zulu, die am ersten Kurs teilgenommen hatte, sagte: 'Ich möchte einige Worte im Namen der Teilnehmer sprechen. Ich danke allen für das, was sie in diesem Kurs geleistet haben. Als ich am ersten Tag hierherkam, war ich sehr unsicher, was mich denn eigentlich erwartete und ob es der Mühe wert sei, soviel Zeit für den Kurs zu investieren.

Jetzt aber sehe ich, wie viel ich gelernt habe und bereue nicht, dass ich teilgenommen habe. Ich bin froh, dass Ihr uns all das beigebracht habt. So wünsche ich Euch weiterhin Gottes Segen.'

Pflege- und Sozialzentrum und Hospiz

"Eine weitere große Not besteht im Krankenpflegebereich: Wir haben so wenige Hospitäler mit so wenigen Betten, dass viele Kranke oft schon nach kurzer Zeit entlassen werden müssen, bevor sie tatsächlich gesund sind. Deshalb wollen wir etwas für die tun, die vom Krankenhaus nach Hause geschickt werden, aber von ihren Verwandten nicht gepflegt werden können, denn manche haben nicht die nötigen Kenntnisse in Krankenpflege. Außerdem kommt es oft genug vor, dass Kranke einfach aufgegeben werden und nach Hause müssen, weil sie ohnehin sterben würden. Oft können die Familien nicht ausreichend für sie sorgen. So beschlossen wir als ein weiteres Projekt, eine Art Hospiz zu bauen, in dem wir uns um diejenigen kümmern, die weder zu Hause noch im Krankenhaus die richtige Pflege erhalten, weil sie fürs Hospital nicht krank genug, für die Familien aber zu krank sind."

Maria aus der Township Sundumbili starb im Sommer 1992 schlicht auf Grund von Vernachlässigung. Sie war nicht akut krank, deshalb gab es für sie kein Bett im Krankenhaus, aber ihre Verwandten, zwei gebrechliche alte Frauen, konnten die Pflege, die sie nötig hatte, nicht leisten. Sie starb an Unterernährung und einer schlimmen Wundinfektion, weil sie sich stark aufgelegen hatte. Fälle wie der Marias sind leider keine Ausnahme. Die Bruderschaft plant deshalb, ein Pflegezentrum für bedürftige Kranke zu errichten, die im Hospital ebenso wenig wie zu Hause gepflegt werden können.

Das Pflegezentrum soll eine zweifache Aufgabe erfüllen, zum einen, die Angehörigen durch Gesundheits- und Krankenpflegekurse zu befähigen, sich um die Kranken und Gebrechlichen selbst zu kümmern, zum anderen, ein erweitertes Zuhause für diejenigen darzustellen, die andernfalls vernachlässigt würden.

STIPENDIEN - FONDS

"Es gibt noch viele andere Probleme in unserer Gegend. Beispielsweise gibt es Familien, die so arm sind, dass sie die Mittel für die Ausbildung ihrer Kinder nicht aufbringen können. Deshalb beschloss die Bruderschaft, Spenden für die zu sammeln, die sich die Ausbildungskosten ihrer Kinder nicht leisten können.

Ich denke, dass dies eine wesentliche Voraussetzung für eine hoffnungsvolle Zukunft Südafrikas ist, wenn Menschen geholfen wird, eine möglichst gute Ausbildung zu bekommen."

Bildung ist der Schlüssel für eine hoffnungsvolle Zukunft einer jeden Gesellschaft. Doch viele können die Kosten dafür nicht tragen. Deshalb richteten wir einen Stipendien-Fonds ein, um auch ärmeren Menschen Bildungschancen zu eröffnen.

WEITERE HILFEN

Auch in vielen anderen Fällen, in denen Menschen unerwartet Hilfe benötigen, helfen wir:

wir geben z.B.

Immer wieder treten Hilfesuchende an uns heran, die für die Probleme ihres Lebens selber keine Lösungen finden. Ihnen stehen wir so gut wir können mit Rat und Tat zur Seite.

Die Brotherhood of Blessed Gérard hilft und möchte auch in Zukunft helfen. Jede Organisation kann aber ihr Ziel nur dann verwirklichen, wenn sie Mitglieder hat, die durch persönlichen Einsatz Hilfe leisten, und wenn diese Hilfe auch durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziell getragen wird.

Deshalb appellieren wir an Sie alle:

Wir helfen, wo wir können. Machen Sie mit!



Neuer Videofilm von 2002



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