6. Szene: Die Gründung der Bruderschaft


 


„Ich kam 1990 als Pfarrer in dieses Gebiet und als Missionar ist man natürlich für alles zuständig, speziell dann wenn die Menschen in großer Not sind.

Einmal wurde ich gerufen zu einer Patientin um ihr die Krankenkommunion zu bringen weil sie im Sterben lag. Als ich zu ihr kam, sah ich, dass sie sehr schlecht beisammen ist, dass sie ganz schlimme Bettgeschwüre hatte, und dass sie völlig ausgezehrt und völlig ausgemergelt war. Ich habe ihr natürlich die Krankenkommunion gespendet und die Krankensalbung. Habe aber dann nachher zu ihr gesagt: „Würden sie mir doch bitte erlauben, dass ich Sie zu einem guten Arzt bringe, denn ich denke, den brauchen sie wirklich.“ Und dann sagte sie: „Ja, ich habe doch überhaupt kein Geld, ich kann mir das gar nicht leisten.“ Sagte ich: „Nein, lassen Sie das ruhig mal meine Sorge sein" und dann hat sie zugestimmt.

 Ich habe sie hinten auf meinen Pick-up gelegt auf eine Matratze und dann zum Arzt gebracht. Der Arzt war der Dr. Thabethe, der in der Township Sundumbili eine Arztpraxis unterhält, und als ich dorthin kam, sagte er: „Um Gottes Willen, die ist ja so schlimm beisammen, die muss unbedingt sofort ins Krankenhaus. Sie wurde dann ins Krankenhaus verlegt und starb in derselben Nacht in diesem Krankenhaus.

Als ich den Dr. Thabethe dann wieder getroffen habe, sagte er zu mir:

„Mensch, Pater, könnten wir denn gar nichts unternehmen? Es gibt hier so viele Menschen hier, die einfach an Unterernährung, die daran sterben, dass sie vernachlässigt sind und daran sollte man nicht sterben müssen.

Und dabei hat er natürlich offene Türen bei mir eingerannt.

Das zweite Erlebnis, das für mich sehr prägend war, war ein ganz anderes: Es gab zwei Familien hier in Mandini, die sich ein Haus geteilt haben. Die Väter hatten die Arbeit verloren und wußten jetzt nicht mehr, wie sie ihre Familien ernähren sollten. Der Vermieter hatte den Familien gedroht, dass er sie aus dem Haus rauswirft und sie hatten nichts zu essen, sie hatten keine Kleidung, sie wußten überhaupt nicht merhr, was sie tun sollen und waren völlig verzweifelt. Und wie es nun mal so passiert, wenn die Leute verzweifelt sind, auch wenn sie nicht katholisch sind, kommen sie zur katholischen Kirche, und so hat man sich an uns gewandt und uns gebeten: "Könnt ihr nicht helfen?"

Ich habe dann in der Kirche eine Verkündigung gemacht und nach der Messe kam die Frau Kalkwarf, ein Mitglied unseres Pfarrgemeinderates, zu mir und sagte: „Ach, kein Problem, das kriegen wir schon organisiert. Machen sie sich keine Sorgen.“ Einen Tag später war bereits die ganze Stadt und die Pfarrei organisiert, die eine Familie brachte zu Essen, die andern Leute brachten Kleidung, die dritten brachten die Kinder zur Schule und die vierten haben dann sogar noch für beide Väter eine neue Arbeit besorgt, und so sind binne kürzester Zeit die Nöte dieser Familie gelindert worden.

Für mich war das so ein "Aha-Erlebnis": „Mensch, da sind Leute hier in Südafrika, hier in Mandini, die wissen wie man Hilfe organisiert.“

Und dann hat’s in mir so richtig gezündet. Ich war über 30 Jahre vorher in Deutschland bei den Maltesern tätig und von daher war es mir selbstverständlich Hilfe zu organisieren und so hat es eben in mir gefunkt und ich habe mir gesagt: „Mensch, schauen wir doch, wie wir den Menschen hier im Zululand langfristig helfen können.


Gründung der Bruderschaft am 28. Oktober 1992
„Es wäre gut, wenn wir eine Organisation von Südafrikanern hier in Südafrika hätten, die sich den Kopf darüber zerbricht, wie man den Leuten in Südafrika am besten helfen kann.

Und so habe ich dann eben eine Organisation gegründet von Südafrikanern, die hier besteht, die hier in Südafrika basiert und mit örtlichen Leuten arbeitet.“


Clare Kalkwarf, Vizepräsidentin
Meine persönliche Motivation zur Gründung der Bruderschaft war, der Gemeinde in ihrem Umkreis zu helfen.

Ich hatte die große Armut und die vielen sozialen Probleme, speziell familiäre Probleme, vor Augen. So war die eine Möglichkeit für mich, mich einzusetzen und auf eine Weise zu helfen, die für die Gemeinde eine große Wirkung haben würde.


Dr. Thabethe, Arzt
Gut, wenn man betrachtet, was die Brotherhood of Blessed Gérard hier vor Ort tut, wird es klar, dass es Leute sind, die sich um andere annehmen, sich wirklich um sie kümmern.

 Es ist auch eine Herausforderung an unsere Pfarrgemeinde sich in der Bruderschaft zu engagieren und auch ihren Beitrag dadurch zu leisten, sich um andere Menschen zu kümmern, die ihre liebende Sorge brauchen, nicht nur durch Geldspenden,

 sondern durch freiwilligen Dienst im Pflege-, Sozial- und Hospiz-Zentrum als aktive Mitglieder.



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Diese Seite wurde zuletzt am 01 April 2013 22:47:52 aktualisiert.

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