Interview von Pater Martin Trieb OSB mit Pater Gerhard T. Lagleder OSB

Welche Schlüsselerlebnisse führten zur Gründung der Brotherhood of Blessed Gérard?

Ich kam als Pfarrer vor 11 Jahren in dieses Gebiet und als Pfarrer ist man natürlich für alles zuständig, speziell in der Mission, auch – und besonders dann - wenn die Menschen in ganz besonderer Not sind.

Einmal wurde ich gerufen zur Krankenkommunion zu einer Sterbenden. Ich ging zu ihr, ich hatte Ihr ja die Monate vorher auch schon jeden Monat die Krankenkommunion gebracht, und als ich zu ihr kam, habe ich gesehen, dass sie sehr schlecht beisammen ist, dass sie ganz fürchterliche Bettgeschwüre (Dekubitus) hat, und dass sie völlig ausgezehrt/ausgemergelt war. Ich habe ihr dann die Krankenkommunion gespendet und die Krankensalbung. Dann habe ich zu ihr gesagt: „Ich würde mich freuen, wenn sie zustimmen, dass ich Sie zu einem guten Arzt bringe.“ „Ja, ich habe doch kein Geld“, sagte sie. Und ich sagte: „Lassen Sie das mal meine Sorge sein, weil ich denke, Sie brauchen wirklich einen guten Arzt. Dann hat sie zugestimmt und ich habe sie dann auf meinen Pick-up hinten draufgelegt mit einer Matratze und zum Arzt gebracht. Der Arzt ist der Dr. Thabethe, der in der Township Sundumbili eine Arztpraxis hat, und als ich sie dorthin brachte, sagte er: „Um Gottes Willen, die ist ja so schlecht beieinander, die muss unbedingt ins Krankenhaus und sie wurde dann ins Krankenhaus weiter verlegt und dort starb sie in derselben Nacht. Als ich den Dr. Thabethe dann wieder getroffen habe, sagte er zu mir: „Mensch, Pater, könnten wir nicht was machen? Es gibt hier so viele Menschen, die einfach an Unterernährung, die einfach dadurch sterben, dass sie völlig vernachlässigt werden zu Hause und das braucht’s ja nicht. Daran sollte eigentlich keiner sterben müssen. Und da hat er natürlich offene Türen eingerannt bei mir.

Das zweite Erlebnis, das sehr prägend war, war ein anderes: Eine sehr arme Familie hier in Mandini. Der Vater hatte die Arbeit verloren. Sie konnten weder ihren Kindern zu Essen geben. Die Leute, wo sie in Miete wohnten, hatten gedroht, dass sie rausgeworfen werden. Sie hatten nichts zu essen, nichts anzuziehen: Eine völlig verzweifelte Situation. Und wie es nun mal so ist, wenn die Leute verzweifelt sind, kommen sie immer zur katholischen Kirche, auch wenn sie nicht katholisch sind, und ich habe dann am Sonntag nach dem Gottesdienst eine Verkündigung gemacht und gesagt: „Ist keiner da, der helfen könnte, diese völlig verzweifelte Familie wieder auf die Beine zu stellen? Und da hat sich dann ein Mitglied des Pfarrgemeinderates, die Frau Kalkwarf, gemeldet und gesagt: „Ach ja, da können wir schon was machen, das kriegen wir schon in Griff“ und ging dann und einige Zeit, das heißt wenige Tage später, hatte sie die ganze Pfarrei organisiert, nicht nur die Pfarrei, sondern auch andere Leute organisiert und die einen haben Essen gebracht, die andern haben Kleidung gebracht, die dritten haben die Kinder zur Schule gebracht und die vierten haben sogar noch eine Arbeit für den Mann gefunden, so dass im Endeffekt dann innerhalb von kurzer Zeit die Not dieser Familie gelindert war und für mich war das so ein "Aha-Erlebnis": „Mensch, da sind Leute hier in Südafrika, die können Hilfe organisieren.“ Und jetzt war ich natürlich vor diese Notsituation gestellt: Ich kam hierher, sah, dass die karitative Tätigkeit der Kirche absolut nicht gut organisiert war und hier gibt’s Leute, die sehen  ein, es besteht eine Notwendigkeit und zum andern: Hier gibt es Leute, die haben das Herz an richtigen Flecken und drittens es gibt Leute, die können Hilfe organisieren. Und dann hat’s in mir gezündet, weil ich natürlich seit über 30 Jahren in Deutschland bei den Maltesern tätig war und von daher war es mir selbstverständlich Hilfe zu organisieren und dann hat es in mir gefunkt und dann habe  ich gesagt: „Mensch, jetzt schauen wir doch, dass wir etwas tun, damit den Menschen hier im Zululand langfristig geholfen werden kann. Und uns Missionaren macht ja immer den Vorwurf, dass man irgendwo ein Riesenprojekt hinstellt und dieses Riesenprojekt hängt völlig von Deutschland ab oder von Amerika oder von anderen Geldgebern und es hängt von der Person des Missionars ab und wenn das Geld mal versiegt oder wenn der Missionar stirbt oder versetzt wird bricht alles zusammen. Und habe mir gesagt: „Nein, diesen Fehler wollen wir nicht machen. Wir wollen jetzt versuchen, dass wir sie Südafrikaner dazu bringen den Südafrikanern in Südafrika zu helfen.“ Darum habe ich mir gesagt. „Es wäre gut, wenn wir eine Organisation hier in Südafrika gründen, in der die Menschen in/von Südafrika sich den Kopf drüber zerbrechen, wie man den Menschen von Südafrika hier vor Ort helfen kann. Und deshalb habe ich eine Organisation von Südafrikanern gegründet, die hier besteht und basiert und mit örtlichen Leuten arbeitet.


Und so sieht diese Szene im fertiggestellten Videofilm aus:
Eine unvergängliche Bruderschaft - Gründung


Diese Seite ist ein Teil von "Eine unvergängliche Bruderschaft" - Vorbereitungen für einen Videofilm über die Brotherhood of Blessed Gérard


Diese Seite wurde zuletzt am 08 October 2009 17:26:52 aktualisiert.

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