Interview von Pater Martin Trieb OSB mit Pater Gerhard T. Lagleder OSB

Wie sieht das soziale Umfeld von Mandeni aus?

Bis vor vierzig Jahren war dieses Gebiet hier dichter Busch. Etwa vor vierzig Jahren hat eine große Papierfabrik begonnen und hat von daher viele Arbeiter gebraucht und diese Arbeiter wurden aus der Umgegend gesucht und hier angesiedelt. Nach dem alten Apartheid-System, das damals noch in Kraft war, gab es eine große Township, ein Ghetto für schwarze Menschen und es gab eine Siedlung für weiße Menschen, eine Siedlung für Inder und ein Siedlungsgebiet für Mischlinge. In diesem schwarzen Ghetto sind die Menschen in sehr, teilweise sehr ärmlichen Verhältnissen untergebracht, was natürlich eine Brutstätte ist für Krankheiten. Aber es geht noch weiter. Dadurch dass in unserem Gebiet hier sehr große Armut herrscht, eine Armut, die die Menschen zur Verzweiflung treibt. Arbeitslosigkeit von über 50% der arbeitsfähigen Bevölkerung treibt die Menschen zur Verzweiflung und zu verzweifelten Taten. Und wenn ich nicht weiß, wie ich meine Miete bezahle, wenn ich nicht weiß, was ich auf den Tisch stellen soll, wenn ich nicht weiß wie ich mich und meine Kinder kleiden soll, dann greift der Mensch oft zu Methoden und Auswegen, die er normalerweise nicht gehen würde. Insofern ist leider hier die Prostitution sehr groß geworden, dass junge Frauen und Mädchen sich hergeben, damit sie wenigstens einen Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen können. Damit ist natürlich ein Nährgrund gegeben für AIDS und damit ist die Katastrophe vorprogrammiert. Leider ist es unheimlich schwierig, die Leute aus einem solchen Verhalten herauszubringen und einmal daneben ist genug, um das ganze Leben umzuwerfen. Mit anderen Worten: Einmal mit einem AIDS-Kranken sich einzulassen, ist das Todesurteil und insofern ist es auch sehr schwierig in unserer AIDS-Vorbeugung, in unserer AIDS-Aufklärung den Menschen klarzumachen, wie sie sich verhalten müssen. Wenn wir davon ausgehen, dass in unserer Gegend in Sundumbili und in Isithebe die AIDS- Rate bei 88% derer liegt, die si... für AIDS getestet wurden, ist dies eine unaussprechliche Wahrheit, wo man manchmal denkt „Ist das überhaupt möglich?“ Aber wir sehen es tagtäglich, dass es eine sehr traurige Realität ist. Diesen Leuten dann zu sagen „Du musst vermeiden AIDS zu haben, wenn ich zu einer Gruppe spreche, wo neun von zehn HIV-infiziert sind - rein statistisch gesehen – ist natürlich eine schwierige Sache. Deshalb sind wir in unserer AIDS-Aufklärung auch immer mehr dazu übergegangen, den Leuten zu erzählen „Wie musst Du Dich verhalten, wenn Du HIV-positiv bist, dass Du nicht weitere Menschen ansteckst? Wie musst Du Dich verhalten dass Du so lebst dass Dein Leben noch möglichst lebenswert ist und dass Du noch so lange als möglich gesund und froh sein kannst?“


Und so sieht diese Szene im fertiggestellten Videofilm aus:
Eine unvergängliche Bruderschaft - Umfeld


Diese Seite ist ein Teil von "Eine unvergängliche Bruderschaft" - Vorbereitungen für einen Videofilm über die Brotherhood of Blessed Gérard


Diese Seite wurde zuletzt am 08 October 2009 17:27:18 aktualisiert.

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