Interview von Pater Martin Trieb OSB mit Pater Gerhard T. Lagleder OSB

Wie steht der Afrikaner zum Tod?

Das Verhältnis das Afrikaners zum Tod ist sehr ambivalent. Erst mal ist es natürlich schwierig, vom Afrikaner schlechthin zu sprechen, weil ich selber nur die Zulu etwas näher kenne, so möchte ich die Frage für die Zulu eigentlich beantworten: Der Zulu hat ein ambivalentes Verhältnis zum Tod. Auf der einen Seite habe ich den Eindruck, dass er Zulu sehr leicht stirbt. Eines Tages habe ich die Monika besucht (das ist der wirkliche Name) eine alte Dame, gut über 80 Jahre alt und ich war jeden Monat bei ihr und habe mit ihr und ihrer Familie Heilige Messe gefeiert. Eines Tages kam die Monika nicht zur Heiligen Messe sondern sie lag im Bett und dann habe ich gebeten, dass ich sie besuchen darf und habe sie besucht und sie hatte eigentlich nur ein schmerzhaftes Augenleiden und aber keine Todeskrankheit und ich habe ihr dann die Hand gehalten und habe gesagt: „Was ist denn los mit Ihnen? Warum sind Sie denn im Bett?“ Da sagt sie: „Ich bin jetzt alt. Ich bin jetzt müde und ich will jetzt sterben.“ Wenige Tage später war sie wirklich tot. Der Zulu lebt und stirbt leicht. Für ihn ist der Tod kein Schreckgespenst, sondern es ist einfach Teil des ganz normalen Lebens. Wenn ich aber vorher von einer Ambivalenz gesprochen habe, dann sehe ich auf der anderen Seite wieder eine unheimliche Angst vor dem Tod, eine Angst, wo sich die Menschen fürchten, in Berührung zu kommen mit dem Tod, was dazu führt, dass ich auch erlebt habe, dass eine Mutter sich geweigert hat ihrer sterbenden Tochter hier im Hospiz die Hand zu halten. Im Gegenteil, sie wollte sogar den Raum verlassen, obwohl ich ihr gesagt habe: „Ihre Tochter wird in den nächsten Minuten sicher sterben. Alles was sie jetzt braucht, ist Ihre liebende Hand und ihr liebendes Wort.“ Und sie hat sich geweigert herein zu gehen. „Nein, nein, sie machen das schon richtig“, sagte sie und hat den Raum verlassen und fünf Minuten später war ihre Tochter tot. Und warum diese ganze Scheu? Aus einer Angst vor dem Tod, aus einer Angst, man würde mitgezogen werden in diesen Machtbereich, in den Einflußbereich des Todes. Das sieht man auch bei einer Beerdigung, dass nach der Beerdigung die Zulu sich ihre Hände waschen in einer Flüssigkeit, die ein Gemisch ist zwischen dem Mageninhalt eines Opfertieres, einer Opferkuh oder einer Opferziege, die zur Beschwichtigung der Ahnengeister geschlachtet wurde und die Menschen sich eben dann die Hände darin waschen müssen in diesem Mageninhalt, der mit Wasser vermischt ist, um den Schatten des Todes von sich abzuwischen. Es ist also ein ambivalentes Verhältnis das der Zulu zum Tod hat. Ich würde so sagen: Der Sterbende selber stirbt sich leicht, aber die Angehörigen haben große Angst. Und hier zu helfen, dies zu überwinden, dies zu überbrücken, ist eine unserer Aufgaben.


Diese Seite ist ein Teil von "Eine unvergängliche Bruderschaft" - Vorbereitungen für einen Videofilm über die Brotherhood of Blessed Gérard


Diese Seite wurde zuletzt am 08 October 2009 17:29:34 aktualisiert.

Brotherhood of Blessed Gérard