
Interview von Pater Martin Trieb OSB mit Pater Gerhard T. Lagleder OSB
Man mag sich fragen, was hat es überhaupt für einen Sinn, wenn ein Patient hier eingeliefert wird mit AIDS im Endstadium, daß man hier mehr tut als nur die Schmerzen zu nehmen und darauf warten, daß er stirbt. Erstens ist es unsere Erfahrung, daß der Patient, der hier zu uns kommt in einem absolut miserablen Zustand, wo man wirklich meint, daß er innerhalb der nächsten Tage sterben wird, sich häufig erholt, wenn er die richtige Medizin bekommt. Wenn er schmerzlindernde Mittel bekommt und speziell wenn er die Medikamente bekommt, die ihm für seine Tuberkulose, wenn er sie hat, und für andere Infektionskrankheiten helfen. Und haben die Erfahrung gemacht, daß sehr viele Patienten sich dann unheimlich gut erholt haben, sogar Patienten wieder nach Hause entlassen werden konnten, die zwar immer noch AIDS hatten, aber die so gut beisammen waren, daß sie gar nicht mehr in einem Hospiz sein mußten, sondern wieder zurückkehren konnten in ihre eigenen Familien. Wir haben auch so ein bißchen einen Ruf als Wunderheiler bekommen, aber das ist sicher nicht so gemeint, das Wunder besteht einfach darin, daß den Menschen geholfen wird, daß sie wieder auf ihre eigenen Beine kommen weil sie eben die richtige Medizin bekommen und die richtige Betreuung. Warum ist es wichtig, daß wir mit ihnen Beschäftigungstherapie machen, z.B. daß wir Spiele mit ihnen machen, daß wir uns mit ihnen unterhalten, daß wir einfach eine familiäre Situation hier haben wollen. Wir wollen nicht so sehr ein Krankenhaus sein, sondern unser Haus hier will eine Familie darstellen, wo wir einfach miteinander singen, wo wir miteinander tanzen, wo wir miteinander essen, wo wir miteinander unseren Tag verbringen in einer ganz normalen Art und Weise wie das in einer Familie auch stattfinden würde. Insofern ist also diese Beschäftigungstherapie ein ganz wichtiger Teil, auch damit die Patienten nicht nur im Bett liegen und darauf warten bis sie jetzt sterben, sondern damit ihre Gedanken abgelenkt werden, daß sie sehen „Meine letzten Tage, Wochen, Monate meines Lebens sind nicht ein Warten auf den Tod, sondern sind ein Leben, das gefüllt ist mit Inhalten und wenn uns dies gelingt, daß wir den Menschen die letzten Tage und Wochen ihres Lebens als Leben und als lebenswertes Leben leben lassen, dann haben wir, glaube ich, einen ganz wichtigen Auftrag erfüllt.
Und so sieht diese Szene im fertiggestellten Videofilm aus:
Eine unvergängliche Bruderschaft - Spezialpflege
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Diese Seite wurde zuletzt am 22 April 2008 00:30:51 aktualisiert.