
Interview von Pater Martin Trieb OSB mit Pater Gerhard T. Lagleder OSB
Warum wir mit unseren Patienten auch Bewegungsübungen machen hat mehrere Gründe. Der eine Grund liegt in der Natur des Zulu. Der kranke Zulu hat so die Einstellung „Jetzt lege ich mich ins Bett und decke mich zu und jetzt warte ich so lange, bis alles vorbei ist, und wenn alles vorbei ist, stehe ich wieder auf und dann geht’s mir gut. Und genau das ist eben bei AIDS nicht der Fall. Der kann sich noch so lange ins Bett legen, aber es geht nicht vorbei, davon daß ich praktisch die Außenwelt abschalte, dadurch daß ich mich ins Bett lege, nicht mehr rühre und warte, bis alles vorbei ist. Das andere ist aber auch ein psychologischer Hintergrund, nämlich der, daß es wichtig ist, daß die Patienten spüren, ich bin jetzt hier nicht in einer Todesmaschine, wo ich wie auf dem Gleis, das nach Auschwitz führt weder links noch rechts abgleiten kann, sondern es geht in diese Gaskammer rein und ich sterbe. Genau das wollen wir einem AIDS-Patienten nicht vermitteln, sondern wir wollen ihm Lebensfreude vermitteln, wir wollen ihm zeigen, daß er diese letzten Wochen und Monate seines Lebens durchaus als lebendiger Mensch, als Mensch verbringen kann, der ganz im Leben steht und dazu gehört eben die Bewegung dazu, dazu gehört dazu, daß ich nicht den ganzen Tag im Bett verbringe, sondern daß ich mich eben auch rühre. Und das andere ist dieses gute alte Sprichwort, das wir im Deutschen haben „Wer rastet, der rostet“ und es ist leider auch mit den mit unserem Körper so. Wenn wir unseren Körper nicht bewegen, dann bekommen wir sehr schnell Schmerzen, dann werden Gelenke steif und dann bekommen die Leute einen Spitzfuß, dann bekommen die Leute andere Bewegungseinschränkungen und genau das will man verhindern. Daher ist es wichtig, auch bei einem Sterbenden, auch bei einem AIDS-Kranken im Endstadium immer wieder diese Bewegungsübungen zu machen, diese gymnastischen Übungen zu machen, daß der Körper beweglich bleibt und man damit auch Schmerzen vermeidet, die der Patient ja wirklich nicht aushalten muß, sondern wir wollen ihm seinen Lebensabend so angenehm und so schmerzfrei wie möglich ermöglichen.
Und so sieht diese Szene im fertiggestellten Videofilm aus:
Eine unvergängliche Bruderschaft - Spezialpflege
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Diese Seite wurde zuletzt am 22 April 2008 00:31:37 aktualisiert.