8. Szene: Hospizpflege ist nicht bloß Warten auf den Tod


„Dies ist der Herr Josef Khoza. Der Herr Khoza war einer unserer ersten Patienten. Wir wurden, als wir unser Haus eröffnet haben, gerufen. Die Leute sagten : „Ihr habt da ein Hospice und das ist ja gut für Leute, die sterben und kommt und hier haben wir einen Sterbenden. Kümmert Euch doch um den!“ Wir kamen dann in sein Haus und sahen, daß er einen sehr schweren Schlaganfall hatte, daß er am ganzen Körper am Rücken einen Dekubitus hatte und überhaupt sehr schlecht versorgt war zu Hause. Wir haben ihn dann hier hereingenommen, haben alle Wunden geschlossen und haben ihn soweit rehabilitiert, daß er sogar wieder laufen konnte.Und was wir jetzt tun müssen ist, daß wir ihn weiter rehabilitieren, daß wir seine Bewegungsfähigkeit, was immer noch möglich ist, erhöhen, daß er weniger Schmerzen hat und daß sein Leben ein Stück lebenswerter sein kann.“

„Man mag sich fragen, was hat es überhaupt für einen Sinn, wenn ein Patient hier eingeliefert wird mit AIDS im Endstadium, daß man hier mehr tut als nur die Schmerzen zu nehmen und darauf warten, daß er stirbt.

Erstens ist es unsere Erfahrung, daß der Patient, der hier zu uns kommt, in einem absolut miserablen Zustand, wo man wirklich meint, daß er innerhalb der nächsten Tage sterben wird, sich häufig erholt, wenn er die richtige Medizin bekommt.

Wenn er schmerzlindernde Mittel bekommt und speziell wenn er die Medikamente bekommt, die ihm für seine Tuberkulose, wenn er sie hat, und für andere Infektionskrankheiten helfen.

Und haben die Erfahrung gemacht, daß sehr viele Patienten sich dann unheimlich gut erholt haben, sogar Patienten wieder nach Hause entlassen werden konnten, die zwar immer noch AIDS hatten, aber die so gut beisammen waren, daß sie gar nicht mehr in einem Hospiz sein mußten, sondern wieder zurückkehren konnten in ihre eigenen Familien.

Warum ist es wichtig, daß wir mit ihnen Beschäftigungstherapie machen, z.B. daß wir Spiele mit ihnen machen, daß wir uns mit ihnen unterhalten, daß wir einfach eine familiäre Situation hier haben wollen?

Wir wollen nicht so sehr ein Krankenhaus sein, sondern unser Haus hier will eine Familie darstellen, wo wir einfach miteinander singen, wo wir miteinander tanzen, wo wir miteinander essen, wo wir miteinander unseren Tag verbringen in einer ganz normalen Art und Weise wie das in einer Familie auch stattfinden würde.

Insofern ist also diese Beschäftigungstherapie ein ganz wichtiger Teil, auch damit die Patienten nicht nur im Bett liegen und darauf warten bis sie jetzt sterben,

 sondern damit ihre Gedanken abgelenkt werden, daß sie sehen „Meine letzten Tage, Wochen, Monate meines Lebens sind nicht ein Warten auf den Tod, sondern sind ein Leben, das gefüllt ist mit Inhalten

und wenn uns dies gelingt, daß wir den Menschen die letzten Tage und Wochen ihres Lebens als Leben und als lebenswertes Leben leben lassen, dann haben wir, glaube ich, einen ganz wichtigen Auftrag erfüllt.“

„Warum wir mit unseren Patienten auch Bewegungsübungen machen hat mehrere Gründe. Der eine Grund liegt in der Natur des Zulu. Der kranke Zulu hat so die Einstellung „Jetzt lege ich mich ins Bett und decke mich zu und jetzt warte ich so lange, bis alles vorbei ist, und wenn alles vorbei ist, stehe ich wieder auf und dann geht’s mir gut. Und genau das ist eben bei AIDS nicht der Fall. Der kann sich noch so lange ins Bett legen, aber es geht nicht vorbei.

Das andere ist aber auch ein psychologischer Hintergrund, nämlich der, daß es wichtig ist, daß die Patienten spüren, ich bin jetzt hier nicht in einer Todesmaschine, wo ich wie auf dem Gleis, das nach Auschwitz führt weder links noch rechts abgleiten kann, sondern es geht in diese Gaskammer rein und ich sterbe.

Genau das wollen wir einem AIDS-Patienten nicht vermitteln, sondern wir wollen ihm Lebensfreude vermitteln, wir wollen ihm zeigen, dass er diese letzten Wochen und Monate seines Lebens durchaus als lebendiger Mensch, als Mensch verbringen kann, der ganz im Leben steht und dazu gehört eben die Bewegung dazu, dazu gehört dazu, dass ich nicht den ganzen Tag im Bett verbringe, sondern dass ich mich eben auch rühre.



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Diese Seite wurde zuletzt am 22 April 2008 00:38:11 aktualisiert.

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